Fallschirmjäger

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Fallschirmjäger sind Teil der Luftlandetruppen, deren originäre Hauptaufgabe nach erfolgtem Absetzen der infanteristische Kampf ist. Die Luftlandung kann mittels Fallschirmsprung, Lastensegler oder Hubschraubern durchgeführt werden, wobei nur solche Einheiten als Fallschirmjäger bezeichnet werden, die dazu qualifiziert und ausgerüstet sind, mit einem Fallschirm im Einsatzraum abgesetzt zu werden.

Fallschirmjäger der Luftwaffe bei der Landung auf Kreta, 1941
(→ Fallschirmjäger der Wehrmacht)

In vielen Armeen – so auch in der Bundeswehr – bilden die Soldaten der Fallschirmjägertruppe eine eigene Truppengattung innerhalb der Infanterie des Heeres. Verwandt mit den Fallschirmjägern sind andere luftbewegliche Kampftruppen anderer Truppengattungen oder Teilstreitkräfte. Kampfschwimmer, Kommando Spezialkräfte, Fernspäher und Angehörige anderer Spezialeinheiten, die ebenfalls eine Fallschirmsprungausbildung haben und auch den infanteristischen Kampf führen (z. B. die Marine-Infanterie), gelten nicht als Fallschirmjäger, tragen jedoch das Springerabzeichen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgänger

Ende des 19. Jahrhunderts erfand die deutsche Luftfahrtpionierin Käthe Paulus[1] den zusammenfaltbaren Fallschirm, wie er noch heute benutzt wird, und der Luftschiffbauingenieur Otto Heinecke[2] patentierte später das Prinzip der doppelten Hülle mit einer am Flugzeug befestigten Aufziehleine.

Die militärische Luftfahrt begann mit der Verwendung von Fesselballons, um feindliche Stellungen auszuspähen. Bereits in diesem Zusammenhang wurde von Charles Leroux am 14. April 1889 ein Absprung aus ca. 1.000 m Höhe durchgeführt. Die Geschichte des Fallschirmspringens selbst reicht jedoch sehr viel weiter zurück. Mit der ersten größeren Verwendung von Flugzeugen während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) begannen die Armeen auch ein größeres Anwendungsfeld für den militärischen Fallschirmabsprung zu erkennen.

Erster Luftlandeeinsatz

Den ersten bekannten Luftlandeeinsatz (Luftlande-Kommandounternehmen) führten die deutschen Soldaten Vizefeldwebel Rudolf Windisch (Tarnname: Emil; Offizier der deutschen Fliegertruppe) und Oberleutnant Maximilian von Cossel (Tarnname: Franz; deutscher Beobachtungsflieger) am 2. bis 3. Oktober 1916 an der Ostfront durch. Dies wurde im Heeresbericht vom 4. Oktober 1916 anerkennend erwähnt:

„Östlicher Kriegsschauplatz: [...] Oberleutnant v. Cossel, von Vizefeldwebel Windisch südwestlich von Rowno vom Flugzeug abgesetzt und nach 24 Stunden wieder abgeholt, hat an mehreren Stellen die Bahnstrecke Rowno-Brody durch Sprengung unterbrochen. [...] Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff[3]

Ausbildung

Fallschirmjäger haben in der Tradition der Jäger neben der regulären infanteristischen Ausbildung eine spezielle militärische Zusatzausbildung, die sie zur Luftlandung insbesondere durch Fallschirmsprung befähigt. Aufgrund der besonderen Anforderungen dieser Truppengattung gehören eine umfangreiche Waffen- und Schießausbildung sowie Sonderlehrgänge unter verschiedenen klimatischen und einsatznahen Bedingungen zum Ausbildungsprogramm.

Fallschirmjäger können einige Zeit auf sich alleine gestellt kämpfen. Aus diesem Grund stellen besonders der Kampf in der Tiefe, also hinter den feindlichen Linien, und der Jagdkampf Ausbildungsschwerpunkte dar. Ein großer Anteil der Fallschirmjäger durchläuft Einzelkämpfer- und Häuserkampflehrgänge, um ein möglichst breites Einsatzspektrum bewältigen zu können.

Innerhalb der NATO-Mitgliedsländer gibt es enge Kooperationen, bis hin zum personellen Austausch mit ausländischen Fallschirmjägereinheiten. Oft durchlaufen deutsche Fallschirmjäger auch die Sprungausbildung anderer Armeen und werden an den jeweiligen Waffen der Bündnispartner ausgebildet.

Ausrüstung

Die Ausrüstung der Fallschirmjäger beinhaltet eine abgewandelte Infanterieausrüstung mit Handfeuerwaffen (z. B. mit klapp- oder einführbarer Schulterstütze), sprungtaugliche Stiefel (z. B. Militärstiefel von Lowa) und einen sprungtauglichen Helm.[4] Als besondere Ausrüstung für den Fallschirmsprung wird ein Fallmesser ausgegeben.

Tradition und Korpsgeist

Der Fallschirmsprung verlangt vom Soldaten ein hohes Maß an physischer und psychischer Leistungsfähigkeit, da der Absprung aus Luftfahrzeugen verbunden mit dem infanteristischen Einsatz eine erhebliche körperliche Belastung darstellt. Freiwilligenanteil und Leistungsbereitschaft sind oft überdurchschnittlich hoch. In der Deutschen Bundeswehr, wie auch in den meisten anderen Armeen der Welt, ist für die eigentliche Sprungausbildung die freiwillige Meldung (fallschirmsprungwillig) notwendig. Dies prägt den Korpsgeist der meisten Fallschirmjägereinheiten nachhaltig. Aus diesem Grund haben Fallschirmjäger in allen Armeen der Welt ein elitäres Selbstbild und hohen Korpsgeist. Dabei werden Fallschirmjägereinheiten als Eliteverbände der jeweiligen Streitkräfte angesehen.

Wie kaum eine andere Truppengattung üben die Fallschirmjäger seit jeher im inter- und multinationalen Rahmen. So sind die deutsch-französischen „Kolibri“-Luftlandeübungen seit den 1950er Jahren wahrscheinlich die ersten internationalen Großmanöver überhaupt gewesen, an denen die junge Bundeswehr teilnahm. Nahezu alle Fallschirmjäger weltweit tragen das bordeauxfarbene Barett als Zeichen ihres Status. Der Legende nach färbte sich das ursprünglich grüne Barett eines englischen Fallschirmjägers nach einer harten Landung mit einhergehender blutender Kopfverletzung rot. Seitdem gilt das bordeauxrote Barett als Symbol für die besonderen Gefahren, denen die Fallschirmjäger begegnen.

Bildergalerie

Filmbeiträge

„Fallschirmjäger – Sturmsoldaten der Luft“ (1939, Kulturfilm)

Siehe auch

Literatur

  • Hartmut Buch: Zum Sprung bereit – Zur Geschichte und Gegenwart der Luftlandetruppen in Ost und West 1914–1991, Aviatic Verlag, Planegg 1993. ISBN 3-925505-24-5
  • Albert Merglen: Geschichte und Zukunft der Luftlandetruppen, Verlag Rombach, Freiburg/Breisgau 1970
  • Burkard Straub: Luftlandetruppen, militärischer Lufttransport, Luftbeweglichkeit – Auswahlbibliographie 1966–1976, Luftlande- und Lufttransportschule, Altenstadt 1978

Fußnoten

  1. Käthe Paulus (Lebensrune.png 22. Dezember 1868 in Zellhausen bei Offenbach; Todesrune.png 26. Juli 1935 in Berlin) war die erste deutsche Berufsluftschifferin, Luftakrobatin und Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms. Als „Luftschiffer“ wurden damals alle Beteiligten an der Leichter-als-Luft-Technik, also auch Ballonfahrer, z. B. Feldluftschiffer bezeichnet. Auf Paulus' Wunsch hin lehrte Hermann Lattemann sie die Kunst des Ballonfahrens und des Fallschirmsprungs. Doch vor dem ersehnten ersten Aufstieg mußte sie erst lernen, wie Ballons und Fallschirme hergestellt wurden. „Auf diese Weise wurde ich mit den technischen Hilfsmitteln, die mit der peinlichsten Vorsicht und Sorgfalt angefertigt werden müssen, vertraut.“ Von Kriegsbeginn an wandte sich Käthe Paulus immer wieder mit Verbesserungen für Fallschirme an die deutsche Heeresverwaltung. Aber erst 1916 begannen sich die Behörden überhaupt für Fallschirmfragen zu interessieren. Ausgelöst durch den Tod Lattemanns hatte sich Käthe Paulus während der vielen Jahre ihrer Karriere als Luftschifferin mit der ständigen Verbesserung ihrer Fallschirme befaßt. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges galt sie als Expertin Deutschlands und beste Ratgeberin der Ballonaufklärer-Truppen.
  2. Er war der Erste, der die Fallschirmkappe mitsamt den Fangleinen in einen Verpackungssack innerhalb der Packhülle verstaute, an dem die Aufziehleine befestigt war. Beim Sprung zog die am Flugzeug befestigte Aufziehleine den Verpackungssack aus der Packhülle am Rücken des Springers, streckte dabei die Fangleinen und leitete so eine sichere und kontrollierbare Fallschirmöffnung ein, indem der Verpackungssack an der Aufziehleine zurückblieb und die Fallschirmkappe freigab.
  3. Heeresbericht vom 4. Oktober 1916
  4. Siehe: http://www.cordschulze.de/falli/ausruestung.html
  5. Vorne, v. l. n. r.: Leutnant Egon Delica, Hauptmann Walter Koch (Kommandeur der LL-Sturm.Abt „Koch“), Adolf Hitler, Leutnant der Reserve Joachim Meissner (stellv. Führer Sturmgruppe „Eisen“) und Oberleutnant Gustav Altmann (Führer Sturmgruppe „Stahl“). Hinten, v. l. n. r.: Oberleutnant Rudolf Witzig (Führer Sturmgruppe „Granite“), Oberleutnant Otto Zierach, Leutnant Helmut Ringler, Oberleutnant Walter Kiess (Chef Lastensegler) und Oberarzt Dr. Rolf Jäger (Truppenarzt). U. a. erhielt Leutnant Martin Schächter ebenfalls das Ritterkreuz, konnte aber aufgrund seiner Verwundungen nicht an der Verleihungszeremonie teilnehmen. Der Fallschirmjäger-Stahlhelm M36 weist hier noch die typische Tarnlackierung auf, die später durch verschiedene Tarnbezüge ersetzt wurde.
  6. Felsennest: Hitler empfing am 16. Mai 1940 (manche Quellen behaupten, es war der 13. Mai) Fallschirmjäger, die bei der Eroberung des belgischen Forts Eben-Emael eine wichtige Rolle spielten, um ihnen das Ritterkreuz zu verleihen. Felsennest war der Deckname eines Führerhauptquartiers in Rodert, einem Stadtteil von Bad Münstereifel in der Eifel.
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