Filmsynchronisation

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Am Regietisch. Von rechts nach links: Eugen Rex, Regisseur Kurt Bleines, Tonmeister Ernst Schütz, Cutter Ernst König, Aufnahmeleiter Heinz Abel[1]

Der Begriff Synchronisation ist abgeleitet von dem griechischen Wort synchron, das sich aus zugleich und chrónos, Zeit zusammensetzt.

In Deutschland, sowie in Italien, Spanien, Frankreich (dort freilich nur für die Provinz) wird ebenfalls Filme synchronisiert. Daß man in kleineren Ländern wie Holland, Dänemark, Schweden und so weiter darauf verzichtet, hat, vor allem finanzielle Gründe. Untertitel sind billiger. Aber auch das gibt es: In der Schweiz laufen ebenso wenig die deutschen Synchronfassungen wie in den südamerikanischen Ländern die spanischen. Man zieht auch dort die Originalfassungen vor.

Die seltenen Fälle, in denen man den Versuch wagte, einen deutschen Film für die VSA ect. zu synchroneren (Beispiel „Das Boot“) sind gescheitert. Die Zuschauer bevorzugten weiterhin die Originalfassung. Dabei spielte die Tatsache, daß Lippenbewegungen und Sprache nicht wirklich übereinstimmten, eine wichtige aber nicht die entscheidende Rolle.

Geschichte

Die deutschen Sprecher probten vor der Bildwand, auf der ihnen der fremdsprachige Film vorgeführt wurde[1]

Mehr als 30 Jahre dauerte es an, bis der Stummfilm langsam, aber sicher aussterben würde. Die notwendigen Erfindungen, den „stummen“ Bildstreifen zum Reden zu bringen, war zwar schon viel früher gemacht worden, aber die Filmindustrie hatte zunächst vor dem Tonfilm Angst, weil der „stumme“ Film international war. Seine Gesten und Bewegungen, seine stummen und doch oft so beredeten Szenen verstand man überall auf der Welt. Dazu kam, daß der stumme Film billig in der Herstellung war. Ein gut inszenierter Film konnte in der ganzen Welt laufen, ohne irgendwie abgeändert zu werden. Man verstand ihn überall... Aus diesen Gründen wehrte man sich zunächst energisch gegen den Tonfilm. Dann aber kam er doch — und mit ihm das große Problem für die Filmindustrie, den tönenden Film international zu gestalten.

Die Antwort hieß: durch „Versionen“.

Es gibt auf der Erde drei große Sprachgruppen die die Welt beherrschen: deutsch, englisch und französisch. Wollte man also einen Film am Anfang des Tonfilms drehen, der in allen zivilisierten Ländern der Erde zur Aufführung kommen sollte, dann mußte man ihn in diesen drei Sprachen herstellen, Infolge der politischen Verhältnisse fiel für Deutschland fast das gesamte englischsprechende Sprachgebiet der Welt aus, und so kam es daß zur dieser Zeit die deutschen Großfilme nur in deutscher und französischer Sprache gedreht wurden[2]. Bei der Produktion fremdsprachiger Fassungen war natürlich das Ideal, Schauspieler zu besitzen die in allen drei Sprachgruppen gleich bekannt waren und die gleichzeitig diese drei Sprachen so beherrschen, daß sie akzentlos ihre Rolle spielen konntenn. Solche Sprachphänomene gab es nur sehr wenig und es ist interessant festzustellen daß hier die Frauen an erster Stelle standen, Lilian Harvey z. B. beherrscht vollkommen akzentlos die deutsche, englische und französische Sprache und spielt in ihren Filmen in allen drei Fassungen die weibliche Hauptrolle. Brigitte Helm war in einer ganzen Reihe von Filmen als Darstellerin der weiblichen Hauptrolle sowohl in der deutschen als in der französischen Fassung, desgleichen Käthe von Nagy, und auch Renate Müller hatte in einer englischen Fassung und einmal auch in einer französischen Fassung gespielt. Damit ist aber die Liste dieser Darstellerinnen erschöpft. Von den männlichen Darstellern wäre neben Hans Albers, der in der englischen Fassung von „Bomben auf Monte Carlo“ ebenfalls die männliche Hauptrolle spielte, Conrad Veidt zu erwähnen, der in England sehr beliebt war und häufig als Star in englischen Fassungen auftrat. Es ist interessant, wie die einzelnen Schauspieler, teilweise durch die Mentalität der Länder bedingt, ihre Rollen ganz verschiedenartig auffassen, obwohl die einzelnen Fassungen eines Films von dem gleichen Regisseur inszeniert wurden. Selbstverständlich wurde stofflich bei den einzelnen Fassungen kaum etwas geändert, da die deutsche Zensur einen Film für das Ausland in einer ausländischen Fassung nur preisgab, wenn diese Fassung mit dem deutschen Film übereinstimmt. Dagegen war aber sehr häufig die Darstellung der Persönlichkeit der einzelnen handelnden Personen grundverschieden. Der Regisseur war in den einzelnen Fassungen immer der gleiche. Er wurde nur assistiert von einem Regisseur, der der Sprache des Landes mächtig war und eventuell Änderungen vornahm die für das betrefffende Land oder für die betrefffende Sprachgruppe eine unbedingte Notwendigkeit waren. Die Fassungen wurden in Deutschland stets nacheinander in den einzelnen Szenen aufgenommen.

Diese „Versionen“ - Herstellung war aber auf die Dauer zu teuer. Man benötigte für die Produktion einer „Originalfassung“" jeweils ein komplettes Darstellerensemble in dieser Sprache und mußte daher den ganzen Film eigentlich doppelt drehen bzw. dreifach. Dadurch verteuerten sich die Herstellungskosten eines Films derart, daß von Luftaktivität nicht zu reden war.

Walter Jannssen, Georg Alexander, Hans Thimig, Signe Hasso, Fritz Genschow in der deutschen und rechts Albert Stahl, Karl Barcklind, Olle Karlefeldt, Signe Hasso und Tord Stal in der schwedischen Fassung.Szenenbild aus dem Film „Geld fällt vom Himmel

Die Erfindung des „Rhythmographs

Anna Sten (links) und Käthe von Nagy (rechts) waren in der deutschen und franzöischen Version die Hauptrolle des UFA-Films „Bomben auf Monte Carlo[3]

Gleichzeitig mit der praktischen Inbetriebnahme des Tonfilms trat — es war Ende des Jahres 1929 -- der Berliner Ingenieur Blum mit einer aufsehenerregenden Erfindung, dem sogenannten „Rhythmograph“ auf den Plan. Dieser Apparat machte es möglich, Tonfilme in eine andere Sprache zu übersetzen. Und zwar durch folgenden Mechanismus. Ein sehr geschickter Bearbeiter nahm sich den zu übersetzenden fremdsprachigen Film zunächst vor und zerlegte ihn in einzelne Stücke, in „Dialogabsätze“.

Dann suchte er die zu den Mundbewegungen der fremdsprechenden Darsteller auf der Leinwand sinngemäß und sprachlich am besten passenden deutschen Worte zusamnmen und legte diese rhythmisch auf ein schmales Band nieder. Dieses Band wurde auf einen Zelluloidstreifen — ähnlich dem Filmstreifen — übertragen und in einem länglichen Kasten untergebracht, der sich durchleuchten ließ. Gleichzeitig aber besaß dieser Kasten eine Vorrichtung, durch welche man das durchleuchtete Zelluloidband mit der Übersetzung des Dialogs in Bewegung setzen konnte. Nun konnte die Übersetzung beginnen. Die Darsteller, das heißt eigentlich die Nachsprecher des deutschen Dialogs, nahmen vor dem durchleuchteten Kasten Aufstellung und richteten ihre Aufmerksamkeit auf das sich langsam in Bewegung setzende Schriftband.

Gleichzeitig lief auf einer im Hintergrund des Aufnahmeraumes angebrachten Leinwand das zu übersetzende Stück des fremdsprachigen Films ab. Nun sprachen die Nachsprecher ihre Sätze genau in der Geschwindigkeit, mit welcher das Schriftband abrollte. Der Mechanismus nämlich lief gleichigeschwindlich mit dem Vorführungsapparat des abrollenden daher der Name „Synchronisierung“ (von dem griechischen „synchron“, das heißt „gleichzeitig“). So kam eine einigermaßen erträgliche Übersetzung des fremden Films nach und nach zustande.

Ingenieur Gerst und seine „Dirigierscheibe“

Vollauf befriedigend war diese Methode der Überzetzung von Tonfilmen selbstverständlich keineswegs. Die Worte, die nachgesprochen wurden, paßten nicht zu den auf der Leinwand sichtbaren Mundbewegungen, und die Illusion, die angestrebt wurde, war nicht zu erzielen. Da. kam der Ingenieur Gerst mit seiner Erfindung, der sogenannten „Dirigierscheibe“ heraus. Dieses System war noch um eine Kleinigkeit komplizierter, aber technisch wenigstens soweit, einwandfrei, daß eine größere Gesellschaft, die Topoly („Tobis-Polyphon“) gegrünndet wurde, die sich bei ihrer Übersetzung fremdsprachiger Tonfilme ausscließlich dieses Systems bediente. Die „Gerst-Dirigierscheibe“ arbeitete folgendermaßen: Die Schauspieler, die den Film umsprechen sollten, standen vor großen, runden Scheiben, auf deren Rand der genauestens ausgerechnete, übersetzte Text in Spiralen untergebracht war. Am unteren Rand jeder Scheibe befand sich genau vor den Augen des Nachsprechers ein Vergrößerungsglas, das jeweils nur eines kleien Ausschnitt aus dem auf der Scheibe beflndlichen Text stark vergrößert zeigte. Der nachsprechende Schauspieler nun hatte nichts weiter nötig, als die einzelnen die ihm das Vergrößerungsglas zeigte, im richtigen Tonfall nachzusprechen — denn die Scheibe selbst wurde langsam durch einen raffinierten Mechanismus in Umdrehung versetzt. Dieser Mechanismus war, ebenso wie bei dem „Rhythmograph“, synchrongeschaltet mit einem Vorführungsapparat, der auf einer im Vordergrund befindlichen großen Leinwand den betreffenden Tell des Films vorführte. Die nachsprechenden Schauspieler also mußten eigentlich ihre Augen gleichzeitig an zwei verschiedenen Stellen haben: nämlich vor dem Vergrößerungsglas und vor der Leinwand. Das war natürlich eine starke Nervenprobe, der nicht jeder Schauspieler gewachsen war. Kein Wunder daher daß diese Art der Übersetzung sich nicht durchsetzen konnte.

Die „Gerst-Dirigierscheibe“ verschwand nach kaum einem Jahre von der Bildfläche[4].

Trude Moos, Sprecherin für Lilian Harvey in „Let’s life to night“, Getrud Spalke, Sprecherin für Mutterrollen und Fritz Ley, der in Bengali für Richard Cromwell gesprochen hatte[1]

Wie heute Tonfilme übersetzt werden

Inzwischen hat man ein Kompromiß zwischen „Rhythmograph“ und „Dingierschelbe“ gefunden. Man projiziert den Streifen mit der Übersetzung auf die gleiche Leinwand, auf der der betreffende, zu übersetzende Teil des Films läuft. Der Schauspieler, der den neuen Text zu sprechen hat, kann daher seine Aufmerksamkeit auf die Leinwand konzentrieren, und seine Worte in Tonfall und Schnelligkeit ganz ähnlich denen formen, die in der fremden Sprache gesprochen wurden. So werden heute Filme übersetzt. Man dreht den Schauspielern buchstäblich das Wort im Munde um... Prominente haben in fast allen Ländern, in denen ihre Filme laufen, eigene Sprachdoubles, die ihre Worte in die eigene Sprache übersetzen. Das ist für die Klangfarbe, des sogenannte „Timbre“ des Schauspielers, sehr wichtig. Denn Greta Garbo beispielsweise hatte nur ein einzige mal in der deutschen Originalversion eines Tonfilms deutsch gesprochen. Das war der Tonfilm „Anna Christie“ (1930). Alle anderen deutschsprachigen Filme, in denen Greta Garbo mitspielte, hatte ihr deutsches „Double“ gesprochen. Folgende Personen waren unter anderen Garbo`s Stimme, die Französin Annabella, Ingeborg Grunewald, Aida Stuckering, Alexandra Lange, Sonik Rainer oder Cläre Ruegg.

Selbstverständlich ist die Übersetzung, die „Umsynchroniesierung“ von fremdsprachigen Tonfilmen nur ein Hilfsmittel. Wer die Sprache beherrscht, wird die Originalfassung bevorzugen, weil trotz größter Aufmerksamkeit und genauester Ausrechnung doch manchmal die Übereinstimmung zwischen Bild und Wort nicht vollkommen ist, denn jede Sprache enthält Eigenheiten, deren Mundstellung sich in einer anderen Sprache nicht verwenden lassen.

Filmbeiträge

V.S.-Produktion: FilmGeschichte: Synchronisation (2 Folge, 2018)

Siehe auch

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nr. 30, 28. Juli 1935
  2. Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nr. 4; 28. Januar 1934
  3. Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nr. 25, 21. Juni 1931
  4. Mein Film; 1933; Nr.423

Literatur