Herder, Johann Gottfried

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Gemälde von Albert Graesle

Johann Gottfried Herder, seit 1802 von Herder[1] (Lebensrune.png 25. August 1744 in Mohrungen, Ostpreußen Todesrune.png 18. Dezember 1803 in Weimar), war ein deutscher Dichter, Übersetzer, Theologe, Sprachforscher und Geschichts- und Kultur-Philosoph der Weimarer Klassik. Er war einer der einflußreichsten Schriftsteller und Denker Deutschlands und zählt mit Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller zum klassischen „Viergestirn“ von Weimar.

Neben seinen unzweifelhaften Verdiensten unterlag Herder jedoch auch einer Reihe von Irrtümern, von denen er allerdings zeitlebens nicht abrückte. So vertrat er zum Beispiel vehement die Echtheit der Gesänge Ossians, die sich im nachhinein als Fälschung herausstellten oder postulierte die Legende von einem vermeintlich slawischen Volk, dessen Theorie ebenso keiner Überprüfung standhält.

Inhaltsverzeichnis

Wirken

Zu seinem Wirken heißt es:

„Wie Hamann wuchs Herder in Ostpreußen auf, wie Hamann kämpfte er sich durch eine Jugend voll Mühsal, mit Hamann war er in Freundschaft nahe verbunden, von Hamanns Gedanken hat er viel in das eigene Werk übernommen. Herder ist einer unserer großen Anreger gewesen, dem sich die Wachstumsgesetze der Völker ebenso klar erschlossen wie der Reichtum der Dichtung, die die Menschheit hervorgebracht hat. Lieder aus allen Sprachen hat Herder deutsch übersetzt und so das Blickfeld der Zeit unermeßlich geweitet. Tiefer aber prägt sich sein Werk der Geschichte der großen Einsichten ein, weil er das Denken auf die Schöpferarbeit des Volksgeistes verwies. Was die Aufklärung lehrte, daß die Vernunft die Herrin der Welt sei, wurde zum leeren Anspruch gestempelt, als Herder die Einsicht vertrat, daß in Sage, Geschichte und in der ‚Urpoesie‘ des natürlich gewachsenen Volkes sich die wahre Schöpferleistung bezeuge. Damit erhob sich Herder gegen sein aufgeklärtes Jahrhundert. Er kannte, weil er geschichtlich sah, das Leben in all seinem Reichtum; und davor verblaßte die Siebenklugheit des Rationalismus zu einem dünnen Schemengebilde.“[2]

Leben

In Mohrungen in Ostpreußen wurde Herder in bescheidenen Verhältnissen geboren. Er besuchte die Stadtschule und wurde zum Studium der Theologie bestimmt. Durch seine Anstellung als Lehrer an der Elementarschule des Collegium Fridericianum in Königsberg kam er auch in Kontakt mit Immanuel Kant. Im Herbst 1764 wurde Herder an die Domschule nach Riga berufen, später dort auch als Pfarradjunkt an den Jesus- und Gertraudenkirchen angestellt.

Dort begann er mit seinen ersten literarischen Schriften. Mit der Polemik gegen das schon lange andauernde Übergewicht der lateinischen Sprache und Literatur hatte Herder seine selbständige Stellung in dem großen Kampf der Zeit angenommen.

Mit Hilfe einiger nächster Freunde trat er im Juni 1769 eine Reise an, die ihn zunächst per Schiff nach Nantes führte, von wo er im November nach Paris ging. Anfang 1770 kam er nach Eutin, traf in Hamburg mit Lessing zusammen, ging dann nach Straßburg, wo er sich am Auge operieren ließ (Entfernung einer Fistel),[3] und knüpfte hier freundschaftliche Beziehungen zu Goethe an, der der gerade hier studierte. Ende April 1771 trat er in seine neue Stellung in Bückeburg als Hofprediger, Superintendent und Konsistorialrat des Grafen von Schaumburg-Lippe in Bückeburg. Die Zeit des Bückeburger Aufenthalts war für Herder die eigentliche Sturm-und-Drang-Periode. Mit der Abhandlung „Über den Ursprung der Sprache“, die er noch in Straßburg begonnen hatte, eröffnete er die lange Reihe der verschiedenartigsten Schriften, in denen seine Phantasie nicht berechtigtermaßen das erste, sondern manchmal auch das letzte Wort hatte.

Mit den beiden Aufsätzen über „Ossian und die Lieder alter Völker“ und über Shakespeare in den fliegenden Blättern „Von deutscher Art und Kunst“ und der Schrift „Ursache des gesunkenen Geschmacks bei den verschiedenen Völkern, da er geblüht“ trat er in den Mittelpunkt der Bewegung, welche eine echte, Natur atmende Dichtung wiedergewinnen wollte. Mit der Schrift „Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit“ erklärte er der angeblich prahlerischen und öden Aufklärungsbildung des Jahrhunderts den Krieg. Rief schon diese Arbeit die entschiedensten Widersprüche hervor, so war dies in noch höherem Grade der Fall bei Herders theologischen und halbtheologischen Schriften.

Die Angriffe, die er erfuhr, veranlaßten ihn, seine schon zum Druck vorbereitete „Sammlung der Volkslieder“ zurückzuhalten. Sie steigerten eine hypochondrische Reizbarkeit und ein dämonisches Mißtrauen, welche in Herders Seele früh erwacht waren. Mit Goethes Hilfe wurde er dann Generalsuperintendent, Oberkonsistorialrat und Hofprediger an der Stadtkirche zu Weimar.

Hier veröffentlichte er weitere Publikationen. 1785 begann Herder die Herausgabe seines großen Hauptwerkes, der „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“, die Ausführung eines Lieblingsplans, einer breiten Ausführung von Gedanken und energischen Zusammenfassungen all dessen, was er über Natur und Menschenleben, die kosmische Bedeutung der Erde, die Aufgabe des sie bewohnenden Menschen, „dessen einziger Daseinszweck auf Bildung der Humanität gerichtet ist, der alle niedrigen Bedürfnisse der Erde nur dienen und selbst zu ihr führen sollen“, was er über Sprachen und Sitten, über Religion und Poesie, über Wesen und Entwicklung der Künste und Wissenschaften, über Völkerbildungen und historische Vorgänge gedacht und geträumt hatte.

Einen großen Abschnitt in Herders Leben bildete die Reise, die er 1788/89 nach Italien unternahm. Seine hypochondrische Reizbarkeit und ungünstige Zufälle wirkten zusammen, um ihm die Eindrücke dieser Reise fast gänzlich zu verleiden. Die materiellen Sorgen im Herderschen Haus hatten sich nur vorübergehend gemildert, und die nur ungerechtfertigten Ansprüche, welche Herder und seine Gattin aufgrund früherer angeblicher Abmachungen erhoben, führten endlich zu einem unheilbaren Bruch mit Goethe.

Herder hatte schon zuvor mit reizbarer Eifersucht die wachsende Intimität zwischen Goethe und Schiller beobachtet. So trat allmählich ein Zustand der Isolierung und kränklich verbitterten Beurteilung alles ihn umgebenden Lebens ein. Die geistigen Gegensätze, in denen er sich zur Philosophie Kants sowie zur klassischen Kunst Goethes und Schillers fand, verstärkte und verschärfte er gewaltsam und ließ sie in seinen literarischen Arbeiten mehr und mehr hervortreten.

Voll grimmer Bitterkeit und dazu mit unzulänglichen Waffen bekämpften Herders „Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft“ und die „Kalligone“ die Philosophie Kants, voll absichtlicher Verkennung richtete er in seiner „Adrastea“ alle ihre versteckten Spitzen gegen die lebendige, schönheitsfreudige Dichtung Goethes und Schillers.

Es ist Herders eigenstes Mißgeschick gewesen, daß die Resultate seines Erkennens und Strebens rasch zum Gemeingut der Bildung, seine Anschauungen zu Allgemeinanschauungen wurden, so daß es erst der historischen und kritischen Zurückweisung der Herderschen Schriften bedurfte. Der von ihm angerichtete Schaden lebte dennoch über seine Zeit hinaus und wirkt bis heute nach.

Familie

1773 heiratete Herder Maria Karoline Flachsland, sie schrieb eine Biographie ihres Mannes, redigierte und bearbeitete seine Schriften und gab sie nach seinem Tod heraus. Der Ehe sind sieben Kinder entsprossen:

  • Wilhelm Christian Lebensrune.png 1774
  • Sigismund August Wolfgang Lebensrune.png 1776
  • Wilhelm Ludwig Ernst Lebensrune.png 1778
  • Karl Emil Adelbert/Adalbert Lebensrune.png 1779
  • Luise Theodore Emilie Lebensrune.png 1781
  • Emil Ernst Gottfried Lebensrune.png 1783
  • Rinaldo Gottfried Lebensrune.png 1790

Zitate

Im politischen Denken Herders dagegen finden sich – wie seinerzeit noch bei vielen Deutschen – einige durchaus vernünftige Gedanken.

  • „Der natürlichste Staat ist also auch Ein Volk mit Einem Nationalcharakter. Jahrtausendelang erhält sich dieser in ihm [...], denn ein Volk ist sowohl eine Pflanze der Natur als eine Familie [...]. Nichts scheint also dem Zweck der Regierungen so offenbar entgegen als die unnatürliche Vergrößerung der Staaten, die wilde Vermischung der Menschengattungen und Nationen unter Einem Szepter.“
  • „Denken, was wahr, und fühlen, was schön, und wollen, was gut ist, darin erkennt der Geist das Ziel des vernünftigen Lebens.“ (Leitspruch des Vortrages von Sylvia Stolz anläßlich der 8. internationalen Konferenz der Anti-Zensur-Koalition)

Leben und Schaffen (Einführung)

Kurze Einführung in Leben und Schaffen aus dem Buch „Deutsche Geisteshelden – Aus dem Leben deutscher Dichter“:[4]

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Werke

  • Fragmente über die neuere deutsche Literatur, Riga 1766/67
  • Abhandlung über den Ursprung der Sprache (1772)
  • Von deutscher Art und Kunst. Einige fliegende Blätter (1773)
  • Auszug aus einem Briefwechsel über Ossian und die Lieder alter Völker (1773) (hier und später vertrat Herder hartnäckig die vermeintliche Echtheit dieser „schottischen“ Dichtkunst)
  • Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit (1774)
  • Volkslieder nebst untermischten anderen Stücken (1778/79 Erst in der 2. Auflage 1807 unter dem Titel Stimmen der Völker in Liedern)
  • Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (4 Teile 1784/91)
  • Briefe zur Beförderung der Humanität; zehn Sammlungen (1793–1797)
  • Von der Gabe der Sprachen am ersten christlichen Pfingstfest. (Riga 1794)
  • Von der Auferstehung als Glauben, Geschichte und Lehre. (Riga 1794)
  • Terpsichore, Lübeck 1795
  • Christliche Schriften, Riga 1796–1799, 5 Sammlungen
  • Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft, Leipzig 1799, 2 Teile
  • Kalligone, Leipzig 1800
  • Wind und Sonne (→ siehe Meißners „Die Sonne und der Wind“)

Siehe auch

Literatur

  • Josef Nadler: Johann Gottfried Herder, in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hgg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Zweiter Band, S. 290–303

Verweise

  • Biographie, Gedichte und Schriften auf zeno.org (keine direkte Einbindung, da von dort aus auf die linksextreme Wikipedia verwiesen wird)

Fußnoten

  1. 1802 verlieh ihm der Kurfürst von Bayern ein Adelsdiplom und erhob Herder somit in den pfalz-bayerischen erblichen Adelsstand. Außerdem wurde er zum Präsidenten des Oberkonsistoriums ernannt.
  2. Karl Richard Ganzer: Das deutsche Führergesicht, 200 Bildnisse deutscher Kämpfer und Wegsucher aus zwei Jahrtausenden, 1937 Lehmanns-Verlag München
  3. Johann Gottfried Herder, ostpreussen.net
  4. C. Carstensen: „Deutsche Geisteshelden - Aus dem Leben deutscher Dichter“ (PDF-Datei)
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