Thorak, Josef

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Josef Thorak bei der Arbeit am „Denkmal der Arbeit“, das an der Autobahn zwischen Bayern und Salzburg am Walserberg stehen sollte, aber unvollendet blieb

Josef Thorak (Lebensrune.png 7. Februar 1889 in Salzburg; Todesrune.png 26. Februar 1952 in Schloß Hartmannsberg am Chiemsee) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur aus Österreich. Nach dem Bildhauer Arno Breker galt Thorak als populärster Bildhauer im Dritten Reich.

Leben und Wirken

Josef Thorak bei der Arbeit am „Denkmal der Arbeit“
Kriegerdenkmal 1914-1918 im Ostseebad Stolpmünde, 1922

Thorak wurde am 7. Februar 1889 in Salzburg als Sohn eines Töpfermeisters geboren. In der väterlichen Werkstatt erlernte Thorak das Töpferhandwerk. Im Alter von 23 Jahren besuchte er in Wien die Kunstakademie. 1915 ging er schließlich nach Berlin, um dort das Kunst-Studium fortzusetzen. Ab 1918 verdiente Thorak als freischaffender Bildhauer seinen Unterhalt. „Es entstanden vorwiegend Arbeiten aus Wachs, weil Thorak kein Geld für die Bronzegüsse hatte“, fand Thorak-Biograph Joe F. Bodenstein heraus. „Ein Bildhauer, der - entsprechend zur baulichen Architektur - monumental arbeiten will, der benötigt Auftraggeber, die sowohl Bronzen als auch die ebenso aufwendigen Arbeiten in Stein finanzieren.“

In erster Ehe war er mit einer Jüdin verheiratet. Sie konnte im Dritten Reich ungehindert nach England ausreisen.

Erste Erfolge

Diese Auftraggeber fand Thorak zuerst im öffentlichen Raum. Es wurden schließlich Großaufträge in der nationalsozialistischen Zeit, die Hitlers Architekt Albert Speer vergab. Thorak schuf Monumente für öffentliche Bauten, Autobahnen und Pferde für die Neue Reichskanzlei. Bereits 1928 hatte er für sein Werk den Staatspreis der Preußischen Akademie der Künste erhalten.

Als Hitler 1933 an die Macht kam, stand Thorak mit 44 Jahren „in der Blüte meiner Manneskraft“. Er wird von Zeitzeugen als erdverbundener, rustikaler und erotischer Mann beschrieben. Es machte ihm nach eigenen Angaben reine Freude, seine Kraft am Stein „auszutoben“.

Die aufkeimende Euphorie durch die Zuwendung Speers war jedoch vorübergehend gedämpft worden. 1935 stieß Thorak auf Widerstand in Berlin. Die Jury für die künstlerische Ausgestaltung des Reichssportfeldes mit Olympia-Stadion soll es zuerst abgelehnt haben, seine Werke zu berücksichtigen, da er aus dem österreichischen Teil Deutschlands stammte. Erst nach Hinweis aus der NSDAP, dass Hitler die Arbeiten des Bildhauers schätze, wurde die Haltung revidiert.

Danach war der Aufstieg Thoraks mit zahlreichen Aufträgen gesichert. Auch international machte er sich einen Namen. So schuf er Reliefs für das Kemal Atatürk-Denkmal in Ankara, wo der „Vater der modernen Türkei“ sein Mausoleum hat.

Zu den Porträtbüsten, die Thorak schuf, gehören Bildnisse von Friedrich Nietzsche, Adolf Hitler und Benito Mussolini. Er verewigte den Schauspieler Otto Gebühr, den Kunsthistoriker Julius Alwin Ritter von Schlosser und Paracelsus. Ein Paracelsus-Denkmal von Thorak steht heute noch in Salzburg.

Auch Mystik und Zartheit in vielen Werken

In einer Analyse von mittelgroßen und kleineren Formaten Thoraks bescheinigt der Bildhauer Arentz „auch viel Mystik und Zartheit“ in den Arbeiten des verstorbenen Kollegen. „Thorak wird in vieler Hinsicht verkannt“, sagte Arentz dem Thorak-Biographen Bodenstein. „Wenn man weiß, daß Thorak ein großer Verehrer von Frauen war, dann versteht man besser, dass dieser Bursche trotz seiner rauhen Schale auch Harmonie und Zärtlichkeit gestalten konnte.“ Ein Beispiel dafür ist die zu Lebzeiten Thoraks fast unbekannt gebliebene Figur Die „Schöne nach dem Bade“ von 1935. Die damals berühmte tschechische Filmschauspielerin Anny Ondra, die in Berlin lebte, stand Thorak Modell. Daß die „schöne Anny“ vor dem Künstler alle Hüllen fallen ließ, war zunächst geheim gehalten worden. Immerhin war die Ondra ein Star. Sie hatte am 6. Juli 1933 die Box-Legende „Max Schmeling“ geheiratet.

1944 beteiligte sich Thorak das letzte mal an der offiziellen Ausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München mit sieben Arbeiten. Dort waren auch Werke zu sehen von Arno Breker, Fritz Nuss, Fritz Klimsch, Paul Mathias Padua, Ernst Liebermann, Hans Mann, Heinrich Faltermeier, Ludwig Angerer, Rudolf Agricola, Josef Strahn und anderen.

Thoraks Studio in Baldham

In Baldham im Osten Münchens errichtete zwischen 1938 und 1941 Albert Speer ein Staatsatelier für Joseph Thorak. Das Atelier besteht aus einem zentralen Baukörper mit einer Höhe von 16 Meter und einer Grundfläche von 700 m². An der Frontseite öffnen sich drei gewaltige Tore, die den Monumentalstatuen Durchgang gewähren sollten. Die drei anderen Seiten des Zentralbaus sind von einem niedrigen Anbau umschlossen. In diesem Anbau liegt der sogenannte "Kapitulationssaal", in dem 1945 die Kapitulationsverhandlungen der Heeresgruppe G geführt wurden. Die Unterzeichnung der Kapitulation erfolgte in einem Gebäude der Hitlerjugend in Haar (heute von der Konradschule in Haar genutzt).

Im großen Park der Anlage befanden sich Unterkünfte für die Angestellten, ein Wohnhaus des Künstlers und Stallungen für die Pferde, die dem Künstler Modell standen.[1]

Nach Ruhm und Ehre ein gebrochenes Herz

Nach dem großen Ruhm als Staatskünstler lebte Thorak ab Mai 1945 völlig zurückgezogen und weitgehend isoliert in Bayern. 1949 wird er von Bekannten als „gebrochener Mann“ geschildert. 1951, ein Jahr vor seinem Tod, wollten Kunstliebhaber den Bildhauer nochmals ehren. Am 20. Oktober wird in München eine Ausstellung mit Werken von Altmeistern der Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus eröffnet. Darunter waren neben Thorak auch Sepp Hilz und andere vertreten. Es gab inszenierte und von den BRD-Lizenzmedien unterstützte Proteste gegen diese Ausstellung im einstigen Haus der Deutschen Kunst, in dem Thorak wie Georg Kolbe und Arno Breker früher regelmäßig bei den großen Kunstausstellungen präsent war. Der Künstler verbitterte über diese öffentliche Hetzjagd gegen ihn noch mehr.

Tod

Am 26. Februar 1952 verstarb Thorak in Hartmannsberg am Chiemsee. Der Tod – knapp drei Wochen nach seinem 63. Geburtstag – trat nach ärztlichen Angaben bei einem Asthmaanfall ein.

Bildergalerie

Ausstellungen und Beteiligungen

  • 1930 – Die Berliner Sezession, München, Glaspalast (Beteiligung)
  • 1937 Weltausstellung Paris
  • 1937 – 1944 Haus der Deutschen Kunst München, bei allen offiziellen Jahresausstellungen
  • 1944 Deutsche Künstler und die SS, Salzburg (Beteiligung)
  • 1950 Thorak in Salzburg, Mirabellgarten
  • 1951 „Österreichische Plastik“, Salzburg (Beteiligung)
  • 1985 Hommage an Thorak, Kunst Museum Nörvenich
  • 2007 Gedenkausstellung Thorak, 55. Todestag, Heimat-Museum Anger

Siehe auch

Verweise

Filmbeitrag

Fußnoten