Deutsche Bildhauerkunst

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Ernst Rietschel: Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar (Bronzeguß; 1857)

Deutsche Bildhauerkunst (Bildnerei, Skulptur, Plastik) ist die von Deutschen geschaffene bildende Kunst, die aus festen Stoffen, wie Ton, Gips, Stein, Erz, Holz, Elfenbein u. a., körperliche Gestalten und Gegenstände formt. Sie umfaßt auch Bildschnitzerei und Bildgießerei.

Entwicklung bis 1500

Skulptur im Magdeburger Dom: Otto der Große mit seiner ersten Gemahlin Editha

Pfeil 2 siehe auch.pngSiehe auch: Einführung: Geistige Einflüsse auf die deutsche Kunst allgemein

Die Werke des Mittelalters sind nicht Abbilder der äußeren Wirklichkeit, sondern wesentlich Gestaltungen sinnbildlicher Kräfte. Sie sind zum großen Teil mit dem Bauwerk verbunden und dadurch zugleich lebendig-körperhafte Einzelglieder des baulichen Ganzen. Frühe Beispiele der romanischen Kunst sind die bronzenen Türflügel im Hildesheimer Dom (1015) mit den ausdrucksvoll bewegten Relieffiguren in eindringlicher Gebärdensprache. Die vollere, körperlich empfundene Gestaltung des 12. Jahrhunderts zeigen das Bronzegrabmal des Erzbischofs Friedrich von Wettin im Magdeburger Dom und der wuchtig-schlichte Braunschweiger Löwe (1166).

Das 13. Jahrhundert wurde das große Zeitalter der deutschen Bildhauerkunst. Durch die französische Plastik, zum Teil auch durch Byzanz und das Morgenland, lernte man die antike Formenwelt kennen. Alle Anregungen aber wurden im deutschen Geist verarbeitet und selbständig weiterentwickelt; die maßvoll naturnahe Durcharbeitung der menschlichen Gestalt zeugt von hohem bildnerischem Können, die edle, reine Haltung von menschlicher und künstlerischer Größe. Von den älteren, noch spätromanischen Werken seien genannt: die Kreuzigungsgruppe der Wechselburger Schloßkirche (um 1230), die Goldene Pforte des Freiberger Doms, das Grabmal Heinrichs des Löwen im Braunschweiger Dom (um 1240).

Die großartigsten, schon zur Frühgotik gehörenden Schöpfungen sind: im Straßburger Münster die hehren, formvollendeten Gestalten der Ecclesia und der Engelspfeiler; im Bamberger Dom die Propheten- und Apostelreliefs der Chorschranken, die hoheitsvollen Frauenstandbilder und der ritterlich-heldische Reiter; im Naumburger Dom die Stifterfiguren, die in ihrer charaktervollen Lebendigkeit den Geist deutschen Rittertums verkörpern, ferner die Kreuzigungsgruppe und die ungemein lebensnahen und seelisch ausdrucksvollen Lettnerreliefs.

Die reife Gotik des 14. Jahrhunderts liebte vergeistigte Gestalten, die gewichtlos in Schwingungen emporzuschweben scheinen: Pfeilerfiguren im Kölner Dom (um 1330), Grabmal des Bischofs Hohenlohe im Bamberger Dom. Überraschende Einzelleistungen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind die naturnahen Bildnisbüsten Peter Parlers im Dom zu Prag und das Reiterstandbild des heil. Georg daselbst. Eine Welt für sich bilden die aus der Mystik erwachsenen Andachtsbildwerke der Christus-Johannes-Gruppe und der Pietà.

Um 1400 wurden, zumal in Böhmen, fülligere Gestalten mit weich fallenden Gewändern geschaffen (Schöne Madonnen). In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der „weiche Stil“ aufgegeben zugunsten vielfältiger Brechung des Faltenwurfs, malerischer Bewegtheit und einer wirklichkeitsnah ausdrucksvollen Gesichtsprägung mit persönlichen Zügen. Anstelle der ritterlich-höfischen Welt macht sich nun das Bürgertum im Stofflichen und im Ausdruck der Bildwerke geltend. Seit Beginn des 15. Jahrhunderts wurde der mit Schnitzwerk besetzte und mit gemalten Flügeln versehene Altarschrein eine Hauptaufgabe. Überaus reich und vielgestaltig ist diese spätgotische Plastik. Von den großen Künstlerpersönlichkeiten seien genannt: der Meister des Ulmer Chorgestühls, Michael Pacher (Altar in St. Wolfgang), der auch in Krakau tätige Nürnberger Veit Stoß, der Würzburger Hauptmeister Tilman Riemenschneider, der Meister des Breisacher Altars, der Lübecker Bernt Notke.

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Barock bis Klassizismus

Einen ersten Vorklang barocker Gestaltung bedeuteten die Werke der spätgotischen Meister Anfang des 16. Jahrhunderts, wie Hans Leinberger, Hans Backofen, Claus Berg und auch Veit Stoß. Dagegen sind die Arbeiten des Steinbildhauers Adam Kraft von gemessener, ruhiger Haltung, und in den Bronzebildwerken Peter Vischers und seiner Söhne entwickelte sich die klare, kühle, naturnahe Formensprache der Renaissance, die sich von Italien her allenthalben in Deutschland – jedoch in eigener Ausprägung – durchsetzte.

Einen neuen Aufschwung erlebte die Bildhauerkunst um 1600 im deutschen Frühbarock: Hans Steinmüller, Hans Reichle, Hans Krumpper, Jörg Zürn, Ludwig Münstermann. Das Hochbarock offenbarte sich um 1700 in eigenwilliger Großartigkeit in den Schöpfungen Andreas Schlüters, vor allem dem Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten in Berlin. Der prächtige Figurenschmuck Balthasar Permosers am Dresdner Zwinger ist aus süddeutscher Leidenschaftlichkeit geboren. Von anderen Meistern seien genannt: Justus Glesker, Meinrad Guggenbichler, Johann Mauritz Gröninger, Bernhard Michael Mandl. Zum leichtbeschwingten, gelösteren Rokoko führten die Süddeutschen Ignaz Günther, Egid Quirin Asam und Johann Michael Feuchtmayer der Jüngere, die in der bildnerischen Kirchenausstattung eine unerschöpflich quellende Phantasie bekundeten.

Für die Fruchtbarkeit der Zeit zeugt auch der Reichtum an Gartenbildwerken und vor allem die Porzellanplastik, die mit Johann Joachim Kändler (1706–1775), Franz Anton Bustelli (1723–1763), Johann Peter Melchior (1747–1825) u. a. Weltgeltung erlangte. Einen eigenen, Spätbarock und Klassizismus vereinenden Stil entwickelte Georg Raphael Donner (1693–1741) in Wien.

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Preußischer Klassizismus

Der Hauptmeister des aus der barocken Überlieferung erwachsenen preußischen Klassizismus ist Johann Gottfried Schadow. Während sein lebensvoller Stil durch seinen Schüler Christian Daniel Rauch und dessen Kreis (Erdmann Encke, Riß, Albert Wolff, Johann Friedrich Drake [Siegesgöttin Viktoria auf der Berliner Siegessäule]) noch bis nach 1850 in Berlin blühte, führte im übrigen Deutschland der von Bertel Thorvaldsen ausgehende, von manchen als glatt und kalt empfundene Klassizismus bald zu einer gewissen Erstarrung, der auch Johann Heinrich Dannecker in seinen späten Arbeiten verfiel.

In der Folgezeit trat eine Veräußerlichung und Verflachung ein. Von stärkeren Künstlern seien Ernst Rietschel (1804–1861), Johannes Schilling (1828–1910) und vor allem Reinhold Begas (1831–1911) genannt. Eine neue verinnerlichte Plastik von klassisch gefaßter Form entwickelte Adolf von Hildebrand (1847–1921), in ähnlicher Weise später Louis Tuaillon (1862–1919), während Max Klinger die farbige Plastik wiedererwecken wollte.

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20. Jahrhundert

Relief eienes Engels oder einer Walküre in mütterlicher Gestalt, die einen sterbenden Krieger beschützend in den Armen hält: Das zentrale Gefallenendenkmal auf der Deutschen Kriegsgräberstätte Tarabya, die letzte Ruhestätte Soldaten des Deutschen Heeres aus dem Ersten Weltkrieg in Konstantinopel, gestaltet von Georg Kolbe 1917

Bis Dreißiger Jahre

Ein Tierbildner in großem Stil erstand in August Gaul (1869–1921). Hugo Lederer (1871–1940) eröffnete durch sein gewaltiges Hamburger Bismarck-Denkmal (1906)[3] der Denkmalskunst wieder neue Wege. Von anderen Bildhauern, die schon um 1900 bedeutende Werke schufen, seien Ernst Moritz Geyger, Georg Wrba, Fritz Klimsch, Hermann Hosaeus (1875–1958) und Franz Metzner (1870–1919) genannt.

Expressionismus und Kubismus bemächtigten sich in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gegen Deutschland und besonders in der Nachkriegszeit auch in der Plastik. Der Expressionismus suchte nach neuen Ausdrucksformen der Innerlichkeit (Lehmbruck). Dabei entstanden aber zum Teil Gebilde von abstoßender Häßlichkeit. Der Kubismus glaubte, die „absolute Plastik“ begründen zu können. Ernst Barlach gehört weder in die eine noch in die andere Richtung.[4]

Nationalsozialismus

Das nationalsozialistische Kunstschaffen machte es sich zur Aufgabe, wieder den schönen, seiner selbst gewissen, kraftvollen Menschen darzustellen. Einen Einblick in dieses Wollen geben u. a. die kulturpolitischen Reden des Reichskanzlers bzw. Führers des Deutschen Reiches von 1933–45.

Künstler wie Georg Kolbe,[5] Karl Albiker, Arno Breker,[6] Richard Scheibe,[7] Fritz Klimsch[8] u. a. haben der Bildhauerkunst eine im wesentlichen einheitliche Stilrichtung wiedergegeben, die bei aller Lebens- und Ausdrucksfülle eine maßvolle edle Durchbildung erstrebt.

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Architektur und Bildhauerei

Im besonderen wurde durch die großen Bauten von 1933 an bis hinein in den Zweiten Weltkrieg der Bildhauerkunst wieder die Aufgabe gestellt, sich in Einklang mit der Baukunst zu setzen.

Weitere wichtige Bildhauer, die Maßstäbe setzten, waren u. a. Bernhard Bleeker, Paul Bronisch, Max Esser, Fritz von Graevenitz,[9] Willy Meller, Hermann J. Pagels, Kurt Schmid-Ehmen, Josef Thorak,[10] Joseph Wackerle, Arnold Waldschmidt,[11] Otto Douglas-Hill (1897–1972),[12] Walter Lemcke, Hermann Scheuernstuhl (1894–1982),[13] Ludwig Cauer (1866–1947).[14]

Pfeil 2 siehe auch.pngSiehe auch: Bildende Kunst im Nationalsozialismus

In der Reichskammer der bildenden Künste (RdbK) waren in der damaligen Zeit sämtliche deutschen bildenden Künstler sowie die Kunstverlage und der Kunst- und Antiquitätenhandel berufsständisch zusammengeschlossen.

Geehrte Bildhauer

Die nachfolgend aufgeführten Bildhauer erhielten in der Zeit von 1933 bis 1945 eine oder mehrere Ehrungen: Ausstellung von ihnen geschaffener Werke auf der Großen Deutschen Kunstausstellung, Auszeichnung mit der Goethe-Medaille, Verleihung des Professorentitels, Aufnahme in das Verzeichnis „Künstler im Kriegseinsatz“:

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Siehe auch

Literatur

  • 96-book.png Internet Archive: PDF EPUB DjVu BlätternWilhelm von Bode: Geschichte der deutschen Plastik, 1887; Nachdruck 2012: Salzwasser-Verlag, ISBN 978-3-86444-206-3
  • Heilmeyer:
    • Moderne Plastik, 1903
    • Die Plastik seit Beginn des 19. Jahrhunderts, 2. Aufl. 1921
  • Wilhelm Radenberg: Moderne Plastik, 1912
  • Georg Dehio / Gustav von Bezold: Die Denkmäler der deutschen Bildhauerkunst, 1905, 4 Serien ff.
  • Wilhelm Pinder (1878–1947):
    • Die deutsche Plastik des 14. Jahrhunderts, 1925
    • Die deutsche Plastik des 15. Jahrhunderts, 1924
    • Georg Kolbe. Werke der letzten Jahre, Rembrandt Verlag, Berlin 1937
  • Adolf Feulner (1884–1945):
    • Die deutsche Plastik des 16. Jahrhunderts (1926)
    • Die Deutsche Plastik des siebzehnten Jahrhunderts (1926)
    • Skulptur und Malerei des 18. Jahrhunderts in Deutschland (1929)
  • Max Sauerlandt: Die deutsche Plastik des 18. Jahrhunderts, 1926
  • Arthur Moeller van den Bruck: Der Preußische Stil, Korn Verlag, Breslau, 5. Auflage 1931, Mit einem Vorwort von Hans Schwarz, Wilh. Gottl.
  • Werner Rittich: Architektur und Bauplastik der Gegenwart, Rembrandt-Verlag, Berlin 1938
  • Adolf Behne (Hg.): In Stein und Erz, Deutsche BuchGemeinschaft, Berlin 1940
  • Georg Kolbe: Auf Wegen der Kunst. Schriften – Skizzen – Plastiken, Konrad Lemmer Verlag, 1949, Aus dem Nachlaß zusammengestellt von der Georg-Kolbe-Stiftung Berlin. Mit einer Einleitung von Ivo Beucker
  • Mortimer G. Davidson: Kunst in Deutschland 1933–1945 – Wissenschaftliche Enzyklopädie der Kunst im Dritten Reich – Skulpturen, Band 1, Grabert-Verlag, Tübingen, 2. Auflage 1992, S. 534
  • Dominique Egret: Arno Breker. Ein Leben für das Schöne, Grabert-Verlag, Tübingen 1996, ISBN 3-87847-157-2
  • Norbert Borrmann: Identität & Gedächtnis – Denkmäler und politische Architektur von 1800 bis zur Gegenwart. Ares Verlag, Graz 2016, ISBN 978-3-902732-65-1 [216 Seiten, s/w-Abbildungen, auch Architektur im Nationalsozialismus]

Fußnoten

  1. Schillings jüngere Tochter Clara soll das Modell für die Germania gewesen sein.
  2. Gemälde von Hans Marées (1873), Neue Pinakothek, München
  3. Mit Architekt Johann Emil Schaudt (1871–1957)
  4. Ab 1937 entfernten die Behörden mehr als 400 von Barlachs Erzeugnissen als entartete Kunst aus öffentlichen Sammlungen. 1937 belegte ihn die Reichskammer der bildenden Künste mit einem Ausstellungsverbot.
  5. Georg Kolbe war aufgeführt auf der Sonderliste der unersetzlichen Künstler.
  6. Arno Breker war aufgeführt auf der Sonderliste der unersetzlichen Künstler.
  7. Richard Scheibe wurde im August 1944 in die Sonderliste der unersetzlichen Künstler aufgenommen.
  8. Fritz Klimsch gehörte 1944 in der Sonderliste der unersetzlichen Künstler zu den zwölf wichtigsten bildenden Künstlern des Reiches.
  9. Fritz von Graevenitz wurde im August 1944 in die Sonderliste der unersetzlichen Künstler aufgenommen.
  10. Josef Thorak war aufgeführt in der Sonderliste der unersetzlichen Künstler.
  11. Arnold Waldschmidt schuf das 25 Meter lange, 1941 vollendete Steinrelief „Fahnenkompanie“ in der Wandelhalle des Reichsluftfahrtministeriums in Berlin.
  12. Reliefs im Reichsluftfahrtministerium in Berlin
  13. Skulpturen Hannover Maschsee
  14. Kaiserskulpturen beim Dom in Speyer
  15. Der Reichskultursenat war ein Gremium der Reichskulturkammer. Die in ihn berufenen Persönlichkeiten repräsentierten den zeitgenössischen Kunst- und Kulturwillen der Nation.
  16. Einziges Farbfoto des originalen deutschen Bernsteinzimmers aus dem Jahre 1917. Eine Rekonstruktion befindet sich heute im Katharinenpalast in St. Petersburg (Rußland).
  17. Das Albrecht-Dürer-Denkmal steht in der Sebalder Altstadt auf dem heutigen Albrecht-Dürer-Platz. Es war das erste öffentliche Künstlerdenkmal überhaupt und wurde am 21. Mai 1840 enthüllt. Es entstand u. a. auf Anregung von Kronprinz Ludwig von Bayern und wurde von Jacob Daniel Burgschmiet in Nürnberg als Bronzeguß gefertigt.
  18. In Sandstein gemeißelt, Höhe 6,50 m
  19. Fuente Alemana bedeutet sinngemäß deutsch „Deutscher Brunnen“. Der Monumentalbrunnen steht im Parque Forestal in Santiago de Chile. Er wurde 1910 von Deutschen in Chile als Zeichen der Wertschätzung für den freundlichen Empfang, den ihnen das südamerikanische Land als Einwanderen bereitet hatte, errichtet. 2012, 100 Jahre nach der Einweihung 1912, wurde das Monument umfassend restauriert. Das Bronzebildwerk schuf der deutsche Bildhauer Gustav Eberlein.
  20. In der Mitte befindet sich eine Büste des Philipp Reis auf einer Säule. Links und rechts davon stehen zwei nackte Jünglinge, die sich nicht sehen können, sich aber mit einem Telefon von Reis unterhalten.
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