Kriegerdenkmal

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Laucha an der Unstrut, Gefallenendenkmal zum Gedenken an die deutschen Helden des Ersten Weltkrieges (1914–1918).

Kriegerdenkmäler, auch Gefallenendenkmäler, sind Denkmäler (oder Tafeln oder Inschriften), die zur Erinnerung und Ehrung von Kriegsteilnehmern und in Kriegen Gefallenen errichtet wurden, im Gegensatz zu Nationaldenkmälern, die große Schlachten (→ Völkerschlachtdenkmal) oder Herrscher bzw. Heerführer würdigen und im Bewußtsein der Menschen halten sollen. In Einzelfällen schon in der Antike errichtet, wie das Löwen-Denkmal bei Chaironnea, das an die 338 v. d. Z. im Kampf gegen Philipp von Mazedonien unterlegenen bezw. gefallenen Thebaner soll, so sind Kriegerdenkmäler im heutigen Sinne erst seit der Neuzeit üblich geworden.

Entstehung und gesetzliche Grundlagen

Das von Kaiserin Auguste Viktoria geförderte, 1897 von Albert Moritz Wolff errichtete und 1944 durch Bombenterror zerstörte Kriegerdenkmal 1870/71 (später auch „Friedens-Denkmal“ genannt) vor der Genezareth-Kirche (geweiht 1897, nach dem Krieg ohne Denkmal wieder aufgebaut) in Erkner.
Ein Vater trauert um seinen gefallenen Sohn
Ehrenmal für die Gefallenen der Freikorps „Dänemark“ in Hovelte

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kämpften praktisch nur Söldnertruppen gegeneinander, meist ohne Bindung an Territorien oder Dynastien. Erst infolge der Französischen Revolution und des sich durch Napoleons Kriegszüge überall verstärkt entwickelnden Nationalgefühls nahmen zuerst immer mehr Freiwillige/Freischärler/Freikorps zur Befreiung von der Fremdherrschaft an den Kämpfen teil.

Am 17. März 1813 während der Befreiungskriege rief dann der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit dem Aufruf „An mein Volk“ die Bürger Preußens zum Kampf für die Freiheit auf. Später wurde dann im Zuge der Heeresreform die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Nun entstanden erstmals Denkmäler, mit denen Offiziere und Soldaten gemeinsam geehrt wurden, wie das 1793 errichtete Hessendenkmal in Frankfurt/Main. Hier werden sie ausdrücklich als deutsche Kriegshelden bezeichnet.

„In memoriam“ von Paul Bronisch

Preußische Stiftung

Friedrich Wilhelm III. erließ am 5. Mai 1813 die „Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals, für die, so im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland blieben.“:

§1
Jeder Krieger, der den Tod für das Vaterland in Ausübung einer Heldentat findet, die ihm nach dem einstimmigen Zeugnis seiner Vorgesetzten und Kameraden den Orden des Eisernen Kreuzes erworben haben würde, soll durch ein auf Kosten des Staats in der Regimentskirche zu errichtendes Denkmal auch nach seinem Tode geehrt werden.
§3
Außerdem soll für alle, die auf dem Bette der Ehre starben, in jeder Kirche eine Tafel auf Kosten der Gemeinden errichtet werden, mit der Aufschrift: Aus diesem Kirchspiele starben für König und Vaterland: Unter dieser Aufschrift werden die Namen aller zu dem Kirchspiel gehörig gewesenen Gefallenen eingeschrieben. Oben an die, welche das Eiserne Kreuz erhalten, oder desselben würdig gewesen wären.

Bayerische Stiftung

In Bayern ließ König Ludwig I. zwei Tafeln in den Kirchen anbringen: eine für die Gefallenen (aus den Jahren 1805 bis 1815), eine weitere für die freiwilligen Kämpfer für das Vaterland (von 1813 bis 1815). Besondere gesetzliche Regelungen gab es bis Ende des Ersten Weltkrieges nicht. Erst 1916 wurden Beratungsstellen installiert und die Gemeinden verpflichtet, ihre Denkmalentwürfe prüfen und begutachten zu lasssen.

BRD

In der BRD gibt es seit 1952 das „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“, das genannte „Gräbergesetz“, das die inländischen Kriegsgräberstätten in die Obhut der jeweiligen Gemeinde stellt.

Chronologische Weiterentwicklung

1813–1815

Im Laufe der folgenden Jahre wurden auch von anderen (Gemeinden, Veteranen, wohlhabenden Bürgen u. a.) die unterschiedlichsten Denkmäler in den verschiedensten Ausführungen errichtet oder gestiftet. Grundsätzlich gab es zwei Arten: Denkmäler und Gedenksteine für Einzelpersonen: Heerführer, Generäle, verdiente Soldaten sowie Kollektivdenkmäler für Gruppen, Truppeneinheiten, und später Schiffsbesatzungen, Armeen bis hin zu Wehrmachtsteilen.

Nach siegreicher Beendigung der Freiheitskriege entstand vielerorts der Wunsch, nicht nur der Kämpfe und ihrer Opfer zu gedenken, sondern auch diejenigen, die am Kampfe teilgenommen hatten, namentlich zu erwähnnen. Wenn sich kleinere Gemeinden keine aufwendigen steinernen Denkmäler leisten konnten, wurden an geschützten Orten hölzerne Tafeln angebracht.

Vielerorts findet man Mahnmale für Opfer der französischen Gewaltherrschaft. Das bekannteste ist das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Denkmal für die elf Schill’schen Offiziere in Wesel. Mindestens zwei Denkmäler gibt es für Eleonore Prohaska (Dannenberg und Potsdam), die in Männerkleidern als Jäger August Renz kämpfte, in der Schlacht an der Göhrde schwer verwundet wurde und diesen Verletzungen erlag. In vielen linksrheinischen Orten sind Denkmäler zu sehen, die den unter französischen Fahnen gefallenen deutschen Soldaten gewidmet sind.

In den Inschriften spürt man vielerorts das unter dem Druck der napoleonischen Herrschaft entstehende Nationalgefühl, das sich allerdings noch nicht auf einen Staat, sondern mehr auf einen Kreis gleicher Sprache und gleicher Kultur bezog. Die Hoffnung vieler, in einem einigen Vaterland leben zu können, sollte erst zwei Generationen später in Erfüllung gehen.

1848–1864

Eine weitere Gruppe von Denkmälern entstand anläßlich der Kämpfe von 1848 bis 1850 und im Kriege von 1864 um die Klärung der schleswig-holsteinischen Frage. Preußen und Österreicher kämpften gemeinsam mit den Schleswig-Holsteinern, wovon zahlreiche steinerne Zeugnisse künden, auch hier sowohl von einzelnen Bürgern und Soldaten als auch den beteiligten Truppen auf beiden Seiten. Diese Denkmäler finden sich naturgemäß nur im Norddeutschen Raum.

Der kurze Krieg zwischen Preußen und Österreich 1866 hinterließ nur wenig steinerne Zeugnisse – ganz im Gegensatz zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871.

1870–1871

Der glorreiche Sieg über den „Erbfeind“ Frankreich und die Gründung des Deutschen Kaiserreiches löste eine Woge patriotischer Begeisterung aus. Hatte doch Frankreich, jahrzehntelang die stärkste Militärmacht Europas, nach Belieben deutsches Land annektieren oder verwüsten können, da die meist uneinigen deutschen Kleinstaaten nicht in der Lage waren, dem Einhalt zu gebieten. Da viel mehr Bürger als früher am Krieg teilgenommen und auch viel mehr gefallen waren, wirkte sich das auch auf die Zahl der errichteten Denkmäler aus. Es wurden nicht nur Gefallene und Kriegsteilnehmer aufgeführt, in kleineren Orten auch solche Soldaten, die an der Belagerung („Cernierung“) von Paris teilgenommen hatten. Jede Gemeinde wollte zeigen und für die Nachwelt festhalten, daß auch sie ihren Beitrag zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches geleistet hatte. Selbst auf Grabsteinen aus späteren Jahren findet man oft den Zusatz „Veteran von 1870“ oder „Kriegsfreiwilliger von 1870/1871“.

All das hatte eine unüberschaubare Anzahl der verschiedensten Denkmaltypen zur Folge: Obelisken und Findlinge waren noch die schlichteren. Säulen, von Siegesgöttinnen, der Germania oder Heiligenfiguren gekrönt, trugen Tafeln mit den Namen siegreicher Schlachten: Sedan, Gravelotte, Mars-la-Tour. Das Eiserne Kreuz war allgegenwärtig, der Adler als ruhmreiches Wappentier durfte auch nicht fehlen, Soldaten und Waffen dienten ebenso zur Dekoration. Es entstand eine regelrechte Denkmalindustrie, was sich nicht immer positiv auf die künstlerische Gestaltung auswirkte.

Auch die Inschriften auf den Denkmälern zeigen das neue Nationalgefühl und geben entsprechend die damalige Ausdruckweise wieder:

„Sie alle sind für’s Vaterland gestorben und haben sterbend uns das Deutsche Reich erworben.“ (Bad Bevensen)
„In fremder Erde wurde mir gebettet, obgleich noch jung und hoffnungsvoll. Doch Deutschlands Ehre ist gerettet womit sich jedes meiner Lieben trösten soll.“ (Hausen i. T.)
„Frankreich erklärte Krieg, Deutschland diktirte Fried. Ein Hoch aufs deutsche Heer, doch Gott allein die Ehr!“ (Unterreichenbach).

1914–1918

Die Kriegerdenkmäler des Ersten Weltkrieges begannen, sich immer mehr von denen des vorigen Jahrhunderts zu unterscheiden. Bei den Millionenheeren und den vielen Kriegstoten war es kaum noch möglich, die Gefallenen namentlich aufzuführen. Denkmäler wurden zu Stätten des Gedächtnisses für die fern der Heimat bestatteten Angehörigen. Überschwengliche (Sieges-)Denkmäler gab es nun nicht mehr. Staatliche Stellen und besonders eingerichtete Landesberatungsstellen bemühten sich, den Wildwuchs vergangener Jahrzehnte einzudämmen. Es kamen zwei Denkmaltypen zu den bisherigen dazu: trauernde, kämpfende oder gefallene Soldaten und trauernde Hinterbliebene. Eine Besonderheit ist das Kriegerdenkmal in Honnef, ein Wohnhaus für Kriegerwitwen und -waisen.

Die Inschriften lasen sich jetzt auch anders. Verse aus der Bibel in größerer Zahl, Anleihen bei klassischen oder völkischen Dichtern:

„Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde“. (in Brüttendorf)
„Das ist ein Mann, der sterben kann für Gott und Vaterland“ (E. M. Arndt)
„Die Helden tot, das Volk in Not“ (in Kreenheinstetten)

Neu waren die in größerer Anzahl errichteten Truppendenkmäler, wie z. B.:

1939–1945

Nach dem katastrophalen Ausgang des Zweiten Weltkrieges war lange Zeit überhaupt nicht an die Errichtung irgendwelcher Mahnmale zu denken. Aber die Menschen brauchen einen Ort, an dem sie ihrer Verstorbenen, Gefallenen und Vermißten gedenken können. So behalf man sich vielfach mit Erweiterungen und Zusätzen an den vorhandenen Denkmälern, neue wurden eher in kleiner Form und für Vertriebene aufgestellt.

Erst viele Jahre später wurden einige größere Ehrenmale errichtet. So das „Ehrenmal des Deutschen Heeres“ auf der Festung Ehrenbreitstein und das „Ehrenmal der Deutschen Luftwaffe“ in Fürstenfeldbruck.

Das Marine-Ehrenmal in Laboe nimmt eine Sonderstellung ein. Mitte der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts errichtet unter dem Motto:

„Für deutsche Seemannsehr’
Für Deutschlands schwimmende Wehr
Für beider Wiederkehr“

und überwiegend durch Spenden ehemaliger Marineangehöriger finanziert, wurde es inzwischen zweimal politisch korrekt umgewidmet:

1954 in: „Dem Gedenken aller toten deutschen Seefahrer beider Weltkriege und unserer toten Gegner“ und dann
1996 in: „Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen aller Nationen. Mahnmal für eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren.“

Bildergalerie (verschiedene Denkmäler)

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aufgrund der verworrenen Situation durch Vertriebene und Verschollene eine namentliche Nennung der Gefallenen sehr schwierig, in großen Städten so gut wie unmöglich. Weiterhin wurden aufgrund der politischen Situation im Nachkriegsdeutschland, im aufkommenden Pazifismus der Nachkriegszeit meist der Opfer des Krieges gedacht und nicht der Soldaten. In kleineren Orten und Gemeinden, wo man noch einen Überblick über die Vermißten und Gefallenen hatte, wurden meist keine eigenen Denkmäler errichtet, sondern nur Denkmäler des Ersten Weltkrieges um eine Namenstafel der Gefallenen erweitert. Das erklärt auch, daß bei vielen Kriegerdenkmälern noch die Zeichen des Kaiserreiches wie Adler, Viktoria oder Germania zu sehen sind.

„Leider erleben wir, daß im eigenen Land Kriegerdenkmäler zerstört und geschändet werden, während in Bremen. Hamburg und Bonn ‚Ehrenmale‘ für den ‚Unbekannten Deserteur‘ feierlich eingeweiht werden. (Interessanterweise muß hier bemerkt werden: Bis 31.12.1944 wurden 1408 Deserteure der Wehrmacht registriert, bei ca. sieben Millionen Wehrmachtsangehörigen während der fünf Kriegsjahre!) Kein anderes Volk ist so dreist, und, was mich beschämt, so erfolgreich belogen worden, wie das Deutsche Volk nach 1945. Trotz neuester Quellen wird das Geschichtsbild nicht korrigiert. Mit Hilfe vieler ehemaliger Propagandamänner des Dritten Reiches wurde die ‚Umerziehung‘ ein voller Erfolg. Tradition wird belächelt, die Leistungen der Wehrmacht und des ganzen Volkes im 2. Weltkrieg werden höchstens bei unseren ehemaligen Gegnern anerkannt und sogar bewundert.“ — Eichenlaubträger der Panzerwaffe Oberleutnant der Reserve Otto Carius

In der DDR war an Kriegerdenkmäler nicht zu denken. Vielmehr wurden dort häufig Ehrenmale für sowjetische Soldaten errichtet. Nach der sogenannten Wende wurden in Mitteldeutschland durch Privatinitiativen mancherorts alte Denkmäler restauriert. Mitunter wurden neue Gedenksteine errichtet, z. B. im Park von Schönhausen bei Tangermünde ein Gedenkstein für die Armee Wenck, deren Reste hier im Mai 1945 in VS-amerikanische Gefangenschaft gingen.

In den deutschen Ostgebieten haben die Okkupanten nach der Vertreibung und Flucht die Denkmäler abgeschliffen, umbenannt oder einfach zerstört.

Siehe auch

Literatur

  • Klaus Rehmann: Der Toten Tatenruhm Kriegerdenkmäler aus zwei Jahrhunderten Books on Demand GmbH, 2002
  • Meinhold Lurz:
    • Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, Esprint-Verlag, Heidelberg 1985
    • Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 3, Esprint-Verlag, Heidelberg 1985

Verweise