Kreß von Kressenstein, Friedrich (1870)

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Oberstleutnant Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein (1916) in der Uniform der Osmanischen Armee mit Herren-Fez im Dienste der deutschen Militärmissionen im Osmanischen Reich. Er war Angehöriger jenes Offizierkorps, das das osmanische Militär im Ersten Weltkrieg ausbildete und führte.

Friedrich Si(e)gmund Georg Freiherr Kreß von Kressenstein (Lebensrune.png 24. April 1870 in Nürnberg; Todesrune.png 16. Oktober 1948 in München) war ein deutscher Offizier der Bayerischen Armee, der Osmanischen Armee, des Deutschen Heeres und der Reichswehr, zuletzt General der Artillerie und Ritter des Ordens „Pour le Mérite“.

Leben

Kreß von Kressenstein, Friedrich (1870) II.jpg

Friedrich entstammte der alten Nürnberger Patrizierfamilie Kreß von Kressenstein. Er war der älteste Sohn des Justizrates und Rechtsanwalts Georg Wilhelm Friedrich Karl Christoph Freiherr Freiherr Kreß von Kressenstein (1840–1911)[1][2] und dessen am 25. Mai 1869 geehelichte Gemahlin Amalie Magdalene Eleonore, geborene Haller von Hallerstein (1845–1921). Seine Brüder waren Gustav Christian Walfried (1872–1956; Vater des späteren Generalintendanten Kurt Georg Wilhelm Freiherr von Kreß von Kressenstein) und Karl Friedrich Christoph (1874–1931; Oberregierungsrat, Bezirksoberamtmann). Zu seinen vielen Vettern gehörte auch Fritz Freiherr Kreß von Kressenstein.

Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium St. Egidien zu Nürnberg trat Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein 1888 in die Königlich Bayerische Armee ein. Am 6. März 1890 wurde er zum Sekondeleutnant befördert. Am 17. März 1897 wurde er zum Premierleutnant befördert. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde der Absolvent der Bayerischen Kriegsakademie am 1. Januar 1899 zum Oberleutnant ernannt. Anfang November 1899 folgte seine Kommandierung zur Zentralstelle des Generalstabs. Freiherr Kreß von Kressenstein wurde dann am 19. September 1900 à la suite seines Regiments gestellt und zum Adjutanten des Kriegsministers ernannt.

1904 wurde er in das 6. königlich bayerische Feldartillerie-Regiment „Prinz Ferdinand von Bourbon, Herzog von Kalabrien“ versetzt. Dort wurde er am 21. September 1904 zum Batteriechef ernannt.

Ab 1906 gehörte er dann dem Bayerischen Generalstab in München an. 1907 wurde er dann im Generalstab der 4. königlich bayerischen Infanterie-Division eingesetzt, Anfang Oktober 1908 dann zum Großen Generalstab nach Berlin kommandiert. Im Frühjahr 1911 wurde er dann zum Major befördert. 1912 war er als Major einer von zwei deutschen Offizieren die osmanischen Truppen im Balkan-Krieg kommandierten. Als Major war Kreß vom 20. September 1910 bis 14. Oktober 1911 Erster Generalstabsoffizier der 5. Division und wurde anschließend in das Kriegsministerium versetzt. Am 25. Januar 1914 stellte man ihn zur Disposition.

Er trat jetzt, im Rahmen der von Liman von Sanders kommandierten deutschen Militärmission, in die Osmanische Armee ein. Dort wurde er bei Beginn vom Ersten Weltkrieg zum Stabschef des VIII. osmanischen Armeekorps ernannt. Als solcher wurde er am 30. November 1914 zum osmanischen Oberstleutnant befördert. Als Kommandeur des 1. Türkischen Expeditionskorps sowie einer der Planer und Befehlshaber des mißglückten Angriffs der 4. osmanischen Armee auf den Suezkanal im Januar 1915 trug er die Hauptverantwortung für deren militärisches Versagen. Die britischen Truppen erfuhren von den Planungen und konnten sich vorbereiten. Nach zwei vergeblichen Angriffen mußten sich die türkischen Kräfte zurückziehen. Durch Erfolge bei der Verteidigung von Gaza im Jahr 1917 konnte er seinen Ruf wieder aufwerten. Am 4. September 1917 wurde Freiherr von Kressenstein der Orden „Pour le Mérite“ verliehen.

Am 14. Dezember 1917 wurde er zum Oberst befördert. Nachdem er am 5. November 1917 als Oberkommandierender von Gaza abgelöst wurde, befehligte er die 8. osmanischen Armee zur Sicherung der Küstenlinien. Im Sommer 1918 wurde ihm dann das Kommando einer deutschen Militärmission im Kaukasus (Deutsche Kaukasusexpedition) übertragen wurde. Dabei sollte er mit schwachen Verbänden (gemeinsam mit der Georgischen Legion) die Unabhängigkeit von Georgien sichern. Nach dem Waffenstillstand mußte er Georgien verlassen. Dabei kam er in englische Kriegsgefangenschaft auf der Insel Prinkipo.

Zwischenkriegszeit

Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft traf er am 27. Juni 1919 in Bremerhaven ein. Er wurde dann als Oberst in die Vorläufige Reichswehr übernommen. Dabei wurde er in das Reichswehrministerium nach Berlin versetzt. Dort wurde er bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr als Chef des Wehramtes verwendet.

Am 1. Oktober 1921 war er dann als Oberst Chef des Stabes der Heeresleitung. Als solcher wurde er dann 1922 zum Generalmajor befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Juli 1921 festgelegt. Am 1. Februar 1922 wurde er dann als Nachfolger von Oberst Erich Freiherr von Botzheim zum Artillerieführer VII in München ernannt. Am 1. Oktober 1923 wurde er als solcher zum Generalleutnant befördert. Am 31. Dezember 1923 gab er sein Kommando an Oberst Georg Freiherr Löffelholz von Colberg ab.

Ende März 1924 wurde er als Nachfolger von Generalleutnant Otto von Lossow zum Kommandeur der 7. Division der Reichswehr in München ernannt. Dieses Kommando behielt er dann für mehrere Jahre. Am 31. Dezember 1927 gab er sein Kommando an Generalleutnant Adolf Ritter von Ruith ab. Er wurde dafür am 1. Januar 1928 als Nachfolger von General der Infanterie Walther Reinhardt zum Oberbefehlshaber vom Gruppenkommando 2 in Kassel ernannt. An diesem Tag wurde er auch zum General der Artillerie ernannt. Am 30. November 1929 gab er sein Kommando an General der Kavallerie Hugo von Kayser ab. An diesem Tag wurde er auch aus dem aktiven Dienst der Reichswehr entlassen. In der Folge schrieb er autobiographische Artikel für das deutsche Heeresarchiv und das britische Royal United Services Institute.

Beförderungen und Dienststellungen

Osmanischer Oberst Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein mit den Türken am Suez Kanal, Januar / Februar 1915
Osmanischer Generalmajor Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein (sitzend) im Juli 1917
Kreß von Kressenstein, Friedrich (1870).jpg
  • 16. August 1888 Diensteintritt als Avantageur (Offiziersaspirant) in das Königlich Bayerische 4. Feldartillerie-Regiment „König“
  • 16. November 1888 Fahnenjunker-Unteroffizier
  • 8. März 1889 Fähnrich
    • 1. März 1889 bis 6. Februar 1890 kommandiert zur Kriegsschule München
  • 6. März 1890 Sekondeleutnant
    • 1. Oktober 1891 bis 20. März 1893 kommandiert zur Artillerie- und Ingenieurschule München
    • 1. Oktober 1893 Abteilungsadjutant im 4. bayer. Feldartillerie-Regiment
    • 1. Oktober 1895 bis 30. September 1898 kommandiert zur bayerischen Kriegsakademie (28. Lehrgang)
  • 17. März 1897 Premierleutnant
    • 1. Januar 1899 umernannt zu Oberleutnant
    • 7. November 1899 kommandiert zur Zentralstelle des bayerischen Generalstabs
    • 19. September 1900 à la suite des 4. bayer. Feldartillerie-Regiment gestellt
    • Adjutant des bayerischen Kriegsministers Adolph Freiherr von Asch zu Asch auf Oberndorff
    • 13. September 1901 unter Belassung in dieser Stellung à la suite des Generalstabs gestellt
  • 13. September 1901 Hauptmann (ohne Patent)
    • königlich bayerischer Kämmerer
    • Hauptmann-Patent am 21. September 1904
    • 21. September 1904 Batteriechef im 6. bayer. Feldartillerie-Regiment
    • 1. Oktober 1905 bis 10. Februar 1906 kommandiert zur preußischen Feldartillerie-Schießschule
  • 22. April 1910 Major (ohne Patent)
    • Major-Patent am 3. März 1911
    • 25. Januar 1914 z. D. gestellt und in die Osmanische Armee übernommen
  • 25. Januar 1914 Kaiserlich-Ottomanischer Oberstleutnant
    • 7. Februar 1914 Kommandeur der türkischen Feldartillerie-Schießschule
    • 1. Juli 1914 Chef der Mobilmachungsabteilung im Kaiserlich-Ottomanischer Generalstab, dann Chef der Operationsabteilung im osmanischen Großen Hauptquartier
    • 21. September 1914 Chef des Generalstabs des VIII. türkischen Korps
  • 30. September 1914 Kaiserlich-Ottomanischer Oberst
  • 30. November 1914 bayerischer Oberstleutnant
    • 15. Februar 1915 Chef des Generalstabs des I. türkischen Expeditionskorps
    • 16. März 1915 Kommandant in der Wüste
    • 27. März 1915 unter Belassung in türkischen Diensten in der bayerischen Armee und somit im Deutschen Heer reaktiviert
  • 1. Juli 1915 Chef des Generalstabs der 4. türkischen Armee
    • 29. Dezember 1915 Führer der 2. Expedition gegen Suez
    • 1. Mai 1916 zugleich Kommandant in der Wüste
  • 10. März 1917 bayerischer Oberst (ohne Patent)
    • Oberst-Patent am 14. Dezember 1917
  • 11. März 1917 Kaiserlich-Ottomanischer Generalmajor
    • 1. April 1917 kommandierender General des XXII. türkischen Korps
    • 1. Oktober 1917 Oberbefehlshaber der 8. türkischen Armee
    • 1. Dezember 1917 dem Heeresgruppen-Kommando F zur besonderen Verwendung überwiesen
    • 25. Januar 1918 den Dienst in der Osmanischen Armee beendet und Rückkehr in das Bayerische Kriegsministerium
    • 4. Mai 1918 bayerischer Militärbevollmächtigter bei der Obersten Heeresleitung
  • 29. Mai 1918 deutscher Vertreter bei der Regierung der Transkaukasischen Republik in Tiflis, für die Dauer dieser Verwendung Generalmajor ohne Patent
    • 12. Juni 1918 Chef der deutschen Delegation im Kaukasus
    • 16. Februar bis 28. Juni 1919 interniert, dann Rückkehr nach Deutschland
    • 1. August 1919 in der Zentralstelle des bayerischen Generalstabs und bayerischer Kommissar bei der Bildung des Reichswehrministerium
    • 1. Oktober 1919 kommandiert zum Reichswehrministerium
    • 24. November 1919 Chef des Waffenamtes im Reichswehrministerium
    • 1. Juni 1920 Chef des Wehramtes im Reichswehrministerium
  • 26. September 1921 Generalmajor (mit RDA vom 1. Juli 1921)
    • 1. Februar 1923 Artillerieführer (im Wehrkreis) VII
  • 22. Februar 1924 Generalleutnant (mit RDA vom 1. Oktober 1923)
    • 19. Oktober 1919 von Reichswehrminister Otto Geßler an Stelle des seines Amts enthobenen Wehrkreisbefehlshabers Otto von Lossow vorläufig (vorübergehend) zum Befehlshaber im Wehrkreis VII (München) ernannt
    • 21. März 1924 Kommandeur der 7. Division, Befehlshaber im Wehrkreis VII (München) und Landeskommandant in Bayern
    • 27. Dezember 1927 Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos II (Kassel)
  • 1. Januar 1928 General der Artillerie
    • 30. November 1929 verabschiedet mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Artillerie-Regiments Nr. 7[3]

Auszeichnungen (Auszug)

Rangliste des deutschen Reichsheeres 1924
Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein – Bayerischer General und Orientkenner. Lebenserinnerungen, Tagebücher und Berichte 1914–1946, herausgegeben von Winfried Baumgart, 2020.jpg

Schriften (Auswahl)

  • Mit den Türken zum Suezkanal, Vorhut-Verlag Otto Schlegel, Berlin 1938
  • Meine Mission im Kaukasus, Manuskript (PDF-Datei; 172 KB)
  • Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein – Bayerischer General und Orientkenner. Lebenserinnerungen, Tagebücher und Berichte 1914–1946, herausgegeben von Winfried Baumgart, 2020, ISBN 978-3-657-70344-9

Verweise

Fußnoten

  1. Studium der Rechtswissenschaft an den Univiversitäten Würzburg, Heidelberg, München, 1876 Rechtsanwalt Nürnberg, 1878 bis 1894 Rechtskonsulent, 1897 Vorsitzender der Nationalliberalen Partei Bayern.
  2. Georg! Wilhelm Friedrich Carl Christoph Kreß v. Kressenstein
  3. Joachim Lilla: Kreß v. Kreßenstein, Friedrich Frhr. v. , in: ders.: „Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945“