Naumann, Werner (1909)

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Dr. rer. nat. Naumann; er war 1953 angeblich an einer „Verschwörung“ beteiligt, bei der eine Gruppe ehemaliger NS-Funktionäre den nordrhein-westfälischen Landesverband der Lizenzpartei FDP zu unterwandern versucht haben soll. Der Kreis hatte den Spitznamen Nau-Nau.

Hugo Robert Werner Naumann (Lebensrune.png 16. Juni 1909 in Guhrau, Schlesien; Todesrune.png 25. Oktober 1982 in Lüdenscheid) war ein deutscher Volkswirt sowie Nationalsozialist, Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und zuvor persönlicher Referent von Joseph Goebbels.

Leben

SS-Brigadeführer und SS-Sturmbannführer d. R. der Waffen-SS Dr. Werner Naumann
Werner Naumann und Hans-Ulrich Rudel in der Nachkriegszeit
Grabstätte in Lüdenscheid, Kommunalfriedhof Piepersloh, Feld 6500, Grab 63

Naumann trat 1928 in die NSDAP ein und wurde 1933 in Stettin zum SS-Brigadeführer ernannt. 1938 erfolgte die Berufung zum persönlichen Referenten von Reichspropagandaminister Goebbels. 1942 wurde er zum Ministerialdirigenten befördert. 1944 ernannte ihn Goebbels nach dem Ausscheiden von Leopold Gutterer zum neuen Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Zugleich fungierte er als Sonderbeauftragter für Volkssturmfragen. Außerdem gehörte Naumann zum „Freundeskreis Reichsführer-SS“ und tat während des Krieges mehrfach Militärdienst in der SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“.

„Der Feind sieht es heute schon ein, daß eine Besetzung Deutschlands für ihn unmöglich wäre, denn über zwanzig Jahre nationalsozialistischer Erziehung haben es unmöglich gemacht, daß 20 oder 30 Millionen Deutscher sich willenlos vom Feinde ins Ausland abtransportieren ließen. Der Feind würde, wenn ihm ein Erfolg beschieden wäre, in Deutschland einen Partisanenkrieg unter dem Zeichen des Werwolfes erleben, wie ihn die Welt bisher noch nicht gesehen hat. Denen würden wir eine Götterdämmerung aufspielen, von der sie sich heute überhaupt keine Ahnung machen.“ — Dr. Naumann bei einer Rede im München am 23. März 1945

Um die Werwolf-Aktivitäten auszubauen, ließ Naumann Anfang April 1945 den Abwehroffizier der „Brandenburger“ und Experten im Guerillakrieg Dietrich F. Witzel nach Berlin kommen, um sich beraten zu lassen. Witzel jedoch hielt den Aktionismus in letzter Minute für wenig erfolgversprechend.

In Hitlers Politischem Testament wurde Naumann zum Nachfolger Goebbels’ bestimmt. Faktisch war Naumann also bislang letzter Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda. Naumann hielt sich bis zu Hitlers Tod im Kanzleibunker auf, den er erst am 2. Mai 1945 zusammen mit Martin Bormann und Artur Axmann verließ. Zuvor hatte Naumann als Regimentskommandeur das Volkssturmregiment Wilhelmplatz I befehligt, in dem die Mitarbeiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zum Dienst eingezogen worden waren. Statt sich jedoch zur geschäftsführenden Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz nach Flensburg durchzuschlagen, tauchte Naumann unter.

Nach dem Krieg

Am 15. Januar 1953 gab die britische Besatzungsmacht bekannt, eine „Verschwörung“ ehemals führender nationalsozialistischer Funktionäre aufgedeckt und die „Rädelsführer“ verhaftet zu haben. Die Gruppe um Naumann („Gauleiter-Kreis“ oder Naumann-Kreis) habe den nordrhein-westfälischen Landesverband der FDP unterwandert und war in einflußreiche Positionen gelangt. Dem Historiker Ulrich Herbert zufolge ging es den beteiligten Personen dabei um eine „Rehabilitierung des Nationalsozialismus im allgemeinen“ und „der eigenen Person im besonderen“.

„Der britische Außenminister Anthony Eden berichtet dem Unterhaus, Naumann habe mit seinem Kreis die Parteien unterwandern wollen, um das parlamentarische System zu beseitigen. Allerdings sei die Verschwörung auf lange Sicht angelegt, eine unmittelbare Bedrohung der demokratischen Ordnung sei nicht gegeben. In der westdeutschen Öffentlichkeit bricht ein Sturm der Entrüstung los - nicht über die Nazi-Verschwörer, sondern über das (angeblich) nicht rechtsstaatliche Vorgehen der Briten. Just in diesen Tagen veröffentlicht der amerikanische Hohe Kommissar die Ergebnisse einer Umfrage, nach der nur 39 Prozent der Deutschen den Nationalsozialismus ablehnen, im Mai 1951 waren es noch 40 Prozent. [...]“[1]

Am 28. Juli 1953 wurde Naumann aus der Untersuchungshaft entlassen und am 3. Dezember 1953 lehnte das Bundesgericht die Eröffnung der Hauptverhandlung ab, „da die vorhandenen Verdachtsmomente nicht ausreichten".

Am 4. August 1953 wurde er vom Innenministerium in Nordrhein-Westfalen in einem Entnazifizierungsverfahren in die Gruppe der Belasteten eingestuft. Der Spitzenkandidat der Deutschen Reichspartei für die kommenden Bundestagswahlen verlor damit das aktive und passive Wahlrecht.

Zum Kreis um Naumann zählten zahlreiche ehemalige Funktionäre, wie der ehemalige Leiter der Rundfunkabteilung im Reichspropagandaministerium, Hans Fritzsche, der frühere Leiter des Referats Antikomintern, Eberhard Taubert, der SS-Oberstgruppenführer Paul Hausser, der ehemalige HJ-Gebietsführer Horst Huisgen, der ehemalige Referatsleiter Rundfunk im Propagandaministerium, Wolfgang Diewerge, der ehemalige Vertreter Heydrichs Werner Best sowie Ernst Achenbach, der als Attaché der Botschaft in Paris tätig gewesen war.

Achenbach hatte von sich aus den Kontakt zu Naumann aufgenommen und diesen aufgefordert in die FDP einzutreten. Im Tagebuch des verhafteten Naumann fand sich unter anderem folgende Notiz über ein Gespräch mit Achenbach:

„Daß Adenauer im Augenblick nicht die schlechteste Lösung für uns ist, findet natürlich meine Zustimmung. Ein Volk in dieser Lage, ohne nationale Souveränität, von Hohen Kommissaren regiert, braucht Stresemänner. Um den Nationalsozialisten unter diesen Umständen trotzdem einen Einfluß auf das politische Geschehen zu ermöglichen, sollen sie in die FDP eintreten, sie unterwandern und ihre Führung in die Hand nehmen. An Einzelbeispielen erläuterte er, wie leicht das zu machen wäre. Mit nur 200 Mitgliedern können wir den ganzen Landesvorstand erben. Mich will er als Generalsekretär oder ähnliches engagieren!! Es ist ihm so ernst um sein Angebot, daß er zum Schluß bedeutet: entweder wir nehmen an und unterstützen ihn, oder er zieht sich aus der Politik zurück.“[2]

Das Vorgehen der britischen Hochkommission gegen die Naumann-Gruppe rief in der bundesdeutschen Öffentlichkeit weniger Furcht vor Nationalsozialisten als vielmehr Ressentiments gegen die Besatzungsmacht hervor. In einem Spiegel-Artikel heißt es zur Bespitzelung der Gruppe:

„Es war für Bundesverfassungsschutzchef Otto John daher nicht allzu schwierig, durch V-Männer gute Nachrichten aus dieser Gemeinde zu ziehen. Zeitweilig hatte er bis zu einem halben Dutzend Agenten im Naumann-Kreis sitzen. Nie hatten sie etwas beobachtet, was Anlaß zum Eingreifen hätte geben können. Selbst in London hatten sich Korrespondenten gefragt, wieso der Bundesrepublik gerade im kritischsten Stadium der Westverträge demonstriert werde, wie schnell ‚Schutz, Ansehen und Sicherheit der alliierten Streitkräfte‘ gefährdet sein können. Denn die Sicherheit der alliierten Streitkräfte haben sich die Alliierten auch noch im Generalvertrag selbst vorbehalten.“[3]

Beförderungen

Auszeichnungen (Auszug)

Schriften (Auswahl)

Das Buch Nau-Nau gefährdet das Empire?
  • Nau-Nau gefährdet das Empire?, Göttingen 1953

Literatur

  • Friedrich Grimm: Unrecht im Rechtsstaat – Tatsachen und Dokumente zur politischen Justiz dargestellt am Fall Naumann, Tübingen 1957
  • Günter J. Trittel: „Man kann ein Ideal nicht verraten ...“ – Werner Naumann – NS-Ideologie und politische Praxis in der frühen Bundesrepublik, Wallstein (2013), ISBN 978-3835313002
  • Adolf von Thadden: Die verfemte Rechte. Deutschland-, Europa- und Weltpolitik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus der Sicht von rechts, Verlag K. W. Schütz KG, Preußisch Oldendorf 1984, ISBN 3-87725-111/0, S. 73–96

Verweise

Fußnoten