Neubrandenburg

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Neubrandenburg

Wappen
Staat: Deutsches Reich
Gau: Mecklenburg
Landkreis: Mecklenburg-Strelitz
Provinz: Mecklenburg
Einwohner (31. Dez. 2009): 65.137
Bevölkerungsdichte: 760 Ew. p. km²
Fläche: 85,65 km²
Höhe: 20 m ü. NN
Postleitzahl: 17033, 17034, 17036
Telefon-Vorwahl: 0395
Kfz-Kennzeichen: NB
Koordinaten: 53° 33′ N, 13° 16′ O
Neubrandenburg befindet sich entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Bürgermeister: Paul Krüger (CDU)

Neubrandenburg, plattdeutsch Nigen-Bramborg oder verkürzt Bramborg, ist eine deutsche Stadt im Kreis Mecklenburg-Strelitz in Mecklenburg.

Geographie

Lage

Neubrandenburg liegt im Südosten Mecklenburgs in etwa 19 m Höhe über NN (Stadtzentrum) am Nordufer des zur Stadt gehörenden Tollensesees und in den Flußtälern der hier beginnenden Tollense und Datze und der in den Tollensesee mündenden Linde sowie den umliegenden Erhebungen der Grundmoränenplatten auf etwa halbem Wege zwischen Berlin und der Insel Rügen.

Gliederung

  • Innenstadt (mit Jahnviertel)
  • Katharinenviertel
  • Stadtgebiet West (mit Rostocker Viertel, Broda und Weitin)
  • Vogelviertel
  • Reitbahnviertel
  • Stadtgebiet Ost (mit Oststadt, Carlshöhe, Fritscheshof, Küssow)
  • Stadtgebiet Süd (mit Südstadt, Fünfeichen)
  • Lindenbergviertel (mit Lindenberg, Tannenkrug und Landwehr)
  • Datzeviertel (mit Datzeberg)
  • Industrieviertel (mit Ihlenfelder Vorstadt, Monckeshof)

Geschichte

Ältere Zeit

Am 18. August 1170 wurde bei der Wiederherstellung des Havelberger Domstifts von Herzog Kasimir I. von Pommern im jetzigen Stadtgebietsteil Broda ein Kloster gegründet, um die Christianisierung der ansässigen Bevölkerung zu beschleunigen. Baubeginn der Klosteranlage kann nach neuesten Forschungen jedoch kaum vor 1240 gewesen sein, er geht der Stadtgründung von Neubrandenburg also unmittelbar voraus.

Die Gründung von Neubrandenburg am 4. Januar 1248 durch Markgraf Johann I. von Brandenburg und die bald nach der Jahrhundertmitte erfolgte Ansiedlung des Franziskanerordens deuten auf eine besondere Bestimmung des Ortes unter den askanischen Markgrafen hin.

Wichtiger Zentralort blieb Neubrandenburg auch, als die Stadt 1298 mit der Herrschaft Stargard in die Hand der Mecklenburger gelangte und mit dieser ab 1347 schließlich als Reichslehen zum Besitz der Fürsten, Herzöge, zuletzt Großherzöge zu Mecklenburg zählte. Seit dem Spätmittelalter gehörte Neubrandenburg neben Güstrow und Parchim zu den wichtigsten Verwaltungszentren des mecklenburgischen Binnenlandes.

Im 14. und 15. Jahrhundert war die Stadt Hauptresidenz des (Teil-) Herzogtums Mecklenburg-Stargard. Als Vorderstadt des Stargardischen Kreises hatte die Stadt im Rahmen der landständischen Verfassung Mecklenburgs unmittelbaren Einfluß auf die Landesverwaltung, ihre Bürgermeister zählten im altmecklenburgischen Ständestaat zu den ranghöchsten Politikern.

Bereits 1523 predigte der Stralsunder Johann Berckmann mit herzoglicher Hilfe in Neubrandenburg die lutherische Irrlehre. Das bedeutende und seit Stadtgründung bestehende Franziskanerkloster hielt sich bis etwa 1552 in der Stadt.

Jüngere Zeit

1631 wurde die befestigte Stadt von kaiserlichen Truppen der katholischen Allianz unter General Tilly erobert und verwüstet. Hunderte Menschen wurden gefoltert, gequält und ermordet, Kirchen und Wohnhäuser ausgeraubt und zerstört. Selbst das Kircheninnere bot der wehrlosen Bevölkerung keinen Schutz. Noch Jahrhunderte später waren diese Ereignisse als Schreckenstage der Stadtgeschichte im Lebensalltag der Menschen präsent. Infolge des Dreißigjährigen Krieges mußte Neubrandenburg 1671 als einzige mecklenburgische Stadt den Stadtkonkurs anmelden. Es brauchte mehr als eineinhalb Jahrhunderte, ehe sich Neubrandenburg von den Kriegsfolgen allmählich erholt hatte. Noch im 18. Jahrhundert lagen in Hauptverkehrsstraßen der Altstadt einzelne Hausgrundstücke wüst oder wurden temporär als Gärten genutzt.

Verheerende Stadtbrände vernichteten 1676 und 1737 große Teile der historischen Bausubstanz. Seit Ende der 1730er Jahre entstanden nunmehr alle markanten Gebäude, die neben den mittelalterlichen Wehrbauten das Bild der Altstadt bis 1945 prägten. Dazu gehörte ein spätbarockes Rathaus als Mittelpunkt des zentralen Marktplatzes nach Entwürfen des herzoglichen Hofbaumeisters Christoph Julius Löwe.

Nachdem die Wahl zur fürstlichen Hauptresidenz des 1701 neu gebildeten (Teil-) Herzogtums Mecklenburg-Strelitz noch am Bürgerstolz der Neubrandenburger gescheitert war, belebte Herzog Adolf Friedrich IV. die mittelalterliche Residenzstadtfunktion Neubrandenburgs in der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit neu. Ab 1774 entstand direkt auf dem Marktplatz ein fürstliches Residenzschloß (in Neubrandenburg traditionell als „Palais“ bezeichnet, seit den 1920ern in städtischem Besitz und vor der Zerstörung 1945 teilweise museal genutzt).

Alljährlich während der Sommermonate wurde die Stadt fortan zum Mittelpunkt des höfischen Lebens im kleinen Landesteil Mecklenburg-Strelitz. Der landestypisch bescheidene Glanz monarchischer Prachtentfaltung endete dann allerdings mit dem Tod des Herzogs. Heute kündet nur noch das „Schauspielhaus“, der älteste erhaltene Theaterbau des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, von dieser Glanzzeit der Stadtgeschichte.

Trotz äußerem Schein blieb die wirtschaftliche Grundlage des Lebens dürftig. Der Niedergang des Landes im Dreißigjährigen Krieg und die Lage in einem der am dünnsten besiedelten Gebiete Deutschlands hemmten die Entwicklung der Stadt nachhaltig. Neben der Eigenversorgung beschränkte sich die wirtschaftliche Bedeutung Neubrandenburgs in der Folgezeit im Wesentlichen auf Nahmarktfunktionen für das Umland. Die Industrialisierung setzte im 19. Jahrhundert nur zögernd ein. Verarbeitungsbetriebe für landwirtschaftliche Erzeugnisse entstanden, Eisengießereien und Maschinenbaufabriken produzierten für Agrarbetriebe aus dem Umland. Weithin berühmt waren jedoch Neubrandenburger Pferde- und Wollmärkte.

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts festigte sich die Rolle Neubrandenburgs als Vorderstadt und politisches Zentrum innerhalb des Verfassungssystems des altmecklenburgischen Staates. Die förmliche Inthronisation neuer Herrscher im Strelitzschen Landesteil, vollzogen nach alten Gebrauch durch den „Handschlag“ (d. h. den Treueeid) der Ritter- und Landschaft, wurde traditionell in Neubrandenburg zelebriert. Hier trafen sich auch die ständischen Gremien und es blieb bis zum Ende der Monarchie der Sitz ihrer Kreisbehörde.

Den Anschluß an die Moderne ermöglichte der Beitritt beider mecklenburgischer Landesteile zum Norddeutschen Bund. 1863 wurde die Tor- und Zollsperre aufgehoben. 1864 erhielt Neubrandenburg Bahnanschluß, 1867 begann der Betrieb auf der Linie Lübeck-Stettin, 1877 folgte die Linie Berlin-Stralsund. In der Stadt erwachte eine rege Bautätigkeit. In der Altstadt wurden vielfach alte Fachwerkbauten saniert oder durch Neubauten ersetzt. Zugleich wuchs die Stadt zügig über den mittelalterlichen Mauerring hinaus. Mit besonderer Sorgfalt bemühte man sich im 19. Jahrhundert, die längst schadhaft gewordenen mittelalterlichen Wehrbauten instand zu setzen und ganz nach dem historistischen Zeitgeschmack noch schöner erstrahlen zu lassen als je zuvor. Vor allem diese Leistungen früher Denkmalpflege in Neubrandenburg haben die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Stadt heute die am besten und vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Wehranlagen in ganz Norddeutschland präsentieren kann.

Ab 1933 wurde Neubrandenburg zunehmend als Militärstandort ausgebaut; 1936 entstand der Fliegerhorst Trollenhagen, 1938 die Panzerkasernen im Süden der Stadt und 1940/41 eine Torpedoversuchsanstalt auf dem Tollensesee. Auch konnten sich diverse Rüstungsbetriebe etablieren wie z.Bsp. ab 1935 die ursprünglich in Berlin-Britz ansässige Firma Curt Heber (später Mechanische Werkstätten Neubrandenburg (MWN)), die u. a. Bombenabwurfgeräte produzierte. Im Zuge dieser Entwicklung stieg die Einwohnerzahl Neubrandenburgs auf 20.000. Seit 1939 war Neubrandenburg, aus dem Landkreis Stargard ausgegliedert, kreisfreie Stadt mit Sonderstatus.

Sowjetischer Massenmord und Terror

Am 29. April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde Neubrandenburg ohne Widerstand oder nennenswerte Kampfhandlungen von der Roten Armee eingenommen. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurde die Stadt Opfer von Zerstörung und Brandschatzung, welche die historische Altstadt zu mehr als 80 Prozent vernichteten. Ein ähnliches Schicksal erlebten fast alle Städte im östlichen Mecklenburg und der angrenzenden Uckermark (z. B. Malchin, Friedland, Woldegk, Strelitz Alt, Prenzlau, Gartz (Oder)). Etwa 600 Menschen wählten in dieser Zeit den Freitod.

Die Verantwortung der Roten Armee für die Brandschatzung versuchte die SED-Propaganda in der Nachkriegszeit durch vielfältige Legenden zu vertuschen. So hieß es beispielsweise, daß sich in der Innenstadt einige Einheiten der Wehrmacht verschanzt hätten und die Stadt eine Kapitulation verweigerte (die Verteidigung der Stadt erfolgte durch das SS-Fallschirmjägerbataillon 600) oder daß der Umstand maßgeblich gewesen sein soll, daß Neubrandenburg die Geburtsstadt von Otto Ernst Remer war. Die moderne Stadtgeschichtsforschung konnte all diese Aussagen inzwischen zweifelsfrei als mehr oder weniger frei erfundene Propagandalügen belegen.

DDR-Zeit

Der Wieder- oder richtiger Neuaufbau des Stadtzentrums ab 1952 erfolgte in Neubrandenburg bis in die frühen 1960er Jahre hinein mit besonders hohem ästhetischen Anspruch. Das historische Straßenraster wurde weitgehend beibehalten. Die Neubebauung dieser Zeit nahm besondere Rücksicht auf die Wehrbauten des Mittelalters. Man bemühte sich, herausragende Bauformen aus dem historischen Stadtbild in den Neubauten zu zitieren und damit die Erinnerung an das zerstörte alte Stadtbild wach zu halten. Zwar erhielt der Neubrandenburger Stadtkern im Zuge dieses Neuaufbaus ein völlig neues Gesicht. Gleichwohl findet diese Neubrandenburger Aufbauleistung in der Fachwelt zunehmend mehr Anerkennung und Wertschätzung.

Von 1952 bis 1990 war Neubrandenburg wiederum Verwaltungszentrum und Behördensitz – nunmehr des gleichnamigen Bezirkes der DDR. Ziel war es, die Stadt weiter zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum im Norden der DDR auszubauen. Dazu war ein Ausbau auf mindestens 100.000 Einwohner sowie die Ansiedlung zahlreicher Industriebetriebe vorgesehen. Als große Neubaugebiete mit typischen Plattenbauten entstanden seit Mitte der 1960er Jahren die Stadtgebiete Ost und West, der Datzeberg mit rund 3500 Wohnungen, das Reitbahnviertel mit rund 3000 Wohnungen sowie die Erweiterungen des Stadtgebiets Süd, u. a. um den Stadtgebietsteil Lindenberg. Industrieanlagen wurden erweitert oder neu errichtet, darunter ein Reifenwerk und ein Reparaturwerk für Militärtechnik sowie ein Containerbahnhof mit entsprechenden Abfertigungsanlagen. 1989 wurde in Neubrandenburg eine Pädagogische Hochschule eröffnet, die in der darauffolgenden Zeit zur Fachhochschule umprofiliert wurde.

Seit dem 1. Januar 1969 ist Neubrandenburg wieder kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister als Stadtoberhaupt (seit den 1930er Jahren bis 1946 besaß Neubrandenburg schon einmal einen Oberbürgermeister als Stadtoberhaupt). Neubrandenburg wuchs zum Ende der 1980er auf etwas mehr als 90.000 Einwohner und ist trotz heute sinkender Einwohnerzahlen noch immer Oberzentrum und drittgrößte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach 1991 wurde im Rahmen der Städtebauförderung mit der Sanierung des historischen Stadtkerns mit dem Schauspielhaus und der Konzertkirche begonnen. Auch die Plattenbausiedlungen – vor allem das Reitbahnviertel und der Datzeberg sowie die Nordstadt mit der Ihlenfelder Vorstadt – wurden seit 1993 bzw. 1999 durch Programme zum Stadtumbau und zur „Sozialen Stadt“ erheblich verbessert.

2011 soll Neubrandenburg bei einer neuen Kreisgebietsreform seine Kreisfreiheit verlieren und Verwaltungssitz des neu zu bildenden Landkreises „Mecklenburgische Seenplatte“ werden.

Lager Fünfeichen

Die Geschichte des sowjetischen Speziallagers Fünfeichen zählt zu den schwärzesten Kapiteln der Stadtgeschichte.

Sehenswürdigkeiten

  • Kriegerdenkmäler
  • Stadtbefestigung
  • Hauptpfarrkirche St. Marien
  • Franziskanerkloster mit Klosterkirche St. Johannis
  • Kapelle St. Georg

Bekannte, in Neubrandenburg geborene Personen

  • Ernst Kühnel (1882–1964), Orientalist, Kunsthistoriker und Sammler islamischer Kunst
  • Theodor Leipart (1867–1947), kommunistischer Gewerkschaftsführer
  • Siegfried Lüdden (1916–1945), Korvettenkapitän und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges
  • Otto Ernst Remer (1912–1997), General und Eichenlaubträger des Zweiten Weltkrieges
  • Dirk Stegemann (geb. 1967), deutschfeindlicher Aktivist

Bildergalerie

Verweise

Fußnoten

  1. Tore/Türme und Brunnen. Aus vier Jahrhunderten deutscher Vergangenheit, Verlag Langewiesche, Königstein im Taunus & Leipzig 1924, S. 54 (Die Blauen Bücher)
  2. Erich Retzlaff: Niederdeutschland – Landschaft und Volkstum, Karl Robert Langewiesche