Reinhardt, Walther (1872)

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General der Infanterie Walther Reinhardt

Walther Gustav Reinhardt (Lebensrune.png 24. März 1872 in Stuttgart; Todesrune.png 8. August 1930 in Berlin) war ein deutscher Offizier der Württembergischen Armee, des Deutschen Heeres und der Reichswehr, zuletzt General der Infanterie sowie letzter Preußischer Kriegsminister und erster Chef der Heeresleitung der Reichswehr. Er darf nicht mit dem von den Sowjets ermordeten Diplomaten und Offizier Dr. jur. Walther Reinhardt verwechselt werden.

Werdegang

Oberst Walther Reinhardt, 1918
Generalmajor Walther Reinhardt spricht zu der Marine-Brigade „Ehrhardt“

Walther Reinhardt wurde am 24. März 1872 in Stuttgart geboren. Nach dem Besuch der höheren Schule und des Kadettenkorps ab 1885 (Kadettenanstalt in Schloß Oranienstein und in der preußischen Hauptkadettenanstalt Berlin-Lichterfelde) trat er am 9. Februar 1891 in die Württembergische Armee ein. Nach der Ausbildung zum Truppenoffizier, u. a. an der Kriegsschule in Hersfeld, wurde er 1901 für drei Jahre zur Dienstleistung in die „Französische Abteilung“ des Großen Generalstabs der Armee in Berlin kommandiert. Am 22. März 1904 wurde er dann offiziell in den Großen Generalstab versetzt und trat erst 1912 als Major und Erster Generalstabsoffizier wieder zum Stabe des XIII. (württ.) Armeekorps, dessen Generalstabschef er 1915 wurde.

„Mit kurzen Unterbrechungen, z. B. zwischen 1907 und 1909 als Chef der 5. Kompanie des Infanterieregiments Alt-Württemberg (3. Württembergisches) Nr. 121 in Ludwigsburg sowie einer dreiwöchigen Verwendung als Regimentskommandeur im Jahr 1916, gehörte er bis 1918 dem Generalstab an: u. a. ab 1909 im Stab der 26. (1. Württembergischen) Infanteriedivision, danach ab 1910 wieder der Französischen Abteilung im Großen Generalstab, 1912 als 1. Generalstaboffizier dem Stab des XIII. (Württembergischen) Armeekorps. Ihm gehörte er bis 1916 an und er erlebte den Stellungskrieg im Westen sowie zwischen November 1914 und Herbst 1915 auch den Krieg im Osten. Ab 1916 wirkte er als Chef des Generalstabes der 11. Armee in Mazedonien, Oberbefehlshaber war General der Infanterie Arnold von Winckler, ab Frühjahr 1917 dann in gleicher Verwendung bei der von General Max von Boehn geführten 7. Armee an der Westfront.“[1]

Ab 20. Juli 1916 leitete er als Oberst und Erster Generalstabsoffizier (unter Günther von Pannewitz und Paul Fleck) den Abwehrkampf des XVII. Armeekorps in der Sommeschlacht. In gleicher Eigenschaft führte er die 11. Armee unter Arnold von Winckler anschließend in Mazedonien und ab 1917 die 7. Armee (unter Richard von Schubert and Max von Boehn) in Frankreich. Nach dem Waffenstillstand im November 1918 wurde Reinhardt als Leiter der Demobilmachungsabteilung in das preußische Kriegsministerium berufen und im Januar 1919 als Nachfolger des Generalleutnants Heinrich Schëuch preußischer Kriegsminister. Reinhardt stand damit in der Zeit des Umbruchs auf einem Schlüsselposten. Er wurde einer der Väter der Reichswehr. Als preußischer Kriegsminister war er Mitglied des Reichskabinetts (ohne Stimme) und erster Mitarbeiter des sozialdemokratischen Reichswehrministers Gustav Noske. Beide wurden „Linksneigungen“ nachgesagt.

Während Hans von Seeckt während des Kapp-Aufstandes äußerte „Truppe schießt nicht auf Truppe“, Reinhardt hingegen teilte als einziger hoher Militär die Meinung Noskes, daß man Gewalt nur mit Gewalt begegnen könne. Nach seinem Ausscheiden als Chef der Heeresleitung am 27. März 1920, übernahm er für kurze Zeit die Lehrbrigade in Döberitz und war er von 1920 bis 1924 als Generalleutnant Befehlshaber des Wehrkreises V und Kommandeur der 5. Division in Stuttgart, gleichzeitig auch Landeskommandant für Württemberg. Reinhardt wurde im Rahmen der Reichsexekution gegen Sachsen und Thüringen im Jahr 1923 mit der Ausübung der vollziehenden Gewalt und der Unterdrückung der kommunistischen Milizen beauftragt und befreite Thüringen vom linken Terror. Zuletzt war Reinhardt von 1925 bis 1927 General der Infanterie und Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos 2 mit Sitz in Kassel.

Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst Ende 1927 – er erhielt die Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 13. (Württembergisches) Infanterie-Regiments – wurde er Initiator der Reinhardt-Kurse, Vorläufer der Wehrmachtakademie. Dabei ging es darum,Generalstabsoffiziere durch den Besuch von zivilen Universitäten zum Denken über den engeren militärischen Bereich hinaus anzuregen. Diese Kurse haben über den Tod ihres Schöpfers hinaus bis zum Jahr 1932/1933 bestanden.

Neue Deutsche Biographie

General der Infanterie Walther Reinhardt Wehrkraft und Wehrwille. Aus seinem Nachlaß mit einer Lebensbeschreibung hrsg. von Ernst Reinhardt.jpg
Nach seiner Kadettenzeit trat R. 1891 als Fähnrich in das Grenadier-Rgt. „Kgn. Olga“ (1. Württ.) Nr. 119 ein. Seiner Ausbildung zum Truppen- und Generalstabsoffizier folgte 1901 die Kommandierung zum Großen Generalstab, dem er mit kurzen Unterbrechungen bis 1918 angehörte. Den 1. Weltkrieg erlebte er zunächst im Stab des XIII. Armeekorps (1914–16) an der Westfront, dann als Chef des Stabes bei der 11. Armee in Mazedonien (1916/17) bzw. bei der 7. Armee in Frankreich (1917/18). Für seine Leistungen bei den Frühjahrsoffensiven und in den Abwehrkämpfen im Sommer 1918 erhielt er die höchsten preuß. und württ. Tapferkeitsauszeichnungen. Anfang Nov. 1918 zum Leiter der Demobilmachung ins Preuß. Kriegsministerium berufen, organisierte R. in den ersten Revolutionstagen die Sicherung der Reichskanzlei und erwarb sich dabei das besondere Vertrauen Friedrich Eberts. Seine Ernennung zum letzten preuß. Kriegsminister am 2.1.1919 machte er davon abhängig, daß ihm der Rat der Volksbeauftragten in der Frage der Kommandogewalt der Offiziere folgte. Dafür war er zum Entgegenkommen in Äußerlichkeiten (wie dem Ersatz der Schulterstücke durch schmucklose Ärmelstreifen) bereit. Seiner harten Linie eines militärischen Widerstandes gegen die Unterzeichnung des Versailler Vertrags folgte das Kabinett Scheidemann im Sommer 1919 nach anfänglicher Bereitschaft nicht. Am 1.10.1919 zum Chef der Heeresleitung ernannt, übernahm R. die Verantwortung für die Reduzierung der Streitkräfte auf ein einheitliches Reichsheer von 100 000 Mann und die Neuorganisation der Wehrmacht. Da das Kabinett seinem Plädoyer für einen bewaffneten Widerstand gegen den Kapp-Putsch nicht folgte, trat er im März 1920 gemeinsam mit Reichswehrminister Noske zurück, ließ sich aber für eine weitere Truppenverwendung gewinnen. 1920-24 führte er als Befehlshaber den Wehrkreis V (Stuttgart), zum Jahresbeginn 1925 trat er als General d. Inf. an die Spitze des Gruppenkommandos 2 in Kassel. Auf eigenen Wunsch Ende 1927 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, setzte R. seine Initiativen für eine Verbesserung der Generalstabsausbildung fort, indem er für einen kleinen Kreis ausgewählter Offiziere in den sog. „Reinhardt-Kursen“ Vorlesungen an der Universität und der Hochschule für Politik in Berlin arrangierte. Bei aller persönlichen Loyalität zur Republik lehnte er die Versailler Entwaffnungsbestimmungen weiterhin strikt ab und arbeitete publizistisch an einer Stärkung der „Wehrhaftigkeit“ der dt. Jugend.[2]

Familie

Walther war der Sohn des Generalmajors und Kommandeurs des Infanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm, König von Preußen“ (2. Württembergisches) Nr. 120 August von Reinhardt (persönlicher, nicht vererbbarer Adel; 1827–1907), und dessen Frau Emilie, geb. von Wiedenmann. Sein Bruder Ernst (1870-1939) war zuletzt Generalleutnant und Vater des Generalmajors Hellmuth Reinhardt (1900–1989). 1900 heiratete Oberleutnant Reinhardt in Berlin seine Verlobte Luise Fürbringer, aus der Ehe sind drei Töchter entsprossen: Lotte, Hedwig und Ursula.

Nachlaß

„Der Nachlaß Walther Reinhardts umfaßt Dokumente aus seiner Militärdienstzeit sowie private Korrespondenzen. Einen nicht unerheblichen Teil bilden daneben Manuskripte für Vorträge und Veröffentlichungen, die Reinhardt vor allem nach seinem Ausscheiden aus dem Heeresdienst verfasste. Ergänzt werden die Dokumente durch Zeitungsausschnittsammlungen Reinhardts, welche insbesondere die Jahre 1918/1919 betreffen. Der Nachlass Reinhardts war nach dessen Tod am 8. August 1930 zum größten Teil im Besitz seiner Tochter, Studiendirektorin Lotte Reinhardt. Diese übergab am 7. September 1939 dem damaligen Heeresarchiv Stuttgart 13 Aktenbüschel und drei Kriegstagebücher sowie am 11. September 1940 weitere Archivalien, nämlich Fotografien (z.T. in Alben), Zeitungsauschnitte sowie dienstliche Personalerinnerungen. Die Dokumente aus dem Nachlass Reinhardts wurden im Heeresarchiv chronologisch geordnet, in Mappen geheftet und verzeichnet. Das Repertorium mit einem Vorwort von Generalmajor z. V. Sieglin lag am 15. Oktober 1940 vor. Ein kleiner Teil des Nachlasses war kurz nach dem Tod Reinhardts dem Heeresarchiv Potsdam übergeben worden. Mit Schreiben vom 11. September 1940 suchte das Heeresarchiv Stuttgart die Überlassung dieses Nachlassteils zu erwirken, um ihn mit dem zu diesem Zeitpunkt in Bearbeitung befindlichen Stuttgarter Bestand zu vereinigen. Das Heeresarchiv Potsdam teilte jedoch am 23. Oktober 1940 mit, dass sich in seiner Verwahrung ‚keine privaten Aufzeichnungen‘ Reinhardts befänden. Das Heeresarchiv Stuttgart scheint keine weiteren Versuche unternommen zu haben, um in den Besitz des Potsdamer Teilnachlasses zu gelangen. Da das Heeresarchiv Potsdam unmittelbar vor Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und seine Bestände zum größten Teil vernichtet worden sind, sind die dorthin übergebenen Unterlagen aus dem Eigentum Reinhardts vermutlich heute verloren. Am 17. Februar 1961 übergab Lotte Reinhardt dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart, das inzwischen den größten Teil der Bestände des früheren Heeresarchivs Stuttgart übernommen hatte, weitere in ihrem Besitz befindliche Dokumente ihres Vaters (Briefe, Aufzeichnungen, Entwürfe, Drucksachen, Zeitungsausschnitte). Diese Archivalien wurden im Sommer 1964 von Oberstaatsarchivrat Dr. Uhland geordnet, verzeichnet und mit dem älteren Bestand vereinigt. Dabei wurden mehrfach die vom Heeresarchiv gebundenen Sammelmappen aufgelöst, um dahin gehörige Stücke chronologisch einreihen zu können. Auch zeigte sich bei diesen Arbeiten, dass die Verzeichnung im Heeresarchiv unvollständig, in einzelnen Fällen auch unrichtig erfolgt war. Der neue Bestand umfasste 56 Mappen, die in Anlehnung an die chronologische Ordnungsmethode des Heeresarchivs strukturiert waren. Bei einigen der gebildeten Büschel wurden Unterfaszikel gebildet. Vor der Abgabe an das Hauptstaatsarchiv Stuttgart hatte Lotte Reinhardt den in ihren Händen befindlichen Nachlass ihres Vaters Herrn Professor Fritz Ernst (Heidelberg) zur Verfügung gestellt, der ihn für eine Veröffentlichung verwendete (Ernst, Fritz: Aus dem Nachlass des Generals Walther Reinhardt, Stuttgart 1958). Dabei scheinen einzelne Stücke bei Professor Ernst verblieben und auch nach seinem Tod (22. Dezember 1963) nicht mehr an die Besitzerin gekommen zu sein. In den Jahren 1964 bis 1987 erfolgten immer wieder Abgaben von Dokumenten aus dem Nachlass von Walther Reinhardt durch seine Tochter Lotte Reinhardt. Am 29. Dezember 1964 übergab Lotte Reinhardt Zeitungsausschnitte und Schriften. Dabei befanden sich auch von Professor Ernst gefertigte Abschriften. Die abgegebenen Archivalien wurden geordnet, erfasst und zu den entsprechenden Büschelnummern gelegt. Darüber hinaus wurden zwei neue Büschel gebildet. Damit hatte sich der Umfang des Nachlasses auf 58 Mappen vergrößert. Weitere Archivalienabgaben erfolgten durch Lotte Reinhardt am 27. August 1969, am 7. März 1970, am 12. März 1973, am 6. Februar 1978, im April 1978, am 16. August 1978 und am 26. Januar 1987. Die Stücke umfassten vor allem private Korrespondenzen Walther Reinhardts (Briefe an die Eltern, Ehefrau, Kinder) und Zeitungsausschnitte. Diese Dokumente waren bisher unverzeichnet. Der Bestand M 660/034 wurde im September 2010 von der Anwärterin Sylvia Günteroth unter Anleitung von Dr. Wolfgang Mährle neu erschlossen. Im Zuge dieser Arbeiten erfolgte eine Klassifikation der Unterlagen, welche die bisherige chronologische Ordnung ablöste. Die Zuweisung der bis 1964 ins Archiv gekommenen Dokumente zu einzelnen Büscheln sowie die Gliederung dieser Archivalieneinheiten in Unterfaszikel sind beibehalten worden. Die vorhandenen Titelaufnahmen wurden behutsam überarbeitet. Die bisher noch nicht verzeichneten Archivalien, die zwischen 1969 und 1987 ins Archiv gelangt waren, wurden geordnet und verzeichnet.“[3]

Beförderungen

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Ehrung

Schriften (Auswahl)

  • mit Hans Zenker: Wehrwille und Wehrgedanke in Deutschlands Jugend – Zwei Vorträge auf der Freusburger Schulungswoche 1929, Bernard & Graefe, 1930
  • Wehrkraft und Wehrwille. Aus dem Nachlaß mit einer Lebensbeschreibung, herausgegeben von seinem Bruder Ernst Reinhardt, 1932 (posthum)

Literatur

  • Ernst, Fritz: Aus dem Nachlaß des Generals Walther Reinhardt, Stuttgart 1958
  • Kohlhaas, Wilhelm: Walther Reinhardt – General der Infanterie, 1872-1930, in: „Lebensbilder aus Schwaben und Franken“, 17. Band, Stuttgart 1991, S. 306-316
  • Mulligan, William: The creation of the modern German Army – General Walther Reinhardt and the Weimar Republic, 1914-1930, New York 2005

Fußnoten

  1. Reinhardt, Walther, Württembergische Biographien 2, S. 223-225
  2. Reinhardt, Walther Gustav, Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 363
  3. Militärischer Nachlass Walther Reinhardt, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, M 660/034
  4. 4,00 4,01 4,02 4,03 4,04 4,05 4,06 4,07 4,08 4,09 4,10 4,11 4,12 4,13 4,14 4,15 4,16 4,17 Rangliste des Deutschen Reichsheeres. 1930, ZDB-ID 380055-6, S. 41.