Moltke, Helmuth Karl Bernhard Graf von

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Moltke, Helmuth Karl Bernhard Graf von.jpg

Helmuth Karl (Carl) Bernhard Freiherr von Moltke, seit 1870 Graf von Moltke, genannt Moltke der Ältere, bekannt auch als „der große Schweiger“[1] (Lebensrune.png 26. Oktober 1800 in Parchim; Todesrune.png 24. April 1891 in Berlin) war ein deutscher Generalfeldmarschall in der Preußischen Armee. Der Feldherr und Walhalla-Genosse hatte als Chef des Großen Generalstabes wesentlichen Anteil an den preußisch-deutschen Siegen im Deutsch-Dänischen Krieg, im deutschen Bruderkrieg und im Deutsch-Französischen Krieg. Zwei bekannte und bezeichnende Wahlsprüche werden ihm zugeschrieben: „Erst wägen, dann wagen.“ sowie „Mehr sein als scheinen – viel leisten und wenig hervortreten“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Generalfeldmarschall von Moltke
Generalfeldmarschall Graf von Moltke.jpg
Generalfeldmarschall Graf von Moltke schreitet 1890 die Front des I. Seebataillons der Kaiserlichen Marine ab. Begleitet wird er u. a. von Kommandeur Kurt Lölhöffel von Löwensprung (1844–1916), Admiral Freiherr von der Goltz und Vizeadmiral von Knorr.
Gemälde von Franz von Lenbach

Wirken und Bedeutung

Von Moltkes größte militärische Leistung war die Einleitung des Feldzuges während des Deutschen Krieges von 1866 (Einmarsch in getrennten Kolonnen gegen die versammelte österreichisch-sächsische Armee). Der Militärtheoretiker hielt sich an die Lehren Carl von Clausewitz’ und entwickelte seine Theorien weiter. Aber auch seine glänzende Strategie der Beweglichkeit und der Schnelligkeit als Oberbefehlshaber der deutschen Truppen während des Deutsch-Französischen Krieges gereichten ihm zu Ruhm. Er begegnete der starren Armeen des französischen Aggressors mit einer flexiblen Taktik und räumte Teile seiner Einheiten, insbesondere der neu organisierten Reiterei, den Vorteil eines Führens mit Auftrag ein. Wegen der vielen Unwägbarkeiten im Krieg hielt er nur den Beginn eines Feldzuges für planbar: „Kein Plan überlebt die erste Feindberührung.“ Daher sah er seine Aufgabe vor allem in der umfassenden Planung der militärischen Auseinandersetzung unter Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten. Den Unterführern gewährte er weitgehende Handlungsfreiheit in der Durchführung des Kampfauftrages. Mit diesen Prinzipien wurde Graf von Moltke während seiner Zeit zum Vorbild in der Führung moderner Massenheere.

Zu seinem Wirken heißt es:

„Dem deutschen Volk hat Bismarck das einige Reich errungen. Doch niemals hätte dies Werk sich gefügt, wenn nicht dem Kanzler die scharfe Waffe des preußischen Heeres zu Diensten gestanden wäre. Helmut von Moltke hat dieses Heer zum Siege geführt. Frühzeitig schon zog man den fähigen Offizier zu besonderen Diensten heran: so hat er in den dreißiger Jahren das türkische Heer nach preußischem Muster geschult. Doch erst die strenge, fordernde Arbeit im Generalstab läßt ihn die Fähigkeiten, die er dem Vaterlande entgegenzubringen hat, bis zum äußersten nützen. Seit Scharnhorsts Tagen hatte der preußische Generalstab immer nur tüchtige Chefs erlebt. Mit Moltke aber tritt wieder ein Geist ein, der ebenbürtig neben dem Genius Scharnhorst steht. Das preußische Heer, von Moltke zu bester Schlagkraft erzogen, hat unter seinem Befehl die Kriege gegen Dänemark, Habsburg und Frankreich geschlagen, um das einige Reich zu gewinnen. Der Generalfeldmarschall aber, der Sieger von Königgrätz und von Sedan, Stratege von kühnstem Zuschnitt in seinen neuen Gedanken, wird vielen Geschlechtern von Offizieren zum Inbegriff lautersten Preußentums: streng und edel, hochfliegend und kühn, verschwiegen und seinem Werke treu, so geht er in Bismarcks Gefolgschaft durch die deutsche Geschichte.“[2]

Alfred Graf von Schlieffen, Chef des preußischen Großen Generalstabs (1891 bis 1905), sagte 1903 in einer Festrede über den großen Schweiger von Moltke:

„Viel leisten, wenig hervortreten, mehr sein als scheinen, muß sich somit jeder Generalstabsoffizier zum Wahlspruch nehmen.“

Graf von Moltke über die Kriegslehre

„Es gibt Feldherrn, die keines Rates bedürfen, die in sich selber wägen und beschließen; ihre Umgebung hat nur auszuführen. Aber das sind Sterne erster Ordnung, deren kaum jedes Jahrhundert aufzuweisen hat. In den allermeisten Fällen wird der Führer eines Heeres des Beirats nicht entbehren wollen. Dieser kann sehr wohl das Resultat gemeinsamer Erwägung einer kleineren oder größeren Zahl von Männern sein, deren Bildung und Erfahrung sie vorzugsweise zu einer richtigen Beurteilung befähigt. Aber in dieser Zahl schon darf nur eine Meinung zur Geltung kommen. Die militärisch-hierarchische Gliederung muß der Unterordnung, auch des Gedankens, zur Hilfe kommen [...] Am unglücklichsten aber ist der Feldherr, der noch eine Kontrolle über sich hat, welcher er an jedem Tag, in jeder Stunde Rechenschaft von seinen Entwürfen, Plänen und Absichten legen soll, einen Delegaten der höchsten Gewalt im Hauptquartier oder doch einen Telegraphendraht im Rücken. Daran muß jede Selbständigkeit, jeder rasche Entschluß, jedes kühne Wagnis scheitern, ohne welche doch der Krieg nicht geführt werden kann.“

90. Geburtstag

Sein 90. Geburtstag wurde am 26. Oktober 1890 auf Befehl des Deutschen Kaisers in besonderer Weise gefeiert. Nachdem ihm am 25. Oktober abends in Berlin ein großartiger Fackelzug dargebracht worden war, beglückwünschte ihn der Kaiser am 26. Oktober persönlich an der Spitze zahlreicher Fürstlichkeiten und ließ die Fahnen der Berliner Garnison vom Schloß für 24 Stunden in Moltkes Wohnung bringen. Schulen und Vereine veranstalteten an diesem Tage große Feierlichkeiten in ganz Deutschland. Sein Geburtshaus in Parchim wurde angekauft und eine Moltke-Stiftung errichtet.

Chronologischer Werdegang

Moltke-Büste von Adolf von Donndorf (1889)
Moltkebüste von Ludwig Brunow
Standbild von Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke im Tiergarten Berlin
  • 1811 Aufnahme in der dänischen Kadettenakademie in Kopenhagen, zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern Wilhelm von Moltke (1798–1834; norwegischer und dänischer Offizier) und Friedrich „Fritz“ Joachim von Moltke (1799–1874; dänischer Kammerherr). Von Moltke hatte insgesamt sieben Geschwister, darunter zwei Schwestern. Sein Vater, Friedrich Casimir Siegfried von Moltke, Herr auf Samow, war ein Hauptmann des kaiserlichen Reichsheers. Vom Ende des 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Samow Sitz der Familie von Moltke, die zum Uradel Mecklenburgs gehört und deren Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen.
  • 1818 zum Secondelieutenant befördert, diente von Moltke im dänischen Infanterieregiment Oldenburg in Rendsburg.
  • Ab 1822 diente von Moltke in der Preußischen Armee, zunächst als Secondelieutenant im Leibgrenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm III.“ in Frankfurt/Oder.
  • 1823–1826 Besuch der preußischen Kriegsakademie in Berlin
  • 1832 wurde von Moltke zum Generalstab kommandiert.
  • 1832 Beförderung zum Premierlieutnant, 1835 zum Hauptmann
  • 1836 bis 1839 als Instrukteur der türkischen Truppen abkommandiert; Teilnahme am Feldzug des Osmanischen Reichs gegen die ägyptischen Truppen im Jahre 1839
  • 1840 Versetzung zum Generalstab des 4. Armeekorps
  • 1842 Beförderung zum Major
  • 1843 Erhebung in den preußischen Freiherrenstand
  • 1845/46 Adjutant des Prinzen Friedrich Heinrich Karl von Preußen in Rom
  • Von 1849 bis 1855 war von Moltke Chef des Generalstabs des IV. Armeekorps und ab 1856 Adjutant des späteren Kaisers Friedrich III.
  • 1850 Oberstlieutnant, 1851 Oberst, 1856 Generalmajor
  • 1858 Chef des Generalstabs der Preußischen Armee
  • 1859 Generallieutnant
  • 1866 General der Infanterie
  • Am 28. Oktober 1870 wurde von Moltke der erbliche Titel eines Grafen verliehen.
  • 1871 Ernennung zum Generalfeldmarschall. Von Moltke war bis zu seiner Verabschiedung 1888 in der Dienststellung des Chefs des Großen Generalstabs. Für seine militärischen Verdienste erhielt von Moltke hohe Dotationen, die ihn in die Lage versetzten, 1867 das Rittergut Kreisau in Schlesien für 240.000 Taler zu erwerben und 1868 das Familienfideikommiß Kreisau zu errichten.
  • Da Moltkes Ehe kinderlos blieb, trat Wilhelm Joseph Bernhard Friedrich Adolf Graf von Moltke (1845–1905), der älteste Sohn Bernhard Adolf Erdmann Georg von Moltkes (1804–1871), das Familienfideikommiß Kreisau 1891 als Erbe an.
  • 1910 Aufstellung der Büste von Helmuth von Moltke in der Walhalla

Familie

Von Moltke heiratete am 20. April 1842 die aus Itzehoe stammende Marie Burt. Er hatte in Schlesien das Gut Kreisau als Alterssitz erworben. Dort errichtete er für seine Frau, die am 24. Dezember 1868 im Alter von 43 Jahren früh verstorben war, ein Mausoleum am Kapellenberg, das noch heute zu finden ist. Moltke war Onkel des preußischen Generalobersten und Chefs des Großen Generalstabes Helmuth Johannes Ludwig von Moltke (genannt Moltke der Jüngere).

Tod

Von Moltke verstarb am 23. April 1891 in seiner Dienstwohnung im Alsenviertel, nördlich des Königsplatzes in Berlin. Der Bildhauer Otto Lessing (1846–1912) nahm im Auftrag der Heeresleitung die Totenmaske und Abdrücke der Hände ab. Auf Grundlage dieser Abformungen schuf Lessing bis 1894 eine Halbfigur Moltkes aus Marmor (Kriegsverlust). Generalfeldmarschall a. D. Graf von Moltke wurde, nachdem dort eine große Leichenfeier stattgefunden hatte, in der von ihm erbauten Grabkapelle (Mausoleum) auf Gut Kreisau in Schlesien neben seiner Gemahlin beigesetzt. Seinen militärischen Nachlaß gab ab 1892 der Große Generalstab heraus.

Verbleib

Seine Gebeine gingen am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 nach Einfall der Roten Armee verloren.

Zitate von Moltke (Auswahl)

  • Kein Plan überlebt die erste Feindberührung.“
  • Getrennt marschieren, vereint schlagen.“
  • Die Juden sind trotz ihrer Zersplitterung eng verbunden. Sie werden durch unbekannte Obere zu gemeinsamen Zwecken folgerecht geleitet. [...] Indem sie alle Versuche der Regierungen, sie zu nationalisieren, zurückweisen, bilden die Juden einen Staat im Staate und sind in Polen eine tiefe und noch heute nicht vernarbte Wunde dieses Landes geworden.“[3]
  • Im Feldzug von 1812 waren die Juden die Spione, die von beiden Teilen besoldet wurden und die beide Teile verrieten.“[4]

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Standbild Helmuth von Moltkes; Detail (Modell) für das monumentale Siegesdenkmal in Leipzig von Bildhauer Rudolf Siemering; errichtet 1888, zerstört von den Kommunisten um 1946.

Orden

Die Rang- und Quartier-Liste der Königlich Preußischen Armee für 1884 verzeichnet folgende Orden:

Ehrungen

  • Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (1860)
  • Erhebung in den erblichen preußischen Grafenstand (28. Oktober 1870)
  • Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg (1871)
  • Ehrenbürger von 23 Städten, u. a. Berlin (1871), Dresden (1871), Hamburg (1871), Köln (1879), Königsberg (1890) und München (1890)
  • Zahlreiche Medaillen und Münzen mit dem Abbild des Generalfeldmarschalls wurden in den Jahren herausgegeben
  • Moltke (Mondkrater) (1935)
  • In vielen Städten sind Straßen, Plätze und Brücken nach ihm benannt worden, wobei diese Bezeichnungen teilweise auch wieder rückgängig gemacht wurden, z. B. in Wien zu Dunantgasse.
  • Guinea gab am 10. Dezember 2012 eine Briefmarke heraus, die Moltke und eine preußische Bahn G 12 zeigen

Denkmäler

Mindestens 68 Moltkedenkmäler sind zu Ehren des preußischen Generalfeldmarschalls Helmuth Karl Bernhard von Moltke errichtet worden. Für das Gebiet des einstigen Deutschen Reiches sind gegenwärtig zwei erhaltene Reiterstandbilder und etwa 20 Standbilder, außerdem einige Büstendenkmäler und Reliefs nachweisbar. Ein bis heute erhaltenes Moltkedenkmal steht in Istanbul. Einige der Reliefs befinden sich – oft zusammen mit solchen von Otto von Bismarck und Albrecht von Roon – an den Sockeln von Kaiser- und Kriegerdenkmälern (an weitere 73 Orten).

Das Moltkedenkmal in Parchim ist das älteste Deutschlands und wurde 1876 noch zu Lebzeiten des Dargestellten eingeweiht. Des weiteren wurden Moltke-Türme gebaut: Parchim (1913 geplant, nicht realisiert), Porta Westfalica, 1906 Umwidmung (Moltketurm), Schlegel (Kreis Glatz), 1913 und Sangerhausen, 1904 (Moltkewarte).

Werke

  • Zwei Freunde (Novelle), 1827 (PDF-Datei)
  • Briefe über die Zustände und Begebenheiten in der Türkei 1835–39, 1841 (PDF-Datei)
  • Der russisch-türkische Feldzug 1828–29, 1845 (PDF-Datei)
  • Briefe aus Russland. Berlin, Paetel 1877 (PDF-Datei)
  • Wanderbuch: Handschriftl. Aufzeichnungen aus d. Reisetagebuch. Berlin, Paetel 1879 (PDF-Datei)
  • Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges von 1870–71, 1891 (PDF-Datei)
  • Briefe an seine Braut und Frau, 1893 (PDF-Datei)
  • Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten, 1892 PDF-Datei 23 MB
  • Moltke. Aufzeichnungen, Briefe, Schriften, Reden. 1922
  • Unter dem Halbmond. Erlebnisse in der alten Türkei 1835–1839, Horst Erdmann Verlag, 1979

Siehe auch

Literatur

Verweis

Fußnoten

  1. Dieser Beiname entstand im Preußisch-Österreichischen Krieg (1866), vgl.: Historisches Schlagwörterbuch (1906)
  2. Karl Richard Ganzer: Das deutsche Führergesicht, 200 Bildnisse deutscher Kämpfer und Wegsucher aus zwei Jahrtausenden. 1937 Lehmanns-Verlag München
  3. Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten des Generalfeldmarschalls Grafen Helmuth von Moltke. 1892, Bd.2, S. 101f
  4. Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten des Generalfeldmarschalls Grafen Helmuth von Moltke. 1892, Bd.2, S. 148
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