Schlacht bei Belle Alliance

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Die letzte Schlacht vom 18. Juni 1815, die Napoleon Bonaparte schlug, wurde von den Engländern als die von „Waterloo“ bezeichnet. In Deutschland allerdings wurde sie die Schlacht bei Belle Alliance genannt. Nur die Briten benannten die Schlacht nach dem Dorf Waterloo, da Lord Wellington dort sein Hauptquartier hatte; die Franzosen bezeichneten sie nach dem Dorf Mont St.-Jean, dem Schlüssel der britischen Stellung, die Preußen nach dem Meierhof La Belle-Alliance (zu deutsch: der schöne Bund), wo das französische Zentrum stand. Mit dem endgültigen Sieg der Siebten Koalition über den Tyrannen Napoleon endete auch die Franzosenzeit.

„Battle of Waterloo“, Gemälde von William Sadler

Geschichte

Plan zur Schlacht von Belle-Alliance

Durch den deutschen Selbsthaß und die Verherrlichung der Westalliierten in der von ihnen errichteten BRD, aber auch durch die VS-„Unterhaltungs“-Filmindustrie, wird die Bezeichnung „Waterloo“ auch in Deutschland derzeit dominierend verwendet – fast immer auch noch mit der falschen englischen Aussprache „wohtaluh“, statt der korrekten niederdeutschen, die mit der hochdeutschen übereinstimmt.

Die Schlacht fand weitgehend unter dem Oberbefehl Wellingtons statt, was die englische Geschichtsschreibung und anglophile Unterhaltungsindustrie (unter anderem der Film oder der Modellbau) dazu bewog, sie als ungeheuer bedeutend darzustellen. In Wahrheit war sie aber lediglich der Schlußpunkt in Napoleons kriegerischem Wirken, der zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich schon schwer gezeichnet war und nur mehr über Truppen aus Frankreich selbst verfügen konnte, also keine starken deutschen, italienischen, polnischen usw. Kontingente mehr zur Verfügung hatte.

Diese französische Armee bestand, bis auf die berüchtigte „Alte Garde“, auch noch größtenteils aus neu ausgehobenen jungen Rekruten, nachdem die Veteranen in den vorhergehenden Kriegen Napoleons in großer Zahl auf den Schlachtfeldern geblieben waren. Gegen Napoleon stand aber ein Bündnis aller anderen europäischen Großmächte, deren Armeen inzwischen auch schon die revolutionären Taktiken der Franzosen übernommen hatten.

Die Engländer hatten sogar in der Armee Wellingtons eher einen geringen Anteil. Abgesehen von den Schotten, bildeten die Deutschen der Königlich Deutschen Legion („King’s German Legion“) und dem Herzoglich Braunschweigischen Feldkorps sowie Niederländern und Wallonen einen großen Teil. Und die Entscheidung in der Schlacht brachten schließlich die Preußen unter Feldmarschall von Blücher, die trotz der zwei Tage zuvor erfolgten Niederlage in der Schlacht bei Ligny überraschend und entscheidend in das Kampfgeschehen eingriffen – nicht etwa eine überlegene Feldherrenleistung Wellingtons. Ebenso entscheidend für den Sieg der Koalitionstruppen war die gleichzeitig stattfindende Schlacht bei Wavre, bei der zahlenmäßig unterlegene Truppen der Preußischen Armee 34.000 bis 50.000 Soldaten Napoleons zwei Tage in blutige Gefechte binden konnten, so daß diese nicht als Entsatz für die Schlacht bei Belle Alliance verwendet werden konnten.

Von Blücher

Massenangriff der französischen Kavallerie unter der Führung des Marschalls Michel Ney
Links die Schlacht bei Belle Alliance, rechts die Schlacht bei Wavre
Herzog von Wellington bedankt sich beim Retter und Waffengefährten Feldmarschall von Blücher kurz nach 21 Uhr am 18. Juni 1815 südlich der Meierei (Pachthof) am Gasthof „La Belle Alliance“

Dem schweren Gewitterregen des Vortages folgte am 17. Juni 1815 ein grau bezogener Himmel mit drückender Schwüle, und noch immer gingen schwere, lang anhaltende Regenschauer nieder. Napoleon, durch die Oberflächlichkeit des die Preußen verfolgenden Generals Pajol falsch informiert, nahm nun an, der Gegner ziehe sich in totaler Auflösung nach Namur zurück. Doch während die preußische Armee sich im Laufe des Vormittags völlig vom Feind trennte und nach Norden zog, nahmen von Blücher und Wellington wieder Verbindung auf. Der englische Oberbefehlshaber erklärte von Blücher, daß er am nächsten Tag, dem 18. Juni, auf dem strategisch geradezu idealen Höhenzug nur eintausend Meter südlich des Dorfes Mont-St.-Jean den Kampf annehmen werde – sofern von Blücher ihn unterstützen wolle, notfalls mit nur einem einzigen Korps. Darauf erklärte der preußische Feldmarschall: „Ich werde kommen – mit meiner gesamten Armee!“

Am frühen Nachmittag des 17. Juni befahl Napoleon seinem Marschall Grouchy, der bisher lediglich die Kavallerie befehligt hatte, General Pajol zu unterstützen und die Preußen zu verfolgen, sie nicht aus den Augen zu verlieren und, sobald möglich, anzugreifen. Der Kaiser gab ihm dafür, je nach Quelle, zwischen 33.000 und 50.000 Soldaten und einhundert Geschütze – und schwächte dadurch seine eigene Kampfstärke erheblich. Grouchy, der bisher noch nie eine Armeegruppe selbständig befehligt hatte und keinerlei Erfahrung in der Infanterieführung besaß, übernahm den Auftrag widerwillig. Dann rückte er in Richtung Gembloux ab.

Der greise preußische Feldmarschall und leidenschaftliche Franzosenhasser von Blücher trieb indessen seine Soldaten zu einem enormen Gewaltmarsch in größter Eile an – zeitweise in schwerstem Regen und knietief in den Hohlwegen stehendem Wasser und Schlamm. Nach den lang anhaltenden, grausamen Kampfhandlungen des Vortages und den damit verbundenen Strapazen starben viele seiner Männer auf diesem Weg vor Erschöpfung, stehenzubleiben hätte jedoch für alle den Tod bedeutet.

Nachdem bis zum Abend des 17. Juni endgültig die letzten Schwadronen der englischen Reiterei durch die Franzosen von Quatre-Bras vertrieben worden waren, die Dunkelheit, anhaltender Dauerregen und heftiger Sturm die feindlichen Streitkräfte trennte, bezog Napoleon auf dem Gehöft Caillou Quartier an der Brüssler Straße, eine halbe Wegstunde südlich des Gasthofs „La Belle Alliance“.

In dem Moment, da die ersten Salven brüllend und heulend in die dicht an dicht und Reihe hinter Reihe stehenden Phalangen der Verbündeten am 18. Juni 1815 kurz vor der Mittagsstunde ihre Breschen fraßen, schrieb der vor zwei Tagen von den Franzosen bei Ligny zurückgeworfene preußische Feldmarschall von Blücher von Wavre aus einen Brief, in dem er den Alliierten unter Wellingtons Befehl mitteilte, daß er zum Schlachtfeld eilen und die Franzosen in ihrer rechten Flanke angreifen werde. Der 72jährige preußische „Marschall Vorwärts“ trieb daraufhin seine übermüdeten Truppen zu neuen Marschleistungen an, um sein Versprechen einzuhalten. Obwohl nach einem schweren Sturz mit seinem Pferd zwei Tage zuvor bei Ligny und unter erheblichen Schmerzen, würde er zwar noch spät, doch aus militärischer Sicht betrachtet nicht zu spät das Feld der Ehre erreichen, um den entscheidenden Schlag zu führen.

Bereits seit 14.00 Uhr wußte Napoleon vom Herannahen eines Korps der Blücher-Armee, doch war ihm die Truppenstärke – General der Infanterie von Bülows 15.000 Mann – noch nicht bekannt. Der Kaiser hatte keine Zeit zu verlieren, er mußte schnell mit Wellington fertig werden, um sich dann auf die Preußen zu werfen. Er hatte Neys Vorgehen und Versagen vom Hügel La Belle Alliance aus in allen Einzelheiten beobachtet und ließ den Marschall zu sich rufen. Napoleon machte Ney keine Vorwürfe, sondern unterstellte seinem Befehl die gesamte Armee, einschließlich der Garde-Kavallerie – ein verhängnisvoller Fehler. Der Kaiser selbst behielt nur noch die Garde zu Fuß. Neys Auftrag: „La Haie Sainte nehmen, unter gar keinen Umständen darüber hinausgehen, sondern dort weitere Befehle abwarten.“

Trotz der durch den Regen aufgeweichten Wege erreichten die Spitzen von Bülows Korps nach 13 Uhr den östlichen Rand des Schlachtfeldes bei St. Lambert. Um 16.30 Uhr konnte General der Infanterie von Bülow zunächst mit zwei Brigaden, ab 17.30 Uhr mit seinem ganzen Korps bei Frichemont zum Angriff auf General Lobau übergehen, der mit zwei Divisionen den Preußen entgegengeschickt worden war, um sie aufzuhalten. Doch dazu war Lobau bereits zu schwach. Er mußte sich auf Plancenoit, ein Dorf ungefähr im Rücken des französischen Zentrums, zurückziehen, um dessen Besitz nun ein hitziger Kampf entbrannte.

Um seine Truppen, die angesichts der sich den ganzen Tag vor ihren Augen abspielenden Katastrophe Aufstellung nahmen, neu zu motivieren, ließ Napoleon unter ihnen die Meldung verbreiten, Grouchy würde mit seinen Männern jeden Augenblick ankommen – und er deutete auf die dunklen Kolonnen der vorrückenden Preußen. Einen Moment später preßte er sich die Hände auf den schmerzenden Unterleib, und in gekrümmter Haltung rief er wütend:

„Wo ist Grouchy, verdammt nochmal, wo ist Grouchy? Warum folgt er nicht dem Ruf der Kanonen und kommt hierher zum Schlachtfeld?“

Doch Marschall Grouchy sollte mit seinen zehntausenden Soldaten das Schlachtfeld bei Waterloo niemals mehr erreichen. Er wurde vom III. Armee-Korps der Preußischen Armee unter Generalleutnant Johann Adolf von Thielmann und dessen Stabschef Carl von Clausewitz in die Schlacht bei Wavre verwickelt und war somit gebunden. Dies war nun Feldmarschall von Blüchers Stunde.

Napoleons drei Garde-Bataillone erreichten den Hohlweg an der Schanze, an der auf breiter Fläche bis zu sieben Verwundete, Sterbende und Tote übereinander lagen. Phalangen mit sechzig Männern pro Reihe griffen mit gefällten Bajonetten Wellingtons Truppen an. Es kam zu heftigen Nahkämpfen, in deren Verlauf es den Gardisten gelang, tief in die Front der Alliierten einzudringen. Zehn Minuten später erreichten auch die nächsten vier Sturmbataillone mit weiteren 3.000 Gardisten die Anhöhe. Nahe dem Ohain-Hohlweg trieben nun Neys Sturmkolonnen einen breiten, tiefen Keil in die britische Front. Die Lage der Verbündeten unter britischer Flagge war nun äußerst kritisch, denn immer mehr der bisher Widerstand bietenden Karrees lösten sich auf. Vergeblich versuchte der Prinz von Oranien, die Geschlagenen wieder vorwärts zu führen. Eine Gewehrkugel durchbohrte bei dieser Attacke seine Schulter.

Auf französischer Seite glaubte man bereits an den Sieg, doch in diesem Moment beobachtete Napoleon, daß an seinem rechten Flügel die Preußen von Ohain aus in mehreren Kolonnen heranrückten. Inzwischen waren aus Plancenoit die Reste der anderen acht Garde-Bataillone, jener der Jungen Garde, bei La Belle Alliance eingetroffen. In Anbetracht der sich nähernden Preußen erteilte Napoleon um 19.30 Uhr seiner Garde den Befehl zum Vormarsch. Doch zu dieser Zeit fielen von Blüchers immer stärker vorrückende Truppen bereits in die rechte Flanke der Franzosen und schlugen den Feind erbarmungslos zusammen. Die Preußen eroberten schließlich Plancenoit, drängten dem geschlagenen Feind energisch nach, drückten seinen rechten Flügel völlig ein und verwandelten den Rückzug in wilde Flucht. Um 21.15 Uhr trafen sich von Blücher und Wellington am Gasthof „La Belle Alliance“ und reichten sich die Hände.

Die Verfolgung betrieben die Preußen unter von Gneisenaus Leitung nachdrücklich die ganze Nacht hindurch. Die Flucht der Franzosen ging über Charleroi und Philippeville nach Laon, wo sich etwa 2.000 Mann zusammenfanden.

„Nachrichten aus den Niederlanden vom 19. Jun. (Zusätze zu der umständlichen Erzählung der großen Schlacht.) Feldmarschall von Blücher befand sich einmal in der Mitte der Französischen Kuirassire, aber die wackern Uhlanen der Preußischen Landwehr retteten ihn durch die tapferste Gegenwehr. Der Gen. Gneisenau, dem in den Schlachttagen zwey Pferde unter dem Leibe erschossen und der Degen in der Hand zerschmettert wurde, übernahm die Verfolgung des Feindes, und er soll der Erste am Wagen Buonaparte’s gewesen seyn, aus dem dieser, mit Zurücklassung von Hut und Mantel, sich eben auf kaum begreifliche Weise gerettet. Am Abend des Schlachttages hatte er Charleroy schon erreicht und verfolgte die Flüchtigen bis Beaumont. Nach Mitternacht schwieg der Kanonendonner; und der Feldmarschall hatte am 18. sein Hauptquartier in Charleroy. Die Schlacht löste sich zuletzt an den Punkten, wo sie am heftigsten entbrannte, in ein Handgemenge und ein allgemeines Metzeln auf, indem kein Kommando mehr galt, weil Offiziere und Soldaten gleich fochten und allein Kolben und Bajonette arbeiteten. Die britische Reiterei, die am Ende in die Haufen eingebrochen, entschied die Schicksale des Tages, und der Feind gab sich auf die Flucht, auf der im Durchzug durch die engen Wege und die mit Tross und Kanonen und Gepäcke zugefahrnen Dörfer ganze Massen vom Kartätschenfeuer des Geschützes aufgerieben wurden. 20.000 Mann Gefangene hat man gezählt, und mit den Kanonen ist das ganze Feldgeräte des feindlichen Heeres genommen.“ — „Neue Zürcher Zeitung“ vom 4. Juli 1815

Stärke (16. Juni 1815)

Aufstellung der Organisation und Stärke der Truppen der Niederrhein-Armee unter Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstatt während der Schlacht von Ligny, wobei von Blüchers Heer bei Ligny große Verluste erlitt, zudem fehlte bei Belle Alliance das III. Korps von Johann von Thielmann, das bei der Schlacht bei Wavre das zahlenmäßig überlegene Heer des Marschalls Emmanuel de Grouchy einband und in Schach hielt:

Löwenhügel: Nach der Schlacht wurde zwischen dem Gehöft La Haye Sainte und Schloß Hougomont ein Hügel aufgeschüttet. Auf seiner Spitze steht eine 19 Meter hohe Säule, die ein Löwe krönt, der aus französischen Beutekanonen gegossen wurde. Der Löwe als Symbol des Sieges stützt sich auf eine Weltkugel und „verkündet die von Europa auf den Feldern von Waterloo errungene Ruhe“.

Im Anmarsch

Bilanz

Die Bilanz der Schlacht bei Belle Alliance betrug mindestens 50.000 getötete Soldaten und 11.000 getötete Pferde. Die Verlustzahlen an verwundeten und vermißten Soldaten differiert von 65.000 bis 77.000. Der gesamte Artilleriepark, die Geschütze und die Feldequipage Napoleons fielen in die Hände der Sieger. Die Franzosen verloren mit allen Toten, Verwundeten und Gefangenen mehr als die Hälfte der Armee, außerdem 182 Geschütze. Der Verlust auf seiten der Verbündeten betrug 1.120 Offiziere und 20.877 Mann.

Paris, St. Helena und Nachkriegszeit

Napoleon mußte auf der Flucht in Genappes seinen Wagen mit Hut, Degen u. a. in den Händen der deutschen Verfolger zurücklassen. Er erreichte am Morgen des 19. Juni Charleroi. Dort frühstückte er und versuchte vergeblich, einige Truppen zu sammeln. Napoleon wollte in einer Kalesche weiterreisen, doch die verstopften Straßen machten dies unmöglich. Er mußte also die Reise auf dem Pferd fortsetzen. Bei Philippeville stieg er mit Soult, Bertrand, Drouot, Flauhault, Gourgaud, Labédoyére und Amillet in einem Gasthaus ab. Vom Kommandanten der Festung lieh man sich eine Kutsche und brach wieder auf. Noch am selben Tag wurde Charleroi von den Truppen von Blüchers unter von Zieten (I. Korps) erobert.

Als Napoleon am 20. bzw. 21. Juni 1815 wieder in Paris eintraf, fand er bei den Kammern nicht nur keine Unterstützung für seinen Plan, den Kampf fortzusetzen, sondern dieselben drohten ihm sogar mit Absetzung, ja Verhaftung, wenn er nicht sofort abdanke, und drückten ihm, als er am 22. Juni dem Thron zugunsten seines Sohns Napoleon II. entsagt hatte, dafür den Dank der Nation aus. Tief gekränkt verließ er Paris und begab sich, unschlüssig über das, was er tun sollte, nach mehrtägigem Aufenthalt in Malmaison nach Rochefort, wo er den Hafen von englischen Schiffen blockiert fand und sich am 15. Juli an Bord des englischen Linienschiffs „Bellerophon“ begab, das mit ihm nach der Reede von Plymouth segelte. Auf Befehl der verbündeten Monarchen wurde der Gefangene nach St. Helena gebracht, wo er am 16. Oktober anlangte.

Feldmarschall von Blücher rückte in Eilmärschen alleine mit seinen Truppen auf Paris vor und besetzte es, nach zahlreichen Gefechten im Umland, mit dem I. Armee-Korps zum zweiten Mal (das erste Mal war 1814 nach der Schlacht bei Paris) am 7. Juli 1815, die Stadt kapitulierte ohne Gegenwehr angesichts des großen Siegers des Sommerfeldzugs von 1815. Das III. und IV. Armee-Korps blieben vorerst in ihren Positionen, rückten aber Tage später ein. Sein Hauptquartier hatte er ab dann in der Gemeinde Saint-Cloud, Gouverneur von Paris wurde Generalmajor Karl von Müffling genannt Weiß. Kommandant der Stadt Köln sowie des preußischen Sektors von Paris wurde Oberst Ernst von Pfuel. Von Müffling und von Pfuel sorgten für die konsequente Rückführung der von Napoleon geraubten Kulturgüter, wie der Quadriga vom Brandenburger Tor und des Marcuslöwen aus Venedig.

Schon am 5. Juli 1815 hatte von Blücher Befehle zum Verhalten der deutschen Soldaten als zukünftige Besatzer im Hauptquartier (Schloß Meudon) aufgezeichnet:

„Sämmtliche Franzosen werden mit Frust und Kälte behandelt, aber jede muthwillige Beleidigung von unserer Seite wird streng bestraft. Ich erwarte, daß sich die Armee nicht durch Uebermuth entehre, sondern auch als Sieger sich menschlich und bescheiden betragen wird.“[1]

Paris wurde von Generalfeldmarschall von Blücher 100 Millionen Franken Kriegssteuer und Sold für seine Armee für zwei Monate auferlegt. Als von Blücher mit seinen Männern Paris verließ, bekam er den Auftrag, gegen die Widerstände gegen die Grenzsetzungen des Wiener Kongresses vorzugehen, dies führte ihn nach Caen (Normandie), Versailles und Compiegne. Am 26. Juli 1815 erhielt er vom König von Preußen Friedrich Wilhelm, der sein Hauptquartier nun ebenfalls für kurze Zeit in Paris hatte, den Blücherstern zum Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Nach dem Zweiten Frieden von Paris wurde auch von Blücher in den verdienten Ruhestand verabschiedet, denn seine Kräfte ließen allmählich nach.

Napoleon oder die hundert Tage

In dem Theaterstück „Napoleon oder die hundert Tage“ von Christian Dietrich Grabbe[2] schildert der Künstler das Treffen zwischen von Blücher und Wellington:

  • Die Granitkolonne samt Cambronne wird nach verzweifeltem Kampfe zusammengehauen. Die alliierte Reiterei rückt weiter, andere englische und preußische Truppen gleichfalls.
    • BLÜCHER mit Gneisenau und Gefolge heransprengend. Wo ist mein großer Waffenbruder von Saint Jean?
    • GNEISENAU. Da kommt er!
    • HERZOG VON WELLINGTON heransprengend. Guten Abend, Feldmarschall!
    • BLÜCHER. Herzog, der Abend ist des Tages wert!
    • HERZOG VON WELLINGTON. Die Hand her, Helfer in der Not!
    • BLÜCHER. Zum „schönen Bunde“, wie der Ort hier heißt! – – Engländer, Preußen, Gemeine, Generale, Unteroffiziere – ich kann nicht weiterrücken bis ich mir die Brust gelüftet, meine Feldmütze abgezogen, und euch gesagt habe: ihr alle, alle seid meine hochachtbaren Waffengefährten, gleich brav in Glück und Not – Wird die Zukunft eurer würdig – Heil dann! – Wird sie es nicht, dann tröstet euch damit, daß eure Aufopferung eine bessere verdiente! – Wellington, laß deine Leute etwas rasten, – sie hatten heute die drückendste Arbeit – Dafür übernehmen wir so eifriger die Verfolgung, und verlaß dich darauf, sie soll unseren Sieg vollenden, wie noch keinen anderen! – Vorwärts, Preußen!

Bildergalerie

Siehe auch

Literatur

  • Paul Kittel: Die Deutschen Befreiungskriege 1806–1815:
  • Graf Anton Prokesch von Osten: Kleine Schriften. Erster Band: Die Schlachten von Ligny, Quatre-Bras und Waterloo, Stuttgart 1842 (PDF-Datei)
  • Karl Bleibtreu: Englands große Waterloo-Lüge zu den Jahrhunderttagen von 1815 (1915) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!

Verweise

Fußnoten

  1. Wilhelm Burckhardt: Gebhard Lebrecht v. Blücher, preußischer Feldmarschall und Fürst von Wahlstatt, 1835, S. 115
  2. Entstanden 1829/30, Erstdruck: Frankfurt/M., Kettembeil 1831. Uraufführung am 12. August 1868 in Wien