Ruge, Friedrich

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Ritterkreuzträger Friedrich Ruge; er diente zuletzt, durch Genehmigung der Besatzer, im Auftrag von Generaladmiral Walter Warzecha bis zum 22. Juli 1945 in Glücksburg. Er besuchte auch in dessen Auftrag die Marinetruppen, die an der Nordsee und an der Ostsee u. a. für den Minenräumdienst zwangsverpflichtet wurden. Er leitete z.B. die Ritterkreuzverleihungszeremonie für Hans-Joachim Merks südlich von Kappeln Ende Mai 1945. Auch anderen Marineoffizieren legte er den hohen Orden um, die diesen nach dem Dönitz-Erlaß auch nach der Kapitulation der Wehrmacht noch erhielten. Erst dann trat er seine Gefangenschaft in Jabbeke und Zedelghem (Belgien) an und beschäftigte sich mit der Unterrichtung deutscher Mitgefangener in Fremdsprachen. Nach seiner Überführung im Juli 1946 nach Munsterlager wurde er am 30. November entlassen. Nach seiner Entlassung war er bis 1949 in Cuxhaven als Englischlehrer und –dolmetscher mit eigenem Übersetzungsbüro, sowie als Bibliothekar tätig. Von 1949 bis 1952 verfaßte er unter VS-amerikanischer Aufsicht als Mitarbeiter des „Naval Historical Team“ Aufzeichnungen über seine Erfahrungen als Marinesoldat im Krieg vor allem gegen Rußland. Im neu gegründeten „Deutschen Marinebund“ wurde er Organisationsleiter und schrieb für die Verbands-Zeitschrift „Leinen los!“. Gleichzeitig engagierte er sich im „Verband Deutscher Soldaten“ und in der Arbeitsgemeinschaft „Demokratischer Kreise“. Von 1952 bis 1954 war er parteiloser Vorsitzender des Kulturausschusses im Rat der Stadt Cuxhaven. Nebenbei setzte er verstärkt seine marine-historische schriftstellerische Tätigkeit fort.

Friedrich Oskar Ruge (Lebensrune.png 24. Dezember 1894 in Leipzig; Todesrune.png 3. Juli 1985 in Tübingen) war ein deutscher Offizier der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine, der Kriegsmarine und der Marine der neu gegründeten Bundeswehr sowie Mitarbeiter beim Amt Blank, Militärschriftsteller, ab 1962 Lehrbeauftragter und von 1967 bis zu seinem Tode auf Vorschlag von Rektor Theodor Eschenburg Honorarprofessor für Politikwissenschaft der Philosophischen Fakultät Tübingen.

Werdegang

Mutterkreuz für Ruth; in Bautzen hatte Ruge 1920 die Arzttochter Ruth Greef (1897–1967) geheiratet, aus der Ehe sind vier Kinder entsprossen.
Bundeswehr-Vizeadmiral Ruge
Friedrich Oskar Ruge wurde am 24. Dezember 1894 in Leipzig als Sohn eines Gymnasialprofessors geboren. Am 1.4.1914 trat er als Seekadett in die kaiserliche Marine ein und erhielt seine erste seemännische Ausbildung auf dem Großen Kreuzer SMS "Hertha". Bei der Mobilmachung im August 1914 kam er auf das Linienschiff SMS "Lothringen", das zum 11. Geschwader unter der Führung des Vizeadmirals Reinhard Scheer (1863-1928) gehörte. Nach weiteren Bordkommandos und Einsätzen im Rigaischen Meerbusen, vollendete Friedrich Ruge ab Dezember 1915 seine Offiziersausbildung an der Marineschule, im Artilleriewesen und bei der Torpedowaffe. Ruge wurde am 13.7.1916 zum Leutnant z. S. befördert und kam als Wach- und Artillerieoffizier auf das moderne Torpedoboot "B 110". Mit diesem Boot nahm Ruge im September 1917 an dem erfolgreichen deutschen Landeunternehmen gegen die Insel Oesei in der Rigaer Bucht teil. Das Kriegsende erlebte der inzwischen mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnete Kommandant auf dem Torpedoboot "B 112". Dieses Boot gehörte mit weiteren 69 der deutschen Hochseeflotte zu jenen, die aufgrund der Waffenstillstandsbedingungen vom 18. 11. 1918, den Engländern auszuliefern waren. Am 21.6.1919 wurde die Flotte jedoch auf Entschluß des Konteradmirals Ludwig von Reuter (1869-1943) in der Bucht von Scapa Flow versenkt. Die deutschen Besatzungen wurden in mehrere Kriegsgefangenenlager verbracht. Am 31.1.1920 wurde Friedrich Ruge mit den anderen Scapa-Flow-Gefangenen aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte nach Wilhelmshaven zurück. Ruge, der eigentlich ein Medizinstudium anstrebte, schob diesen Gedanken jedoch schnell beiseite, als man ihm die Chance bot, als Seeoffizier in die Reichsmarine übernommen zu werden. Am 28.9.1920 erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant z. S. Nach verschiedenen Verwendungen, u. a. als Kompanieführer in der Küstenabwehrabteilung Kiel, Adjutant beim Sperrversuchskommando Kiel, Wachoffizier auf dem Tender ‚T 168‘ und dem Besuch verschiedener Lehrgänge entwickelte sich Ruge immer mehr zum Minenspezialist. Am 1.10.1925 zum Kapitänleutnant befördert, erfolgte ab 2.10.1928 seine weitere Verwendung als Kommandant auf dem Minensuchboot ‚M 136‘, als Referent an der Inspektion des Torpedo- und Minenwesens, dann als Referent für Minenwesen am Sperrversuchs- und Lehrkommando in Kiel, und schließlich als Halbflottillenchef der 1. Minensuchhalbflottille. Diese vier Boote, die die einzige Minensuchhalbflottille der Reichsmarine bildeten, dienten auch als Minenleger und U-Boot-Jäger und nahmen an der ersten Mobilmachungsübung der Reichsmarine seit Kriegsende unter der Führung von Ruge teil. Am 1. 4. 1933 zum Korvettenkapitän befördert, wurde Friedrich Ruge ab 30.9.1934 3. Admiralstabsoffizier beim Stab des Kommandierenden Admirals der Marinestation Ostsee in Kiel. Hier gehörten zu seinem Verantwortungsbereich Angelegenheiten des Minensuchwesens, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Leitung der Abwehrstelle Kiel. Nach erfolgter Beförderung zum Fregattenkapitän (1.1.1937) wurde er am 1.6.1937 Führer der Minensuchboote. Damit unterstand ihm ein Verband aus 39 Schiffen, bestehend aus je zwei Minensuch-, Geleit- und Räumbootflottillen. Am 1.9.1939 wurde der inzwischen zum Kapitän zur See beförderte (seit 1.1.1939) Ruge Führer der Minensuchboote Ost (FdMO) und nahm in dieser Funktion am Polenfeldzug teil. Der von ihm geführte Verband war unter anderem an der Einnahme von Gdingen (Gotenhafen) beteiligt. Am 15.10.1939 übernahm er dann die Minensuchboote West, wurde am 1.2.1940 zum Kommodore ernannt und befehligte zugleich die Kriegsschiffgruppe 10 während des Norwegenfeldzuges, dem Unternehmen Weserübung. Weitere Einsätze ab Juni 1940 vor der Küste Hollands, Belgiens und Frankreichs folgten. Unter seinem Befehl gelang der erste Durchbruch einer Räumbootsflottille durch die Straße von Dover bei Tage. Am 21.10.1940 war ihm daraufhin als 38. Marineangehörigen das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen worden. In der Verleihungsbegründung heißt es u. a., "zeichnete sich während des Polenfeldzuges durch hervorragenden persönlichen Schneid aus. An der Aufstellung und schnellen und gründlichen Ausbildung der Minensuchverbände und an den ununterbrochenen und erfolgreichen Minenunternehmen unserer Kriegsmarine hat der Kommodore überragenden Anteil. Bei der Norwegen-Aktion nahm er an Stich- und Räumfahrten teil und leitete Unternehmungen bis weit hinauf in nördliche Seeräume. Eine von ihm geführte Räumbootflottille durchstieß als erster Verband die Dover-Straße bei Tage. Die Tätigkeit der Räumverbände ist inzwischen bis zur spanischen Küste ausgedehnt worden." Ab 17. 2. 1941 Befehlshaber der Sicherung West, mit Sitz in Paris, unterstanden ihm mehrere neuzubildende Sicherungsdivisionen, die aus Minensuch- und Vorposten booten, U-Jägern und Geleitfahrzeugen zusammengesetzt waren. In dieser Funktion hatte er auch maßgeblichen Anteil an dem Gelingen des legendären Durchbruchs der deutschen Schlachtschiffe "Gneisenau" und "Scharnhorst" und des Schweren Kreuzers "Prinz Eugen" im Februar 1942 durch den Kanal, wofür er am 16.2.1942 namentlich im Wehrmachtsbericht genannt wurde. Mit Rangdienstalter vom 1.4.1942 erfolgte daraufhin seine Beförderung zum Konteradmiral. Zum Vizeadmiral befördert (1.2.1943), übertrug ihm der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Dönitz die Leitung des Sonderstabes Tunesien bei der königlichen italienischen Marine. Hier für Geleitfragen verantwortlich, übernahm er nach der Kapitulation der deutschen und italienischen Truppen in Afrika den Befehl. Im November 1943 als Admiral z. b. V. (zur besonderen Verwendung) dem Stab des Generalfeldmarschalls Rommel bei der Heeresgruppe B zugeteilt, wurden hier seine Küstenschutzerfahrungen zu Rate gezogen. Rommel hatte die Aufgabe erhalten, die Möglichkeiten einer Verteidigung Nordwesteuropas gegen die Alliierten zu prüfen. Nach Rommels Tod vertrat Ruge das Oberkommando der Marine bei dessen Beisetzung am 18.10.1944. Inzwischen war ihm das Amt des Chefs für Kriegsschiffbau im OKM übertragen worden. Das Kriegsende erlebte Vizeadmiral Ruge in Flensburg-Mürwik, dem letzten Sitz des OKM, und geriet im Raum Eckernförde am 8.5.1945 in britische Gefangenschaft. Er durchlief verschiedene Gefangenenlager in Belgien und Deutschland und wurde am 30.11.1946 entlassen. Nach verschiedenen Tätigkeiten als Dolmetscher wurde er 1950 Berater der deutschen Regierung für die Erarbeitung eines Planes zur Verteidigung Westeuropas. Am 1. Juni 1957 wurde er als Vizeadmiral zum ersten Inspekteur der Bundesmarine ernannt. Am 30. September 1961 ging er in Pension.[1]

Amt Blank und Marine der Bundeswehr

1955 wurde Ruge in das Amt Blank berufen. Am 1. März 1956 ernannte ihn Bundeskanzler Adenauer, nach Prüfung des Personalgutachterausschusses, zum Leiter der Abteilung VII – Marine im Bundesministerium für Verteidigung unter Theodor Blank in Bonn. Mit der Umwandlung dieser Abteilung in den Führungsstab der Marine am 1. Juni 1957 wurde Ruge als Vizeadmiral erster Inspekteur der Marine in der Bundeswehr. Ihm unterstanden drei nachgeordnete Höhere Kommandobehörden: das Kommando der Seestreitkräfte (ab 5. März 1958 Kommando der Flotte), das Kommando der Flottenbasis und das Kommando der Marineausbildung. Sein Nachfolger wurde im August 1961 Karl-Adolf Zenker.

Beförderungen

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Schriften (Auswahl)

  • Entscheidung im Pazifik. Die Ereignisse im Stillen Ozean 1941–1945. Hans Dulk, Hamburg 1951.
  • Seemacht und Sicherheit. Eine Schicksalsfrage für alle Deutschen. Schlichtenmayer, Tübingen 1953 (3. Auflage, Bernard & Graefe, Frankfurt 1968).
  • Der Seekrieg 1939–45. Koehler, Stuttgart 1954 (franz. 1955, amerik./engl. 1957, russ. 1957, ital. 1961).
  • Rommel und die Invasion. Erinnerungen. Koehler, Stuttgart 1959 (ital. 1963, franz. 1964, span. 1964).
  • Ottern und Drachen, aber entgrätet und für Landratten genießbar. Schlichtenmayer, Tübingen 1955 (3. Auflage, Köhlers Verlagsgesellschaft, Herford 1973, ISBN 3-7822-0079-9).
  • Politik, Militär, Bündnis. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1963.
  • Politik und Strategie. Strategisches Denken und politisches Handeln. Herausgegeben vom Arbeitskreis für Wehrforschung. Bernard & Graefe, Frankfurt 1967.
  • Scapa Flow 1919. Das Ende der deutschen Flotte. Buch & Welt, Klagenfurt 1969, ISBN 0-7110-0426-9 (franz. 1969, engl. 1973).
  • Bündnisse in Vergangenheit und Gegenwart. Unter besonderer Berücksichtigung von UNO, NATO, EWG und Warschauer Pakt. Bernard & Graefe, Frankfurt 1971, ISBN 3-7637-5105-X.
  • The Soviets as Naval Opponents, 1941–1945. Naval Institute Press, Annapolis, Maryland 1979, ISBN 978-0-870216-76-3 (dt. 1981).
  • In vier Marinen. Lebenserinnerungen als Beitrag zur Zeitgeschichte. Bernard & Graefe, München 1979, ISBN 3-7637-5219-6.
  • Erich Raeder zum 100. Geburtstag (mit Michael Salewski), Nachruf im „Marineforum“, April 1976

Fußnoten

  1. Ruge, Friedrich, Lexikon der Wehrmacht
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine. Band 2: L–Z, Biblio Verlag, Osnabrück 1996, ISBN 3-7648-2498-0, S. 189–191.
  3. An dem Gelingen des Durchbruchs unserer Seestreitkräfte durch den Kanal haben die unter Führung von Kapitän zur See und Kommodore Ruge stehenden Minensuch- und Räumboote sowie Sicherungsfahrzeuge hervorragenden Anteil. (Wehrmachtberichte 1939–1945 Band 2. S. 36)