Brüning, Heinrich

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Professor Dr. phil. Heinrich Brüning (1885–1970)

Heinrich Aloysius Maria Elisabeth Brüning (Lebensrune.png 26. November 1885 in Münster; Todesrune.png 30. März 1970 in Norwich, Vermont, VSA) war ein deutscher Politiker. Von 1930 bis 1932 war er Reichskanzler des Deutschen Reiches und leitete das erste sogenannte Präsidialkabinett.

Leben

Reichskabinett Brüning, 30. März 1930 bis 7. Oktober 1931; 1. Reihe sitzend v. l. n. r.: Dr. Joseph Wirth (Inneres), Hermann Robert Dietrich (Wirtschaft), Dr. Heinrich Brüning (Reichskanzler), Dr. Julius Curtius (Äußeres), Georg Schätzel (Post); 2. Reihe stehend v. l. n. r.: Gottfried Reinhold Treviranus (Besetzte Gebiete), Johannes Viktor Bredt (Justiz), Adam Stegerwald (Arbeit), Paul Moldenhauer (Finanzen), Theodor von Guérard (Verkehr). Reichswehrminister Wilhelm Groener und Martin Schiele (Landwirtschaft) fehlen auf dem Bild.
Wahlplakat des Zentrums aus dem Jahre 1932

Frühe Karriere

Heinrich Brünings Grab
Münster, Zentralfriedhof

Heinrich Brüning wurde 1885 in Münster als Sohn eines Essigfabrikanten und Weinhändlers geboren. 1904 absolvierte er sein Abitur und studierte daraufhin Geschichte, Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in München und Straßburg. Nach dem Abschluß des Staatsexamens für das höhere Lehramt im Jahr 1911 studierte er bis 1913 in England. 1915 promovierte er schließlich in Bonn mit einer Arbeit über die Verstaatlichung der englischen Eisenbahnen.

Erster Weltkrieg

Von 1915 bis 1918 nahm Brüning am Ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger teil, stieg zum Leutnant der Reserve im Infanterie-Regiment „Graf Werder“ Nr. 30[3] auf, wurde verwundet, ausgezeichnet und meldete sich nach der zweiten Verwundung zur 1917 neu aufgestellten Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilung Nr. 12, wo er schließlich als Kompanieführer diente.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wurde er 1919 persönlicher Referent des Zentrumspolitikers Adam Stegerwald. Seit 1920 war er zudem Geschäftsführer des Christlichen Deutschen Gewerkschaftsbundes. 1923 war Brüning dann federführend an der Organisation des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet mitbeteiligt. Im Jahr darauf wurde er für die Deutsche Zentrumspartei in den Reichstag gewählt. 1925 übernahm er ferner die Leitung der Bundeszeitung „Der Deutsche“, wo er für einen sozialen und christlichen Volksstaat plädierte. Von 1928 bis 1930 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Am 5. Dezember 1929 wurde er zum Vorsitzenden der Zentrumsfraktion im Reichstag gewählt.

Die Reichskanzlerschaft

Nach dem Ende der von Hermann Müller (SPD) geführten großen Koalition wurde Heinrich Brüning am 30. März 1930 zum neuen Reichskanzler ernannt und bildete eine Minderheitsregierung mit Ministern aus Zentrum, DDP, DVP, Wirtschaftspartei und DNVP. Er stützte sich hierbei insbesondere auf die Macht des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und versuchte, mit Hilfe von Notverordnungen zu regieren. Seine Kanzlerschaft wird daher auch als der Beginn der Präsidialkabinette bezeichnet.

Brünings oberstes Ziel war die Sanierung der Staatsfinanzen, die bereits die ersten Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zu spüren hatten. Doch sein Sanierungsprogramm, das er mit Hilfe des Artikels 48 der Reichsverfassung durchgesetzt hatte, wurde vom Reichstag abgelehnt. Eine Mehrheit aus KPD, SPD, Teilen der DNVP, NSDAP und Volksrechtspartei stimmte am 18. Juli gegen die Notverordnung. Daraufhin löste der Reichspräsident den Reichstag auf. Doch die Neuwahlen am 14. September 1930 verschärften die Lage nurmehr als sie zu entspannen: Die NSDAP verzeichnete fulminante Hinzugewinne und stieg von 2,6 % auf 18,3 % der Stimmen, während die KPD ihr Ergebnis leicht von 10,6 auf 13,1 % steigern konnte. Dagegen waren mit DNVP (14,2 % auf 7,0 %) und DVP (8,7 % auf 4,5 %) zwei potentielle Stützen der Regierung Brüning eingebrochen.

Unter dem Eindruck dieses Wahlergebnisses gelang es Brüning, die Sozialdemokraten wenigstens zu einer Tolerierung seiner Regierung zu überreden. Fortan verhinderten diese im Reichstag, daß seine Notverordnungen wie am 18. Juli 1930 gekippt wurden. In der Wirtschaftspolitik versuchte Brüning nun, mit Hilfe einer Deflationspolitik, der Senkung von Löhnen und Gehältern den deutschen Export zu erhöhen, was aber weitgehend scheiterte. In der Außenpolitik dagegen sorgte im Frühjahr 1931 der Plan einer Zollunion mit Österreich für Aufsehen, was aber sogleich von Frankreich torpediert wurde. Ferner stand die Lösung der Reparationsfrage im Vordergrund. Nachdem die Verschärfung der wirtschaftlichen Situation im Deutschen Reich – als vorläufiger Höhepunkt der Krise mußten am 13. Juli 1931 alle deutschen Großbanken für mehrere Tage schließen – die Alliierten davon überzeugt hatte, daß das Deutsche Reich nicht mehr in der Lage sein würde, die Reparationen zurückzuzahlen, wurde eine Streichung der Reparationen ins Auge gefaßt, was im Rahmen der Konferenz von Lausanne im Sommer 1932 auch faktisch beschlossen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Brüning aber nicht mehr Kanzler.

Obwohl Brüning mit seinen außenpolitischen Erfolgen auch innenpolitisch für sich warb und sich in der Bewältigung der Krise „100 Meter vor dem Ziel“ glaubte, hatte er das Vertrauen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg verloren. Dieser war enttäuscht, weil Brüning es nicht wie erhofft geschafft hatte, in einem stärkeren Maße nach rechts zu regieren und die Sozialdemokraten politisch an den Rand zu drängen. Bei den Reichspräsidentenwahlen im März und April 1932 hatte Hindenburg zwar auch durch das unermüdliche Engagement Brünings einen deutlichen Sieg errungen, dieser war aber vor allem den Stimmen von Sozialdemokraten, Liberalen und katholischen Zentrumsanhängern zu verdanken gewesen, während sich viele von Hindenburgs alten Unterstützern und Gesinnungsgenossen auf die Seite Adolf Hitlers geschlagen hatten. Für Ärger sorgte außerdem das SA-Verbot, das von Innen- und Wehrminister Wilhelm Groener am 13. April 1932 erlassen worden war und unter anderem von Kurt von Schleicher, der dem Umfeld Hindenburgs angehörte, kritisiert wurde. In Hindenburgs Augen den Bogen endgültig überspannt hatte Brüning, als er im Frühjahr 1932 die Ansiedlung von Arbeitslosen auf dem Lande plante, was er durch ein Ende der Subventionen für überschuldete landwirtschaftliche Güter in Ostdeutschland finanzieren wollte. Damit hatte er aber die konservativen Großagrarier, zu denen Hindenburg selbst sich zählte, gegen sich aufgebracht. Am 29. Mai 1932 gab Hindenburg Brüning deshalb zu verstehen, daß er keine Notverordnung mehr unterzeichnen werde. Am 30. Mai 1932 mußte Brüning deswegen seinen Rücktritt einreichen und wurde entlassen.

Nach der Kanzlerschaft

Nach seiner Entlassung zog Brüning, da er keine feste Wohnung hatte, in das katholische St.-Hedwig-Krankenhaus in Berlin. Nach dem Wahlsieg der NSDAP zog er erst in die Schweiz und schließlich in die VSA. Dort bekam er einen Lehrauftrag an der Harvard University und hatte seit 1937 eine ordentliche Professur für Verwaltungswissenschaft inne. 1951 kehrte er nach Deutschland zurück und war hier Professor für Politische Wissenschaft an der Universität zu Köln, 1953 wurde er emeritiert. Unter anderem aufgrund der Unzufriedenheit mit der Politik Konrad Adenauers wanderte er 1955 erneut in die VSA aus, wo er bis zu seinem Tode blieb.

Memoiren

In den VSA arbeitete er in der Folgezeit an seinen Memoiren, die aber erst postum erschienen. Darin rechtfertigt er seine Politik dahingehend, daß er die Unerfüllbarkeit der Reparationsforderungen die an Deutschland gestellt wurden, beweisen wollte und ihm dies auch fast gelungen wäre. Außerdem behauptete Brüning, sein Ziel sei es gewesen, die Monarchie wieder einzuführen.

Tod

Am 30. März 1970 starb Reichskanzler a. D. Brüning in Norwich in den VSA.

Nachleben

2002 bezeichnete Oskar Lafontaine Gerhard Schröder als „Wiedergeburt Heinrich Brünings“. Gerhard Schröder nahm Lafontaine übel, daß er ihn in die Nähe eines „Wegbereiters" von Adolf Hitler gerückt hat. Lafontaine verglich Schröders Agenda 2010 mit Brünings Sparpolitik. Schröders Ehefrau Doris Schröder-Köpf forderte daraufhin den Austritt Lafontaines aus der SPD.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

  • Eisernes Kreuz (1914), II. und I. Klasse
  • Verwundetenabzeichen (1918)
  • Ehrenbürger von Münster, 1932
  • Heinrich-Brüning-Straße in Münster
  • Heinrich-Brüning-Straße in Bonn
  • Heinrich-Brüning-Straße in Köln-Rodenkirchen
  • Heinrich-Brüning-Straße in Leverkusen
  • Heinrich-Brüning-Straße in Hamm
  • Heinrich-Brüning-Straße in Flörsheim am Main
  • Ehrensenator der Universität zu Köln

Werke (Auswahl)

  • Memoiren, Stuttgart 1970
  • Briefe und Gespräche, Stuttgart 1970

Verweise


Amt Vorgänger Regierungszeit Nachfolger
Deutscher Reichskanzler Hermann Müller 1930–1932 Franz von Papen