Homolka, Walter

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Ehrenpromotion 2009
Israels Premierminister Ehud Olmert mit Rabbiner Walter Homolka

Walter Homolka (* 21. Mai 1964 in Landau an der Isar) ist ein jüdischer Manager, Rabbiner und Rektor des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam. Er ist Gründer und führender Mann einer „Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz“.

Werdegang

Walter Homolka wurde am 21. Mai 1964 im niederbayerischen Landau an der Isar als Sohn einer Familie mit jüdischen Wurzeln geboren.[1][2] In katholischer Umgebung aufgewachsen, konvertierte er als Siebzehnjähriger in Berlin zum Judentum.[3] Nach dem Abitur studierte er in München,[4] London,[5] Lampeter und Leipzig als Stipendiat u. a. der Studienstiftung des deutschen Volkes.[6] Nach den Examina in Theologie 1986 und Erwachsenenpädagogik 1989 in München[7] erwarb er in Greenwich 1990 den Ph. D. in Banking und 1992 am King's College[8] den Ph.D. in Religious Studies sowie 1993 in Wales den Magister (M. Phil.) in Jüdischen Studien. 1997 wurde er zum Rabbiner ordiniert.[9]

Wirken

Die Karriere Homolkas, „eines vielseitig Begabten“,[10] verlief abwechslungsreich: Studienbegleitend arbeitete Walter Homolka von 1989 bis 1991 als Investmentmanager der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München, wo er den ersten deutschen Umwelt-Ethik-Fonds gründete.

Vorstandsassistent der Bertelsmann AG in München (1992/1993) und 1993 persönlicher Referent des Vorstandsvorsitzenden Frank Wössner, leitete Homolka 1994 die Sonderprojekte im Vorstandsstab und bis 1998 Leiter des Stabes des Vorstandsvorsitzenden und Gesamtprokurist der Bertelsmann Buch AG in München. 1995/1996 war er Kaufmännischer Direktor der Verlage Wolf Jobst Siedler und Albrecht Knaus (Siedler Verlag, Wolf Jobst Siedler ansässig bei „Random House“). In dieser Zeit lehrte er auch Medienökologie an der New York University.

Zum 1. April 1998 übernahm Walter Homolka als Erster Geschäftsführer bei Greenpeace Deutschland e. V., Hamburg, die Leitung der an Spenden größten Landesorganisation.[11] Die nichtstaatliche internationale Organisation war 1971 in Kanada gegründet worden, um dazu beizutragen, das Umweltbewusstsein zu fördern und die ökologischen Kreisläufe zu konsolidieren. Berühmt wurde Greenpeace durch spektakuläre Aktionen wie den erfolgreichen Protest gegen die Versenkung der Shell/Esso-Ölplattform „Brent Spar“ 1995. Solche medienwirksamen, von haupt- und ehrenamtlichen Campaignern durchgeführten Aktionen gestatteten die Eigenfinanzierung durch Spenden. Daneben erwarb sich die Organisation Prestige durch Forschungsinitiativen, die u. a. die erste Tiefdruckzeitschrift auf chlorfreiem Papier sowie Kühlschränke ohne FCKW ermöglichten. Nach Berufung des langjährigen Geschäftsführers Thilo Bode an die Spitze der 1979 gegründeten Dachorganisation Greenpeace International in Amsterdam, 1995, folgte in der weitgehend unabhängigen deutschen Organisation eine Führungskrise. Bodes Nachfolger Burkhard Gnärig demissionierte nach einem halben Jahr im Dezember 1996, und Homolka folgte erst nach einem weiteren Interregnum von 16 Monaten.[12]

Als Homolka Greenpeace Deutschland 1998 übernahm, war das Engagement für die Organisation allenthalben rückläufig, die Zahl der ehrenamtlich Aktiven war seit 1996 von 2.400 auf 2.000 in 83 lokalen Gruppen gesunken. Da auch das Spendenaufkommen mit 1997' 65,12 Millionen DM bei 520.000 Förderern nicht befriedigte, förderte Homolka Einsparungen und Spendeneinnahmen. Letztere konsolidierten sich 1998 auf 66,48 Millionen DM bei 531.000 Förderern. Als Seiteneinsteiger förderte er langfristige Impulse für weniger spektakulär inszenierbare Themen wie Gentechnik und konsumentenorientierte Informationspolitik. Homolka, der bewusst nie persönlich an Kampagnen teilnahm, förderte auch die Effektivität und die Stärkung der „Kernkompetenzen“ um Wald, Wale, Atomkraft sowie Gentechnik.[13] Anzeichen von Verstimmungen in Greenpeace zeigten sich jedoch alsbald im Weggang mehrerer leitender Mitarbeiter und in Kolportagen über Homolkas angeblich unökologisches Verhalten. Anfang Februar 1999 beschloss der Aufsichtsrat die Abberufung Homolkas. Nachfolgerin und neue alleinige Geschäftsführerin wurde Brigitte Behrens.[12]

Schon vor seiner Verpflichtung für Greenpeace profilierte sich Homolka mit Veröffentlichungen zum modernen Judentum[14] und in jüdischen Institutionen. So war er Rabbiner der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom in München und Richter am Europäischen Rabbinatsgerichtshof.[15][16] 1998 übernahm er die Würde eines Landesrabbiners der israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen, gehörte 1999 zu den Mitbegründern des Abraham Geiger Kollegs für Rabbinerausbildung und übernahm einen Lehrauftrag an der Universität Potsdam. Im Herbst 1999 wurde er Fellow des Marshall Fund und Mitglied im Programmausschuss der Jüdischen Verlagsanstalt Berlin. Homolka liefert Zündstoff innerhalb des Judentums: Die Rabbinerkonferenz Deutschland ließ 1998 verlautbaren, daß „Herr Dr. Homolka weder Rabbiner noch Jude“ sei, gegen welche Feststellung wiederum andere jüdische Kreise protestierten. Zentralratspräsident Paul Spiegel hat scharf gegen Homolka Stellung bezogen.[16] Zum Jahresbeginn 2000 legte Homolka seine Funktion als Landesrabbiner von Niedersachsen und als führender Repräsentant des internationalen Judentums nieder.[12]

Zu Anfang des Jahres 2000 fand Walter Homolka ein neues Betätigungsfeld als Geschäftsführer der Kulturstiftung Deutsche Bank[17] in der Nachfolge von Frau Seebacher-Brandt, der Witwe des einstigen SPD-Führers. Zugleich übernahm er das Amt des Geschäftsführers der „Alfred-Herrhausen- Gesellschaft für internationalen Dialog“. In beiden Funktionen folgte er Brigitte Seebacher-Brandt nach, die zum Jahreswechsel die Deutsche Bank verlassen hatte. Selbstformulierte Aufgabe der Kulturstiftung war die Organisation kultureller Veranstaltungen und die Unterstützung entsprechender Großereignisse im In- und Ausland. Die Alfred-Herrhausen-Gesellschaft ihrerseits sollte als Forum für gesellschaftspolitische Themen fungieren und Vorträge und Kolloquien anbieten. Von Homolka erhoffte sich die Deutsche Bank, so Vorstandssprecher Rolf E. Breuer anlässlich der Neubesetzung, eine internationalere Ausrichtung der Arbeit beider Institutionen.[12]

Rund drei Jahre später beendete Homolka seine Tätigkeit bei der Deutschen Bank auf eigenen Wunsch. Im März 2003 gab er seine Funktion bei der Herrhausen-Gesellschaft auf, zum 30. Juni 2003 legte er auch seine Mandate bei der Kulturstiftung sowie die Geschäftsführung der Akademie Musiktheater Heute nieder. Er begründete sein Ausscheiden mit den Bestrebungen der Deutschen Bank, ihre kulturellen Aktivitäten inhaltlich und strukturell neu auszurichten. Die Presse berichtete über erheblichen ökonomischen Druck auf den Kulturbereich, dem sich Homolka nicht beugen wollte, woraufhin die von ihm geleitete Abteilung „Kultur und Gesellschaft“ geschlossen wurde.[18]

Unmittelbar nach seinem Abschied von der Deutschen Bank übernahm Homolka hauptberuflich als geschäftsführender Gesellschafter die Leitung (Direktor) des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam (s. o.). Im Januar 2003 wurde er darüber hinaus zum Hauptrabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Wien ernannt.

Walter Homolka findet, das Judentum und seine Einrichtungen, seien in der Bundesrepublik Deutschland vital und gut integriert. Homolka sagte im Deutschlandradio Kultur (September 2010): das Judentum in Deutschland definiere sich seit etwa 20 Jahren neu. 1990 habe die Gemeinschaft etwa 20.000 Mitglieder gehabt, jetzt habe sie einen Zuwachs von 200.000 zu verkraften. Auf die jüdischen Gemeinden seien neue Herausforderungen auch deshalb zugekommen, weil viele Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion zugezogen seien, die nicht besonders religiös geprägt seien.

Besetzung Deutschlands durch Juden

Pfeil 2 siehe auch.pngSiehe auch: Masseneinwanderung von Ostjuden in die BRD

In einem Beitrag der BBC in 2010 sagte Homolka bezüglich der aus Russland nach Deutschland emigrierenden Juden, sie wären „gekommen, da Deutschland für sie das Land, in dem Milch und Honig fließen“, sei.[19] Was genau Rabbi Homolka damit meint, wird klar, wenn man die Stelle aus dem heiligen Buch der Juden, der Thora, liest, auf die er sich mit dieser Redewendung bezieht:

„So haltet nun alle meine Satzungen und meine Rechte und tut darnach, auf daß euch das Land nicht ausspeie, darein ich euch führe, daß ihr darin wohnt. Und wandelt nicht in den Satzungen der Heiden, die ich vor euch her werde ausstoßen. Denn solches alles haben sie getan, und ich habe einen Greuel an ihnen gehabt. Euch aber sage ich: Ihr sollt jener Land besitzen; denn ich will euch ein Land zum Erbe geben, darin Milch und Honig fließt. Ich bin der HERR, euer Gott, der euch von allen Völkern abgesondert hat.“[20]

Mitgliedschaften / Ämter

Mitglied in diversen rabbinischen Berufsverbänden, Honorarprofessor am kanonischen Postgraduiertenkolleg der Péter Pázmány Universität Budapest, Vors. des Programmbeirates der Jüdischen Verlagsanstalt Berlin, Richter am Europ. Rabbinergericht London, Mitglied der Unabhängigen Hessischen Kulturkommission, im Beirat von AOL Deutschland, im Beraterkreis der Schirn Kunsthalle Frankfurt, im Kuratorium der Frankfurter Römerberggespräche, im Aufsichtsrat der Österreichischen Bundestheater Holding und im Advisory Council for Jewish Studies der Princeton University, VSA.

Auszeichnungen

  • Doctor of Humane Letters h.c. des Hebrew Union College – Jewish Institute of Religion.
  • 2001: Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst.
  • Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.
  • Ehrenbürger in den Vereinigten Staaten.
  • Internationaler Ehrenbürger von New Orleans
  • 2001: Aufnahme in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste.
  • 2001: Israel Jacobson Preis
  • 22. November 2004: Rabbiner Walter Homolka wurde vom französischen Botschafter in Deutschland, Claude Martin, mit dem Orden eines Ritters der Ehrenlegion ausgezeichnet.
  • Cavaliere des Verdienstorden der Italienischen Republik
  • Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold
  • 2011: Tschelebi-Friedenspreis (Islamischer Friedenspreis)[22]

Fußnoten

  1. Walter Homolka Mutter stammt aus einer jüdischen Familie.
  2. Internationales Biographisches Archiv 41/2003
  3. David Korn: „Dem Vernehmen nach stammt er aus von Herkunft jüdischer Familie; 1982 hat er seinen Übertritt vom christlichen zum jüdischen Glauben vollzogen.“
  4. Ludwig-Maximilians-Universität München
  5. Leo Baeck College in London
  6. Mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes studierte Walter Homolka nach dem Abitur Theologie, Finanzwissenschaften und Philosophie.
  7. Hochschule für Philosophie München
  8. King’s College London
  9. Seinen Magister in Jüdischen Studien erwarb er 1993 am St. David's University College Lampeter, University of Wales. Nach Abschluss der Prüfungen am Leo Baeck College wurde er 1997 zum Rabbiner ordiniert.
  10. Frankfurter Allgemeine
  11. 1998/1999 amtierte er als Geschäftsführer von Greenpeace in Deutschland.
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 Munzinger-Archiv GmbH, 2003
  13. Die Woche, 12. Juni 1998
  14. David Korn: Auch als Buchautor ist der vielseitig Begabte aufgefallen. Seine Druckwerke tragen Titel wie „Jüdische Identität in der modernen Welt“ und „Das Wertpapiergeschäft“.
  15. 1998 wurde Walter Homolka Landesrabbiner in Niedersachsen und bald darauf Richter am Europäischen Rabbinatsgericht.
  16. 16,0 16,1 David Korn: Wer ist wer im Judentum? - FZ-Verlag ISBN 3-924309-63-9
  17. Am 10. Januar 2000 wurde Homolka als Mitglied des Vorstandes stellvertretender Vorsitzender der Kultur-Stiftung (Direktor Kultur und Gesellschaft) der Deutschen Bank AG. Damit verband sich die Berufung zum Geschäftsführer der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft für internationalen Dialog GmbH.
  18. vgl. Der Tagesspiegel, 1. Juli 2003
  19. BBC Beitrag vom 4. November 2010: „Jews came here [to Germany] because for them it was the land of milk and honey. They had chances and opportunities here, more than in Israel. In 2004 more Russians emigrated to Germany than to the state of Israel even.
  20. 3. Moses 20, 22-24. Zit. n. Luther 1912.
  21. Vizepräsident der European Union for Progressive Judaism, London, ist er seit 2005 auch Vorstandsmitglied der World Union for Progressive Judaism mit Sitz in Jerusalem.
  22. Mit der undotierten Auszeichnung ehrt das Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland in Soest jährlich Persönlichkeiten, die sich für einen friedlichen Dialog der Religionen engagieren. Der Friedenspreis ist nach dem 1933 verstorbenen Muhammad Nafi Tschelebi benannt. Der Syrer begründete das Zentralinstitut, das seinen Sitz in Soest hat. Es ist die älteste deutschsprachige islamische Einrichtung in der Bundesrepublik.