Walser, Martin

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Dr. Martin Walser (2007)

Martin Johannes Walser (Lebensrune.png 24. März 1927 in Wasserburg am Bodensee, Bayern) ist ein deutscher Schriftsteller.

Werdegang

Martin Johannes Walser wurde am 24. März 1927 als Sohn eines Gastwirts in Wasserburg am Bodensee geboren und katholisch getauft. Als Zehnjähriger verlor er seinen Vater. Früh mußte er seiner Mutter in der Gastwirtschaft helfen. Schon mit zwölf Jahren schrieb Walser Gedichte. Poetische Versuche seines Vaters entdeckte er später.

Schon während des Besuchs der Oberschule in Lindau (Abitur 1946) diente Martin Walser ab 1943 in der Wehrmacht als Flakhelfer, danach leistete er zunächst Arbeits- und dann Kriegsdienst. Nach dem Krieg studierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Regensburg (1946–1948) und an der Universität Tübingen Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichtswissenschaft. Er spielte während des Studiums beim Regensburger Studententheater mit und schrieb ab 1949 für Zeitungen und Zeitschriften. 1951 wurde Walser mit der Dissertation „Beschreibung einer Form. Versuch über Franz Kafka“ (Buchausgabe 1961) zum Dr. phil. promoviert.

Wirken

Von 1949 bis 1957 arbeitete Martin Walser in Stuttgart beim „Süddeutschen Rundfunk“ als Reporter, Regisseur und Hörspielautor. Sein literarisches Schaffen nahm die Öffentlichkeit erstmals 1955 wahr, als ein Band mit Erzählungen („Ein Flugzeug über dem Haus“) erschien.

Der jüdische Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki verriß den Walser-Roman „Jenseits der Liebe“ 1976 als „belanglosen Roman“.[1] Die beiden Männer waren seitdem zerstritten. Walser wiederum veröffentlichte 2002 den Roman „Tod eines Kritikers“, dessen Hauptfigur – ein zu Tode kommender jüdischer Literaturkenner – deutliche Parallelen zu Reich-Ranicki aufweist.

Martin Walser gehörte zu den „Kahlschlagliteraten“ und Umerziehern der „Gruppe 47“. Walser hatte sich wiederholt mit der deutschen Frage (Einheit Deutschlands) beschäftigt und die diesbezügliche linke Abstinenz überwunden. Gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“ vom 24. Dezember 1985 äußerte er:

„Ich wäre gerne dabei, wenn ein Bundeskanzler aus Bonn und ein Staatsratsvorsitzender aus Ost-Berlin sich zwischen Magdeburg und Braunschweig träfen und einen Deutschen Bund gründeten, und das so bismarckisch genial, daß Ost und West einverstanden sein könnten und müßten. Möglich wäre es. Es fehlen nur zwei Leute, die zusammen so klug sind, wie Bismarck allein war.“

Eintreten für Preisgabe der europäischen Völker

Walser trat frühzeitig für das ungehinderte Eindringen von fremdländischen Ausländern nach Europa ein (→ Einwanderung), ebenso erklärte er Rassenvermischung als etwas Wünschenswertes, das man fördern solle. In einem Zeitungsgespräch äußerte er 1992:

„Die türkische Familie mag darauf aus sein, zuerst einmal eine einfache Heimat zu haben. […] Die brauchen zuerst einmal, daß niemand mehr sagt: ‚Raus!’. Das sagt zu uns ja auch niemand mehr.“
„Was ist das für ein Geschichtsunterricht, der überhaupt so etwas Jämmerliches aufkommen lassen kann: die Bewahrung von etwas Reinem, von etwas Unvermischtem – ein absoluter Irrsinn. […] Jedem Kind kann man klarmachen, wie schön Vermischung ist, wie schön es ist, wenn fremde Rassen dazukommen. Die schönsten Menschen der Welt sind die Mischlinge. Das muß man eben sehen.“[2]

Paulskirchenrede und „Walser-Bubis-Kontroverse” 1998

Martin Walser sorgte 1998 mit seiner „Frankfurter Paulskirchen-Rede“, die sich gegen „Auschwitz als Moralkeule“ und „Dauerpräsentation deutscher Schande“ richtete, für eine der heftigsten Debatten bundesrepublikanischer Geschichte. Der damalige jüdische Zentralrats-Chef Ignatz Bubis warf ihm daraufhin vor, „geistiger Brandstifter“ zu sein.

Das Befremden der linken Szene, die Martin Walser lange als einen der ihren betrachtet hatte, wurde zum vehementen Protest, als sich Walser gegen eine „Instrumentalisierung des Holocaust“ wandte.

Die von manchen als sprachlich kompliziert empfundenden Äußerungen Walsers wurden oft wie folgt interpretiert: Der Holocaust würde von einigen Leuten dazu mißbraucht, den Deutschen wehzutun oder gar um politische Forderungen zu stützen. Auch fühle derjenige, der ständig diese Verbrechen thematisiert, sich den Mitmenschen moralisch überlegen. Der Themenkomplex Auschwitz dürfe aber nicht zur „Moralkeule“ verkommen, gerade wegen seiner großen Bedeutung.

Walsers Rede war im Anschluß allgemein von den Anwesenden applaudiert worden, mit Ausnahme von Ignatz Bubis und dessen Frau, wie Fernsehbilder zeigen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland warf Walser vor, „wegsehen“ zu wollen. Ferner wurde Walser vorgeworfen, daß Revisionisten sich auf ihn berufen würden. Walser hielt dieser Kritik entgegen, daß er keine politische Instrumentalisierung seiner „sehr persönlichen Ansicht“ beabsichtige und nur von seinem subjektiven Empfinden gesprochen habe.

Auszüge aus der Rede Walsers in der Paulskirche am 11. Oktober 1998:

„Wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, daß sich in mir etwas gegen diese Dauerpräsentation unserer Schande wehrt. Anstatt dankbar zu sein für die unaufhörliche Präsentation unserer Schande, fange ich an wegzuschauen. Ich möchte verstehen, warum in diesem Jahrzehnt die Vergangenheit präsentiert wird wie nie zuvor. Wenn ich merke, daß sich in mir etwas dagegen wehrt, versuche ich, die Vorhaltung unserer Schande auf die Motive hin abzuhören, und bin fast froh, wenn ich glaube entdecken zu können, daß öfter nicht das Gedenken, das Nicht-vergessen-dürfen das Motiv ist, sondern die Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken. Immer guten Zwecken, ehrenwerten. Aber doch Instrumentalisierung. [...] Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung. Was durch Ritualisierung zustande kommt, ist von der Qualität des Lippengebets [...]“

In einem Offenen Brief an Ignatz Bubis vom 12. Januar 1999 in der Schweizer Wochenzeitung übermittelt Günter Amendt eine Anekdote aus dem Jahre 1978. In jenem Jahr, so Gunter Amendt, habe er auf Einladung des Konzertveranstalters den Sänger Bob Dylan und seine Band begleitet. Auch habe er sich seit vielen Jahren mit der Rezeption von Bob Dylans Werk in den bundesdeutschen Medien, dabei insbesondere der Betonung eines antisemitischen Stereotyps, beschäftigt: „Daß man gerade bei Dylan die materiell-finanzielle Seite des Rock ’n’ Roll so oft, so gerne und so ausführlich thematisiert“. Nach Abschluß der Tournee sei er in der Konkret-Redaktion auf Martin Walser getroffen. Der aber habe nicht „ohne einen aggressiven Unterton“ gefragt, „was eigentlich an diesem ‚herumzigeunernden Israeliten‘ Besonderes wäre.“[3]

Als er in seinem 2002 erschienenen Roman „Tod eines Kritikers“ den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einerseits als Person und andererseits als Symbol einer unredlichen Kulturszene kritisierte, hagelte es Proteste. Der Feuilleton-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Frank Schirrmacher warf ihm Antisemitismus vor.

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin bezeichnete Walser während der Planungsphase abwertend als „fußballfeldgroßer Alptraum im Herzen der Hauptstadt“ und „Kranzabwurfstelle“; heute ist er dem Denkmal gegenüber positiv gestimmt.[4]

Familiäres

1950 heiratete er Katharina „Käthe” Neuner-Jehle. Aus dieser Ehe gingen die Töchter Franziska, Alissa, Johanna und Theresia hervor.

Martin Walser ist der Vater von Jakob Augstein. Walser hatte im November 2009 bestätigt, daß Jakob nicht der Sohn von Rudolf Augstein ist. Vielmehr war der 2002 gestorbene Gründer des „Spiegels“ nur Jakobs gesetzlicher Vater. Jakob Augsteins Mutter ist die Übersetzerin Maria Carlsson. Ihr Gatte Rudolf habe von der Affäre mit Martin Walser gewußt und sei überhaupt nicht eifersüchtig gewesen. Jakob selbst habe die Wahrheit aber erst nach Rudolf Augsteins Tod erfahren.[5]

Zitate

Über Walser
  • „Als Martin Walser ihn 2002 im Roman Tod eines Kritikers als Literaturkritiker André Ehrl-König karikierte und auf seine Machtposition im Kulturbetrieb anspielte, brachte FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher umgehend den Antisemitismus-Vorwurf gegen Walser in Stellung. Allerdings verfügte Walser neben einzigartigen Verkaufszahlen auch über einen Ruf als Vergangenheitsbewältiger der ersten Stunde (»Unser Auschwitz«, 1965) und konnte den Frankfurter Anschwärzer zwingen beizudrehen. Dennoch geriet die Affäre zum Lehrstück, denn keine Handvoll deutscher Autoren verfügt außer Walser über die Mittel, um das einmal verhängte, tödliche Antisemitismus-Stigma erfolgreich von sich zu weisen.“Thorsten Hinz[6]
Von Walser
  • „Ich bin ja auch immer von den Rechten angegriffen worden. Aber die Linken sind in der Gemeinheit der Beleidigung viel virtuoser als die Rechten. Die sind einfach infamer und bösartiger als die Rechten.“
  • „In diesem Klima der politisch-moralischen Lynchstimmung frei reden? Zur Zeit ist es der Tugendterror der Political Correctness, der freie Rede zum halsbrecherischen Risiko macht.“

Auszeichnungen

Fußnoten

  1. Verriß von „Jenseits der Liebe“ – Walser wollte „R-R“ ohrfeigen, n-tv, 14. März 2010
  2. „Die schönsten Menschen sind die Mischlinge“, Stuttgarter Zeitung (Nr. 200) vom 29. August 1992, Seite 3 (Fragesteller: Irmgard Sollinger und Josef Büchelmeier)
  3. Günter Amendt an Ignatz Bubis, 12. Januar 1999
  4. Die Walser-Bubis-Kontroverse, Artikel in der Zeitschrift für evangelische Ethik
  5. Bestätigt: Martin Walser ist der Vater von Jakob Augstein, Deutschlandradio Kultur, 27. November 2009
  6. 33-cabinet.png Abgerufen am 22. März 2017. Bei WebCite® archivieren.Thorsten HinzEhrenrettung für einen PastorSezession, 1. Dezember 2012