Überfall auf den Sender Gleiwitz

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Die Sendeanlage in Gleiwitz, Schlesien

Der sogenannte Überfall auf den Sender Gleiwitz am Abend des 31. August 1939 wird in der offiziellen Geschichtsschreibung als Anstoß zum Zweiten Weltkrieg angesehen. Dieser „Überfall“ war vorgeblich eine von der SS fingierte Aktion und der bekannteste einer Reihe von Vorfällen, die als propagandistischer Vorwand für den Polenfeldzug dienen sollten. Am 30. August 1939 erfolgte die polnische Generalmobilmachung, was einer Kriegserklräung gleichkam.

Der Tatbestand ist bis heute nicht geklärt, und schon ein flüchtiges Studium der bisherigen Quellen zeigt, daß diese nicht annähernd ausreichen, um den Vorgang schlüssig zu rekonstruieren.

Auf Grund der ständigen Übergriffe auf die deutsche Zivilbevölkerung durch Polen, den Flüchtlingsströmen aus den - auf Grund des sogenannten Versailler Vertrages vom Kernreich abgeschnittenen oder Polen zugesprochenen deutschen Gebieten - der unhaltbaren Situation in Danzig und den deutschen Einigungsvorschlägen im Vorfeld gehen geschichtsrevisionistische Historiker jedoch davon aus, daß der Vorfall von Alfred Naujocks erst nach dem Krieg erfunden worden ist, da bei Beginn des Polenfeldzuges Adolf Hitler diesen Vorfall mit keinem Wort in seiner Rede vom 1. September 1939 erwähnt. Die offizielle Geschichtsschreibung hingegen beruft sich auf die eidesstattliche Erklärung Naujocks vom 20. November 1945, die beim Nürnberger Tribunal mehrfach herangezogen wurde. Die „Eidesstattliche Erklärung” Alfred Naujocks trägt jedoch nicht seine Unterschrift. Sie trägt nicht einmal die Unterschrift von irgendjemandem. Sie endet mit dem Schreibmaschinensatz: „Beschworen und unterschrieben vor Leutnant Martin”.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Wahrheit über den Überfall auf den Sender Gleiwitz

Die Hohenloher Rundschau
vom 1. September 1939 mit der Meldung auf der Titelseite:
„Handstreich auf den Sender Gleiwitz”

Der Überfall auf den Gleiwitzer Sender, der laut heute üblicher Ansicht von der nationalsozialistischen Führung als Anlaß für den Einmarsch der Deutschen in Polen fingiert wurde, hat allem Anschein nach nicht stattgefunden. Die Meldung vom Überfall wurzelte entweder in einem Mißverständnis deutscherseits oder in der Meldung eines polnischen Rundfunksenders (möglicherweise sogar des britischen Senders, der im polnischen Teil Oberschlesiens stationiert war*). Eine Falschmeldung durch den polnischen Rundfunk entspräche auch ganz der polnischen Verhaltensrichtung vor Kriegsbeginn. Dieses Verhalten war ausgerichtet auf eine ununterbrochen sich steigernde Provozierung der Deutschen, um diese in einen Krieg zu zwingen. Es gab in den Tagen, Wochen und Monaten vor dem Kriegsausbruch so viele und so schwerwiegende Provokationen von polnischer Seite, darunter hunderte von Grenzverletzungen durch polnisches Militär und polnische Terrorbanden mit Morden, Feuerüberfällen, Brandschatzungen, Gebäudesprengungen und Brückenzerstörungen, dazu eine sich ständig steigernde Drangsalierung der deutschen Minderheit in Polen mit zahlreichen Morden, Mißhandlungen, Verhaftungen, Enteignungen, Hauszerstörungen, Verfolgungen der evangelischen Kirche, Vertreibungen u.a.m., sodaß es gar nicht erforderlich war, einen Anlaß zum Krieg zu fingieren.

Der Krieg war schon da, er war nur noch nicht förmlich erklärt. Und angefangen hatte ihn offensichtlich nicht die deutsche, sondern die polnische Seite. Obendrein kam es am 31. August auch noch zur Generalmobilmachung des polnischen Heeres. Das allein kam schon einer Kriegserklärung gleich. Bei dem angeblichen Überfall auf den Sender Gleiwitz gab es nicht einmal ein Todesopfer unter den Deutschen, hingegen gab es solche Todesopfer bei anderen Grenzzwischenfällen an diesem Tage (bei Pfalzdorf und Röhrsdorf) und in den Tagen zuvor (bei Sonnenwalde, Alt-Eiche und Neukrug), außerdem wurden am 31. August der deutsche Konsul in Krakau ermordet, die Eisenbahnbrücke bei Dirschau gesprengt, Teile Danzigs von polnischen Truppen besetzt - nachdem zuvor schon die Nahrungsmittelzufuhr aus Polen nach Danzig unterbunden worden war - und obendrein gab es noch an dutzenden von Stellen militärische Überfälle in reichsdeutsches Gebiet hinein, während in Polen die Morde an Deutschen sprunghaft anstiegen, um schließlich in den folgenden Tagen im gezielten, hauptsächlich nach Listen vorgenommenen Massenmord an 40.000 bis 60.000 Deutschen zu gipfeln.

Warum also einen Fall fingieren, wo es doch genügend echte Fälle gab, Fälle, die wirklich stattfanden, Fälle von eindeutig kriegsmäßiger Aktivität, mit denen Deutschland gezwungen werden sollte, endlich militärisch zu reagieren! Die deutsche Regierung bemühte sich zwar seit langem und mit großer Intensität, den Konflikt auf diplomatischem Wege zu überwinden. Doch dieses Bemühen bewirkte keine Abschwächung, sondern nur eine Verschärfung der antideutschen Aktivitäten. Offensichtlich wollte man keine diplomatische, sondern eine kriegerische Lösung. Polen hatte dafür die volle Rückendeckung Frankreichs und Englands. Die herrschenden Kreise in Polen, England, Frankreich und die mit ihnen verbundenen überstaatlichen Machtgruppen wollten ganz einfach das vollenden, was sie mit dem Ersten Weltkrieg und dem Versailler Diktat begonnen hatten: die völlige Zerschlagung Deutschlands und des deutschen Volkes, die Vernichtung des neuen Karthago. Hierbei erhofften die maßgebenden Kreise in Polen das, was von ihnen in ungezählten Äußerungen zwischen 1918 bis 1939 immer wieder gefordert worden war: die Ausdehnung Polens bis zur Oder und Neiße. Die chauvinistische Aufhetzung Polens durch katholische, faschistische und freimaurerische Führer, englische Agenten und deutsche Widerstandskreise, die englische Blankogarantie, der polnische Korridor, die gewaltsame Entdeutschung Westpreußens, Posens und Oberschlesiens mit den dabei stattfindenden Drangsalierungen, Enteignungen, Gewalttaten - sie waren nichts anderes als das zielstrebig hergerichtete Pulverfaß. Es liegt darüber Material vor, das Bände füllt. Die damalige Entwicklung wird natürlich von der regierenden Geschichtsschreibung ganz anders dargestellt. Die Deutschen haben den Krieg verloren, und der Sieger schreibt die Geschichte. Und da sich der Sieger nicht die Wiederauferstehung der Wahrheit und des Rechts, und schon gar nicht die eines deutschen Deutschlands zum Ziel gesetzt hat, ist seine Geschichtsschreibung (und die seiner Helfershelfer unter den Deutschen) entsprechend. Doch die Geschichtsschreiber des Siegers mögen erklären, wieso der von ihnen so hochgespielte Fall Gleiwitz mit keinem einzigen Wort in der Rede erwähnt wird, die Hitler am 1. September 1939 vor dem Reichstag hielt, um dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit darzulegen, warum es zum Krieg mit Polen kam. Ist das nicht höchst seltsam? (siehe auch: Rede vom 01. September 1939 (Adolf Hitler)

(* Eine Schlesierin berichtet, daß schon vor dem 31.8.1939 ein englischer Sender auf polnischem Territorium antideutsche Meldungen sendete. Die Vermutung ist deshalb nicht abwegig, daß die Radiomeldung vom 31.8.1939 von diesem Sender gesendet worden ist.)

„Von verschiedenen polnischen Gewährsmännern hört man immer wieder die polnische Auffassung über die Erfolgsaussichten in einem zukünftigen Kriege dahingehend, daß Polen‚ den Deutschen zunächst wohl taktische Erfolge zuerkennt, daß sie aber auf weite Sicht das strategische Ziel nicht erreichen werden, genau so, wie sie es im [Ersten] Weltkrieg durch Mangel an Rohstoffen nicht erreicht haben.“
So und ähnlich lauteten etliche im Bundesarchiv erhaltene Berichte aus Polen aus dem Jahr 1939, die übrigens auch Material über polnische Offensivabsichten, über Grenzschießereien in Oberschlesien und sogar einen Bericht über die positive Reaktion der polnischen Bevölkerung im Grenzgebiet auf die „polnische Besetzung von Gleiwitz“ enthalten.[1]

Die Freiburger Zeitung vom 1. September 1939 (Morgenausgabe): "Überfall auf den Sender Gleiwitz - Zahlreiche Todesopfer"

[Bearbeiten] Der Überfall auf den Gleiwitzer Sender

Wenn die Schuld am deutsch-polnischen Krieg berührt wird, wird als Begründung der deutschen Alleinschuld angeführt, daß ihn Hitler „angezettelt” habe, indem er einen polnischen Überfall auf den Gleiwitzer Sender fingieren ließ, um als Reaktion darauf Polen überfallen zu können. Eine Untersuchung dieses Vorfalls durch Gleiwitzer Zeitzeugen zeigt jedoch auf, daß

  1. ein Überfall von deutscher Seite nicht stattfand,
  2. daß, falls von deutscher Seite aus einmal ein Überfall geplant gewesen sein sollte, er durch die militärische Entwicklung in Polen längst überholt war, weil Polen selbst durch eine von ihm betriebene Provokationsstrategie eine deutsche militärische Reaktion laufend herausforderte.[2]

Der Historiker Stefan Scheil schreibt dazu:

Das später vom Auswärtigen Amt herausgegebene Weißbuch listete dann für die Nacht vom 31. August auf den 1. September insgesamt fünf solcher Vorfälle mit Beteiligung polnischer Truppen auf. Der später so berühmt gewordene gefälschte Überfall auf den Sender Gleiwitz gehörte nicht dazu. Er wurde im Weißbuch offiziell als Aktion „polnischer Aufständischer” eingestuft und von der deutschen Regierung nicht als Beweis für einen Angriff polnischer regulärer Truppen herangezogen. (...) Gerade aus dem Umkreis der SS wurde dann gelegentlich behauptet, Hitler habe im Reichstag am 1. September 1939 Gleiwitz erwähnt. Weder er noch das amtliche deutsche Weißbuch sprachen aber, wie bereits gesagt, von einem dortigen Angriff polnischer Truppen, ja nicht einmal der Völkische Beobachter verstieg sich zur Behauptung, es habe dort einen Überfall polnischer Soldaten gegeben.[3]

[Bearbeiten] Zur Geschichte des Gleiwitzer Senders bis zum Kriegsausbruch

Auf einem der höchsten Punkte der Stadt Gleiwitz an der Raudener Straße errichtete die Stadtverwaltung im Jahre 1925 gemeinsam mit der Schlesischen Funkstunde AG in Breslau die oberschlesische Rundfunksendestation. Sie bestand aus einem Verwaltungs- und Sendegebäude und zwei 75 Meter hohen Antennenmasten. Im Jahre 1936 entstand im Nordosten (Tarnowitzer Landstraße) der neue Sender mit seinem rund 100 Meter hohen Holzturm. Die Sender standen rund 7 km von der Grenze entfernt. Der alte Sender war außer Betrieb, der neue war Nebensender des Reichssenders Breslau und strahlte dessen Programm aus, zeitweise auch regionale Wetter- und Landwirtschaftsnachrichten. Die meisten Hörer hörten das Breslauer Programm. Nur wenige Personen aus Gleiwitz und Umgebung bekundeten später, im Radio plötzlich polnische Stimmen gehört zu haben, die meisten erfuhren erst in den späteren Tagesnachrichten von dem angeblichen Überfall.

  1. Im Nürnberger Prozeß und in Massenmedien berichtete später der SS-Sturmbannführer Naujocks von einem Plan, wonach er von SD-Chef Heydrich ausersehen worden sei, mit fünf oder sechs ausgesuchten polnisch sprechenden Männern einen Überfall auf den Gleiwitzer Sender vorzutäuschen, weil man einen Kriegsgrund gegen Polen brauche. Doch sind die Widersprüche zwischen den einzelnen Berichten von Naujocks so zahlreich und schwerwiegend, daß diese nicht als wahrheitsgetreue, zuverlässige Unterlagen gelten können.
  2. Als Falschmeldung erweist sich auch, daß in den Berichten mehrfach von Schießereien gesprochen wird, die während des Überfalls geschehen sein sollen. Wegen der zunehmenden Kriegsgefahr baute im Sommer 1939 die Reichswehr die Grenzwacht auf, eine aus Freiwilligen bestehende paramilitärische Organisation, in der das Offizierskorps von Reserveoffizieren gestellt wurde. Im Raum Gleiwitz wurde mit ihrem Aufbau der Volksschullehrer Otto Radek beauftragt, Oberleutnant d.R., später Hauptmann d.R. des Weltkriegs 1914/18, und als verantwortlicher Kommandeur eingesetzt. Seit dem 24. August 1939 war die Grenzwacht voll im Einsatz, mit scharfer Munition ausgerüstet und mit dem Objektschutz beauftragt. Der Sender wurde von der 3. Kompanie, Grenzwachtbataillon 1/68 bewacht.
  3. Nach dem Bericht von Naujocks stürmte am 31. August 1939 um 20.30 Uhr angeblich sein Kommando in polnischer Uniform schießend in das Gebäude des Senders und überwältigte das Bedienerpersonal, wobei es im Senderaum zu einer „furchtbaren Schießerei” gekommen sein soll, bei der Naujocks mehrfach mit der Pistole gegen die Decke geschossen habe. Dann hätten die Männer „lautlos, wie sie gekommen waren”, das Gelände des Senders verlassen. Nur ist dies ein reiner Phantasiebericht, weil das Haus durch eine Wachmannschaft geschützt war, die es vor dem Betreten Unbefugter schützte.
  4. Eine ungeklärte Frage ist, wie der Rundfunk dazu kam, ein immerhin wichtiges Ereignis zu melden, das gar nicht stattgefunden hatte. Denn der Kommandeur erfuhr von dem Vorfall zu Hause in den Radionachrichten. Darauf ließ er sich in seinem Dienstwagen zum Sender fahren. Die Wachmannschaft bis auf einen Posten, der seelenruhig auf und ab schritt, schlief und wußte von nichts. Als der Kommandeur der Wache vorhielt: „Hier ist doch geschossen worden, da müssen doch die Einschüsse feststellbar sein”, konnte er sich überzeugen, daß es im ganzen Hause keine Einschußspur gab. Die Wachmannschaft berichtete allerdings, daß sie einige SS-Männer in Zivil, die sich ordnungsgemäß ausgewiesen hätten, in den Senderaum gelassen hätten, wo sie über ein Wettermikrophon Sprechübungen in Deutsch und Polnisch veranstaltet hätten. Nach wenigen Minuten hätten sie sich aber mit „H. H.” wieder korrekt verabschiedet.
  5. Hier war offensichtlich eine Zwecklüge verbreitet worden, nachdem ein irgendwann einmal erwogenes Unternehmen nicht durchgeführt worden war. Der Kommandeur rief daher vom Sender aus beim Armee-Kommando in Breslau an, das ihn beschied, daß alles in gewollter Ordnung sei. Doch wurde er zu absolutem Schweigen verpflichtet. Dies läßt darauf schließen, daß höheren Orts irgendwann einmal mit dem Gedanken eines fingierten Überfalls gespielt worden war. Daß am neuen Sender Ruhe herrschte, wird durch einen Hitlerjungen und unabhängig davon auch von Bewohnern in der Nachbarschaft bestätigt. Diese waren von Breslauer, durch die Rundfunkmeldung „ganz aufgeregten” Verwandten angerufen worden und staunten nun wegen der in ihrer Nähe herrschenden Ruhe darüber, daß dort ein Überfall mit Schießerei stattgefunden haben soll.
  6. Eine offene Frage ist, wie es im Breslauer Sender zu der falschen Radiomeldung über die Schießerei im Gleiwitzer Sender kam, die den Kommandanten zum Eingreifen im Sender Gleiwitz veranlaßten. Otto Radek, der als Kriegsteilnehmer in sechsjährige jugoslawische Kriegsgefangenschaft geriet, von wo er 1951 nach Marbach am Neckar kam, setzte sich 1962 mit seinem Gleiwitzer Landsmann Eberhard von Zalewski in Verbindung, um die Angelegenheit zu klären.

[Bearbeiten] Ursprung der „Überfall“-Version der Sieger

Der frühere Chef der Geheimen Staatspolizei, Heinrich Müller (auch: „GESTAPO-Müller” genannt), gab im Einstellungsgespräch mit Beauftragten des US-Geheimdienstes CIC in 9/10 1948, als die USA ehemalige Polizei-Spezialisten beim Aufspüren von Agenten, Spionen sowie Saboteuren des Ostblocks benötigte und reaktivierte an, daß er sein Eisernes Kreuz 1940 erhalten habe:

„Diese Auszeichnung erhielt ich für meine Arbeit im August und September 1939 im Zusammenhang mit der Gleiwitz-Affäre. Heydrich hatte einen polnischen Angriff auf den Sender Gleiwitz vorgetäuscht, um einen Vorwand für den Angriff auf Polen zu liefern. Das Datum war geändert worden, weil Hitler versuchte, bis zur letzten Minute zu verhandeln. Aber eine Gruppe erhielt den Gegenbefehl nicht und begann auf die deutsche Zollstation zu schießen. Ich mußte mich selbst einschalten und das Schießen beenden ...” [4]

Hierin scheint auch der wesentliche Ursprung der Legende des angeblichen deutschen "Überfalls" zu liegen. Offenbar hatten Naujocks und Müller die gleiche rettende Idee, um sich bei den Siegermächten interessant zu machen.

[Bearbeiten] Resümee

Es hat möglicherweise tatsächlich einen Angriff auf den Sender gegeben. Dieser wurde jedoch nicht von polnischem Militär, schon gar nicht von deutschen Kräften durchgeführt, sondern es war mit größter Sicherheit einer der zahllosen Übergriffe polnischer Freischärler auf deutsches Territorium, die letztlich die deutsche Gegenwehr in Form des Polenfeldzuges auslösten. Darüberhinaus könnte es auch eine gezielte Falschmeldung eines englischen Propagandasenders auf polnischem Gebiet in der Nähe von Gleiwitz gewesen sein.

Die Hauptmeldung vom 1. September 19391 spricht nur von polnischen Aufständischen bzw. von Angehörigen des „Polnischen Freiwilligenkorps oberschlesischer Aufständischer". Nennt der Völkische Beobachter auf seiner ersten Seite den Überfall „offensichtlich das Signal zu einem Angriff polnischer Freischärler auf deutsches Gebiet“, so gehen Leitartikler anderer Blätter einen Schritt über die amtliche Mitteilung hinaus und folgern: „... polnische Wahnsinnige sind in deutsches Gebiet eingedrungen ...“[5]

Erst die am 17. Oktober 1939 erschienene Monatsschrift „Das Archiv" gibt schließlich an:

„Besonders schwerwiegend war der Überfall polnischer Aufständischer und Soldaten auf den Sender Gleiwitz"

und sie betont den Grenzübertritt noch einmal ausdrücklich:

„Es fielen in der Nacht vom 31. August zum 1. September an verschiedenen Stellen Banden des Aufständischen-Verbandes unter Beteiligung regulärer polnischer Soldaten in deutsches Reichsgebiet ein".[6]

Die Hauptmeldung behauptet, alle Insurgenten seien gefangengenommen, wobei einer getötet worden sei. Beweise für diese Tatsache wurden nie veröffentlicht. Es erschienen weder Bilder in der Presse, noch wurde etwas von einem Verfahren gegen die Verbrecher bekannt. Offenbar hatte man keine Gefangenen. Erst nach dem Blitzsieg über Polen zog das Weißbuch die einzig mögliche Schlußfolgerung:

„...Die Aufständischen wurden durch deutsche Grenzschutzbeamte vertrieben. Bei der Abwehr wurde ein Aufständischer tödlich verletzt."[7]

[Bearbeiten] Zitate

  • „Dieser Vorfall beziehungsweise dieses Unternehmen ist hier mir erst durch Zeugenaussagen bekanntgeworden. Ich habe niemals erfahren, wer beauftragt war, irgendsolche Dinge zu machen, und ich habe, bis hier im Gerichtssaal Aussagen gemacht worden sind, über diesen Überfall auf den Sender Gleiwitz von diesen Dingen nichts gewußt. Ich erinnere mich auch nicht, es damals erfahren zu haben, daß etwas Derartiges sich zugetragen hatte.” - Wilhelm Keitel im Nürnberger Prozess auf die Frage, was er überhaupt von dem Vorfall wisse.[8]

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Georg Jaeckel, Roland Bohlinger: „Der Überfall auf den Gleiwitzer Sender”, Verlag für ganzheitliche Forschung 1996 (als PDF-Datei)

[Bearbeiten] Verweise

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. vgl.: Sezession.de, Stefan Scheil: Die polnische Besetzung von Gleiwitz
  2. vgl. „Deutsch-polnischer Nervenkrieg” in „Junge Freiheit”, 36/09, 28. August 2009, S. 10
  3. Stefan Scheil: Auszug aus dem Kapitel „Von Paris nach Gleiwitz - Der Briand-Kellogg-Pakt und der Kriegsausbruch”
  4. Untersuchungsbericht des Gestapo-Chefs Heinrich Müller zum 20. Juli 1944 [MU 13 - 75 - 96: 8; S. 01 - 17; 19 - 26] ISBN 3-8061-1104-9; Auszug aus dem Buch „Geheimakte Gestapo-Müller” von Gregory Douglas, erschienen im Druffel-Verlag, Berg am Starnberger See, 1995, Seiten 203-240
  5. Rhein-Front vom 1. September 1939.
  6. Das Archiv. Nachschlagewerk für Politik, Wirtschaft, Kultur, hrsg. von Alfred Ingemar Berndt. Berlin, Nr. 65, 1939.
  7. Weißbuch I I : Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges. Auswärtiges Amt 1939, Nr. 2, Berlin 1939, Nr. 470, S. 443.
  8. IMT-Protokolle, Band 10, Seite 580
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