Massaker von Katyn
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Beim Massaker von Katyń ermordeten zu Beginn des Jahres 1940 Einheiten des sowjetischen Innenministeriums NKWD in einem Wald bei Katyn (Rußland) mehrere tausend polnische Offiziere und Zivilisten. Ausführend verantwortlich für den Völkermord von Katyn war der Jude Lawrentij Berija, Oberhenker Stalins.
Die Entdeckung der Massengräber 1943 durch die deutsche Wehrmacht führte zum Abbruch der Beziehungen zwischen der polnischen Exilregierung in London und der Stalin-Sowjetunion. Das Massaker wurde zunächst von der NS-Propaganda ausgenutzt, während die Führung der Sowjetunion unter Stalin das Verbrechen leugnete und es der Wehrmacht anlastete, diese Version wurde in der Folge von der stalinistischen und westalliierten Propaganda gegen Deutschland instrumentalisiert. Auch nach dem Krieg wurde die Lüge vom Sowjetregime aufrechterhalten und auch der Bevölkerung im russisch besetzten Polen als einzig erlaubte "Wahrheit" aufgezwungen. Die US-Regierung ließ die russische Geschichtsfälschung jedoch nach dem Krieg um sich die Stimmen der Exilpolen zu sichern fallen, nachdem die Sowjetunion vom Verbündeten zum Feind geworden war. Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen konnte sich dort die Wahrheit durchsetzen, in Rußland galt weiterhin die stalinistische Version. Erst Gorbatschow stellte 1990 klar, daß die Sowjetunion für den Massenmord in Katyn verantwortlich war. Das Verbrechen belastet bis heute das russisch-polnische Verhältnis. Die Polen verlangen hartnäckig, daß die ehemaligen sowjetischen Täter zu Verantwortung gezogen werden, sofern diese noch am Leben sind. Dazu forderten sie von der BRD die Katyn-Untersuchungsberichte sowie die dazugehörigen Fotos an, die Hitler bei der Aufklärung des Verbrechens anfertigen ließ.
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[bearbeiten] Massaker
Nach der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes und der darauf folgenden sowjetischen Besetzung der von Polen zuvor eroberten sowjetischen Gebiete (sogenanntes "Ostpolen") im Herbst 1939 gerieten 14.700 Offiziere und Soldaten der polnischen Armee und Polizei in sowjetische Kriegsgefangenschaft.
Am 5. März 1940 unterzeichneten die Mitglieder des Politbüros der KPdSU – Stalin, Molotow, Kaganowitsch, Woroschilow, Mikojan, Beria und Kalinin – den Befehl zur Exekution von „Nationalisten und konterrevolutionären Aktivisten” in den besetzten Gebieten. Diese weite Definition ermöglichte es, neben Offizieren, Soldaten und Reservisten auch ca. 10.000 polnische Intellektuelle und Polizisten zu töten. Erfasst wurden schließlich 25.700 Polen, einschließlich der Kriegsgefangenen.
Vom 3. April bis zum 19. Mai 1940 ermordete das NKWD 14.552 Gefangene: die größten Opfergruppen in Katyn, 6.311 aus dem Lager Ostaschkow, 4.421 Mann aus Kozielsk, 3.982 aus Starobielsk, die in Charkow exekutiert wurden sowie eine Gruppe aus dem Kriegsgefangenenlager auf einer Insel im Seligersee, in der Nähe von Twer. Die Leichen der Opfer aus Kozielsk wurden ebenfalls im Wald von Katyn begraben.
Ende Juli 2006 wurde vom polnischen Archäologen Andrzej Koła im Wald von Bykownia bei Kiew ein weiteres Massengrab mit polnischen Opfern des NKWD entdeckt, in dem 3.435 bislang vermißte Opfer des Massakers vermutet werden. Genauere Untersuchungen dauern an. Am gleichen Ort sind in über hundert Massengräbern eine große Zahl Opfer stalinistischer Säuberungen beigesetzt.
Zu den vielen polnischen Intellektuellen, die das NKWD im Zuge des Massakers liquidiert hatte, gehörten auch die beiden bekannten Mathematiker Marcinkiewicz und Kaczmarz. Auch der Vater des polnischen Filmregisseurs Wajda wurde im Katyn-Massaker ermordet, was zu dem Film Katyń führte, der 2007 erschien.
[bearbeiten] Entdeckung des Massakers
Im Februar 1943 entdeckten Wehrmachtssoldaten, namentlich von Gersdorff als I c in der Stabsabteilung der Heeresgruppe Mitte, im Wald von Kozy Gory bei Katyn Massengräber mit den Leichen tausender polnischer Offiziere, die nach Aussagen der einheimischen Bevölkerung im Frühjahr 1940 ermordet worden waren.
Die reichsdeutschen Rundfunkmeldungen vom 13. April 1943 über die Funde veranlassten die Polnische Exilregierung in London, eine internationale Untersuchung durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf zu beantragen. Gegen dieses Vorhaben wehrte sich die sowjetische Regierung heftig und brach unter dem Vorwurf der Komplizenschaft mit Hitler jeden Kontakt zu polnischen Exilanten ab, was auch die Anti-Hitler-Koalition belastete. Bis dahin hatte die polnische Exilregierung nicht eine Antwort auf ca. 50 offizielle Anfragen zum Verbleib ihrer Militärgefangenen erhalten.
[bearbeiten] Untersuchungen Anfang 1943
Den Fall Katyn nutzte die deutsche Regierung für ihre Propaganda gegen die Sowjetunion. Berlin veranstaltete direkt nach dem Fund eine öffentliche Exhumierung durch eine kompetente internationale Untersuchungskommission von 12 namhaften Gerichtsmedizinern, darunter Vertreter der polnischen Exilanten und des polnischen Roten Kreuzes. Diese Kommission aus Gerichtsmedizinern aus elf europäischen Staaten (Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Niederlande, Rumänien, Schweden, Slowakei, Ungarn) begutachtete zwischen dem 28. und 30. April 1943 die bereits aufgedeckten Massengräber und grub exemplarisch weitere Leichen aus dem Boden, auch um das Todesdatum zweifelsfrei festzustellen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hatte aufgrund der Proteste der Sowjetunion seine Mitarbeit verweigert.
In einem gemeinsamen Beschluß veröffentlichte die Kommission ihre Expertise zum Todesdatum, in dem sie u.a. zum übereinstimmenden und unwidersprochenen Beschluss kam, daß das Todesdatum aufgrund der Feststellungen der Gerichtsmediziner und der bei den Leichen gefundenen Papiere und Briefe, die alle zum selben Zeitpunkt abbrachen, im Frühjahr 1940 gelegen haben muss.
Der Deutsche Verlag publizierte 1943 die Ergebnisse als amtliches Gutachten. Darin heißt es: „Die Leichen wiesen als Todesursache ausschließlich Genickschüsse auf. Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, dass die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben. ...” Weil die Massengräber sich auf einem Gebiet befanden, das von Frühjahr 1940 bis Juni 1941 von der Sowjetunion besetzt war, war die Täterschaft für alle an der Untersuchung Beteiligten klar.
Katyn war für die NS-Propaganda von mehrfachem Nutzen: international konnte das Ansehen des Kriegsgegners Sowjetunion geschwächt werden, im Rahmen der Besatzungspolitik in den polnischen Gebieten sollte dem lokalen Widerstand klar gemacht werden, daß die Sowjetunion als Bündnispartner ausschied und es sollte die eigene Bevölkerung die Bestialität des Bolschewismus weiter vor Augen geführt werden.
[bearbeiten] Untersuchungen Ende 1943 und Sowjet-Propaganda
Ende 1943, nach der Zurückdrängung der Wehrmacht, ließ die Sowjetunion das Massaker durch eigene Fachleute, den Schriftsteller Tolstoi und Militärs untersuchen. Die „Sonderkommission zur Feststellung und Untersuchung des Tatbestandes der Erschießung kriegsgefangener polnischer Offiziere im Wald von Katyn“ unter Vorsitz des Chefchirurgen der Roten Armee, Burdienko entstand.
Der Sonderkomission gehörten neben Alexei Tolstoi auch der Metropolit von Kiew und Galizien, Nikolaj, der Vorsitzende des Allslawischen Komitees, Gundorow, der Vorsitzende des Exekutivkomitees des Verbandes der Organisationen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, Kolessnikow, der Volkskommissar für Bildungswesen der RSFSR Patjomkin an. Diese behaupteten, daß die Genickschüsse im Herbst 1941 (somit unter reichsdeutscher Verantwortung) stattgefunden hätten. Bei den exhumierten Ermordeten hätten die „sowjetischen Experten“ verschiedene Gegenstände mit Zeitangaben wie November 1940, März 1941 oder Juni 1941 gefunden, was beweise, daß die Exekutionen von den sogenannten „Deutschfaschisten“ durchgeführt worden wären. Diese Behauptung wurde von der stalinistischen KPD/ML noch 1979 als ernsthaftes Argument vorgebracht.
Anfang 1946 berichtete die Zeitung „Nordwest-Nachrichten” (Herausgeber war die britische Militärbehörde) und die sowjetische Agentur TASS am 30. Dezember 1945, dass zehn deutsche Kriegsgefangene von der sowjetischen Justiz für die Massaker bei Katyn verurteilt wurden! Sieben wurden mit dem Tode bestraft und drei zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt!
[bearbeiten] Katyn bei den Nürnberger Prozessen ab 1946
Im Winter 1945/1946 fand im damaligen Leningrad ein Prozess gegen mehrere deutsche Offiziere statt, denen man das Massaker in Katyn im April/Mai anhängte. Bei dieser Prozess-Farce wurden folgende Offiziere der Wehrmacht zum Tode durch den Strang verurteilt: Karl Hermann Strüffling, Heinrich Remmlinger, Ernst Böhm, Eduard Sonnenfeld, Herbard Janike, Erwin Skotki, Ernst Gehrer. 20 bzw. 15 Jahre Zwangsarbeit erhielten in diesem Prozess: Erich Paul Vogel, Franz Wiese, Arno Diere.
Die sowjetischen Ankläger vor dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher warfen die Verbrechen den reichsdeutschen Angeklagten vor.
Das Tribunal von Nürnberg (IMT, Volume XVII. Proceedings: 6/25/1946-7/8/1946. 1947. S. 274-277) stellte ebenfalls fest, daß die "deutsche Wehrmacht die polnischen Offiziere im Wald von Katyn ermordet hatte".
1947 wurde der deutsche SS-Obersturmbannführer Hundt in Düsseldorf als "Katyn-Henker entlarvt", so die Lizenzzeitung "Abendblatt" (Liz. Nr. 117, am 5.6.1947)
Die osteuropäischen Wissenschaftler die an der Erstuntersuchung der Leichen beteiligt gewesen waren und nach dem Krieg unter sowjetische Herrschaft gerieten, sahen sich bald Drohungen und Nötigungen der roten Machthaber ausgesetzt und wurden gezwungen ihre Gutachten als von den Deutschen erpreßt hinzustellen und zu widerrufen.
Bis zur Wende 1989 war das sowjetische Bestreben, dieses eigene Kriegsverbrechen den Nationalsozialisten anzulasten, erfolgreich. Dies wurde zudem von linksgerichteten Politikern und Medien auch in Deutschland unterstützt, wobei, wie in der Sowjetunion üblich, jede Wahrheitsklärung als Neonazismus und Revisionismus hingestellt wurde.
Im Geschichtsunterricht der DDR wurde das Massaker der Wehrmacht angelastet. Einwände wurden als „faschistische Hetze“ verfolgt.
Bis in die 1990er Jahre wurden von den deutschen Berufsbüßern noch Bußwallfahrten nach Katyn organisiert, um gerade diesem "grauenhaften Verbrechen der deutschen Wehrmacht ein ewiges Schuldbekenntnis entgegenzustellen".
[bearbeiten] Anerkennung des Massakers durch die Sowjetunion und Russland
Am 13. April 1990 gestand Gorbatschow schließlich die sowjetische Alleinschuld an Katyn offiziell ein. Noch 1990/1991 veröffentlichte das "Wojenno-Istoritscheski Schurnal" eine Artikelserie, die die Version verbreitete, die Deutschen seien verantwortlich gewesen.
Was Gorbatschow noch unterlassen hatte, holte der russische Präsident Jelzin im Oktober 1992 nach: Er überließ Polen die Akte von 1940, mit der Kaganowitsch, Stalin, Beria und andere die Exekutionen von Katyn angeordnet hatten.
Bisher weigert sich die russische Regierung um Präsident Putin jedoch, die Opfer des Massakers von Katyn offiziell als Opfer des stalinistischen Terrors anzuerkennen. Langjährige Ermittlungen der obersten russischen Militärstaatsanwaltschaft wurden 2004 unter dem Vorwand der Verjährung eingestellt.
Nach sowjetischen Dokumenten fanden dabei 21.857 Menschen den Tod, nach Angaben Polens waren es ca. 30.000 Personen, laut Brockhaus rund 25.000. Für das Verbrechen verantwortlich war die ganze damalige Staats- und Parteiführung der Sowjetunion.
[bearbeiten] Video
Filmbericht über das Massaker von Katyn
[bearbeiten] Geschichtliche Einordnung
Auch westliche Historiker stellten trotz erdrückender Indizien für die sowjetische Täterschaft, bis in die 80er Jahre hinein die Moskauer Version gleichberechtigt neben der tatsächlichen dar.
Noch 1996 nimmt ein gewisser Markus Tiedemann Katyn in sein Pamphlet namens "In Auschwitz wurde niemand vergast. 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt" (Mülheim/Rh. 1996, Artikel Nr. 18, S. 61. (Zuerst im "Verlag an der Ruhr", zuletzt 2000 im Goldmann-Verlag) auf. In diesem versucht er mit verschrobensten Argumenten die Tatsache eines sowjetischen Kriegsverbrechens und die versuchte Verantwortlichmachung Unschuldiger als "rechtsradikale Propagandalüge" hinzustellen. Er gibt die Fakten dabei sogar zu, erklärt aber mit leerem Kopf und dafür vollem antifaschistischem Eifer, weil die Nationalsozialisten es so verbreitet haben, kann (darf) es einfach nicht wahr sein, und weil die Deutschen andere Massaker tatsächlich begangen hätten, wäre es heutigen Deutschen somit verboten Katyn zu verurteilen.
[bearbeiten] siehe auch
[bearbeiten] Literatur
- Thymian Bussemer: Das internationale Rote Kreuz und die NS-Kriegspropaganda: der Fall Katyn. In: Vorgänge. Jg. 39 2000 H. 3 S. 81–89
- John P. Fox: Der Fall Katyn und die Propaganda des NS-Regimes. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. (30) 1982 S. 462–499
- Gerd Kaiser: Katyn, Das Staatsverbrechen – das Staatsgeheimnis. Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin 2002, ISBN 3746680786. – Fortführung der Arbeit Madajczyks unter Einbeziehung weiterer Quellen aus russischen Archiven.
- Josef Mackiewicz, Katy´n - ungesühntes Verbrechen, Zürich 1949/Frankfurt/Main 1983
- Czeslaw Madajczyk: Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939–1945. Köln 1988.
- Czeslaw Madajczyk: Das Drama von Katyn. Dietz Verlag 1991, ISBN 3320016687. – Die erste wissenschaftliche Arbeit über Katyn durch den bedeutenden polnischen Historiker.
- George Sanford: The Katyn Massacre and Polish-Soviet Relations, 1941–43. In: Journal of Contemporary History 41/2006, S. 95–111.
- Manfred Vasold: Katyn. In: Wolfgang Benz: Legenden, Lügen, Vorurteile, München: dtv 1995, S. 115ff.
- Victor Zaslavsky: Klassensäuberung. Das Massaker von Katyn. Aus dem Italienischen von Rita Seuss; Wagenbach Verlag, 2007
[bearbeiten] Verarbeitung
Das Massaker von Katyn ist Thema mehrerer Filme:
- 1943 entstand die deutsche Kurzdokumentation Im Wald von Katyn.
- 1992 erschien der Dokumentarfilm Katyn – Der Massenmord und die Propagandalüge von Barbara Dyrschka und Marek Grzona, eine deutsch-polnisch-*russische Koproduktion, die 1994 mit dem Filmpreis St. Petersburg ausgezeichnet wurde.
- Der Film Enigma – Das Geheimnis mit Dougray Scott und Kate Winslet behandelt die Ereignisse von Katyn und deren damalige Geheimhaltung durch die Westalliierten.
- Der Film Katyń des polnischen Regisseurs Andrzej Wajda, der seinen Vater in Katyn verlor, feierte am 17. September 2007 Premiere und wurde im Januar 2008 für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert.
[bearbeiten] Literatur
[bearbeiten] Verweise
- Wie Stalins Folterknechte arbeiteten. Beispiel: "Geständnisse" deutscher Soldaten wegen Katyn-Verbrechen (Nationalzeitung)
- http://www.read-all-about-it.org/archive/geschichte/katyn_jw0304.html
- SEPP DEPP - Die Prämie für Falschangaben zur Geschichte Nr47
- Die Katyn-Lüge
