Stahel, Rainer

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Rainer Stahel (1892–1955)

Rainer Joseph Karl August Stahel[1] (zuweilen fälschlicherweise Reiner; Lebensrune.png 15. Januar 1892 in Bielefeld; Todesrune.png 30. November 1955 im Kriegsgefangenenlager Woikowo bei Moskau) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, des Deutschen Heeres, der Finnischen Armee (Weißen Armee),[2] der finnischen Grenzschutzpolizei und der Wehrmacht, zuletzt Generalleutnant der Luftwaffe und Schwerterträger im Zweiten Weltkrieg.

Werdegang

Rainer Stahel als finnischer Offizier
Rainer Stahel (1892–1955)
Stahel, Rainer.jpg

Militär

Rainer Stahel trat am 1. April 1911 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum 1. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 130. Bei diesem wurde er am 19. Dezember 1911 zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule Hersfeld wurde er am 18. Oktober 1912 zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 23. August 1910 datiert.

Zweiter Weltkrieg

Am 18. Januar 1942 wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Zum 1. März 1942 wurde er zum Oberst befördert. Mitte April 1942 gab er sein Kommando an Oberst Dr. Hermann Rudhart ab. Gleichzeitig wurde er dann als Nachfolger von Oberst Adolf Pirmann zum Kommandeur vom Flak-Regiment 99 im Südabschnitt der Ostfront ernannt. Im Sommer 1942 gab er sein Kommando an Oberstleutnant Eduard Obergerthmann ab. Er wurde dann dafür mit der Aufstellung und Führung der 4. Luftwaffen-Felddivision beauftragt. Bei den Abwehrkämpfen Ende 1942 verteidigte er als Führer einer Luftwaffen-Kampfgruppe im Südabschnitt der Ostfront seinen Frontabschnitt im Raum Stalingrad, was wesentlich zur Stabilisierung der Südostfront beitrug. Für diese Leistung wurde er am 4. Januar 1943 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.

Am 21. Januar 1943 wurde er zum Generalmajor befördert. Er wurde dann in den Bereich der Luftflotte 4 kommandiert. Ende Mai 1943 wurde er dann zum Kommandeur der neuen 22. Flak-Brigade in Italien ernannt. Mit dieser übernahm er dann den Schutz der Straße von Messina. Nach dem Waffenverrat Italiens war er ab September 1943 bis Dezember 1943 Kampfkommandant von Rom. Anfang Juli 1944 wurde er zum Kommandant des Festen Platzes Wilna ernannt. Am 14. Juli 1944 wurde er namentlich im Wehrmachtbericht genannt: „Die tapfere Besatzung der alten litauischen Hauptstadt Wilna unter Führung ihres Kommandanten, Generalleutnant Stahel, durchbrach nach fünftägigem Widerstand gegen überlegene feindliche Kräfte befehlsgemäß den sowjetischen Einschließungsring und kämpfte sich zu den westlich unter Oberst Tolsdorff bereitstehenden Truppen durch.“ Für die Bindung starker feindlicher Kräfte vor der Festung wurde er am 18. Juli 1944 mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet und kurz darauf zum Generalleutnant befördert.

Kriegsgefangenschaft

Stahel war Stadt-Kommandant von Warschau ab dem 25. Juli 1944 und ab dem 26. August 1944, nach dem Waffenverrat der Rumänen, Kampfkommandant nördlich von Bukarest. Dort geriet er zusammen mit Generalleutnant Alfred Gerstenberg am 28./29. August 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft, die er bis zu seinem Tode in verschiedenen Lagern verbrachte.

Tod

Wie zahlreiche hohe deutsche Offiziere auch verstarb Generalleutnant Stahel unter ungeklärten Umständen (laut den Russen an einem Herzinfarkt) noch in bolschewistischer Kriegsgefangenschaft, kurz bevor er als Spätheimkehrer wieder in die Heimat entlassen werden konnte. Er ruht auf dem Generalsfriedhof der Kriegsgräberstätte in Tschernzy.

Dort ruhen auch u. a. General der Artillerie Max Pfeffer, General der Infanterie Friedrich Hochbaum, General der Infanterie Karl-Wilhelm Specht, General der Polizei Otto Ullmann, die Generalleutnanten Hans Boeckh-Behrens, Heinrich Deboi, Walter von Boltenstern, Gerhard Medem, Friedrich Bayer, Paul Stoewer sowie die Generalmajoren Anton Eberth, Wilhelm Runge, Rudolf Noack, Gerd von Below und Louis Tronnier.

Beförderungen

Eichenlaubträger Generalleutnant Stahel auf dem Generalsfriedhof in Tschernzy
  • Fahnenjunker 1. April 1911
  • Fahnenjunker-Unteroffizier (1. Aug 1911)
  • Fähnrich (19. Dez 1911)
  • Leutnant (18. Okt 1912; Patent vom 23. August 1910 )
  • Oberleutnant (27. Jan 1916)
  • verabschiedet mit dem Charakter als Hauptmann (11. April 1918)
  • Finnischer Major (28. Feb 1918)
  • Finnischer Oberstleutnant (27. Mai 1918)
    • verabschiedet aus dem Heeresdienst 5. November 1919
    • Eintritt in die finnischen Grenzschutzpolizei am 15. März 1920
    • verabschiedet aus dem Grenzschutzpolizeidienst am 31. Juli 1925
    • Finnischer Reserve-Offizier bis 19. Dezember 1934
  • Hauptmann (Luftwaffe) (23. Feb 1934)
  • Hauptmann (Ergänzungsoffizier) (1. April 1934)
  • Major (E) (1. April 1936)
  • Oberstleutnant (E) (1. November 1939)
    • Aktiver Offizier 1941
  • Oberst (1. März 1942)
  • Generalmajor (21. Januar 1943)
  • Generalleutnant (22. Juli 1944)

Auszeichnungen (Auszug)

Bildergalerie

Traueranzeige der Familie (Januar 1956)

Veröffentlichungen

  • Das 1. Lothringische Infanterie-Regiment Nr 130 : Nach d. amtl. Kriegstagebüchern u. persönl. Aufzeichngn ; Mit 4 Kt., 7 vom Verf. gezeichn. Skizzen (auf 3 Bl.), Band 99 der Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Gerh. Stalling, Oldenburg in Oldenburg 1924, S. 115 S. ; 8 + u. 7 Anlagen
  • Der Nachtangriff auf Heippes am 9./10. Sept. 1914, Verein der ehemaligen Offiziere des 1. Lothringischen Infanterie Regiments Nr. 130, 1937

Literatur

  • Heinz Halter: Finnlands Jugend bricht Rußlands Ketten: Die Geschichte des preußischen Jäger-Bataillons 27 – Ein Tatsachenbericht aus dem Weltkrieg, Schwarzhäupter-Verlag, Leipzig 1938

Verweise

Fußnoten

  1. Stahel, Rainer Joseph Karl Augustww2awards.com (englischsprachig)
  2. Ende Mai 1916 wurde Stahel als Chef der Maschinengewehr-Kompanie in das 27. Königlich Preußische Jäger-Bataillon (Finnische Jäger) versetzt. Die Finnischen Jäger, die anfänglich im lettischen Kurland eingesetzt wurden, bildeten später den Kern der finnischen Armee. Anläßlich des Ausbruchs des Finnischen Bürgerkriegs 1918 wurde er mit seiner Kompanie nach Finnland verlegt.
  3. Die sogenannten Finnischen Jäger, das Königlich-Preußische Jäger-Bataillon Nr. 27, bildeten den Kern der späteren finnischen Armee.
  4. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945 Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, S. 716, ISBN 978-3-938845-17-2