Keppler, Wilhelm

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Wilhelm Keppler (1882–1960)

Wilhelm Karl Keppler (Lebensrune.png 14. Dezember 1882 in Heidelberg; Todesrune.png 13. Juni 1960 in Friedrichshafen) war ein deutscher Offizier, Ingenieur, mittelständischer Unternehmer, nationalsozialistischer Wirtschaftsberater sowie Politiker, Mitglied des Reichstages, Staatssekretär z. b. V. im Reichsaußenministerium und zuletzt SS-Obergruppenführer ehrenhalber im Persönlichen Stab „Reichsführer-SS“. Er gründete den nach ihm benannten Keppler-Kreis, der Kontakte zwischen Adolf Hitler und Industriellen herstellte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Keppler wurde am 14. Dezember 1882 in Heidelberg geboren, besuchte dort und in Rastatt das Humanistische Gymnasium und studierte nach der Reifeprüfung von 1901 bis 1905 als Korporierter (Angehöriger des Corps Frisia Karlsruhe) an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und von 1905 bis 1910 an der Technischen Hochschule Danzig Maschinenbau.

Von 1903 bis 1904 diente er als Einjährig-Freiwilliger bei der Technischen Reserve des 2. Badischen Feldartillerie-Regiments Nr. 30, in dem er 1910 zum Leutnant der Reserve befördert wurde. 1911 wurde Wilhelm Keppler Ingenieur in der chemischen Industrie und bald darauf Leiter industrieller Unternehmungen. Während des Ersten Weltkrieges war er an der Kriegsfront.[1]

Zwischenkriegszeit

Er baute zwei Werke in Eberbach am Neckar und leitete als Mitinhaber die Odin-Werke, ein Werk zur Produktion von Fotogelatine, an dem auch die VS-Gesellschaft Eastman Kodak beteiligt war, trat aber von diesem Posten am 1. März 1932 zurück, um auf Anregung Hitlers einen Unterstützerkreis für die NSDAP aus Männern der Wirtschaft zu bilden, den sogenannten „Studienkreis für Wirtschaftsfragen“ oder Keppler-Kreis. Der NSDAP war er im Jahre 1927 beigetreten (Mitglieds-Nr. 62.424). Im März 1928 organisierte er eine Rede Hitlers vor 670 Industriellen in Heidelberg, indem er 800 Einladungen verschickte. In seinem Kreis sammelte er meist kleinere Unternehmer und Bankiers um sich. Ziel des Kreises war es, den ökonomisch unerfahrenen Hitler in Wirtschaftsfragen zu beraten und den Aufstieg der NSDAP zu fördern.

Der Einfluß des Kreises auf Hitler blieb marginal. Historisch bedeutsam wurde die Vereinigung nur einmal, als Keppler und der Bankier Kurt Freiherr von Schröder den Kontakt zwischen Hitler und Franz von Papen herstellten, der schließlich zur Regierungsübernahme der Nationalsozialisten führen sollte.

Keppler im Dritten Reich

SS-Standartenführer – am 21. März 1933 wurde er SS-Mitglied (SS-Nr. 50.816) – Keppler wurde bei den Märzwahlen 1933 Mitglied des Reichstages für den Wahlkreis Baden und erhielt zusätzlich einen Posten als „Kommissar für Wirtschaftsfragen“ in der Reichskanzlei. Er wurde mit mehreren größeren Aufträgen betraut. So nahm er unter anderen an der Londoner Weltwirtschaftskonferenz teil. Ferner führte er Verhandlungen in Rom.

1936 wurde Keppler „Generalsachverständiger für den Aufbau der deutschen Roh- und Werkstoffe“ im Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan, sein langjähriger Referent war Dr. oec. publ. Edmund Veesenmayer, der ihm schon 1934 im Stab des Wirtschaftsbeauftragten der NSDAP diente und weiterhin dienen sollte.

1938 wurde er Präsident des Reichsamtes für Bodenforschung und „Staatssekretär für besondere Aufgaben“ im Auswärtigen Amt. Als der Beitritt Österreichs vorbereitet wurde, war Keppler Sekretär an der deutschen Botschaft in Wien. Nach dem Beitritt amtierte er dann von März bis Juni 1938 als „Reichskommissar in Österreich“ bzw. „Reichsbeauftragter für Österreich“.[2]

Schon seit 1936 war er Hermann Görings Berater für die Durchführung des Vierjahresplans, mit dem Schwerpunkt auf der Beschaffung von Rohstoffen, wobei er besonders mit den Arbeitsgebieten „Erforschung des deutschen Bodens“ und „Industrielle Fette und Öle“ (u. a. die Herstellung synthetischer Fette aus Kohle) betraut wurde. Keppler war Aufsichtsratsvorsitzender der Braunkohle Benzin AG. Anfang 1937 wurde er Leiter der Zentralstelle für die wirtschaftspolitischen Organisationen der NSDAP und 1938 Präsident des Reichsamtes für Bodenforschung. Sein Kreis wurde in „Freundeskreis Reichsführer-SS“ umbenannt und warb für die SS Spendenmittel ein, besonders im Krieg. Himmler übertrug ihm die Leitung zahlreicher von der SS für die Kriegswirtschaft beschäftigten Firmen im besetzten Polen und der UdSSR.

Am 10. Mai 1945 wurde er gefangengenommen.

Wirken (Chronologie)

Wilhelm Karl Keppler.jpg
  • 1921–1932 Direktor der Chemischen Werke Odin, Eberbach (Bayern)
  • 1923 Austritt aus dem Arbeitgeberverband
  • bis 1933 Gemeinderat in Eberbach (zunächst parteilos, ab Mai 1927 NSDAP)
  • 27. Mai 1927 NSDAP (Nr. 62.424)
  • 1931/32 Teilhaber der Chemischen Werke Odin, Eberbach
  • Januar 1932–14. Juli 1933 als persönlicher Wirtschaftsberater Adolf Hitlers in der Reichsleitung der NSDAP
  • 1932 Gründer und Leiter des Studienausschusses für Wirtschaftsfragen (dann Freundeskreis der Wirtschaft, ab 1934 Freundeskreis des Reichsführers-SS Heinrich Himmler)
  • 21. März 1933 Allgemeine SS (Nr. 50.816)
  • 1933 Mitglied der deutschen Delegation bei der Weltwirtschaftskonferenz in London
  • 14. Juli 1933–Nov. 1934 Beauftragter des Führers und Reichskanzlers für Wirtschaftsfragen (Sitz: Reichskanzlei) und Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der Reichsleitung der NSDAP
  • Juli 1933–1945 Mitglied des Generalrats der Wirtschaft
  • 1933/34 Sachbearbeiter für Wirtschaftsfragen im Stab des Stellvertreters des Führers
  • Oktober 1933–1944 Ordentliches Mitglied und Präsidialmitglied der Akademie für Deutsches Recht (München)
  • Oktober 1934–1945 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Braunkohle-Benzin AG (Brabag)
  • 13. November 1934–Oktober 1936 Wirtschaftsbeauftragter des Führers und Reichskanzlers für die „Sonderaufgabe: Deutsche Roh- und Werkstoffe“ („Büro Keppler“)
  • 1936/37 Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP,
  • 1936–Frühjahr 1938 Leiter der Zentralstelle für die wirtschaftspolitischen Organisationen der NSDAP
  • Oktober 1936–1945 Generalsachverständiger für den Aufbau der deutschen Roh- und Werkstoffe und Leiter der Dienststelle „Planung und Fabrikation industrieller Fette“ im Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan
  • Oktober 1936–1945 Mitglied des Ministerrats für den Vierjahresplan
  • Juli 1937–1945 Leiter der Zentralstelle für die wirtschaftspolitischen Organisationen der NSDAP
  • 15. Juli 1937–1945 Mitglied des Aufsichtsrats der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“
  • Juli 1937–März 1938 Beauftragter für österreichische Angelegenheiten in der NSDAP und Sekretär an der Deutschen Botschaft in Wien,
  • 1938–1945 Präsident des Reichsamts für Bodenforschung
  • 18. März–4. Juni 1938 Reichsbeauftragter für Österreich (Beauftragter der Zentralstelle für die Durchführung der Wiedervereinigung [RMdI] und des Beauftragten für den Vierjahresplan, Ministerpräsident Göring)
  • 19. März 1938–1945 Staatssekretär z. b. V. im Auswärtigen Amt
  • 23. März 1938 Leiter der (kurzlebigen) Dienststelle des Auswärtigen Amtes in Wien
  • 1938–4. März 1943 Mitglied des Aufsichtsrats der Steyr-Daimler-Puch AG, Wien
  • 15. August 1938 Dienstantritt im Auswärtigen Amt
  • März 1939 betraut mit der Vorbereitung der Verwaltung des Protektorats Böhmen und Mähren und der Eingliederung Danzigs ins Reich
  • 3. November 1939–1945 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Umsiedlungs-Treuhandgesellschaft mbH (D.U.T.), Berlin,
  • März 1941–1945 Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kontinentalen Öl AG,
  • 1944/45 Leiter des Deutschen Jugendförderungswerkes e. V., Mitglied des Aufsichtsrats der Nibelungen-Werk GmbH, St. Valentin, und des Wankel Entwicklungswerks der Reichswerke AG für Waffen- und Maschinenbau „Hermann Göring“, Lindau

Nachkriegszeit

Im Wilhelmstraßen-Prozeß wurde er am 14. April 1949 zu einer Haftstrafe von 10 Jahren verurteilt, jedoch vorzeitig am 1. Februar 1951 durch den VS-Hochkommissar begnadigt. 1958 erfolgte die Ablehnung eines Antrags auf Kriegsgefangenenentschädigung.

Beförderungen

Auszeichnungen (Auszug)

Quelle

Fußnoten

  1. Hier gibt es verschiedene Aussagen, die meisten Quellen berichten nur von einer wehrwirtschaftlichen Verwendung als Ingenieur (ab 1919 mit Prokura und Gewinnbeteiligung) bei den Chemischen Werken Stoess u. Co., Ziegelhausen (Baden).
  2. Beauftragter der Zentralstelle für die Durchführung der Wiedervereinigung [RMdI] und des Beauftragten für den Vierjahresplan, Ministerpräsident Göring
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