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Jünger, Ernst
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Ernst Jünger (* 29. März 1895 in Heidelberg; † 17. Februar 1998 in Riedlingen) war ein deutscher Schriftsteller, Philosoph, Offizier und Insektenkundler. Er war der letzte Träger des Pour le mèrite.
Inhaltsverzeichnis |
Leben
Jugend
Der Schriftsteller, dem selbst seine erbittersten Feinde Größe attestierten, wurde am 19. März 1895 als Sohn eines Chemikers und Apothekers in Heidelberg geboren, wuchs jedoch am Steinhuder Meer und in Hannover auf. 1913 riß er zur Fremdenlegion aus; der Vater löste ihn wieder aus.
Erster Weltkrieg
Als Kriegsfreiwilliger und Stoßtruppführer im Ersten Weltkrieg wurde er vierzehnmal verwundet - von Prellschüssen und Rissen einmal abgesehen - und zwar durch fünf Gewehrgeschosse, zwei Granatsplitter, eine Schrapnellkugel, vier Handgranaten- und zwei Gewehrgeschoßsplitter, welche mit Ein- und Ausschüssen zwanzig Narben zurückließen.[1] Ernst Jünger wurde u.a. mit dem Eiseren Kreuz I. Klasse dem Ritterkreuz des Königlichen Hausorden von Hohenzollern und dem Pour le mèrite ausgezeichnet.
Weimarer Republik
Von seinen Werken in der Zwischenkriegszeit gelten „In Stahlgewittern“ (1920), „Die totale Mobilmachung“ (1930) und „Der Arbeiter“ (1932) als die bedeutendsten. Beeinflußt von Nietzsche, geprägt von Fronterlebnis und angewidert vom konservativen Bürgertum wie von einer linksbourgeoisen Schickeria, verfocht er in Weimarer Zeit als Herausgeber von Zeitschriften wie „Standarte“ und „Arminius“ einen nationalrevolutionären Kurs und näherte sich schließlich den Nationalbolschewisten um Niekisch an. Die Nationalsozialisten, insbesondere Goebbels, wollten ihn für sich gewinnen. Er lehnte jedoch als eingefleischter Nonkonformist das ihm 1927/28 und 1933 angetragene NS-Reichsmandat ebenso ab wie nach der Machtübernahme Hitlers die Mitgliedschaft in der Akademie für Dichtung. Seine Werke aber konnten im dritten Reich in hoher Auflage erscheinen.
Drittes Reich
Für die Wehrmacht reaktiviert, diente er ab 1941 als Stabsoffizier in Frankreich und stand in Kontakt zur intellektuellen Elite des Landes. Im Zuge der Maßnahmen gegen Teile der Pariser Wehrmachtführung nach dem 20. Juli 1944 wurde er als Offizier entlassen (ohne daß er aktiv am Verrat beteiligt gewesen wäre), blieb aber von Verfolgung verschont. 1945 führte er eine Einheit des Volkssturmes. Sein Sohn Ernst fiel 1944 in Italien.
BRD
Die Sieger setzten Jünger 1945 auf ihre Verbotsliste; in den ersten 4 Nachkriegsjahren hatte er Publikationsverbot durch das alliierte Besatzungsregime. Danach trat er wieder mit weltweit beachteten Schriften in Erscheinung. 1959 erhielt Jünger das Große Bundesverdienstkreuz. 1982 folgte nach Kontroversen um seine Person die Verleihung des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt/Main. Ehrungen wurden ihm im Ausland vor allem in Frankreich zuteil. So wurde er 1983 Ehrenbürger von Montpellier. An der Seite von Helmut Kohl und François Mitterrand nahm Jünger 1984 in Verdun an der Ehrung der Opfer des Ersten Weltkrieges und 1988 an der 25-Jahr-Feier des deutsch-französischen Freundschafts-Vertrages in Paris teil. 1985 Verleihung des großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband.1990 erhielt er die Ehrendoktorwürde von Bilbao. In der Begründung hieß es, er habe sich stets „absolute geistige und politische Unabhängigkeit bewahrt“.
Eine neudeutsche Radikalumerziehung stellt ihn in Medien seit den 80er Jahren als „Wegbereiter Hitlers“ an den Pranger. Ernst Jünger verschied 102jährig am 17. Februar 1998 in Wilfingen wo er seit 1950 lebte.
Drogen
Ernst Jünger experimentierte und konsumierte von früher Jugend an und Zeit seines Lebens eine Vielzahl von unterschiedlichen Drogen wie Haschisch, Kokain, Chloroform, Pilze, LSD und andere Stoffe. Zu seinen Freunden zählte unter anderem der Entdecker des LSD Albert Hofmann. So wurden entsprechende Sitzungen bei den Stauffenbergs abgehalten, ausgerechnet in dem Raum, in welchem die Gestapo beschlagnahmte Akten aufbewahrte und an dessen Tür noch die Dienstsiegel hingen. Im Alter von 70 Jahren fand im Haus von Ernst Jünger eine Drogenrazzia statt. Diese Drogenrazzia stand in direktem Zusammenhang mit dem Erscheinen seines Buches Annäherungen. Drogen und Rausch.
Zitate
- „Das entwaffnete Land war von hochgerüsteten, gefährlichen Nachbarn umgeben, zerstückelt, durch Korridore zerschnitten, geplündert ausgesaugt. Das war ein böser, grauer Traum. Hier stand nun ein Unbekannter und sagte, was zu sagen war, und alle fühlten, daß er recht hatte. Er sagte was die Regierung hätte sagen müssen, wenn nicht den Worten, so doch dem Sinn oder wenigstens der Haltung, dem Schweigen nach. Er sah die Lücke, die zwischen der Regierung und dem Volk entstanden war. Er wollte sie ausfüllen. Es war keine Rede, es war ein Elementarereignis, in das ich geraten war.“ – Ernst Jünger in seinem Buch „Strahlungen“ über seine Erinnerung an eine Rede Adolf Hitlers im Münchner Zirkus Krone, 1923. (Quelle: WELT AM SONNTAG vom 17.01.1999)
- „Wo der Liberalismus seine äußersten Grenzen erreicht, schließt er den Mördern die Tür auf. Das ist Gesetz!“
Werke
- In Stahlgewittern, 1920
- Das Wäldchen 125, 1924
- Feuer und Blut, 1925
- Gärten und Straßen, 1942
- Myrdun. Briefe aus Norwegen, 1943
- Atlantische Fahrt, 1947
- Ein Inselfrühling, 1948
- Strahlungen, 1949
- Am Sarazenenturm, 1955
- Jahre der Okkupation, 1958
- Siebzig verweht I, 1980
- Siebzig verweht II, 1981
- Siebzig verweht III, 1993
- Siebzig verweht IV, 1995
- Siebzig verweht V, 1997
- Romane
- Heliopolis. Rückblick auf eine Stadt, 1949
- Die Zwille, 1973
- Eumeswil, 1977
- Eine gefährliche Begegnung, 1985
- Erzählungen
- Sturm, 1923
- Afrikanische Spiele, 1936
- Auf den Marmorklippen, 1939
- Die Eberjagd, 1952
- Besuch auf Godenholm, 1952
- Gläserne Bienen, 1957
- Essays
- Der Kampf als inneres Erlebnis, 1922
- Das abenteuerliche Herz. Aufzeichnungen bei Tag und Nacht, 1929
- Der Kampf um das Reich, 1929 (Thema Freikorps)
- Krieg und Krieger, 1930 (Thema Freikorps)
- Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt, 1932
- Blätter und Steine, 1934
- Das abenteuerliche Herz. Figuren und Capriccios, 1938
- Der Friede. Ein Wort an die Jugend Europas und an die Jugend der Welt, 1945
- Sprache und Körperbau, 1947
- Am Kieselstrand, 1951
- Über die Linie, 1951
- Der Waldgang, 1951
- Der gordische Knoten, 1953
- Das Sanduhrbuch, 1954
- Rivarol, 1956
- An der Zeitmauer, 1959
- Der Weltstaat, 1960
- Typus, Name, Gestalt, 1963
- Dezember. Bois de Noel,1964
- Grenzgänge. Essays. Reden. Träume, 1966
- Subtile Jagden, 1967
- Sgraffiti, 1969
- Ad hoc, 1970
- Annäherungen. Drogen und Rausch, 1970
- Träume. Nocturnes,1970
- Zahlen und Götter. Philemon und Baucis. Zwei Essays, 1974
- Aladins Problem, 1983
- Maxima–Minima, Adnoten zum »Arbeiter«, 1983
- Autor und Autorschaft, 1984
- Zwei Mal Halley, 1987
- Die Schere, 1990
- Serpentara, mit Holzschnitten von Alfred Pohl. Passau 1991.
- Prognosen, 1993
- Weiße Nächte, 1997
- Editionen
- Ernst Jünger: Politische Publizistik 1919 bis 1933. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Sven Olaf Berggötz. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-93550-9.
- Ernst Jünger, Rudolf Schlichter: Briefe 1935–1955. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Dirk Heißerer. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, ISBN 3-608-93682-3.
- Ernst Jünger, Carl Schmitt: Briefe 1930–1983. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Helmuth Kiesel. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-93452-9.
- Ernst Jünger, Gerhard Nebel: Briefe 1938–1974. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Ulrich Fröschle und Michael Neumann. Klett-Cotta, Stuttgart 2003, ISBN 3-608-93626-2.
- Ernst Jünger, Friedrich Hielscher: Briefe 1927–1985. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Ina Schmidt und Stefan Breuer. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-93617-3.
- Gottfried Benn, Ernst Jünger: Briefwechsel 1949–1956. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Holger Hof. Klett-Cotta, Stuttgart 2006, ISBN 3-608-93619-X.
- Ernst Jünger, Stefan Andres: Briefe 1937–1970. Hrsg., kommentiert und mit einem Nachwort von Günther Nicolin. Klett-Cotta, Stuttgart, 2007, ISBN 978-3-608-93664-3.
- Ernst Jünger, Martin Heidegger: Briefwechsel 1949–1975. Unter Mitarbeit von Simone Maier herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Günter Figal. Klett-Cotta, Stuttgart, 2008, ISBN 978-3-608-93641-4.
- Alfred Baeumler und Ernst Jünger: Mit einem Anhang der überlieferten Korrespondenz und weiterem Material. [Hrsg.] Ulrich Fröschle und Thomas Kuzias. Dresden: Thelem Universitätsverlag, 2008, ISBN 978-3-939888-01-7.
Werke als PDF
- Jünger, Ernst - Auf den Marmor-Klippen (1939, 159 S.).pdf 458 KB
- Jünger, Ernst - Der Kampf als inneres Erlebnis (1926, 106 S.).pdf 310 KB
- Jünger, Ernst - In Stahlgewittern (1922, 130 S., Scan, Fraktur).pdf 57009 KB
Orden und Ehrungen
- 1916 Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
- 1917 Preußischer Hausorden von Hohenzollern Ritterkreuz mit Schwertern
- 1918 Verwundetenabzeichen (1918) in Gold
- 1918 Pour le Mérite (militärische Klasse)
- 1939 Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse
- 1956 Literaturpreis der Stadt Bremen (für Am Sarazenenturm); Kulturpreis der Stadt Goslar
- 1959 Großes Bundesverdienstkreuz
- 1960 Ehrenbürger der Gemeinde Wilflingen; Ehrengabe des Kulturkreises im Bundesverband der deutschen Industrie
- 1965 Ehrenbürger der Stadt Rehburg; Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf
- 1970 Freiherr-vom-Stein-Medaille in Gold der Stiftung F.V.S.
- 1973 Literaturpreis der Akademie Amriswil (Veranstalter: Dino Larese; Laudationes: Alfred Andersch, François Bondy, Friedrich Georg Jünger)
- 1974 Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg
- 1977 Aigle d'Or der Stadt Nizza; Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
- 1979 Médaille de la Paix (Friedensmedaille) der Stadt Verdun
- 1980 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
- 1981 Prix Europa-Littérature der Fondation Internationale pour le Rayonnement des Arts et des Lettres; Prix Mondial der Fondation Simone et Cino del Duca (Paris); Goldmedaille der Humboldt-Gesellschaft
- 1982 Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. – Porträtbüste von Arno Breker
- 1983 Ehrenbürger der Stadt Montpellier; Premio Circeo der Associazione Amicizia Italo-Germanica (Vereinigung für italienisch-deutsche Freundschaft)
- 1984 Teilnahme an einer Gedenkfeier für die Opfer des 1. Weltkriegs in Verdun (mit François Mitterrand und Helmut Kohl)
- 1988 Teilnahme an der 25-Jahr-Feier des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags in Paris
- 1985 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband
- 1986 Premio Mediterraneo; Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst
- 1987 Premio di Tevere (verliehen durch Francesco Cossiga in Rom)
- 1989 Ehrendoktorat der Universität des Baskenlandes in Bilbao
- 1990 Ritter des internationalen Alexander-Ordens für Kunst und Wissenschaft
- 1993 Großer Preis der Jury der Kunstbiennale in Venedig
- 1995 Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Complutense Madrid
Verweise
- „Die nationalistische Revolution“, Ernst Jünger, in „Standarte“ vom 20. Mai 1926
- Sezession, Heft 22, Februar 2008, Themenheft: Ernst Jünger
- Aphorismen
Literatur
- Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): „Ernst Jünger“, TEXT+KRITIK, Zeitschrift für Literatur, Bd. 105/106, edition text+kritik, Januar 1990, ISBN 3-88377-395-X
- Steffen Martus: „Ernst Jünger“, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2001 (Sammlung Metzler, Bd. 333), ISBN 3-476-10333-1
- Horst Mühleisen: „Ernst Jünger in Berlin 1927-1933“, Förderkreis Kleist-Museum Frankfurt/Oder (= Frankfurter Buntbücher, Bd. 20), Gulde-Druck, Tübingen 1998, ISBN 3-9805717-3-4
- Heimo Schwilk: „Ernst Jünger - Leben und Werk in Bildern und Texten“, Klett-Cotta, ISBN 978-3-608954325
Fußnoten
- ↑ In Stahlgewittern, Ernst Jünger, Klett-Cotta, 46. Auflage, 2008, Seite 323