Neue Rechte
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Die Neue Rechte ist eine politische Richtung, die in den 1960er Jahren als „Gegenmodell“ zur Neuen Linken entstand. Name und Inhalte lehnen sich an die französische Nouvelle Droite an. Als deren Gründer und führender Theoretiker gilt der französische Philosoph Alain de Benoist.
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[bearbeiten] Historischer Bezugspunkt: Konservative Revolution
Vertreter der deutschen Neuen Rechten beziehen sich oft auf Denker der sogenannten „Konservativen Revolution“. Dieser uneinheitlichen Bewegung in der Weimarer Republik werden u.a.
- Arthur Moeller van den Bruck
- Carl Schmitt
- Edgar Julius Jung
- Ernst Jünger
- Ernst von Salomon und
- Oswald Spengler
zugeordnet.
[bearbeiten] Verhältnis zur „Alten Rechten“
Mit Bezug auf solche Vorbilder grenzen sich Neue Rechte von der aus ihrer Sicht rückwärtsgewandten und theoriefeindlichen „Alten Rechten“ ab und fordern eine radikale „Erneuerung der Nation“.[1] Zudem beanspruchen sie eine wesentliche Differenz zwischen einem völkischen Nationalismus und dem Nationalsozialismus. Daher grenzen sich ihre Vertreter ausdrücklich vom Neonazismus ab.
Diese Abgrenzung stellen deutsche und französische Politikwissenschaftler jedoch in Frage. Sie ordnen die Neue Rechte als intellektuelle Strömung des Rechtsextremismus ein, die versuche, auch Anhänger des Konservatismus anzusprechen, um sie für nationalistische Ausgrenzungs- und Homogenisierungskonzepte zu gewinnen.[2][3] Im politischen und auch wissenschaftlichen Diskurs werden auch manche Personen dazugerechnet, die sich selbst als bürgerlich-liberal und konservativ einordnen und ihre Zuordnung zur Neuen Rechten als Versuch der Stigmatisierung bezeichnen. Deshalb greifen manche als Neue Rechte geltende Personen - etwa Dieter Stein - den Begriff als untauglich und ideologisch motiviert an.[4]
[bearbeiten] Ausrichtung
Das Ideengut der Neuen Rechten richtet sich kritisch gegen die historische Tradition der Aufklärung, d.h. im politischen Sinne vor allem gegen Vereinzelung, Liberalismus, Universalismus, Parlamentarismus und Monopluralismus. Die Idee der Gleichheit aller Menschen lehnt die Neue Rechte ab. Andere „Völker“ werden darin „respektiert“, ein Staat habe aber nach dieser Auffassung „ethnisch homogen“ zu sein. Ergänzt wird dies durch die Vorstellungen von einem hierarchischen und elitär geführten, aber auf demokratischen Grundpfeilern stehenden Staat. Ebenfalls wichtig ist der Nationalismus, das heißt die Stärkung einer „nationalen Identität“ und eines „nationalen Selbstwertgefühls“, ohne jedoch andere Nationen als "minderwertig" zu beschreiben. Dazu wird die deutsche Geschichte einer ständigen Revision unterworfen und gegen den sogenannten „Schuldkult“ Front gemacht.
Vor diesem Hintergrund wird der Zustand der Gesellschaft kulturpessimistisch zumeist als dekadent und im Verfall begriffen dargestellt und ein national-utopisches Denken gepflegt: Nur durch den Bezug auf organische Vorstellungen von Nation und Volk, auf die „Wurzeln“ der Gesellschaft, könne in einem grundlegendem Umschwung in eine neue Ära (Neugeburt, Wiedergeburt, Palingenese) eine gesunde Gesellschaft entstehen. Dieser Punkt unterscheidet die Neue Rechte wesentlich vom Konservatismus, der dieses Ziel durch eine Restauration der „Werte“ erlangen will.
Da für diesen Umschwung zur Zeit keine historischen Gegebenheiten, wie eine Massenbewegung vorhanden sind, besteht der wichtigste taktische Ansatz der Neuen Rechten in dem Anspruch, „Diskurshoheit“ in gesellschaftlichen Debatten und kulturelle Hegemonie zu erringen. Dieses Prinzip beschrieb zuerst der marxistische Theoretiker der Kommunistischen Partei Italiens, Antonio Gramsci. Er analysierte, dass gesellschaftliche Hegemonie auch im bestehenden System derart funktioniert: Wolle man eine solche Hegemonie erreichen, müsse man danach streben, durch publizistische Tätigkeiten den Elitendiskurs zu infiltrieren, in Vereinen, Verbänden und Kultureinrichtungen mitzuarbeiten und auf dieser Basis ideologische Inhalte in die gesellschaftliche Diskussion zu bringen, letztlich Akzeptanz für sie zu schaffen und die öffentliche Meinung langfristig zu dominieren. Sei dieses Ziel erreicht, dann sei die Gesellschaft „reif“ für einen Umsturz der Verhältnisse durch eine immer mehr zunehmende Zahl der Wahlanteile und Parlamentssitze bis zur Übernahme der Regierungsverantwortung.
Vor dem Bewusstsein, dass sich nach 1945 keine politischen Massenbewegungen mehr bilden lassen, bewege sich nach Griffin die Neue Rechte überlegt „in einen Zustand der Apoliteia jenseits der Parteipolitik und erwartet stoisch eine neue historische Konjunktur, in der die aufgeschobene Revolution wieder aufgenommen werden kann.“ Der „Stoizismus“ der Neuen Rechten ist nach Griffin mit „Terroranschlägen gegen die ‚dekadente‘ Gesellschaft der Nachkriegszeit“ nicht unvereinbar. Als Ausdruck für diese Haltung kann der militante Antiamerikanismus Alain de Benoist gesehen werden, der ausdrücklich Anschläge („Vergeltungsmaßnahmen“) auf die USA rechtfertigt.
[bearbeiten] Ziele
Ziele dieser neurechten Debatten sind etwa die Ablehnung der 68er-Bewegung, aber auch von „Multikulti“ (als Verballhornung der multikulturellen Gesellschaft) oder egalitärer Bestrebungen, herausgestellt werden alte Tugenden wie Fleiß und Patriotismus. Eliten sollen sich bilden und die Gesellschaft führen. Nationalistische Konzepte werden auf ganz Europa erweitert.
Bevorzugte Ziele des „Kulturkampfs“ der Neuen Rechten sind Gesellschaftssegmente, in denen sich junge Menschen finden, die eine gewisse Toleranz für neurechte Positionen haben: z. B. Burschenschaften, Vertriebene. Aber auch die Schwarze Szene wurde in den 1990er Jahren bereits umworben. Anknüpfungspunkt dafür war der „Neofolk“, ein Musikstil, bei dem man partiell mit faschistischer Ästhetik operiert. Im Neofolk-Fanzine Sigill (heute: Zinnober) wurde denn auch neben musikalischen Rezensionen Essays über das Werk Armin Mohlers, Ernst Jüngers, Julius Evolas und anderer veröffentlicht.
[bearbeiten] Funktionen
Die genannten Beispiele erfüllen eine Doppelfunktion: Sie sind einerseits Ziel neurechter Agitation, andererseits wird diese aufgrund bereits erfolgter Etablierung der Protagonisten in den entsprechenden Organisationen bzw. „Szenen“ aus ihnen heraus betrieben.
Einige Politikwissenschaftler sowie der Verfassungsschutz unterscheiden zwei Hauptströmungen der Neuen Rechten: „Jungkonservative“ und „Nationalrevolutionäre“.
- Jungkonservative zielen demnach eher auf das bürgerliche Lager, vermeiden Reizbegriffe wie „Revolution“ oder „Sozialismus“ und beziehen sich stärker als die Nationalrevolutionäre auf das Vorbild der Konservativen Revolution. Jungkonservative können nicht als verdeckt arbeitende Rechtsextremisten betrachtet werden. Auch in demokratischen Parteien und deren Jugendorganisationen wie der Jungen Union engagierte Menschen stehen jungkonservativen Vorstellungen zum Teil sehr nahe.
- Nationalrevolutionäre beziehen sich eher auf Ernst Niekisch und bedienen sich oft der Rhetorik des so genannten „linken“ Flügels der NSDAP (Gregor und Otto Strasser). Entsprechend verfolgen sie eine Querfront-Strategie, d. h. sie versuchen, mit originär „linken“ Inhalten wie Antiimperialismus oder Antikapitalismus Einfluss in die gesellschaftliche Diskussion, auch im Umfeld der Linken zu bekommen. Nationalrevolutionäre Rhetorik lässt sich bei der NPD und dort wiederum insbesondere in deren Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten, aber auch bei Organisationen wie dem Deutschen Kolleg von Horst Mahler finden. Wegen der oftmals offen nationalsozialistischen Agitation dieser Richtung wird sie von einigen Wissenschaftlern nicht zur „Neuen“, sondern inhaltlich eher zur „Alten“ Rechten gezählt.
[bearbeiten] Einzelvertreter
Von besonderer Bedeutung für die Neue Rechte waren neben de Benoist Armin Mohler und das Thule-Seminar von Pierre Krebs.
Richard Stöss kritisiert den Begriff „Neuen Rechte“ als „breit und unpräzise“, weil darunter sehr unterschiedliche Autoren subsumiert würden.[1]
[bearbeiten] Publikationsorgane
Als wichtige Publikationsorgane der Neuen Rechten gelten
- die Wochenzeitung Junge Freiheit
- Criticón (mittlerweile eingestellt)
- Nation und Europa (ehemals Nation Europa)
- die Staatsbriefe
- das Junge Forum
- Elemente.
Das „Institut für Staatspolitik“ (geleitet von Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann) besitzt eine Vordenker-Funktion. Neurechte Ansätze finden sich aber auch in Deutschland in Geschichte und Gegenwart und anderen Publikationen aus dem Hohenrain- und Grabert-Verlag, dem Ullstein-Verlag (Ullstein-Report), dem Straube-Verlag, dem Regin-Verlag und dem Türmer-Verlag.
[bearbeiten] Siehe auch
[bearbeiten] Quellen
- ^ a b Richard Stöss: Die „neue Rechte" in der Bundesrepublik
- ^ Wolfgang Gessenharter/Thomas Pfeiffer: Die Neue Rechte – Eine Gefahr für die Demokratie? Wiesbaden 2004
- ^ Die "Neue Rechte" in Frankreich und Deutschland - Zur Entwicklung einer rechtsextremistischen Intellektuellenszene
- ^ Dieter Stein: Phantom „Neue Rechte“, Verlag Junge Freiheit, 2005, ISBN 3929886227
[bearbeiten] Literatur
Deutschland
- Hanna-Ruth Metzger: Rechtsintellektuelle Offensive: Diskursstrategische Einflüsse auf die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Politische Theorie und Kultur 1. Zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss., 2003. LIT-Verl., Münster 2004, ISBN 382587432X
- Rainer Benthin: Auf dem Weg in die Mitte: Die Öffentlichkeitsstrategien der Neuen Rechten. Campus Forschung 875. Zugl.: Universität Hamburg, 2003, Diss, 2003. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3593376202
- Dieter Stein: Phantom „Neue Rechte“- Die Geschichte eines politischen Begriffs und sein Missbrauch durch den Verfassungsschutz. Edition Junge Freiheit, Berlin 2005, ISBN 3-929886-22-7
[bearbeiten] Verweise
- Die Neue Rechte. Sinn und Grenze eines Begriffs. Das Institut für Staatspolitik zur Neuen Rechten
- Auflösung eines Begriffs - Eine Studie zum Phänomen eines Potemkinschen Dorfes namens "Neue Rechte" Artikel der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit"
