Brandt, Karl

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Karl Brandt (Lebensrune.png 8. Januar 1904 in Mülhausen, Elsaß-Lothringen; Todesrune.png 2. Juni 1948 in Landsberg am Lech, Bayern, hingerichtet) war ein deutscher Chefchirurg der Charité II (Ziegelstraße) in Berlin, Begleitarzt Adolf Hitlers und Offizier der Allgemeinen SS, zuletzt SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS sowie Generalkommissar des Führers (später Reichskommissar) für das Sanitäts- und Gesundheitswesen und Generalarzt der Reserve des Heeres im Zweiten Weltkrieg. Prof. Dr. med. Brandt war der ranghöchste unter den angeklagten Medizinern im Rahmen des sogenannten Nürnberger Ärzteprozesses.

Leben

Joseph Goebbels, Magda Goebbels und Dr. Karl Brandt auf dem Flugplatz

Nach abgeschlossenem Medizinstudium in Jena und Berlin wurde er Unfallchirurg und trat 1932 der NSDAP (Mitglieds-Nr. 1.009.617) und der SS (SS-Nr. 260.353) bei.

Weimarer Republik

Oberbefehlsleiter Dr. Leonardo Conti und SS-Obersturmbannführer Prof. Dr. Karl Brandt (rechts)

Karl Brandt wurde als Sohn eines Offiziers geboren. Brandt studierte Medizin an den Universitäten Jena, Freiburg, München und Berlin, wo er in letztgenannter 1928 das Staatsexamen ablegte. Am 1. Juli 1929 erhielt Brandt die ärztliche Approbation. 1929 war er als Assistenzarzt im Knappschaftskrankenhaus Bergmannsheil in Bochum tätig.

Drittes Reich

Im August 1933 verweilte Brandt in Oberbayern, um den Hitler-Adjutanten Wilhelm Brückner zu behandeln, der bei einem Kraftfahrzeugunfall verletzt worden war. Der Führer war von der Arbeit Brandts so beeindruckt, daß er vorschlug, Brandt solle sein ständiger Begleitarzt werden. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die medizinische Betreuung des Führer-Begleit-Kommandos. 1935 kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Prof. Dr. Brandt und dem Leibarzt Hitlers Dr. Theo Morell, der Hitler mit Vitaminen, Hormonen, Phosphor und Dextrose behandeln wollte. Brandt wies den Führer darauf hin, daß eine zu hohe Dosierung die Gefahr einer Vergiftung mit sich brächte, wurde jedoch von diesem abgewiesen.

Heirat

Am 17. März 1934 heiratete er die Rekordschwimmerin Anni Rehborn aus München, die Hitler bereits seit 1925 kannte. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor.

Kriegszeit

Ermächtigungsschreiben Adolf Hitlers zur Durchführung der Euthanasie
Von links: Hans Günther von Kluge, Adolf Hitler, Martin Bormann, Dr. Karl Brandt und Wilhelm Keitel, 1940
Von links: Oberfeldarzt der Reserve Prof. Dr. Lorenz Böhler, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Prof. Dr. med. Karl Brandt (Generalkommissar des Führers für das Sanitäts- und Gesundheitswesen) und Generalstabsarzt Dr. med. Arthur Zimmer (Korpsarzt beim Stellvertretenden Gen.-Kdo XVII. Armee-Korps und Wehrkreis-Arzt Wien).
Von links: Generalarzt der Reserve z. V. Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. med. Dr. med. vet. h. c. Erwin Payr, Generalarzt der Reserve sowie SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Prof. Dr. med. Karl Brandt, Generalkommissar des Führers (später Reichskommissar) für das Sanitäts- und Gesundheitswesen, und Geheimer Hofrat Generalarzt der Reserve Prof. Dr. med. Ferdinand Sauerbruch beim 65. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie am 6. Oktober 1943; Brandt hatte kurz zuvor im Namen des Führers im Rahmen der Verleihungszeremonie Sauerbruch das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes überreicht.

Ab dem 1. September 1939 war er zusammen mit Philipp Bouhler Hitlers Beauftragter für die Durchführung der Aktion T4 im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ in den Anstalten Hadamar, Schloß Grafeneck, Schloß Hartheim, Sonnenstein, Bernburg sowie in Brandenburg. Brandt war außerdem für das Gesetz zum Schutz der erblichen Gesundheit verantwortlich.

Am 28. Juli 1942 wurde Brandt zum Generalkommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen ernannt. In dieser Funktion sorgte er für die Koordination zwischen zivilem und militärischem Gesundheitswesen. Teil seiner Aufgaben war die Schaffung von Bettenplätzen für Ausweichkrankenhäuser und Lazarette. Hierzu wurden in der nach ihm benannten „Aktion Brandt“ auch Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten entweder verlegt oder getötet.

Am 5. September 1943 wurde er durch Erlaß Hitlers zum Leiter des gesamten medizinischen Vorrats- und Versorgungswesens sowie Koordinator der medizinischen Forschung. Der Reichsärzteführer Conti überlegte seinen Rücktritt einzureichen, da Brandt ihn in dessen Machtfülle überholt hatte. Adolf Hitler lehnte dies ab. Brandts Beziehungen zu Albert Speer machten ihm selbst Martin Bormann zum Feind. Am 3. Oktober 1944 warfen die Ärzte Dr. Brandt, Dr. Giesing und Dr. von Hasselbach dem Leibarzt Hitlers Dr. Theo Morell vor, daß er den Führer falsch behandeln würde. Dr. Morell beschwerte sich daraufhin bei Hitler, ein weiteres Mal versuchte Dr. Brandt dem Führer klarzumachen, daß er sich durch Morells Falschbehandlung in Gefahr bringe.

Hitler war an Dr. Morell gewöhnt und somit quasi von ihm abhängig. Der Führer vermutete hinter den Vorwürfen gegen Dr. Morell die Absicht, seinen Leibarzt aus seiner Umgebung zu entfernen. Hitler entschied sich am 8. Oktober allerdings gegen die Ärzte. Doktor von Hasselbach schickte er zur Truppe zurück und Dr. Brandt sollte in Berlin seiner Arbeit als Reichskommissar für das Gesundheitswesen nachgehen. Als weiteren Begleitarzt nahm der Führer am 9. Oktober 1944 den ihm vom RFSS empfohlenen SS-Arzt Dr. Ludwig Stumpfegger in seinen Stab auf.

Am 16. April 1945 wurde Adolf Hitler die angebliche Flucht von Karl Brandt gemeldet. Ein Standgericht verurteilte ihn daraufhin zum Tode, die Vollstreckung wurde jedoch durch den Reichsführer-SS Heinrich Himmler verhindert. Tatsächlich organisierte Brandt lediglich die Evakuierung seiner Ehefrau und ihres gemeinsamen Sohnes nach Thüringen, damit diese den sowjet-russischen Verbänden entgingen.

Prozeß

Brandt wurde von den „Befreiern“ zusammen mit der provisorischen Reichsregierung in Flensburg gefangengenommen. Am 9. Dezember 1946 wurde Brandt und 19 weiteren Ärzten sowie drei Nicht-Medizinern im sogenannten „Ärzteprozeß von Nürnberg“ der Prozeß gemacht. Dem Hauptangeklagten Dr. Brandt als „Mittäter“ und seinen weiteren „Mittätern“ wurden folgende Punkte zur Last gelegt:

Verurteilung und Tod

Am 20. August 1947 wurde er zum Tode durch den Strang verurteilt. Am 2. Juni 1948 wurde Prof. Dr. Brandt in Landsberg am Lech hingerichtet.

Dr. Brandts Schlußworte im Ärzteprozeß

„Es gibt ein Wort, das scheint so einfach: Befehlen. Und was an Ungeheuerlichem birgt es. Wie maßlos sind die Konflikte, die hinter dem Gehorchen sich verstecken.
Beides traf mich: Gehorchen und Befehlen.
Beides ist Verantwortung.
Ich bin Arzt. Und vor meinem Gewissen steht diese Verantwortung als Verantwortlichkeit für Mensch und Leben.
Nüchtern stellt die Anklage die Behauptung von Verbrechen und Mord dagegen und erhebt die Frage meiner Schuld.
Es wäre ohne Bedeutung, wenn Freunde und Patienten sich vor mich stellten, um Gutes über mich zu sagen: Ich hätte geholfen, ich hätte geheilt. Es wären viele Beispiele da für meinen Einsatz in Gefahr und meine Bereitschaft.
Das ist jetzt belanglos.
Ich werde einer Anklage um meinetwillen nicht ausweichen. Doch es ist der Versuch der menschlichen Rechtfertigung, meine Pflicht allen gegenüber, die an mich persönlich glauben, die mir vertrauten und die sich auf mich verlassen haben, sowohl als Mensch, wie als Arzt, als auch auf den Vorgesetzten.
Ich habe den Menschenversuch, wie dieser als Problem mir auch begegnet sein mag, nie als eine Selbstverständlichkeit angesehen, auch nicht dort, wo er ungefährlich ist.
Aber ich bejahe aus Gründen der Vernunft seine Notwendigkeit. Ich weiß, aus dieser erwachsen Widersprüche.
Ich kenne die Differenzen, die das ärztliche Gewissen stören und ich kenne die innere Not, die einen bedrängt, wenn Befehl oder Gehorsam die Moral jeglicher Form bestimmen. Für den Versuch ist es gleich, ob dieser mit oder entgegen einem Willen ausgeführt wird. Denn es bleibt für das Individuum das Ereignis sinnwidrig, sinnwidrig, wie mein Tun als Arzt zu sein scheint, wenn man es isoliert betrachtet.
Der Sinn liegt tiefer:
Kann ich mich als einzelner der Gemeinschaft entziehen? Kann ich außerhalb und ohne sie sein? Konnte ich, der ich ein Teil von ihr bin, ausweichen, weil ich sage: Ich will vom Sinn dieser Gemeinschaft leben, aber ich will ihr kein Opfer bringen. Nicht an Leib und nicht an Seele. Ich will mein Gewissen freihalten, mag sie sehen, wie sie zurecht kommt. Und doch sind wir, sie und ich, irgendwie identisch. So muß ich denn trotzdem die Widersprüche hinnehmen und die Folgen tragen, wenn sie auch unverständlich bleiben.
Ich muß sie tragen wie das Schicksal meines Lebens, das mich vor seine Aufgaben stellt.
Der Sinn ist das Motiv, das der Gemeinschaft gilt.
Trage ich hier um ihretwillen eine Schuld, so werde ich diese um ihretwillen verantworten.
Es war Krieg. Der Einsatz in ihm ist immer der Gleiche. Seine Opfer treffen uns alle.
Ich stehe zu ihnen.
Aber sind diese Opfer mein Verbrechen? Habe ich die Gebote des Menschlichen getreten und verachtet? Bin ich über Menschen und ihr Leben hinweggegangen, wie wenn es nichts ist?
Man wird auf mich zeigen und rufen ‚Euthanasie‘ und fälschlich ‚Nutzlose‘, ‚Arbeitsunfähige‘, ‚Unwerte‘.
Was ist gewesen? Hat nicht Pastor Bodelschwingh mitten aus seiner Arbeit in Bethel noch im vergangenen Jahr gesagt, ich wäre ein Idealist und kein Verbrecher?
Wie konnte er das?
Und hier stehe ich unter furchtbarster Anklage. Wie wenn ich nicht nur nicht Arzt wäre, sondern auch ein Mensch ohne Herz und Gewissen. Glaubt man, es sei mir ein Vergnügen gewesen, als ich den Ermächtigungsauftrag zur Euthanasie erhielt? 15 Jahre hatte ich am Krankenbett mich gemüht und jeder Patient war mir ein Bruder.
Jedes kranke Kind habe ich umsorgt, wie wenn es mein eigenes wäre.
Da traf mich das Los.
Ist das Schuld?
War nicht mein erster Gedanke, den Rahmen der Euthanasie einzuengen? Habe ich nicht im Augenblick meiner Einschaltung die Begrenzung gesucht und ‚kritischste‘ Beurteilung der Unheilbaren verlangt?
Waren nicht Ordinarien unserer Universitäten dabei?
Wen konnte es geben, der besser fachlich geschult war?
Aber ich will nicht von diesen Durchführungsfragen sprechen.
Ich wehre mich gegen den Anwurf der Unmenschlichkeit und der niederen Gesinnung!
Gegenüber dieser Anklage gilt auch mein Recht auf Menschlichkeit!
Ich weiß, wie schwer das Problem ist. Ich habe mit tiefer Inbrunst mich damit gequält. Aber hier half keine Philosophie oder andere Weisheit.
Hier lag der Erlaß und darauf stand mein Name.
Man sage nicht, ich hätte mich krank stellen sollen. Ich lebe mein Leben nicht, um ihm auszuweichen, wenn es mir begegnet. So habe ich die Euthanasie bejaht.
Ich kenne das Problem wohl; es ist so alt wie der Mensch. Aber es ist kein Verbrechen gegen den Menschen! Und keins gegen die Menschlichkeit.
Ich kann hier nicht als Geistlicher glauben oder als Jurist denken.
Ich bin Arzt und sehe das Gesetz der Natur als das Gesetz der Vernunft.
Durch dieses wuchs in meinem Herzen auch die Liebe zum Menschen. So trage ich sie vor meinem Gewissen.
Als ich in jener Zeit mit Pastor Bodelschwingh, dem einzigen ernsthaften Warner, der mir persönlich bekannt wurde und begegnete, sprach, da schien es zuerst, wie wenn unsere Gedanken weit voneinander stünden. Aber je länger wir sprachen und je offener wir dabei wurden, um so näher und enger wurde unser gegenseitiges Verstehen. Es war damals kein Reden um Worte. Es war ein Kämpfen und Suchen, auch über den Menschen hinaus.
Wie der alte Pastor Bodelschwingh nach vielen Stunden ging und wir uns die Hände reichten, war sein letztes Wort:
Das war der schwerste Kampf in meinem Leben.
Ihm wie mir blieb dieser Kampf.
Es blieb auch das Problem.
Wenn ich heute sagen würde, ich wünschte, dieses sei mir nie in seiner erschütternden Dramatik begegnet, dann könnte das nur aus Oberflächlichkeit sein, um es selbst bequemer zu haben. Ich stehe aber in meiner Zeit und erlebe, daß sie in allem voller Gegensätze ist.
Irgendwo in ihr muss jeder Stellung beziehen.
Ich habe vor mir selbst das tiefe Bewußtsein, daß, als ich zur Euthanasie ‚ja‘ sagte, dies wie heute in der Überzeugung tat, es ist richtig.
Der Tod kann Erlösung sein.
Der Tod ist Leben – wie die Geburt.
Niemals sollte er Mord werden.
Ich trage eine Last, aber es ist nicht die Last des Verbrechens. Ich trage diese meine Last, wenn auch mit schwerem Herzen, als meine Verantwortung.
Ich bestehe mit ihr vor mir und meinem Gewissen als Mensch und als Arzt.“

Filmbeitrag

Ausschnitt von Karl Brandts letzten Worte vor dem Siegertribunal in Nürnberg:

Schlußwort Dr. Karl Brandts vor seiner Hinrichtung

Prof. Dr. med. Karl Brandt, auch vor der Siegerjustiz stolz und aufrecht

Es scheint, was Karl Brandt unter dem Galgen stehend gesprochen hat, das galt nicht nur den fremden Vollstreckern des rechtlosen Urteils, sondern zu verpflichtendem Vermächtnis seinem geliebten deutschen Volk, und einer einmal gerechter urteilenden Geschichte.

„Ich stelle fest, daß dieses eben verlesene Urteil eines amerikanischen Militärtribunals der formelle Ausdruck eines politischen Racheaktes ist.
Dieses sogenannte Urteil dient – abgesehen auch von der bestrittenen Zuständigkeit des Gerichtes selbst – nicht der Wahrheitsfindung und nicht dem Recht :
Man verstehe die Rabulistik, welche General Lucius D. Clay durch diesen Akt deckt, wenn der Ankläger des Nürnberger Ärzteprozesses feststellt, das Verfahren habe zwar gezeigt, daß Karl Brandt von den und den Versuchen nichts gewußt habe, da er es aber ‚hätte wissen müssen‘, werde er nachträglich zum Mittäter.
Wie kann überhaupt die Nation, welche die Spitze in der Durchführung von Humanversuchen in jeder nur ausdenkbaren Form hält, wie kann es diese Nation wagen, andere, welche höchstens die vorgemachten Versuchsanordnungen nachmachen konnten, deswegen anzuklagen und zu verurteilen?
Und gar Euthanasie! Man schaue heute auf Deutschland und seine ausgeklügelte hingehaltene Not!
Da ist es freilich nicht verwunderlich, wenn die Nation, welche vor der Geschichte der Menschheit ewig das Kainszeichen von Hiroshima und Nagasaki tragen wird, wenn diese Nation versucht, sich hinter moralischen Superlativen zu vernebeln. Sie braucht dabei kein Recht zu beugen: Recht ist hier nie gewesen! Im Ganzen nicht wie im Einzelnen. Es diktiert die Macht. Und diese Macht will Opfer! Wir sind solche Opfer. Ich bin ein solches Opfer!
Aber eben darum ist es auch keine Schande, auf diesem Schafott zu stehen: Ich diene hier bereit und mit ganzem Einsatz meinem Vaterland! Durch Kameraden vor mir ist es schon so geworden: Der Galgen von Landsberg ist das Symbol innerer Verpflichtung aller Aufrechten und Aufrichtigen!
Ich bedaure als Offizier, daß Angehörige der amerikanischen Armee sich dazu hergeben, Handlanger für Heuchelei und politischen Mord zu sein, und daß sie so den Schild ihres Soldatentums weiterhin beflecken. Ich kann sie darum nicht hassen. Henker und ihre Mittler sind mir weder Partner noch Gegner. Ich habe für sie nur Verachtung, tiefste Verachtung.
Mein Herz ist frei!
Ich gedenke meiner Freunde
Ich gedenke meiner Mitarbeiter im weitesten Sinne; sie haben in dem furchtbaren Kriege ihre Pflicht phrasenlos erfüllt.
Ich gedenke meiner armen, mir heiligen Heimat, meines Volkes und seiner Jugend, die strebend sich bemüht und sucht – sich und das Ewige.
In ihm fühle auch ich mich wohlgeborgen. Und ich habe in dieser für mich feierlichen Stunde dem Leben zu danken, daß es mich als ganzen Menschen nahm. Ich habe seine Schmerzen ertragen, und es hat mir seine Freuden nicht vorenthalten. Ja! ich habe das Schöne erlebt – wenn mir auch das Niedrige nicht erspart blieb. Der Begrenzung bin ich begegnet und ich durfte dennoch das Unendliche ahnen, in Ehrfurcht und in heiterer Andacht.
Mein Dank für das schwere Glück eines Daseins ist mein Bekenntnis zum Leben! Ihm wollte ich dienen mit meinem ganzen Wesen!
Ihm wollte ich Helfer sein!
Aber immer habe ich mich auch geplagt und gesorgt und immer habe ich auch gekämpft für meine Überzeugung und um meines Gewissens willen:
aufrecht, aufrichtig und mit offenem Visier.
So sehe ich es und so wollte ich das Leben.
So habe ich gelebt – Nein! So lebe ich!
Meine alten Eltern und mein tapferer Sohn brauchen sich meiner nicht zu schämen. Ich bin ihnen nahe und in unerschütterbarer Zuversicht verbunden. In Liebe ist mit mir meine Frau – "
„Ich – bin – bereit.“

Dr. Karl Brandt an seinen Sohn zum 13. Geburtstag, Landsberg, 4. Oktober 1948

Karl Brandt und Sohn Karl Adolf
„Unter den Gratulanten an Deinem Geburtstag darf ich nicht fehlen. Ich komme zu Dir in aller Herzlichkeit und meine Wünsche sind mehr, viel viel mehr als das, was man sonst darunter verstehen mag. Tief aus meiner Seele dringen sie zu Dir. Es ist so, wie wenn eine Welt aufbricht und Dich mit Sonne überstrahlen möchte. Nur Güte, nur Liebe wußte ich zeitlebens für Dich. Mein ganzes Dasein fand einen neuen, einen weiten Sinn, als die liebe Mama Dich geboren hatte. Ach, was warst Du damals für ein kleines Bündelchen. Wir hielten Dich abwechselnd in unseren Armen und freuten uns, freuten uns unentwegt!
Du wuchst heran, fingst an zu laufen, erst zaghaft, dann Dir selbst zur Lust. Wir beide, mein Annele und ich, umsorgten Dich, als Du das erste mal krank warst. Wie atmeten wir auf, als Du wieder lächeltest. Wir wollten Dir Deine Kindheit mit Frohsinn reich machen und immer war es doch nur wieder und wieder Liebe.
Deep,[1] der Berghof, Sommer, Winter, alles sollte helfen, Dich gesund zu halten und stark und kräftig werden zu lassen. Du hast es uns von Anbeginn an leicht gemacht, Dich zu lenken und zu leiten. Es war fast nicht nötig, überhaupt darauf zu achten. Deine ganze Art, lieber Karl Adolf, Dein ganzes Wesen drängte und suchte von selbst nach dem, was wir gut für Dich hielten. Ein rechter Junge solltest Du werden, der tollt und spielt und aus eigenen Sinnen sich seinen Weg sucht. Nur dies wollten wir Dir bereiten, wollte ich noch bereiten.
Da kam der Krieg und brachte Not und Zwang. So wurde manches anders, als wir, Deine sorgenden Eltern, es uns gedacht und gewünscht hatten. Aber dennoch waren wir bestrebt, möglichst Deine Jugend freizuhalten von den Erschütterungen.
Wie hat die gute Mama sich gemüht, wie hat sie alles, alles getan für Dich. Was hat sie geopfert – oh lieber Karl Adolf, ich weiß es. Und bist Du einmal größer, so wirst Du es verstehen, was ich meine.
Noch einmal gab es dann für uns alle ein Leuchten. Das war in Belitz. Ich will nicht sagen, daß es nicht eine köstliche und frohe Zeit gewesen wäre in Mutzig, am Fuße der schönen Vogesen, in meiner lieben Heimat. Aber Belitz blieb doch etwas Besonderes.
Denke ich selbst für mich zurück, so steht nicht die Arbeit im Vordergrund, die mich doch sehr beanspruchte. Es verblaßt auch das allgemeine und sogar das persönliche Milieu. Es bleibt die Vorstellung von uns Dreien - ja, und der Asso [Anm.: vermutlich der Familienhund] ist noch mit dabei, unser treuer schwarzer Freund ...
Da sehe ich Dich spielen. In Deinem schmalen Zimmerchen. Ich sehe Dich toben vor dem großen Fenster im Wald. Ich gehe mit Dir zur Schule. Was haben wir aus dieser Zeit Beseligendes! Bewahre Dir das selbst, Karl Adolf, als etwas ganz Schönes. Ihr werdet oft davon sprechen. So werden auch Dir die Bilder lebendig bleiben.
In dieser Zeit, der Belitzer, stand ich vor schweren Entscheidungen. Ich meine die rein beruflichen. Es gab auch andere. Aber gerade diese anderen lösten sich in so erschütternder, in so bezwingender Weise, daß sie mir heute mild und freundlich sind. In Belitz steht mir heute strahlend unsere Liebe, unser Verbundensein, unsere Dreieinigkeit, so herzlich, so innig, vor Augen. Und aus ihr heraus spreche ich heute zu Dir, Karl Adolf.
Ich habe keine ernsten Worte. Den Ernst des Lebens hast Du selbst gespürt, und in Deiner Kindheit schlug das Weh der Welt schon mit harten Wogen. Ich weiß, wie weh Dir das alles tut, wie weh, und Du weißt, wie bitter leid mir das tut.
Oh, mein lieber Karl Adolf, hätte ich Dir das ersparen gewußt. Aber ich habe keinen anderen Weg gefunden. Ich hätte von mir aus gehen können. Freilich, es wäre zu keiner Zeit ein Kunststück gewesen. Aber weißt Du, Karl Adolf, ich durfte das nicht - aus höherer Verantwortung. Ich durfte die Kameraden nicht alleine lassen. Wie hätten sie dagestanden ohne mich! Einer muß doch vorangehen. Und hätte ich mich jetzt drücken sollen, jetzt, wo es um das Ganze ging? Gelt, das verstehst Du. Und Du gibst mir recht, daß ich so handeln mußte!
Weißt Du, Karl Adolf, oft im Leben, da handelt es sich gar nicht um das Leben, was man Leben nennt. Da gibt es Worte des Geistigen, die stehen über allem, denn sie gehen alle Menschen an, sie gehen die ganze Menschheit an. Denke an Treue, Tapferkeit, Güte, Liebe - und so ist es auch bei mir.
Später, da stehen vielleicht Männer auf, die das, was ich tat, nicht nur rechtfertigen, die darüber hinaus erheben in die Höhe, die ihm gebührt. - Sei unbesorgt, lieber Karl Adolf, ich selbst lebe auch tot zuversichtlich. Die Erde verliert nichts, was ihr ist. Und als Du ganz klein noch gewesen bist, da hast Du mir gesagt: ‚Alle Menschen müssen sterben, da kann das Sterben nicht so schlimm sein.‘
Schlimm ist nur, daß man zeitweilig glaubt, sich zu verlieren oder verloren zu haben, weil man nicht mehr sieht. Ach, mein Guter, so ist es nicht. Ich werde um Dich sein als ein guter Geist, und wenn Du Dein Herz wahr und offen hältst, so wirst Du es wissen, daß ich da bin. Aber nicht, um Dir Dein kleines Herzchen schwer zu machen, grüße ich Dich. Ich will Dir Gutes. Und meine Wünsche sind so von Herzen bei Dir und Deiner Mutter, meinem Annele.
Seid doch glücklich, daß Ihr Euch habt. Lebt wie ein Herz und eine Seele! Und jetzt schon, aber später erst recht, sei ihr Helfer und Kamerad. Ganz gleich, wie das Leben es fügt.
Die Zukunft, wieder als Großes und Ganzes gesehen, wird nicht leicht sein. Die Zeit ist hart, und die Menschen sind befangen in ihrem engen Wahn eigener Geltung. Kriege und Rachegelüste werden umhertoben, zu Leid und keinem zunutze. Halte Dich von den Rachegelüsten fern, Karl Adolf. Sie ziehen den Menschen nach unten und nehmen ihm den Blick in die eigene innere Freiheit.
Bleibe Herr Deiner selbst!
Ich merke, ich gleite immer wieder ab in Gebiete, die Dir noch fern liegen. Aber verstehe es, daß ich selbst nur in ihnen noch existieren kann. Seit Tagen weiß ich, wie es das Schicksal mit mir will. Seit heute ist alles gewiß. Und ich gehe selbst um wie mein Schatten, mehr dem Ewigen verbunden, ihm näher - als dem, was uns das Irdische ist.
Du aber lebst!
Mein lieber, guter Karl Adolf! Die Namen, die Du trägst, verpflichten. Sei Dir dessen bewußt. Aber schon wieder müßte ich Dich um Entschuldigung bitten! Wie konnte ich darauf anspielen. Ich weiß doch, daß Du mein Sohn bist. Und so bist Du von Dir aus Dir schon längst dessen bewußt!
Nur meine Bitte lasse mich noch einmal wiederholen: Haltet fest die Hände - sei lieb zur guten Mama, habe lieb die guten Alten und sei ein ganzer Kerl!
Gesundheit und Freude!
Und wenn Du später selbst einmal eine liebe Frau gefunden hast, so halte sie lieb - und Deinen Kindern erzähle, wie gut es Dein Vater mit Dir gemeint hat. Ich werde auch dann um Euch alle sein! Doch jetzt erst wachse Du. Sei zuversichtlich, wahr und ehrlich gegen Dich selbst.
Die Welt ist Dein, wenn Du sie Dir erschließt.“

In einem Brief an seinen Sohn Karl Adolf Brandt (Lebensrune.png 4. Oktober 1935) zum Thema Religionen:

„Man solle mich verschonen mit der Geschichte der Religionen und Sektierer. Sie brachten alle dem Menschen und seiner Zeit keinen Segen. Sie trieben alle den Menschen in die Kniebeuge, statt ihn aufzurichten und frohzumachen. Nein, ich will das Christentum nicht. Ich sehe wohl den Menschen der Antike, ich sehe Christus. Er war wohl ein Riese. Aber ich sehe UND erlebe seine Gläubigen! Heuchelei und NUR Lüge. [...]“

Auszeichnungen (Auszug)

Quellen

  • 96-book.png HTML Friedrich Oscar: Über Galgen wächst kein Gras
  • Hans Severus Ziegler (Hg.): Große Prüfung - Letzte Briefe und letzte Worte Todgeweihter Nachwort von Hans U. Rudel

Fußnoten

  1. Fischerdorf und Badeort an der Ostseeküste in Westpommern