Schill, Ferdinand von

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Ferdinand von Schill

Ferdinand Baptista von Schill (Lebensrune.png 6. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Dresden; Todesrune.png gefallen 31. Mai 1809 in Stralsund) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, der durch das von ihm gegründete und geführte FreikorpsSchill’sche Jäger“ während des Deutschen Freiheitskampfes in den Koalitionskriegen von 1806/07 und 1809 bekannt wurde.

Leben

Königin Luise unterstützt den Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill; am 21. Mai 1808 überreichte sie ihm eine mit geheimnisvollem Inhalt und Vollmachten gefüllte Brieftasche aus rotem Saffian mit der Widmung „Dem braven Herrn von Schill“.
Ferdinand von Schills Tod in Stralsund von Richard Knötel

Schill trat im Alter von 14 Jahren in die preußische Armee ein, wurde jedoch aufgrund disziplinarischer Probleme nur sehr langsam befördert.

Preußen stand unter der Herrschaft Napoleons. Magdeburg war eine französische Grenzfestung, Lübeck ein französischer Hafen. Französische Besatzungstruppen lagen in den Städten an der Oder. Viele deutsche Männer konnten die Knechtschaft ihres Vaterlandes nicht ertragen. Manch einer hoffte, durch eine kühne Tat das Volk mitzureißen zur Erhebung gegen den Unterdrücker. So wollten sie den allgemeinen Freiheitskampf entfachen und das verhaßte Joch abschütteln.

Einer dieser Männer war der Major von Schill. Als Leutnant hatte er in der Schlacht bei Jena und Auerstedt mitgekämpft. Mit einer schweren Kopfwunde schlug er sich durch bis Kolberg und beunruhigte dort die Franzosen lange Zeit durch kühne Ausfälle.

Es war noch nicht zwei Jahre nach dem Schmachfrieden von Tilsit. Da ritt eines Morgens im April 1809 der Major von Schill mit den 600 Reitern seines 1. Schlesisches Husaren-Regiments (bzw. des 2. Brandenburgischen Husaren–Regiments „von Schill“; seit September 1807 Inhaber dieser Reiterei) aus dem Potsdamer Tor von Berlin hinaus. Daß alle Soldaten scharfe Munition empfangen hatten, wunderte niemanden, war man doch oft schon hinausgezogen zum Scharfschießen im Gelände. Aber weit dehnte sich heute der Ritt aus. Erst in der Nähe von Potsdam ließ Schill halten. Er ließ seine Husaren einen Halbkreis bilden und verkündete ihnen seinen Plan. Nicht zu einer Felddienstübung hatte er sie heute so weit hinausgeführt, es ginge vielmehr gegen die Franzosen. „Freiheit und Ehre!“ jauchzten ihm Offiziere und Mannschaften zu. Keiner kehrte um. Schill hatte es auch nicht anders erwartet. Er konnte sich auf seine Leute verlassen. Am andern Tage erfuhr der Kommandant von Berlin, was geschehen war. Aus Angst, die gesamte Garnison würde Schill nachziehen, ließ er sofort die Tore der Stadt verschließen. Trotzdem fand noch eine Reihe deutscher Offiziere und Soldaten den Weg hinaus zum Kampf für deutsche Ehre und Freiheit. Sogar einige Geschütze brachten sie mit zu Schill. Der Zug begann. In Dessau an der Elbe ließ Schill einen Aufruf an das deutsche Volk drucken:

„Ermannt euch! Folgt meinem Wink! Mit kräftiger Hand geführt, wird auch die friedliche Sense zu tödlicher Waffe!"

Als der Aufruf an den Häusern angeschlagen wurde, da läuteten überall die Sturmglocken. Die allgemeine Erhebung des deutschen Volkes schien eingeleitet. Doch es schien nur so. Der König von Preußen ließ sich nicht mitreißen, und in Westfalen, wo Schill (motiviert durch den Aufstand des Wilhelm von Dörnbergs) den „König“ Jèròme Bonaparte, den Bruder Napoleons, vertreiben wollte, blieb alles ruhig. Jèròme setzte 10.000 Franc auf den Kopf Schills aus. Der antwortete damit, daß er auf Jèròmes Kopf – fünf Taler aussetzte.

Von Magdeburg brachen französische Regimenter gegen Schill auf. Todesmutig warfen sich die Husaren den überlegenen Kräften entgegen. Vergebens! Sie erlitten schwere Verluste, wurden nach Norden abgedrängt und schlugen sich bis an die Ostsee nach Stralsund durch. Als sie in die Hafenstadt einzogen, läuteten gerade auf französischen Befehl die Glocken, weil Napoleon die Österreicher entscheidend geschlagen hatte und in Wien einmarschiert war. Jetzt läuteten sie weiter – für Schill. Schleunigst ließ dieser die verfallenen Festungswerke wieder herstellen; denn schon rückte ein zehnfach überlegenes feindliches Heer heran. Gegen diese Übermacht konnten die Wälle jedoch nicht gehalten werden. Die Stadt wurde erstürmt. Aber wild tobte der Kampf in den engen Straßen weiter. Hier fand Schill am 31. Mai 1809 – fünf Wochen nach seinem hoffnungsvollen Ausmarsch aus Berlin – den Reitertod.

Sein Leichnam wurde der Uniform beraubt und anschließend geköpft. Auf französischen Befehl wurde Schill ohne Sarg und Segen auf dem Militärfriedhof Stralsund verscharrt, seinen Kopf überreichte man in Weingeist gelegt König Jerome, dem Bruder Napoleons. Schills getreuer Mitkämpfer, Leutnant Gustav von Petersson, wurde wenige Tage später in Stralsund hingerichtet.

„So starb ein Mann, den viele tadelten, aber wenige erreichen werden. Seinem vortrefflichen Corps ist kein anderer Vorwurf zu machen, als Kühnheit und der rege Wunsch, Deutschlands Freiheit zu erkämpfen, gebe ich zur Antwort, das sie selbst wahrlich diesem Vorwurf nicht verdienen, noch verdienen werden.“Adolf von Lützow zu seinem Freund und Anführer, dem Freiheitskämpfer von Schill

Militärgericht

Der König von Preußen Friedrich Wilhelm III. versuchte noch im Mai, des Majors von Schill habhaft zu werden. Viele Offiziere, die damit beauftragt waren, zählten selbst zu den „teutschen Patrioten“ der Armee und gaben sich kaum Mühe, den Freiheitskämpfer einzufangen. Generalleutnant Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien und Generalleutnant Anton Wilhelm von L’Estocq wurden deshalb durch den König vom Dienst suspendiert, allerdings nur bis zum 22. Juli 1809.

Militärhistoriker gehen inzwischen davon aus, daß der König zwar Napoleon zwangsverpflichtet war und somit handeln mußte, aber durch ein „strenges Militärgerichtsverfahren“ den Offizier ggf. vor den französischen Häschern beschützen wollte, was jedoch nicht gelang. Zum Schluß beauftragte er Generalmajor Ludwig August von Stutterheim (1751–1826) mit der Aufgabe, u. a. unterstützt von Oberstleutnant Georg Dubislav Ludwig von Pirch, aber auch von Stutterheim blieb erfolglos, denn im Volk war der Major inzwischen zum Helden geworden.

Gedicht

Ferdinand von Schill 0262.jpg
„Der Kopf von Ferdinand von Schill“, Gemälde von Adolf Emil Hering (1863–1932); Von Schill wurde beim Ritt durch die Fährstraße vor dem Haus Nummer 21 von einer Kugel tödlich getroffen. Sein Leichnam mit einer Verwundung im Gesicht und mit von einem Bajonett durchbohrten Unterleib wurde in das Haus des städtischen Chirurgen am Alten Markt gebracht. Am 1. Juni 1809 fand in der Stadt eine Siegesparade statt. Anschließend wurde in Gegenwart des Generals Pierre Guillaume Gratien der Kopf Schills abgetrennt und als Trophäe an König Jerome geschickt.
Die Zitadelle von Wesel war das Gefängnis der elf Schillschen Offiziere.
Ein französischer Offizier verliest das Todesurteil am Morgen des 16. September 1809.
„Hierher Grenadiere
Schilldenkmal in Wesel
Einweihung des Denkmals für die Schill’schen Offiziere in Wesel

Ernst Moritz Arndt gedachte Schills Kampf 1859 mit einem Gedicht:[1]


Wir kommen heut getreten,

Du tapfre Sundia,

Zu wünschen und zu beten;

Zu beten ist immer da:

Schon wieder listen die Welschen

In weiter Welt herum,

Zu verkehren und zu fälschen

Deutsch Evangelium:


Evangelium der Treue,

Die beste deutsche Macht,

Die täglich wieder neue

Und frische Herzen macht:

Die Macht, worauf wir stehen

Und stehen ganz allein,

Die Macht, der in den Höhen

Der Herr will Helfer sein.


Bei dir ist viel zu melden

Von alter Sachsenkraft,

Deine Bürger waren Helden

Mit Schwert und Lanzenschaft,

Es mußt’ an deinen Wällen,

Wie stolz er lief daran,

Der Wallenstein zerschellen,

Der allgewaltige Mann.


Die ritterlichen Namen,

Die dich als Braut gewollt

Und um dich werben kamen,

Die Fahnen aufgerollt,

Wer mag sie heute nennen,

Die stolze Heldenzahl,

Die herrlich leuchtend brennen

In deinem Wappenstrahl?[2]


Viel reiche Ruhmesgarben

Fuhrst weiland du dir ein;

Die buhlend um dich warben,

Schwer ließest du sie ein;

Zuletzt ist einer der Frommen

In böser welscher Zeit

In deine Mauern gekommen.

Sein Name klinge heut!


Ja, als die Wucht von Schanden

Den Nacken Deutschlands bog,

Ist einer aufgestanden,

Der stolz den Degen zog;

Als viele wie Memmen erblichen

Und kuschten feig und still,

Ist dieser nicht ausgewichen.

Sein Name klinget Schill.


Er ruht an deinem Strande,

Du edle Strahlenstadt,

Umgerollt im Vaterlande

Ist glücklich der Zeiten Rad:

Über dem die Welschen riefen:

Verscharrt ihn wie einen Hund!

Den grüßen heut aus Herzenstiefen

Die Männer am Stralensund.


Drum wollen wir fröhlich treten

Heut an des Helden Gruft

Und fromm für jeden beten,

Der Nieder Welschland! ruft;

Wer nichts als deutsche Sache

Und deutsche Freiheit will,

Ruft Nieder, welscher Drache!

Ruft Hoch der deutsche Schill!

Die elf Schill’schen Offiziere

Den Überlebenden gewährte der feindliche General freien Abzug. Als sie sich im Vertrauen auf dieses Wort ergaben, wurden sie jedoch gefangengenommen. Wie Sträflinge ließ Napoleon sie in die dunklen Kasematten der Festung Wesel am Rhein werfen. Hier auf deutschem Boden tagte ein französisches Kriegsgericht. 500 Soldaten Schills wurden als Galeerensklaven auf französische Schiffen verbannt, 14 Soldaten wurden willkürlich ausgewählt und vom 18. bis 22. Juli 1809 in Braunschweig hingerichtet. In deren Grab wurde Schills Kopf am 24. September 1837 beigesetzt.

Die elf Offiziere wurden zum Tode verurteilt.

Draußen auf dem Richtplatz vor den Toren der Stadt standen die elf jungen Leutnants, zu zweien und zu dreien aneinander gefesselt. Für jeden von ihnen waren sechs französische Grenadiere bestimmt. Bevor diese anlegten, brachte einer der Offiziere ein Hurra auf Preußen und den König aus, und alle stimmten ein. Dann rollten 66 Schüsse über den Platz. Wie ein Leichentuch lagerte der Pulverdampf über den Gefallenen. Einem der Offiziere, Albert von Wedell, jedoch war nur der Arm zerschmettert. Da riß er Rock und Hemd auf, entblößte seine Brust und rief: „Hierher, Grenadiere!" Dann fiel auch er für Freiheit und Ehre des Vaterlandes.

Gedenken

Das Husaren-Regiment „von Schill“ (1. Schlesisches) Nr. 4 trug ihm zu Ehren fortan seinen Namen. Zum Gedenken an die elf treuen Schill’schen Offiziere wurde am 31. März 1835 an der Stelle ihrer Hinrichtung und Begräbnisstelle auf den Lippewiesen bei Wesel ein Denkmal errichtet. Das Denkmal zeigt auf der Stadtseite die trauernde Borussia und die heranschreitende Siegesgöttin am Altar des Vaterlandes. Auf dem mit dem preußischen Adler gezierten Altar liegt ein Richtbeil, über das die Viktoria einen Kranz hält und damit den Märtyrertod in einen Sieg verwandelt.

Mit Totenkopf-Mützen zog Ferdinand von Schills Freikorps in den Kampf um Deutschlands Freiheit.

Auf der stadtabgewandten Seite thront der preußische Adler mit dem Sinnspruch:

„Sie starben als Preußen und Helden am 16ten Sept. 1809“.

Zur Stadtseite hin liest man die Namen der elf Schill’schen Offiziere:

Name Alter Originalinschrift
Friedrich Wilhelm Felgentreu 23 Leut. FELGENTREU Friedrich Wilhelm – Artillerie – 8.5.1786 Berlin
Johann Friedrich Ludwig von Flemming 19 Leut. FLEMMING Hans von – Infanterie – 23.10.1790 Glogau
Konstantin Johann Wilhelm Gabain 23 Leut. GABAIN Constantin Wilhelm – Infanterie – 21.7.1786 Geldern
Johann Friedrich Wilhelm Galle 29 Leut. GALLE Friedrich Ferdinand – Husaren – 16.10.1771 Berlin
Johann Leopold Jahn 31 Leut. JAHN Leopold – Husaren – 18.6.1778 Massau
Karl Gustav von Keffenbrink 18 Leut. KEFFENBRINCK Carl von Krien – 17.11.1791
Adolf Theodor Leopold von Keller 24 Leut. KELLER Adolph von – Infanterie – 13.9.1785 Strasburg
Johann Christian Daniel Schmidt 29 Leut. SCHMIDT Ferdinand – Jäger – 16.1.1780 Berlin
Karl Friedrich Wilhelm von Trachenberg 25 Leut. TRACHENBERG Carl Friedrich von – Infanterie – 12.9.1784 Rathenau
Albert Hans Gustav von Wedell 19 Leut. WEDELL Heinrich Gustus Albrecht von – Infanterie – 16.1.1791 Kriegsdorf
Karl Lupold Magnus Wilhelm von Wedell 23 Leut. WEDELL Carl Magnus von – Husaren – 30.6.1786 Brausforth


Auszeichnungen (Auszug)

  • Pour le Mérite am 12. Januar 1807 für die erfolgreiche Befreiung von Gülzow als Leutnant (mit gleichzeitiger Beförderung zum Premierleutnant) und Führer der Freischar „von Schill“, verliehen von Friedrich Wilhelm III.

Filme

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Worte, gesprochen an Schills Grabe in Stralsund zur halbhundertjährlichen Gedächtnisfeier seines Todes, am 31. Mai 1859
  2. Stralsund führt einen Strahl (Pfeil) im Wappen, gleichsam schon Geburtszeichen seiner kriegerischen Geschicke. Kriegsspiel in und um sie gespielt haben außer dem Wallenstein Gustav Adolf, der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, Karl der Zwölfte und Leopold der Dessauer.