Kehler, Richard von (1866)

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Richard von Kehler
Unterschrift

Richard Karl Theodor Traugott von Kehler (Lebensrune.png 3. Mai 1866 in Kolmar, Provinz Posen, Deutscher Bund; Todesrune.png 20. Januar 1943 in Berlin-Grunewald) war ein deutscher Artillerie-Offizier, Luftschiffpionier, Ballonfahrer und Unternehmer.

Werdegang

Bankett des Aero-Clubs in Berlin zu Ehren britischer Flieger am 6. Juni 1933; nach rechts: Hermann Göring, Lindsay Everard, Führer der britischen Delegation, und von Kehler, Präsident des Aero-Clubs.
Staatssekretär Milch bei seiner Ansprache während der Ehrung der deutschen Teilnehmer am Europa Flug 1934 im Flugverbandshaus in Berlin; von links: Erhard Milch (stehend), Hauptmann Hans Seidemann und Major der Reserve a. D. Richard von Kehler.
Führerlexikon
Kehler & Stelling GmbH
Richard von Kehler & Sohn GmbH
  • Gymnasium in Marienwerder, Abitur
  • ein Jahr praktische Arbeit in Danzig
  • vier Semester Studium des Maschinenbaus auf der Technischen Hochschule Karlsruhe, wo er der Burschenschaft „Germania“ (heute „Teutonia“) beitrat
  • Einjährig-Freiwilliger im Feldartillerie-Regiment „General-Feldzeugmeister“ (2. Brandenburgisches) Nr. 18 in Frankfurt a. d. Oder
    • 1889 bis 1893 erste Ballonfahrten als Mitglied im „Deutschen Verein zur Förderung der Luftschiffahrt“
  • 22. Mai 1889 Beförderung zum Portepee-Fähnrich beim Übertritt in die Offizierslaufbahn der Preußischen Armee
  • 21. Juli 1889 Sekondeleutnant
  • 1894 von der 5. Batterie zur Dienstleistung an die Luftschiffer-Abteilung (Berlin) kommandiert
    • die Luftschiffer-Abteilung des Garde-Korps wurde später in Luftschiffer-Bataillon umbenannt[1]
  • 1896/1897 zweimaliger Ballonführer bei den Berliner wissenschaftlichen Luftfahrten
    • Sein Aufstieg mit einem Wasserstoffballon am 28. Dezember 1905 in Bitterfeld begründete die Tradition des bedeutenden mitteldeutschen Ballonstartplatzes.
  • 18. Oktober 1896 Premierleutnant
  • 14. September 1900 Hauptmann ohne Patent
    • Chef der 3. Batterie/Feldartillerie-Regiment Nr. 39 in Perleberg
    • 1. Oktober 1903 Rückkehr zum Luftschiffer-Bataillon (Berlin) als Chef der 1. Kompanie
  • 31. Mai 1904 Hauptmann mit Patent
  • 30. Juli 1906 zur Reserve übergetreten
    • als Reserveoffizier dem Luftschiffer-Bataillon, später, als drei Bataillone aufgestellt wurden, dem Luftschiffer-Bataillon Nr. 2 unterstellt
  • 1906 Gründung der Motorluftschiff-Studiengesellschaft
    • Luftschiffe wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts im militärischen und zivilen Bereich als zukunftsweisend betrachtet. Zur Erforschung dieser Technologie wurde in Berlin am 31. August 1906 die Motorluftschiff-Studiengesellschaft m.b.H (MStG) mit Sitz in Berlin W 30, Nollendorfplatz, gegründet. Ihr Stammkapital betrug 1 Million Mark. Vorsitzender der Gesellschaft war der ehemalige Staatssekretär im Reichsmarineamt Admiral Friedrich von Hollmann, Geschäftsführer war Hauptmann Richard von Kehler. Im Aufsichtsrat der Gesellschaft befanden sich unter anderem auch Emil und Walther Rathenau. Die MStG erwarb ein Luftschiff von Major August von Parseval sowie all dessen Patente. Von Parseval wurde im November 1906 2. Geschäftsführer der MStG. Die Gesellschaft errichtete eine Luftschiffhalle auf dem Tegeler Schießplatz direkt neben den beiden Hallen des preußischen Luftschiffer-Bataillons. Ende 1907 beschloß die MStG die Errichtung einer Luftschiffhalle in Bitterfeld, in die sie im Dezember 1908 ihren technischen Betrieb verlegte. Der Ort war mit Bedacht gewählt, da in Bitterfeld der für die Luftschiffahrt so wichtige Wasserstoff als Nebenprodukt der Chlor-Elektrolysen in großen Mengen anfiel. Die Halle hatte eine Höhe von 25 m und eine Grundfläche von 25 m × 75 m. Dort fand der Umbau des von Parseval erworbenen Luftschiffes statt. Erfolgreiche Flugvorführungen bescherten der MStG den Auftrag zum Bau eines weiteren Luftschiffs, das unter der Bezeichnung P I von der preußischen Heeresverwaltung übernommen wurde.
  • 1908 Gründung der Luftfahrzeug-Gesellschaft für Luftschiffbau (LFG) zur „Herstellung, Vertrieb und Verwendung von Luftfahrzeugen“
    • Die Luftfahrzeug-Gesellschaft m.b.H. wurde am 30. April 1908 im Haus Nollendorfplatz 3 in (Berlin-)Charlottenburg gegründet. Am Stammkapital von 500.000 Mark waren die Motorluftschiff-Studiengesellschaft (MStG) mit 180.000 Mark, die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) und die Fried. Krupp AG mit je 30.000 Mark sowie die Elektrochemischen Werke Bitterfeld mit 20.000 Mark beteiligt. Geschäftsführer waren Hauptmann Richard von Kehler und Major August von Parseval. Vorsitzender des Aufsichtsrats war Admiral Friedrich von Hollmann (ehemaliger Staatssekretär im Reichsmarineamt), stellvertretender Vorsitzender der AEG-Gründer Emil Rathenau. Die gesamten Bitterfelder Betriebsanlagen der MStG gingen in Besitz der LFG über. Die Direktion verblieb in Berlin.
    • Von Kehler erwarb die Lizenz Nr. 6 zum Führen von Luftschiffen der Bauart Parseval, die die LFG in der Bitterfelder Werft herstellte.
  • 18. Februar 1909 Kommandant des Parseval-Luftschiffes „PL 3“ (P.II)
    • das Luftschiff PL 3 startete zu seiner ersten Fahrt. Im Bitterfelder Tageblatt erschien damals folgende zeitgenössische Schilderung: „Am Vormittag dieses Jahres, 18. Februar, steigt zum ersten Mal ein Luftschiff vom Typ ‚Parseval‘ in Bitterfeld auf. Das 69 m lange und 600 kg schwere Luftschiff erreicht eine Höhe von 240 m. Führer ist der Hauptmann von Kehler.“
  • Juli 1909 Deutsche Flugplatzgesellschaft
    • Am 21. Juli 1909 wurde die „Deutsche Flugplatzgesellschaft, Vorbereitungs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ ins Leben gerufen, die vom Kaiserlichen Reichsamt des Innern und vom Königlich Preußischen Kriegsministerium beaufsichtigt wurde. Ihr gehörten zunächst an: Rechtsanwalt Eschenbach, Major von Kehler, Arthur Müller, Generalleutnant z. D. von Nieber, Kapitän zur See a. D. von Pustau und Hauptmann a. D. Alfred Hildebrandt (1870–1949). Ab Januar 1910 trat noch Major a. D. Georg von Tschudi offiziell hinzu.
  • 1909 Mitbegründer der Flugmaschine Wright Gesellschaft
    • 1908 trafen die Gebrüder Wright erstmalig in der in den Pyrenäen gelegene Stadt Pau mit Hildebrandt zusammen. Dort lud er die Wrights im Auftrage des Verlegers Scherl nach Berlin ein. Man kam überein, daß einer der Gebrüder Wrights Ende des Jahres gegen eine ansehnliche Summe eine Anzahl Flüge in Berlin machen sollte. Die Brüder einigten sich, daß diese Berliner Flüge von Orville Wright durchgeführt werden sollten, was er auch im August 1909 auf dem Tempelhofer Feld tat. Von der Stadt Pau zogen die Brüder Wright und ihre Schwester Katharine (1874–1929) weiter nach Italien. Hier schlossen sie mit einem weiteren Deutschen Freundschaft. Hauptmann d. R. Richard von Kehler, den sie schon in Berlin getroffen hatten, ist extra nach Rom gereist, um mit den Wrights zu sprechen. Er teilte ihnen mit, daß einige wohlhabende Herren gern eine deutsche Wright-Gesellschaft gründen würden. Bevor er Rom verließ, wurde ein vorläufiger Vertrag unterschrieben. Seine Bedingungen sahen vor, daß die Gebrüder Wright eine Summe in bar, einen Aktienanteil in der Gesellschaft und eine 10prozentige Tantieme für jedes verkaufte Flugzeug erhalten sollten.

Erster Weltkrieg

Zwischenkriegszeit

  • Herbst 1924 Präsident des Aero-Klubs von Deutschland
    • Der Ehrenpräsident und jüngste Bruder von Kaiser Wilhelm II., Albert Wilhelm Heinrich Prinz von Preußen (1862–1929) und als erster Präsident, Ernst II. Herzog von Sachsen Altenburg (1871–1955), standen dem 1907 gegründeten Aero-Club zuerst vor. Zu Beginn des ca. 200 Mitglieder zählenden Aero-Clubs gehörten weiterhin der Chef des Generalstabes Helmuth Graf von Moltke (1848–1916), der Chef der Luftschifferabteilung Generalleutnant Stephan von Nieber (1855–1920) und der Artillerieoffizier Richard von Kehler, der 1924 selbst Präsident werden sollte.
  • Oktober 1928 Grabrede für den verstorbenen Flugpionier Major a. D. Georg Julius Friedrich von Tschudi
  • 1936 bis 1939 Vorsitzender des Berliner Bibliophilen Abend

Er war im Dritten Reich u. a. Mitinhaber der Firma von Kehler & Stelling Wasser und Luftfahrzeuge und von Kehler & Stelling Fallschirmbau GmbH, beide Berlin, die Firma war auch bekannt für Rettungsschlauchboote und Gasschutz-Anzüge. Der Auflösungsvertrag zwischen den früheren gemeinsamen Inhabern der Fa. von Kehler & Stelling erfolgte im November 1939. Richard von Kehler gründetet daraufhin „Richard von Kehler & Sohn GmbH, Fallschirme, Schlauchboote, Rettungsgeräte“ in Berlin-Schmargendorf mit Produktionsstätten in Brandenburg/H., Stralsund und Frankfurt/O.. Die Firma hatte seit 1942 einen festen Vertrag mit dem Deutschen Reich.

Der einstige erfolgreiche Ballonführer und Luftschiff-Kommandant Hauptmann a. D. August Stelling (schon vor dem Ersten Weltkrieg berühmt für die Führung des Parseval-Luftschiffs), der viele Jahre zuvor dem Vorstand der Luft-Fahrzeug-Gesellschaft m. b. H. angehört hatte und mit von Kehler eng befreundet war, blieb in Berlin-Schmargendorf und war nun alleiniger Inhaber von „August Stelling Wasser- und Luft-Fahrzeugbau“ (Berkaer Straße 31), weiterhin spezialisiert auf den Bau pneumatischer Boote für die Wehrmacht (u. a. auch in Stralsund), aber auch Gasjacken (u. a. R 43 LZZ und C 104 L) für den Luftschutz. Die Betriebe der beiden wurden am 9. Mai 1945 von der Roten Armee besetzt, beschlagnahmt und zugunsten der Besatzer weiterbetrieben (insbesondere die hochwertigen militärischen Schlauchboote waren begehrt), später dann demontiert und in Feindesland verschleppt.

Familie

Richard war der Sohn des Verwaltungsgerichtsdirektors und Majors der Landwehr Rudolf Carl Hermann Arthur von Kehler[2] (1827–1919; Jurist, königlich preußischer Beamter und Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes) aus Erfurt und dessen Frau Luise, geb. Freiin von Cramer (1829–1909),[3] Tochter des großherzoglich hessischen Oberstleutnants Gottlob Freiherr von Cramer und der Karoline von Bassewitz. Seine Geschwister waren:

  • Rudolf Karl Friedrich Gottlob (Lebensrune.png 18. August 1857; Todesrune.png 23. September 1857)
  • Wilhelmine Karoline Frederike Eugenie (Lebensrune.png 6. Juli 1859; Todesrune.png 29. März 1875)
  • Marie Bertha Luise (Lebensrune.png 11. Februar 1861)
  • Anna Karoline Auguste (Lebensrune.png 7. Juli 1862) ⚭ 1882 Franz Rotzoll (1850–1927), Jurist und Präsident der Klosterkammer Hannover; acht Kinder
  • Luise Hildegard Marie (Lebensrune.png 24. Juli 1863), Kunstmalerin
  • Friedrich (1864–1865)
  • Johannes Friedrich Otto August (Lebensrune.png 21. Januar 1868) ⚭ 1900 Elisita Ida Christine Gall (Lebensrune.png 26. April 1876 in Valparaiso, Chile)
  • Karoline Julie Bertha Elisabeth (Lebensrune.png 6. Januar 1870)

Ehe

Richard von Kehler heiratete 1899 seine Verlobte Susanna Julie Braun (Lebensrune.png 11. März 1879), aus der Ehe sind mehrere Kinder entsprossen.

Auszeichnungen (Auszug)

Literatur

Fußnoten

  1. Die ersten Aufstellungen von Luftschiffertruppen begann 1880, in Preußen wurde 1884 die erste Luftschiffertruppe installiert und 1894 durch eine Luftschiffer-Lehranstalt erweitert. Nachdem sie zuerst der Eisenbahntruppe zugeordnet waren, wurden sie noch 1894 als ein selbständiger Truppenteil (Abteilung) der Preußischen Eisenbahnbrigade unterstellt. Es folgte 1901 die Aufstellung eines Luftschiffer-Bataillons mit Standort Berlin-Reinickendorf. Die aus je zwei Kompanien bestehende Bataillon wuchsen zu drei Bataillonen zu je zwei Kompanien auf. Die Luftschiffertruppe wurde gemeinsam mit den Eisenbahntruppen, den Kraftfahr- und Telegrafentruppen der Generalinspektion der Verkehrstruppen zugeteilt.
  2. Rudolf von Kehler
  3. Luise (von Cramer) von Kehler