Wegener, Paul (1874)
Paul Wegener ( 11. Dezember 1874 in Arnoldsdorf, Westpreußen; 13. September 1948 in Berlin-Wilmersdorf) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler, Filmregisseur und Drehbuchautor.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Jugend
Paul Wegener wurde am 11. Dezember 1874 im westpreußischen Arnoldsdorf geboren. Seine Kindheit verbrachte er auf dem väterlichen Gut Bischdorf im Ermland, bevor er 1883 nach Rössel und später nach Königsberg geschickt wurde, um das Gymnasium zu besuchen. Bereits als Schüler war Wegener als Komparse am Königsberger Stadttheater tätig.
Aus den Jugendträumen wurde zunächst nichts. De Künstler mußte auf den Wunsch seines Vaters hin Jura studieren und wechselte später zur Kunstgeschichte und Philosophie hinüber. Aber immer wieder meldete sich der große Wunsch zur Bühne mit Macht und dieses Drängen und Hingezogensein ließ sich nicht unterdrücken. Nach heftigen und langen Kämpfen mit seinem Innern und gegen die Außenwelt, nach einem verzweifelten Hin und Her, nach Zweifel und Plage, Furcht und Besessenheit – er ging den dornigen Weg aller echten Künstler zur Geltung – begann er schließlich in Rostock. Die Lehrzeit war hart, ja sogar brutal, sie zerstörte jegliche Illusion, aber diese Zeit der Prüfung und Erziehung endete mit einem Erfolg. Wegener wurde nach Wiesbaden und dann nach Hamburg engagiert. Eiserner Fleiß und unermüdliche Arbeit halfen auch diesem Künstler, sich durchzusetzen.[1]]
Durch seine Darstellung in Gorkis „Nachtasyl“ in Hamburg wurde Max Reinhardt auf Wegener aufmerksam und holte ihn 1906 an sein Theater in die Reichshauptstadt, wo er dann bis auf die Kriegsjahre ununterbrochen gewirkt hatte. Hier avancierte er in den kommenden Jahren mit Rollen in Klassikerinszenierungen wie „Richard III.“ oder „Mephisto“ zu einem der profiliertesten Bühnendarsteller Deutschlands.
Stummfilm
Seine Tätigkeit wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. 1914 meldete Wegener sich als Kriegsfreiwilliger, den er an der flandrischen Front mitmachte. Seine Kriegserlebnisse hatte er niedergeschrieben und veröffentlicht und wurde aber 1915 aus gesundheitlichen Gründen nach Berlin zurückgeschickt, wo er bis 1920 abermals unter Reinhardt spielt. Es folgen Engagements an zahlreichen deutschen Bühnen sowie Gastspiele im Ausland.
Sein Kinodebüt gab Wegener 1913 in Stellan Ryes „Der Student von Prag“. Das Doppelgängerthema des „Studenten von Prag“ reizte ihn tief. Er betätigte sich zunächst als Filmschriftsteller. Da er mit der Drehbuchtechnik nicht vertraut war, schrieb Hanns Heinz Ewers das Buch nach seinen Ideen. Neben Max Macks „Der Andere“ (1913) gilt „Der Student von Prag“ als das erste künstlerisch bedeutende Werk des deutschen Films. Die bereits in diesem Film präsente Loslösung der Bildsprache von der eigentlichen Handlung und die Integration phantastischer Elemente in die Geschichte bestimmen auch Wegeners folgende Arbeiten als Regisseur und Darsteller, beispielsweise in „Rübezahls Hochzeit“, „Der Rattenfänger“ und dem international erfolgreichen und hoch gelobten „Der Golem, wie er in die Welt kam“, der bis heute als einer der großen Klassiker des deutschen Stummfilmkinos gilt.
Immer wieder verkörperte Wegener Charaktere aus anderen Kulturkreisen und verband westlich geprägte Phantasien mit seiner ganz persönlichen Faszination für den Fernen Osten, so etwa in „Der Yoghi“ (1916) und „Lebende Buddhas“ (1924). 1926 wurde er von dem Hollywood-Studio MGM für den Mystery-Thriller „The Magician“ mit Rex Ingram engagiert – wie schon oftmals zuvor verkörperte Wegener auch in der Somerset-Maugham-Adaption einen geheimnisvollen Okkultisten.
Tonfilm
Während des Dritten Reiches war er auch regelmäßig auf der Bühne (unter anderem unter der Regie von Heinrich George und Gustaf Gründgens) weiterhin tätig. In den 1930er Jahren verkörperte er oft meist negative Rollen. Paul Wegener ist aus Filmen wie Hans Westmar oder Kolberg bekannt. Zwischen 1933 und 1937 führte Wegener außerdem bei einer Reihe von Genrefilmen Regie. Er erhielt nach der Besetzung Deutschlands von den sowjetischen Besatzern die Erlaubnis, wieder aufzutreten: In den Jahren nach dem Krieg war Wegener führend an der Gründung des Kulturbunds zur Erneuerung Deutschlands beteiligt. Auf der Bühne beeindruckte er 1945 als „Nathan der Weise“ am Deutschen Theater. In „Der große Mandarin“ war er 1948 zum letzten Mal auf der Kinoleinwand zu sehen.
Familie
Am 13. September 1948 starb Paul Wegener in Berlin.
Paul Wegener war ein Vetter von Alfred Wegener. Lyda Salmonova war Wegeners dritte Ehefrau. Sie ließen sich 1924 scheiden. Ihr gemeinsamer Sohn war Prof. Peter P. Wegener. Er war Physiker und weltweit anerkannter Spezialist für hypersonische Gasdynamik und ihrer Kanäle. Durch die Operation Overcast wurde er in die VSA verschleppt, in der er zeit seines Lebens verbrachte.
Bildergalerie
Paul Wegener als Arvik in Björnsons „Wenn der junge Wein blüht“ von 1941
Paul Wegener als Papst Gregor in Kolbenheyers „Gregor und Heinrich“ von 1941
Filmbeiträge
V.S.-Produktion: Schauspielerleben: Paul Wegener (Staffel 3 / Folge 8, 2012)
Auszeichnungen
- 1937: Ernennung zum Staatsschauspieler
Werke
Filmographie
- 1913: Evinrude
- 1913: Der Verführte
- 1913: Der Student von Prag
- 1914: Der Golem
- 1915: Die Rache des Blutes
- 1916: Rübezahls Hochzeit
- 1916: Der Yoghi
- 1917: Hans Trutz im Schlaraffenland
- 1917: Der Golem und die Tänzerin
- 1918: Gegen den Bruderkrieg
- 1918: Der fremde Fürst
- 1918: Der Rattenfänger
- 1918: Apokalypse
- 1919: Nachtgestalten (Eleagabal Kuperus)
- 1919: Der Galeerensträfling. 1. Teil
- 1919: Der Galeerensträfling. 2. Teil
- 1920: Sumurun
- 1920: Steuermann Holk
- 1920: Der verlorene Schatten
- 1920: Der Golem, wie er in die Welt kam
- 1921: Die Geliebte Roswolskys
- 1921: Das Weib des Pharao
- 1922: Heimat in Not
- 1922: Vanina
- 1922: Monna Vanna
- 1922: Lucrezia Borgia
- 1922: Herzog Ferrantes Ende
- 1922: Das Liebesnest. 1. Teil
- 1922: Das Liebesnest. 2. Teil
- 1923: Der Schatz der Gesine Jakobsen
- 1923: S.O.S. Die Insel der Tränen
- 1925: Lebende Buddhas
- 1925: Der Mann aus dem Jenseits. Feldgrau
- 1926: Dagfin
- 1927: Svengali
- 1927: Ramper, der Tiermensch
- 1927: Glanz und Elend der Kurtisanen
- 1927: Die Welt ohne Waffen
- 1927: Die Weber
- 1927: Arme kleine Sif (Sif, das Weib, das den Mord beging)
- 1927: Alraune
- 1929: Paul Wegener: Chinesisches Märchen
- 1930: Fundvogel
- 1932: Unheimliche Geschichten
- 1932: Marschall Vorwärts
- 1932: Das Geheimnis um Johann Orth. Ein Liebesroman im Hause Habsburg
- 1933: Inge und die Millionen
- 1933: Hans Westmar
- 1934: Ein Mann will nach Deutschland
- 1934: Der rote Tod von Riga
- 1935: Der Mann mit der Pranke
- 1935: ... nur ein Komödiant
- 1938: Stärker als die Liebe
- 1938: In geheimer Mission
- 1939: Das Unsterbliche Herz
- 1939: Zwielicht
- 1939: Das Recht auf Liebe
- 1941: Mein Leben für Irland
- 1940: Das Mädchen von Fanö
- 1942: Der große König
- 1942: Hochzeit auf Bärenhof
- 1942: Diesel
- 1943: Wenn die Sonne wieder scheint
- 1944: Zwischen Nacht und Morgen
- 1944: Seinerzeit zu meiner Zeit
- 1945: Kolberg
- 1945: Tierarzt Dr. Vlimmen
- 1945: Der Fall Molander
- 1945: Shiva und die Galgenblume
- 1945: Dr. phil. Döderlein
- 1949: Der große Mandarin
Theatrographie (Auswahl)
- 1938: Kabale und Liebe (Schiller-Theater)
- 1938/39: König Heinrich IV. (Schiller-Theater)
- 1939: Gott über Göttern (Schiller-Theater)
- 1943: Die Pagode Tien-Ti (Schiller-Theater)
Literatur
- Kai Möller: Paul Wegener. Sein Leben und seine Rollen, Rowohlt Verlag, Hamburg 1954