Thom, Karl (1893)

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Flieger-As Karl Thom

Karl Thom (Lebensrune.png 18. Mai 1893 in Neudeck bei Freystadt, Kreis Deutsch Eylau, Westpreußen; Todesrune.png 3. März 1945 in Pillau, Landkreis Samland) war ein deutscher Reserveoffizier des Deutschen Heeres, der Freikorps, der Vorläufigen Reichswehr und der Wehrmacht, zuletzt Oberstleutnant der Reserve der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Der Jagdflieger Leutnant Thom errang im Ersten Weltkrieg als Flieger-As bei seinen Feindflügen 28 Luftsiege[1] mit der Jasta 21 und wurde schließlich Ritter des Ordens „Pour le Mérite“.

Werdegang

SS-Truppführer Karl Thom als Angehöriger der 39. SS-Standarte Ostpommern
Hauptmann der Reserve Karl Thom (rechts) als Offizier der Luftwaffe
Der Flieger Thom – Vom Landarbeiter zum Pour-le-mérite-Flieger, Gräfe und Unzer Verlag, Königsberg 1937.png

Zu den wenigen Fliegern, die aus dem Mannschaftsstande hervorgegangen sind, darunter u. a. Max Müller, Fritz Rumey und Otto Könnecke, gehörte auch Karl Thom, der am 18. Mai 1893 in Freystadt als Sohn eines Arbeiters geboren wurde. Vom April 1899 bis Ostern 1907 besuchte er die Volksschule in Freystadt und ging dann als landwirtschaftlicher Arbeiter als sogenannter „Knecht“ auf einem Bauernhof in Stellung. 1911 meldete er sich als Dreijährig-Freiwilliger (Kapitulant) zum Husaren-Regiment „Fürst Blücher von Wahlstatt“ (Pommersches) Nr. 5 in Stolp (Pommern) und diente im 5. Eskadron. Durch Allerhöchste-Kabinetts-Order vom 4. September 1913 wurde zum 1. Oktober des Jahres die Aufstellung von insgesamt sieben zusätzlichen Jäger-zu-Pferde-Regimentern zu je fünf Eskadrons befohlen. Zur Aufstellung des Jäger-Regiments zu Pferde Nr. 10 mußte das Husaren-Regiment Nr. 5 die 5. Eskadron abgeben. So kam Thom nach Angerburg in Ostpreußen. Im April 1914 schied er (kapitulierte) nach Erfüllung seines Vertrages dort aus und wurde zur Reserve versetzt.

Erster Weltkrieg

Bei der Mobilmachung wurde Thom reaktiviert und wurde mit seinem Regiment ins Feld abkommandiert. Hier wurde er am 4. September 1914 zum Unteroffizier befördert und wurde zwei Monate später bereits mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Am 18. November 1914 wurde Thom erstmalig verwundet und kam ins Lazarett nach Insterburg, später nach Nürnberg. Im Juni 1915 meldete er sich, nachdem er schon wieder ein halbes Jahr bei seinem Regiment war, zur Fliegertruppe und wurde angenommen. In Schneidemühl trat er seine Flugzeugführerausbildung an, die er nach kurzer Zeit erfolgreich abschloß. An der Kriegsfront flog er zuerst bei der Artillerieflieger-Abteilung 216, wo er am 16. Mai 1916 nachts schwer verletzt abstürzte und mehrere Tage bewußtlos im Lazarett in Colmar/Reichsland Elsaß-Lothringen lag.

Kaum genesen meldet er sich wieder an die Front, wurde am 24. Juli 1916 zum Vizefeldwebel befördert und drei Tage später zur Feldflieger-Abteilung (FFA) 48 versetzt. Am 8. April 1916 erhielt er das Flugzeugführerabzeichen. Mit der FFA 48 kam er nach Rumänien, wo Thom infolge eines Motordefekts hinter feindlichen Linien notlanden mußte und in rumänische Gefangenschaft kam. Er fand aber bald Gelegenheit, sich zu befreien und erreichte unter großen Strapazen seine Abteilung wieder. Hierfür wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Nach kurzer Zeit bei der Artillerie-Abteilung 234 kam er am 24. April 1917 zur Ausbildung als Jagdflieger. Nach erfolgtem Abschluß wurde er Mitte Mai 1917 zur Jagdstaffel 21 des Eduard Ritter von Schleich versetzt, wo er bis zum Friedensschluß flog. Am 10. November 1917 wurde er zum Offizier-Stellvertreter ernannt. Seinen ersten Luftsieg errang er nach eigenen Aussagen am 4. August 1917, andere Quellen geben jedoch den 22. August 1917 an. Über seine Erlebnisse berichtete Thom in der Zwischenkriegszeit selbst:

Mein erster Luftkampf am 4. August 1917

Nachdem ich mehrere Wochen als Jagdflieger geflogen bin, wollte ich durchaus einen Luftsieg erringen. Es war mir dieses längere Zeit nicht möglich, weil ich den Gegner nie früher sah, als bis ich aus der nächsten Entfernung beschossen wurde. Es lag wohl daran, daß ich lange keinen Urlaub gehabt hatte, und daß, wie man sagt, die Nerven „überzogen“ waren. Ich wurde von meinem Staffelführer in Urlaub kommandiert, weil ich zur alten Aufklärungsabteilung wollte und mich als Jagdflieger als untauglich bezeichnete. Nachdem ich vom Urlaub zurückgekommen war und meinen ersten Flug machte, nahm ich mir fest vor, den ersten Luftsieg zu erringen – unter welchen Umständen es auch passiere. Der Kettenführer, Leutnant Emil Thuy sah ein feindliches Flugzeug, aber anscheinend lag ihm dieses nicht oder er hatte vorn etwas anderes im Auge. Jedenfalls hielt mich den Moment für gekommen, mich auf dieses „Häschen“ zu stürzen. Nach dem ersten Angriff stürzte dieses Flugzeug ab. Ich selbst aber gab mich noch nicht zufrieden, sondern ging über dem Erdboden mehrmals, etwa drei bis viermal zum Angriff über und behämmerte dieses Flugzeug auf dem Erdboden, weil ich bis dahin einen richtigen Absturz bis zur Erde noch nicht verfolgt hatte. Nachdem in dem Flugzeug alles ruhig blieb, drehte ich ab und folgte dem Kettenführer. Meine Freude innerlich war unbeschreiblich. Aber wie erstaunte ich, als wir auf dem Flugplatz landeten und von dem Kettenführer wegen „Munitionsverschwendung“ eins ausgewischt erhielt. Nachdem ich erst etwas ruhiger wurde, hatte ich mir die Sache reiflich überlegt und mußte meinem Kettenführer Recht geben; denn wären wir nach diesem Abschuß in einen Luftangriff verwickelt worden, so hätte ich wahrscheinlich keine Munition mehr gehabt und wäre durch den Gegner umgelegt worden.

Wie ich das erste Mal in den Heeresbericht kam

Am 18. September 1917 flog die ganze Staffel vormittags an die Front, um das Gelände zwischen den Fronten und hinter der feindlichen Front auszufegen. Der Staffelführer, Oberleutnant Eduard Ritter von Schleich, hatte die vier Ketten so eingeteilt, daß die Luft von der Erde bis zu 4000 Meter abgesperrt war. Ich selbst führte die zweite Kette von unten und sah zwischen der Front ein recht großes Gewimmel von feindlichen Flugzeugen. Der Staffelführer und ich stürzten uns sofort auf ein „Häschen“. Bei dem Fluge schoß der Staffelführer, ich selbst konnte auch einen Abschuß erringen, aber dann hatten wir alle Pech. Infolge der schlechten Munition hatten wir im MG Hülsenreißer, auch standen die Hebel vom MG hoch. Alles Rütteln und Klopfen nützte nichts, außerdem mußte man noch aufpassen, daß man in diesem Gedränge nicht vom Gegner gefaßt wurde. Der Flug wurde abgebrochen und voller Zorn im Leibe flogen wir nach Hause. Ich bin jedoch an dem Tag in voller Aufregung zweimal zum Staffelführer gegangen und bat um Erlaubnis, an die Front fliegen zu dürfen. Ich erhielt die Erlaubnis. Da ich mit der Front in Verbindung gestanden hatte, wußte ich, daß dort „Betrieb“ herrschte. Da wir sehr nahe an der Front lagen, gings vom Start aus direkt dorthin. Begünstigt durch die Sonne, beobachtete ich ein Aufklärungsflugzeug, das über der Front war und drehte. Bei diesem Frontflug wurde der Gegner mit der äußersten Geschwindigkeit sofort angegriffen. Da wir vereinzelt Brandmunition bei uns führten, war der Angriff kurz – das Flugzeug explodierte und brannte lichterloh. Lange Zeit zum Schauspiel haben wir nicht, zumal ich ein weiteres feindliches Flugzeug sah. Ich stürzte mich sofort auf den Gegner, griff ihn von der Flanke an und nach kurzem Kampf brannte dieses Aufklärungsflugzeug ebenfalls. Ich wollte daraufhin nach dem Heimathafen fliegen, weil ich strikte Anweisung durch meinen Staffelführer erhalten hatte, vorsichtig zu sein. Da flog jedoch noch ein Gegner, bedeutend höher, seiner Heimat zu. Ich schoß auf ihn trotz weiter Entfernung und brachte ihn zum Kurven; dadurch holte ich ihn ein, nach kurzem Kampf stürzte auch dieser Gegner ab. Nach diesem dritten Kampf wurde der Flug abgebrochen und wir landeten im Heimathafen. Nachdem nun die Begleiter in meiner Kette öffentlich Meldung erstattet hatten, sagte mein Staffelführer. Oberleutnant Schleich: „Donnerwetter, Thom, Sie haben ja drei Luftsiege gehabt, ich muß Sie ja melden. Wahrscheinlich werden Sie in den Heeresbericht kommen.“ Am Abend las daraufhin auch der Staffelführer den Heeresbericht vor, in dem ich mit meinen drei Luftsiegen an einem Tage erwähnt wurde. Ich habe vor Freude hierüber die ganze Nacht nicht schlafen können und wäre am liebsten nur noch geflogen.

Das letzte Kriegsjahr

Im November 1917 wurde Thom von vier Franzosen angegriffen. Der Luftkampf war heftig, und Thom schloß schon mit seinem Leben an. Auf Einmal, wie Hansgeorg Buchholtz nach seinen Berichten schreiben sollte, tauchte ein einzelner deutscher Flieger am Himmel auf und griff sofort ein: Rudolf Windisch. Er schoß sogleich einen Franzosen ab, beschädigte ein weiterer Feindflieger und jagte alle davon. Bei einem Bombenangriff am 23. Dezember 1917 wurde Thom durch ein Artilleriegeschoß verwundet und mußte sich vier Wochen ins Feldlazarett nach Dun zur Behandlung begeben. Trotzdem flog er, obwohl die Wunde noch nicht geheilt war und er nicht gehen konnte, von da ab täglich gegen den Feind. Die Jagdstaffel wurde inzwischen von der Albatros D.V zur Fokker D.VII umgestellt. Im Juni 1918 errang er fünf Luftsiege. Der 24. Juli 1918 ist wieder ein sehr erfolgreicher Tag. Thom errang an diesem Tag seinen 22., 23. Und 24. Abschuß.

Am 11. August 1918 wurde Thom im Luftkampf wiederum schwer verwundet. Nachdem er den Hausorden der Hohenzollern verliehen erhalten hatte, wurde er am 28./29. August 1918 zum Leutnant der Reserve befördert und erwarb sich die Anwartschaft auf den Pour le Mérite, den nach den Bestimmungen nur Offiziere erhalten konnten. Bis zum November 1918 zog sich die Heilung des Absturzes hinaus, dann flog Thom wieder unentwegt in der Jasta 21 und zu seiner großen Freude erhielt er am Abend des ersten Tages, an dem er wieder fliegen konnte, am 6. November 1918 den Pour le Mérite. Noch drei Tage darauf, am Tag des Novemberputsches, stürzte Thom wieder ab, zog sich mehrere Frakturen und eine schwere Gehirnerschütterungen zu. Er konnte nicht mehr geheilt werden, da wenige Tage später der Rückzug begann und Thom mit seinen verrenkten und gebrochenen Gliedern den Transport im Lastauto zurück nach Hause antrat. So kam er nach 28 Luftsiege in die Heimat, für die er Anfang 1914 ausgezogen war.

Zwischenkriegszeit

Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Thom der Luftfahrt treu. Nach der Demobilisierung in Chemnitz und der Genesung kämpfte er in den Reihen der Freikorps im Baltikum als Aufklärungsflieger. Er schied Ende April aus dem aktiven Dienst aus. Er fand noch vor 1933 zur NSDAP und zur Allgemeinen SS, 1934 war er dann SS-Führer in Stolp. Er war Gauobmann der NSKOV und wurde 1938, wenn auch erfolglos, für den Reichstag vorgeschlagen.

Luftwaffe

  • 1936 Eintritt in die Luftwaffe als Oberleutnant der Reserve
  • 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkrieges als Hauptmann der Reserve Flugleiter des Fliegerhorstes Graudenz
  • Februar 1940 im Stab des Fliegerhorst-Kommandos Jessau
  • Oktober 1940 Major der Reserve
  • Juli 1943 Führer des Flugplatz-Kommandos Gerdauen
  • 9. Oktober 1943 zum Kommandant des Flugplatz-Kommandos B 21/I in Königsberg-Devau ernannt
  • April 1944 Oberstleutnant der Reserve
  • 1. April 1944 zum Kommandant der Fliegerhorst-Kommandantur A (o)4/I ernannt (entstanden in Prowehren aus dem Flugplatzkommando A 6/I)
  • September 1944 zum Kommandant der Fliegerhorst-Kommandantur E (v) 217/I (entstanden in Prowehren aus der Fliegerhorst-Kommandantur A (o)4/I)
    • seit Sommer 1944 war hier die I. Gruppe/Nachtjagdgeschwader 100 stationiert. Die Fliegerhorst-Kommandantur unterstand dem Luftgau-Kommando I Königsberg, zuletzt unter General der Flieger Albert Vierling. Der Fliegerhorst in Prowehren war immer wieder Angriffen feindlicher Bomber und Schlachtflieger ausgesetzt. Im Januar 1945 verlegten die Nachtjäger nach Danzig, die Bolschewisten kamen immer näher. Kurz darauf wurde die gesamte Kommandantur aufgelöst, das Personal versetzt. Am 28. Januar 1945 wurde der Ort von der Roten Armee eingenommen, der Endkampf um Königsberg hatte begonnen.

Tod

Fliegerhorst-Kommandant Thom wurde bei den schweren Luftangriffen auf Prowehren durch die Rote Luftwaffe verwundet und konnte noch in das Feldlazarett 2 nach Pillau verbracht werden, wo er jedoch am 3. März 1945 seinen erlittenen schweren Verwundungen erlegen ist. Er ruht auf der Kriegsgräberstätte in Baltijsk, früher Kriegsgräberstätte Nordmole in Pillau in Ostpreußen.

Auszeichnungen (Auszug)

Es ist anzunehmen, wenn auch nicht zu belegen, daß er mindestens die Wiederholungsspangen (1939) zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse (1914) sowie das Kriegsverdienstkreuz (1939) beider Klassen mit Schwertern erhalten hatte, wie dies bei anderen Fliegerhorst-Kommandanten der Fall war.

Literatur

  • Hansgeorg Buchholtz: Der Flieger Thom – Vom Landarbeiter zum Pour-le-mérite-Flieger, Gräfe und Unzer Verlag, Königsberg 1937 (12 Auflagen)

Fußnoten

  1. Karl Thom, The Aerodrome