Müller, Heinrich (1900)

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SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Heinrich Müller; um Verwechslungen mit seinen Namensvettern (→ Heinrich Müller) zu vermeiden, erhielt er den Beinamen „Gestapo-Müller“.

Heinrich Müller (Lebensrune.png 28. April 1900 in München; Todesrune.png mit Wirkung vom 1. Mai 1945 für tot erklärt) war ein deutscher Unteroffizier des Deutschen Heeres und der Vorläufigen Reichswehr (zuletzt Vizefeldwebel), Polizist, Offizier der SS und Chef des Amtes IV (Geheime Staatspolizei) im Reichssicherheitshauptamt (RSHA). Er war zuletzt SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei sowie Inhaber des Ritterkreuzes des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern im Zweiten Weltkrieg.

Leben

Schlachtflugzeug „Hannover CL.IIIa“ der Flieger-Abteilung (A) 287 b, 1918
Eintritt in die NSDAP (NSDAP-Nr.: 1.975.805); die meisten Quellen geben an, Müller wurde erst am 30.5.1939 Mitglied der Partei (NSDAP-Nr.: 4.583.199), allerdings gibt die Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP das Jahr 1934 an. Es könnte sich zwar um einen anderen Müller handeln, aber auch die Beförderungsdaten zum Sturmführer und Untersturmführer sowie die SS-Nummer stimmen überein.
Heinrich Müller war u. a. Mitglied von Lebensborn
Lebenslauf

Familie

Heinrich Müller wurde in München in einer katholischen Familie geboren. Sein Vater, Alois Müller (1875–1962), war Sanitätsfeldwebel, Gendarmeriebeamter und Verwalter, seine Mutter war Anna, geb. Schreindl (1874–1947). Seine Schwester verstarb kurz nach der Geburt. Verheiratet war Heinrich seit dem 17. Juni 1924 mit Sophie, geb. Dischner (Lebensrune.png 12. Februar 1900 in Pasing; Todesrune.png 3. März 1990 in München) – Tochter des Verlegers Otto Dischner (Otto-Dischner-Weg in Pasing) –, die nach dem Krieg Witwenrente erstritt (ihre Akten sind bis 31. Dezember 2026 gesperrt). Aus der Ehe sind zwei Kinder entsprossen: Sohn Reinhard (Lebensrune.png 4. Januar 1927) und Tochter Elisabeth (Lebensrune.png 30. September 1936).

Flieger und Polizist

Heinrich Müller
Müller auf der Jagd, Foto aus H. Müllers Privatarchiv
Gregory Douglas, Bd. 1/4 über den Chef der Gestapo

Nach der Volkschule in Ingolstadt, Schrobenhausen sowie Krumbach absolvierte Heinrich Müller von 1914 bis 1917 eine Lehre als Flugzeugmonteur bei den Bayerischen Flugzeugwerken in München. 1917 trat er als Kriegsfreiwilliger in das Deutsche Heer ein und kam zur Fliegertruppe. Als Flugzeugführer wurde er mehrfach ausgezeichnet und 1919 als Unteroffizier entlassen. Im selben Jahr wurde Müller bei der Polizeidirektion München als Hilfsassistent eingestellt. Ab 1929 war er dort als Polizeisekretär in der Münchner Politischen Polizei tätig und mit der Bekämpfung kommunistischer Organisationen betraut.

1934 trat Heinrich Müller in die Schutzstaffel (SS) ein und wurde zum Geheimen Staatspolizeiamt nach Berlin versetzt. 1936 wurde er stellvertretender Chef des Amtes „Politische Polizei“ im Hauptamt Sicherheitspolizei und somit Operationschef der Gestapo.

„Als im März 1933 Himmler Polizeipräsident von München wurde, übergab er Heydrich die politische Abteilung. Dieser beging nun einen fundamentalen Fehler bei der Auswahl seiner engsten Mitarbeiter. Er übernahm eine Reihe Polizeifachleute, die sich durch ,willige Ergebenheit und absoluten Gehorsam‘ auszuzeichnen schienen. Allerdings verhielt sich auch in diesen ersten Wochen des Siegesrausches der Nationalsozialismus großzügig und versöhnungsbereit. [...] Der spätere Chef der gesamten Geheimen Staatspolizei, Heinrich Müller, zum Beispiel, war bis 1933 ein ausgesprochener Gegner des Nationalsozialismus. Durch Heydrich erhielt er bald einen hohen SS-Rang, aber die Partei lehnte seine Aufnahme wegen gegnerischer Vergangenheit immer wieder ab. Erst knapp vor dem Kriege gelang es Himmler, mit vieler Mühe, die Parteikanzlei zum Nachgeben zu veranlassen und der Gestapochef konnte endlich auch Mitglied der NSDAP werden. [...] Auf Grund welcher Empfehlungen Heydrich den an sich als Regimegegner belasteten Kriminalisten, der als Katholik bislang der Bayrischen Volkspartei zugehörte, bevorzugte, läßt sich nur vermuten. Angesichts seiner Vergangenheit müssen es jedoch besonders gewichtige Bürgschaften gewesen sein, die Müller in das Vertrauen Heydrichs schoben. [...] Auf jeden Fall ist Müller ,vor 1939 nicht Nationalsozialist gewesen und wurde es auch später trotz seiner formellen Aufnahme in die Partei niemals. Das besagt alles. Denn in Wirklichkeit hat Müller unter vollendeter Tarnung die Gestapo gegen Hitler umgedreht. Durch mißbräuchliche Verwendung dieses Instrumentes gelang es ihm nicht nur entscheidend bei der Auslösung sämtlicher großer Krisen [...] mitzuwirken, sondern überdies durch seine Alltagspraxis dem Nationalsozialismus das Odium des ,Polizeistaates‘ anzulasten [...].“[1]

1939 wurde Müller Geschäftsführer der Reichszentrale für jüdische Auswanderung. Ab Oktober 1939 war er Chef des Amtes IV (Geheime Staatspolizei) des Reichssicherheitshauptamtes im Rang eines SS-Oberführers. Am 7. Oktober 1944 wurde er für das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern vorgeschlagen, sowohl Himmler als auch Kaltenbrunner befürworteten den Vorschlag. Der Führer verlieh dann die hohe Auszeichnung am 10. Oktober 1944 für Müllers Leitung der Sonderkommission „20. Juli 1944“.

Ungereimtheiten der Nachkriegszeit

In einem Bericht des VS-amerikanischen Geheimdienstes vom 4. Juni 1946 heißt es in Absatz 3 bezüglich Heinrich Müller wie folgt:

„Nach Berichten aus der russischen Zone in Berlin soll Müller sich selbst, seine Frau und seine drei Kinder am 27. April 1946 erschossen haben.”

Dieses Datum war mit einem Fragezeichen versehen worden. Ganz offensichtlich handelt es sich dabei um einen Schreibfehler. Das Jahr ist falsch, es handelt sich dabei um Dr. jur. Dr. rer. pol. Heinrich Müller, der am 27. April 1945 Freitod wählte. In einem anderen Bericht des CIC vom 8. Mai 1961 steht unter anderem:

„Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Person entweder getötet, oder sie beging Selbstmord. Sie wurde am Standort-Friedhof, Lilienthalstraße 35, in Berlin Neukölln begraben. Der Leichnam soll später von alliierten Behörden exhumiert worden sein, um eine definitive Identifikation zu ermöglichen.”

Auf der gleichen Seite des CIC-Dossiers über Müller, das in Fort George Meade (Geheimdienstarchiv dort bei der National Security Agency [NSA]) in Maryland gefunden wurde, finden sich Informationen, die insbesondere den angeblichen Tod von Müller betreffen. Als Geburtsdatum werden sowohl der 28. April 1900 als auch der 7. Juni 1896 genannt (wieder eine Namensverwechslung, erneut handelt es sich dabei um Dr. jur. Dr. rer. pol. Heinrich Müller). Als Heimatadresse ist die Prager Straße 10 in Berlin verzeichnet. Der Gestapochef wurde tatsächlich am 28. April 1900 in München geboren. Er wohnte in der Corneliusstraße 22 in Berlin-Lankwitz. Es gab jedoch im RSHA noch einen anderen Mann mit dem Namen Heinrich Müller, der ebenfalls SS-Gruppenführer war. Bei diesem handelte es sich aber um einen Dr. Heinrich Müller. 1933 bekleidete er in Hessen ein hohes Amt innerhalb der NSDAP. Er war mit Dr. Werner Best sehr gut befreundet, ja er hatte ihn sogar zum Polizeichef von Hessen ernannt. Als Best zur SS ging, kam sein Freund Dr. Heinrich Müller mit. Um Verwechslungen zu vermeiden, erhielt Heinrich Müller den Spitznamen „Gestapo-Müller“. Dr. Müller beging kurz vor Kriegsende Selbstmord. Die Sowjets fanden den Leichnam. Aus den Papieren ging hervor, daß es sich um einen SS-General namens Heinrich Müller vom RSHA handelte. Geburtsdatum und Heimatadresse im CIC-Bericht und in den SS-Personalakten des „Berlin Document Center” sind identisch.

Heinrich Müllers Sohn erwähnte in einem Gespräch mit dem Buchautor Gregory Douglas, daß seine Familie von den deutschen Behörden darüber informiert worden war, daß der Leichnam des SS-Generals Heinrich Müller anhand von Papieren identifiziert und die Leiche begraben worden sei. Müllers Sohn erzählte weiter, daß man der Familie gesagt habe, dieser Leichnam sei exhumiert, untersucht und an anderer Stelle erneut begraben worden. Die Familie bekam jedoch die angeblichen Papiere nie zu Gesicht. Sie sind in den vergangenen Jahren auch nicht wieder aufgetaucht. Das angebliche Grab des „Gestapo-Müller” wurde 1963 erneut geöffnet. Man fand darin Skelett-Teile von drei verschiedenen Personen, also nicht den Körper eines Einzelnen.[2]

Angaben zu Müllers Verbleib

In einem Focus-Artikel aus dem Jahre 1995 wird behauptet, daß ein Tscheche namens Rudolf Barak im Jahre 1956 angeblich in sowjetischem Auftrage Heinrich Müller aus Argentinien in die Sowjetunion entführt habe.[3] Diese Version klingt doch recht unglaubwürdig, da die bolschewistische Sowjetunion mitten im Kalten Krieg mit Sicherheit in Triumphgeschrei ausgebrochen wäre. Denkbar ist, daß diese Version von VS-amerikanischer Seite absichtlich als falsche Fährte gelegt wurde.

Die Welt berichtete am 18. Februar 2001 hingegen, der Wahrheit offenbar schon recht nahekommend:

„In einem ungeordneten Karteikasten mit deklassifizierten Geheimunterlagen des Washingtoner Nationalarchivs fand er zwei brisante Karteikarten des amerikanischen Armeegeheimdienstes CIC. Sie belegen, dass sich Gestapo-Müller nach Kriegsende in zwei verschiedenen US-Internierungslagern aufgehalten hat, im thüringischen Ilmenau und in Altenstadt, Oberbayern. Hier ist er, wie die Dokumente enthüllen, vier Wochen lang verhört worden. [...] Gestapo-Müller [...] hat demzufolge offenbar den Krieg überlebt, war in US-Gewahrsam – und stand dennoch nie vor einem Gericht! [...] Hat ihr Geheimdienst CIC damals [...] Müller bewusst vor Strafverfolgung geschützt, um seine Kenntnisse über die Sowjetunion im heraufziehenden Kalten Krieg für die USA zu sichern? [...] ein ungeheurer Vorwurf zeichnet sich ab, der auch durch Insider-Stimmen von Geheimdienst-Veteranen genährt wird. Hat der Armeegeheimdienst CIC ein doppeltes Spiel betrieben? Machten die US-Agenten zum einen für das Nürnberger Tribunal eifrig Jagd auf Kriegsverbrecher – und sorgten hinter den Kulissen stillschweigend dafür, dass ‚wertvolle‘ Männer wie Müller ihren Anklägern vorenthalten blieben? Pflegte die Siegermacht USA damals eine makabre Form von Doppelmoral, die Täter schützen konnte, wenn es nur politisch und strategisch opportun erschien?“[4]

Im Jahre 1967 soll Müller demnach in München zum Geburtstag seines Sohnes anwesend gewesen sein. In einem Beitragsauszug aus dem von Mark Weber herausgegebenen VS-amerikanischen „Journal of Historical Review”, 20 (2) (2001), S. 40 ff., der ebenso in den „Vierteljahresheften für freie Geschichtsforschung“ 6 (3) (2002), Seiten 260–263 dokumentiert ist, steht demzufolge folgender Text:

„Später behauptete ‚Douglas‘, Müller persönlich habe ihm diese außerordentlichen Dokumente gegeben (Spotlight, 6. Jan. 1997). In einem anderen Interview mit dem gleichen Blatt (9. Nov. 1998) behauptete ‚Douglas‘, er habe Müller 1963 getroffen und habe ihn bis zu dessen Tode im Jahr 1983 gut gekannt. Bemerkenswerterweise erwähnt er diese zwanzigjährige Beziehung im ersten Band mit keinem Wort.“

Der Autor Gregory Douglas hatte den ehemaligen Gestapochef 1965 im Rentenalter – inzwischen war dieser zum VS-Brigadegeneral d. R. befördert worden – persönlich in den VSA kennengelernt und von ihm weitere Unterlagen zwecks Veröffentlichung nach seinem Tode erhalten.

Tod 1945 oder 1983?

Heinrich Müller, seit dem 29. April 1945 vermißt (zuletzt im Führerbunker gesehen) und mit Wirkung vom 1. Mai 1945 für tot erklärt, soll vielen Quellen zufolge erst 1983 verstorben sein.[5] Wahrscheinlich ist jedoch eher, daß er am 29. April 1945 oder an einem der folgenden Tage im eingekesselten Berlin fiel. Gerüchte, er sei zu den Sowjets übergelaufen, CIA-Agent der Amerikaner gewesen, habe unter dem Namen „Amin Rashad“ in Albanien oder unter anderen Namen in Südamerika gelebt, ließen sich nicht erhärten, wenn auch viele Indizien dafür sprechen.

Beförderungen

  • 11.6.1917 Kriegsfreiwilliger der Bayerischen Armee
    • er kam zur Königlich-Bayerischen Fliegertruppe als Teil der Luftstreitkräfte im Deutschen Kaiserreich
    • Ausbildung in Augsburg, München und Neustadt
    • Flugzeugführer (Kriegsflieger) im Dezember 1917
    • im April 1918 als Schlachtflieger (Mehrzweck-Kampfzweisitzer) zur Flieger-Abteilung (A) 287 b an die Westfront
      • Die FA (A) 287 b wurde am 28.11.1916 aus der Artillerie-Fliegerabteilung 102 b aufgestellt und bestand bis Kriegsende. Führer der Abteilung war Oberleutnant Theodor Triendl, die Einheit war bayrisch (b).
  • 28.5.1918 Gefreiter
  • 13.6.1918 Unteroffizier
  • 13.6.1919 Vizefeldwebel bei der Königlich Bayerischen Inspektion des Militär-Luftfahrt-Wesens in München
  • 1.12.1919 Hilfsassistent bei der Polizeidirektion München
  • 1.7.1921 Kanzleigehilfe
  • 1.8.1922 Kanzleiassistent
  • 1.4.1923 Polizeiassistent
  • 1.7.1929 Polizeisekretär
  • 1.5.1933 Polizeiobersekretär
  • 16.11.1933 Kriminalinspektor
  • 20.4.1934 SS-Mann
    • Eintritt in die SS (SS-Nr.: 107.043)
  • 23.4.1934 SS-Sturmführer (mit Wirkung vom 20.4.1934)
  • 6.7.1934 SS-Obersturmführer (mit Wirkung vom 4.7.1934)
  • 1.11.1934 Kriminaloberinspektor
  • 21.3.1935 SS-Hauptsturmführer (mit Wirkung vom 30.1.1935)
  • 23.4.1936 SS-Sturmbannführer (mit Wirkung vom 20.4.1936)
  • 9.11.1936 SS-Obersturmbannführer
  • 30.1.1937 SS-Standartenführer
  • 3.6.1937 Oberregierungs- und Kriminalrat
  • 20.4.1939 SS-Oberführer
  • 22.6.1939 Reichskriminaldirektor
  • 14.12.1940 SS-Brigadeführer
  • 16.12.1940 Generalmajor der Polizei (mit Wirkung vom 14.12.1940 und Rangdienstalter vom 1.1.1941)
  • 9.11.1941 SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei

Auszeichnungen (Auszug)

Drittes Reich

Sehr strittig

Literatur

  • Gregory Douglas: Geheimakte Gestapo-Müller – Dokumente und Zeugnisse aus den US-Geheimarchiven, Druffel-Verlag, Berg am Starnberger See 1995, ISBN 3-8061-1104-9
  • Journal of Historical Review, 20 (2) (2001), S. 40 ff.; Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6 (3) (2002), S. 260–263. Insbesondere Germar Rudolfs Beitrag: Auf der Suche nach Wahrheit
  • National Archives, Ineragency Working Group: Analysis of the Name File of Heinrich Mueller

Verweise

Achtung 2.png Bitte beachten Sie zu den aufgeführten Verweisen auch diesen Warnhinweis!


Fußnoten