Misandrie

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Misandrie (altgr. μισανδρεία misandreiaHaß auf Männer“, aus μισεῖν misein „hassen“ und ἀνήρ anēr (Mann), Genitiv: ἀνδρός andros) ist eine extrem feindselige Haltung gegenüber Männern allein aufgrund ihres Geschlechts. Sie wird als eine Form von Sexismus betrachtet. Misandrie ist nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern selbst anzutreffen. Der Gegenbegriff ist die Misogynie (Haß auf Frauen), während der Haß auf beide Geschlechter gleichermaßen, d. h. auf die Menschheit an sich, als Misanthropie bezeichnet wird.

Erscheinungsformen

Misandrie erscheint in verschiedenen Formen. In der auffälligsten hassen Misandristen offen alle Männer und verletzen sie verbal, manchmal auch tätlich, nur aufgrund ihrer männlichen Merkmale, Gesten oder Handlungsmuster. In Kultur, Gesellschaft, Politik und Medien wie Büchern, Zeitschriften, Film, Fernsehen, Bühnenstücken usw. ist Misandrie dagegen oftmals nur in subtilen Formen anzutreffen: Männer werden als Bedrohung oder Hindernis wahrgenommen oder auch als Tölpel karikiert, soweit sie sich nicht dieser ständigen „Herrschaft des Verdachts“ (Hegel) fügen. In Spielfilmen, Krimiserien usw. gehört es seit ungefähr 1980 zum zunehmend üblich gewordenen Ritual, die weiblichen Rollen als solche von makellosen Heldinnen und die männlichen Pendants als geistig und moralisch minderwertig zu inszenieren. Ähnliches gilt für Talkshows und Gerichtssendungen. Zudem ist in den 1990er Jahren ein offener und latenter Männerhaß mit Buchtiteln wie „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ und Liedern wie „Männer sind Schweine“ (Die Ärzte), welche die Herabsetzung verbreiten und dieses Thema in ihrem Lied angeblich ironisieren, in die Massenkultur eingegangen.

Eine aus seiner Sicht zunehmend verbreitete Männerfeindlichkeit dokumentierte der libertäre Medienwissenschaftler Arne Hoffmann mit einem Buch, das bereits im Titel die Frage aufwirft, ob Frauen die besseren Menschen seien. Männerfeindliche Äußerungen, Männerfeindschaft in politischen Definitionen und ähnliches wurden darin auf fast 600 Seiten zusammengetragen und analysiert. Eine ähnliche Analyse gibt es in dem Buch „Heterophobia“ der VS-amerikanischen Professorin für Frauenstudien Daphne Patai. Ausführliche Belege für Männerhaß und -feindschaft als nach seiner Ansicht „Kern des Feminismus“ bringt Bernhard Lassahns Buch „Der Krieg gegen den Mann“, das 2013 erschien.[1]

Die Journalistinnen Angela und Juliana von Gatterburg problematisieren in ihrem Buch „Liebe Drama Wahnsinn – Wie Frauen endlich glücklich werden“ (Goldmann Verlag, 2005) einen männerabwertenden Biologismus in der populären Sachbuchliteratur:

„Liest man die verschiedenen modernen Theorien über Männer, wundert man sich, dass sie nicht regelmäßig gemeinsam in die Wälder verschwinden, um dort wie eine Horde Wildschweine zu jagen, im Erdreich zu buddeln und zu grunzen. Warum einige Männer aus der Art schlagen und keineswegs damit beschäftigt sind, ihren Samen immerzu an die Frau zu bringen, sondern lieber Autos bauen, dem Nobelpreis entgegenforschen und wunderbare Romane schreiben, erklären uns die Anthropologen leider nicht.“

Frauen hingegen würden als das „von Natur aus friedliche, freundliche, sozial überlegene Geschlecht“ beschrieben. Bei einer weltweiten Studie sollten den beiden Geschlechtern positive und negative Eigenschaften zugeordnet werden. Das Ergebnis war, daß Frauen kulturübergreifend als die „besseren Menschen“ galten, liebevoll, freundlich und gut, während Männer eher mit Negativem in Verbindung gebracht wurden. Schließlich erschienen sie ja auch in der populären Darstellung als „soziale und sexuelle Idioten, die man einer gründlichen Dressur unterziehen muß“.

Während dieser Volksglaube nicht mit tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen in Deckung zu bringen sei (hier führen die Gatterburgs verschiedene Studien an), beeinträchtige dies das männerfeindliche Weltbild vieler Frauen und Männer keineswegs: „Das Beharren darüber, wie Männer so sind, kippte irgendwann ins bornierte Vorurteil und offenbarte eine erstaunliche Intoleranz.“ befinden die Autorinnen. Sie beklagen „Frauen […], die sich für Superfrauen halten und in ständiger Empörungsbereitschaft sind, wenn es um Fehler der Männer geht.“ Diplompsychologen des Kölner Marktforschungsinstituts Rheingold zufolge verursacht diese enorme Erwartungshaltung des weiblichen Geschlechts aktuell eine handfeste Krise für Männer. Während diese „politisch korrekt auf die Bedürfnisse der Frauen eingehen müßten“, kämen ihnen die Frauen dabei nicht etwa hilfreich entgegen, sondern meldeten zurück, daß, egal wie die Männer sich verhielten, es immer „falsch“ war.

In den betroffenen Ländern, allen voran im englischen Sprachraum, mache sich zunehmende Kritik sowohl an Misandrie wie Feminismus bemerkbar. Im romanischen Sprachraum (Italien, Frankreich, Spanien) hat die Misandrie bisher kaum Fuß fassen können. In den östlichen Staaten (Rußland, Ukraine, Polen, Ungarn usw.), in (ehemals) sozialistischen Staaten (Kuba, Nordkorea, China) und allgemein in den ärmeren Ländern Asiens, Afrikas, Mittel- und Südamerikas spiele die Misandrie eine ebenso geringe Rolle wie Feminismus.

Der Militärhistoriker Martin van Creveld („Das bevorzugte Geschlecht“), der die seiner Ansicht nach bevorzugte Position von Frauen in der Gesellschaft historisch untersucht hat, mutmaßt, daß der Grund für die unterschiedlichen Situationen in der Entwicklung bzw. dem Vorhandensein eines „Frauenüberschusses“ und vor allem des allgemeinen Wohlstands in den einzelnen Ländern liegen könnte.

Einzelbeispiele aus der Literatur

Explizite Äußerungen der Misandrie können zeitgeschichtlich mindestens bis an den Beginn des letzten Jahrhunderts zurückverfolgt werden. So vertrat Helene von Druskowitz, eine Doktorin der Philosophie an der Universität Zürich in einer 1905 erschienen Schrift die Auffassung, daß „in der Niederkritisierung des Mannes […] die einzig wahre Weltbeleuchtung“ gipfele. Druskowitz erblickte in dem „groben, verlogenen, häßlichen“ Mann eine Art „Zwischenglied zwischen Mensch und Tier“. Ihre Schrift, die sich als Antwort auf die Arbeit des Wissenschaftlers Paul Julius Möbius „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ verstand, wurde 1988 unter dem Titel „Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt“ neu aufgelegt.

In den 1970er Jahren publizierte der Verleger Maurice Girodias Valerie Solanas’ „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“ (ursprüngliche Auflage 200 Stück, später mehrfach neu aufgelegt). Auf gut 50 Seiten gab sie darin den Männern die Schuld an allen Übeln der Welt und rief zum „totalen Krieg gegen die Männer und ihre Kollaborateurinnen“ auf. Die Vernichtung der Männer bezeichnete sie als die einzige Möglichkeit, eine menschliche Gesellschaft aufzubauen. Das Buch wurde im Jahre 1996 neu aufgelegt, trotz des Verdachts der Volksverhetzung seitens einiger Männerrechtsgruppen.

Umstritten ist die 2005 verstorbene VS-amerikanische Feministin Andrea Dworkin. Kritiker bemängeln bei ihr Äußerungen wie „Terror strahlt aus vom Mann, Terror erleuchtet sein Wesen, Terror ist sein Lebenszweck“ (aus ihrer Streitschrift „Pornographie. Männer beherrschen Frauen“) oder ihre Darstellung von Sexualität, Gewalt und Tod als „erotische Dreifaltigkeit des Mannes“. Dworkin zufolge seien Männer „von ihrer Biologie her aggressiv, von Natur aus kämpferisch, immer und ewig antagonistisch, genetisch grausam, hormonell konfliktfreudig, unverrückbar feindselig und kriegerisch“, weshalb sie fordert: „Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins.“ In einem Nachruf im Boston Globe vom 18. April 2005 auf die kurz zuvor verstorbene Dworkin skizziert die Publizistin Cathy Young (Autorin von „Ceasefire! Why Women And Men Must Join Forces To Achieve True Equality“) Dworkin als „eine Predigerin des Hasses“ und führt viele vergleichbare Zitate an. Dworkin argumentierte, daß jede Art sexuellen Eindringens in eine Frau eine Form von Vergewaltigung darstelle, selbst wenn diese von der „besetzten Person“ genossen werde, und daß Kaiserschnitte bei Geburten aufgrund des sexuellen Sadismus der Ärzte erfolgten. Dworkins Schriften wurden in den VSA unter anderem von Gloria Steinem und Catharine MacKinnon, in der BRD von Alice Schwarzer propagiert.

Die Feministin Catharine MacKinnon ist ebenfalls für sehr scharfe Äußerungen bekannt. So hielt sie im April 2005 eine Vorlesung an der Universität Stanford, in der sie den „Krieg der Männer gegen die Frauen“ mit den terroristischen Massenmorden des 11. September gleichsetzte. So wie die Terrorattacken seien die „Angriffe der Männer gegen Frauen“ (etwa Massenvergewaltigung und Pornographie) sorgfältig geplant, gegen Zivilisten gerichtet und so ideologiegetrieben wie der islamische Fundamentalismus. MacKinnon führte aus:

„Die Hauptbegründung für den Krieg im Irak war die Vorsorge gegen Bedrohungen durch Saddam Husseins Regime – weil wir Angst vor dir haben, können wir dich töten. Stellt euch vor, wie es wäre, wenn Frauen eines Tages dasselbe mit Männern täten.“

Dworkin und MacKinnon stehen mit dem Anstacheln von Haß gegen Männer in Verbindung mit Aufrufen zu (vorbeugender) Gegenwehr nicht allein. Beispielsweise formulierte die VN-Sonderbotschafterin Waris Dirie, die selbst angeblich durch traditionelle Beschneidung in Form der Infibulation verstümmelt wurde, in ihrer Lebensgeschichte, dem Erfolgsbuch „Wüstenblume“:

„Vielleicht sollten die Frauen den Männern die Eier abschneiden, damit auf der Erde wieder ein Paradies entstehen kann. Die Männer würden ruhiger werden und sensibler mit ihrer Umwelt umgehen. Ohne diesen ständigen Ausstoß von Testosteron gäbe es keinen Krieg, kein Töten, kein Rauben, keine Vergewaltigungen.“

Und Alice Schwarzer bekundete in dem EMMA-Beitrag „Beyond Bitch“ (1994/2), nachdem Lorena Bobbit ihrem schlafenden Mann, der sie jahrelang mißhandelt und vergewaltigt haben soll, den Penis abgetrennt hatte:

„Sie hat ihren Mann entwaffnet. […] Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. […] Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muß ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich.“

In der BRD bis jetzt weitgehend unbekannt geblieben ist die lesbische VS-amerikanische Feministin Sally Miller Gearhart. In ihrem 1982 veröffentlichten Essay „The Future – if there is one – is Female“ stellte die Professorin und Pionierin der Gender Studies folgende (ernstgemeinte) Forderungen auf:

„Jede Kultur muß jetzt Schritte unternehmen, damit die Zukunft weiblich wird. Die Verantwortung für den Fortbestand der menschlichen Gattung muß in allen Kulturen wieder in die Hände der Frauen gelegt werden. Der Anteil der Männer muß auf etwa 10 % der menschlichen Rasse reduziert und festgeschrieben werden.“

In ihren Romanen „The Kanshou“ (2002) und „The Magister“ (2003) ist diese Forderung bereits verwirklicht und überboten: Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen beträgt jetzt 1:12 – womit das Problem männlicher Gewalt, welche die Menschheit auszulöschen droht, allerdings immer noch nicht gelöst ist. Als Lösung werden chirurgische Eingriffe in das sogenannte „Gewaltzentrum des Mannes“, welches in seinem Gehirn lokalisiert ist, diskutiert.

Alltägliche Mißachtung gegenüber Männern

  • In den Medien werden weibliche Personen, sofern vor der Nennung ihres Namens nicht eine Funktionsbezeichnung erwähnt wird, zumeist als Frau tituliert, bei Männern unterbleibt der „Herr“ immer: „Frau von der Leyen sagte […], Seehofer meinte […].“
  • Wird von einer geschehenen Straftat berichtet, deren Täterschaft noch unklar ist, wird davon gesprochen, daß von „dem Täter / den Tätern“[2] jede Spur fehle. Es wird nie die weibliche Form benutzt.
  • Bei christlichen und kirchlichen Veranstaltungen wird zur Anrede von Personen der Glaubensgruppe die naheliegende Formulierung „Liebe Geschwister!“ vermieden, statt dessen werden immer zuerst die Frauen angeredet, danach die Männer: „Liebe Schwestern und Brüder!“
  • Es gibt in den etablierten Medien keine Berichte oder Dokumentationen über häusliche Gewalt von Frauen gegenüber Männern, nur umgekehrt und inflationär.
  • Es gibt so gut wie keine Meldungen über „sexistische“ Provokationen und Übergriffe von Frauen gegenüber Männern, nur – und häufig – umgekehrt.
  • In Schulen werden Jungen massiv benachteiligt – sie kriegen in allen Fächern bei gleicher Kompetenz schlechtere Noten als ihre Mitschülerinnen und werden bei gleichen Noten seltener auf das Gymnasium verwiesen – und machen deshalb seltener einen Schulabschluß oder gar Abitur als Mädchen.[3]

Wissenschaftliche Erforschung

Anders als zum Thema Misogynie gibt es zur Misandrie noch kaum explorative Studien. Bisher gibt es eine Studie von Paul Nathanson und Katherine K. Young („Spreading Misandry: Teaching Contempt for Men in Popular Culture“, 2001), die sich explizit mit dem Thema auseinandersetzt. Den Autoren wird von dem Feminismus nahestehenden Soziologen vorgeworfen, aufgrund ihrer betont antifeministischen Grundhaltung wesentliche Erkenntnisse der „Genderforschung“ ignoriert zu haben. Andere Studien wie Judith Levines „My Enemy, My Love. Men-Hating and Ambivalence in Women’s Lives“ (Doubleday 1992) befassen sich mit Männerhaß bei Frauen. Levine wiederum wird von den Rezensenten dafür kritisiert, daß sie diesen Männerhaß teilweise als verständliche Reaktion auf Mißhandlungen durch Männer rechtfertige.

Die Existenz von Misandrie als gesellschaftliches Phänomen als Äquivalent zur „Misogynie“ ist wissenschaftlich umstritten, da man strukturelle Misogynie in der Gesellschaft auf der Grundlage patriarchaler Strukturen betrachtet hat. Inwieweit diese auch zu einer strukturellen Misandrie führen, ist noch nicht erforscht. Die Autoren, die Misandrie als kollektives Problem in der Gesellschaft betrachten, sehen vor allem den Feminismus als Ursache. So wird er hier als „kollektives kulturelles Phänomen“ (Levine) bezeichnet, das die Kulturen so selbstverständlich und erfolgreich durchdringt, daß viele sie kaum wahrnehmen, verdrängen oder jedenfalls nicht kritisch reflektieren (Nathanson/Young).

Levine kommt auf der Grundlage von 80 Befragungen zu dem Ergebnis, daß Männerfeindlichkeit keine individuelle Neurose darstelle, sondern ein „kollektives kulturelles Phänomen“ sei. Fast alle Frauen hätten ein ambivalentes Verhältnis zu Männern. Männern würden von fast allen Frauen abwertende Stereotype zugeschrieben; so würden sie unter anderem als kindisch, Nichtskönner, Ausbeuter oder Betrüger dargestellt. Levine arbeitete als Ursache solcher Einstellungen die Beziehungen der Frauen zu ihren Vätern sowie zur feministischen Bewegung ab den sechziger Jahren heraus. Zu einem analogen Ergebnis gelangt fast zeitgleich, aber unabhängig von Levine 1991 Marion Rave in ihrer Analyse „Befreiungsstrategien. Der Mann als Feindbild in der feministischen Literatur“.

Nathanson und Young untersuchen in ihrer Studie, inwiefern Männerhaß ein Kernkonstituens zeitgenössischer Kultur darstellt. Danach sei unsere Gesellschaft von dem Gedanken beherrscht, wirkliche oder vermeintliche Frauenfeindlichkeit auszumerzen, wohingegen fast keinerlei Gespür dafür bestehe, daß etwas wie Männerfeindlichkeit überhaupt existiere. Tatsächlich zeige sich Männerfeindlichkeit aber sehr massiv und in durchgehenden Mustern. Misandrie durchdringe unsere Kultur derart, daß die meisten sie kaum wahrnähmen. Das gelte auch für viele Männer. Insgesamt sei unsere Gesellschaft durch ein gleichermaßen gynozentrisches (frauenzentriertes) wie männerfeindliches Weltbild geprägt. Gerade die Männerfeindlichkeit in bestimmten Medienprodukten, die beim besten Willen nicht mehr zu übersehen sei, werde von den Verantwortlichen entweder heruntergespielt oder gar gerechtfertigt: Männer seien nun einmal so, und das müsse man auch entsprechend darstellen. Dadurch werde aber Haß geschürt.

  • Nathanson und Young vergleichen diese Haltung mit der Judenfeindlichkeit des Christentums: christliche Führer hätten demnach nie zur Ermordung der Juden aufgerufen, hätten aber ein Klima der Ablehnung geschaffen, das für andere Menschen solche Taten möglich gemacht habe. In vergleichbarer Weise gebe es heute den Autoren zufolge eine kulturelle Elite, die den Haß gegen Männer schüre, und Frauen, die daraufhin tatsächlich zur Gewalt, beispielsweise gegen ihren Partner, griffen. Einige ganz radikale Feministinnen wie Andrea Dworkin forderten tatsächlich Frauen auf, sich an ihren „Unterdrückern“ gewaltsam zu rächen.
  • Nathanson und Young sehen die Hauptursache der diese Männerverachtung lehrenden allgemeinen Kultur („Teaching Contempt for Men“) im Feminismus. Sie ziehen insoweit auch Parallelen zum Marxismus. Der Feminismus habe lediglich das Feindbild ausgetauscht: Statt der „Bourgeoisie“ müsse jetzt das „Patriarchat“ umgestürzt und eine neue Utopie errichtet werden. Bis es soweit ist, dürften sich Arbeiter bzw. Frauen immerhin moralisch überlegen fühlen.
  • Auch die Verteufelung der Sexualität spielt nach Nathanson und Young eine Rolle, nur daß sie jetzt nicht mehr wie im Christentum für „Sünde“, sondern für männliche Verdorbenheit stehe. Immer neue Orte würden gefordert und durchgesetzt, wo Frauen vor diesen männlichen Minderwesen „geschützt“ seien. Es fehle die Anerkennung, daß Männer vollwertige Mitmenschen sind, die individuell oder kollektiv ebenfalls verletzt werden können.
  • Eine weitere Wurzel der Misandrie sehen die Forscher im Weltbild der nationalistischen Romantik, die schon vor weit über 100 Jahren eine Gruppe der anderen als von Geburt an moralisch, spirituell, intellektuell oder biologisch überlegen präsentierte. Längst als überwunden angesehener Essentialismus und Dualismus kehrten heute auf diese Weise zurück. Schon im 19. Jahrhundert habe ein Geschlechterbild kursiert, in dem Frauen moralischer, sorgender, hegender, erdverbundener, gutmütiger und lebensbejahender erschienen als Männer. Im 21. Jahrhundert würden Frauen zusätzlich als umweltbewußter, ganzhirniger, „emotional intelligenter“ und in vielerlei anderer Hinsicht überlegen dargestellt.

Nach Nathanson und Young geben die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse Grund zur Sorge. So sei nicht zu vernachlässigen, daß der männliche Teil der Bevölkerung durch Misandrie geschürte Vorurteile unter Umständen übernehmen könnte. Männer könnten das Bild, sie seien beispielsweise emotionskalt und gewalttätig, verinnerlichen, und somit tatsächlich derartige Persönlichkeitsmerkmale annehmen.

Die Autoren konstatieren, daß das Problem bei vielen Frauen gerade aus dem feministisch geprägten Spektrum sei, daß sie von Männern Liebe einforderten, aber selbst nur Haß und Verachtung zu geben hätten. Das Empfangen und Geben von Liebe bedingten einander jedoch. Im Augenblick züchte unsere männerfeindliche Gesellschaft genau jenes klischeehafte Feindbild, das sie so gern beklage.

Wie die Schweizer Wochenzeitung am 17. Februar 2002 berichtete, beschäftigen sich die Sozialarbeiterin Sarah Meinrad und die Psychologin Meike Baumann in einer der Misandrie gewidmeten Studie mit der abschätzigen Reduktion von Männern auf ihre Körper, ihre „Diskriminierung“ (gemeint sein soll nicht Unterscheidung, sondern Benachteiligung) am Arbeitsplatz, Mobbing, von Frauen ausgehender Gewalt oder sexuellen Anzüglichkeiten am Telefon. Zahlen über die Häufigkeit weiblicher Misandrie gebe es noch nicht.

Anhand des großen Interesses in der Öffentlichkeit ließe sich feststellen, wie groß der Forschungsbedarf zu diesem Thema noch sei. In einem von den Forscherinnen geschalteten Weltnetz-Diskussionsforum fanden sich Äußerungen wie „Männer sind nichts als Probleme, Schweine, verkrüppelte Chromosomen, danebengegangene Abtreibungen, Parasiten, die wir zu Leichen oder Wirtstieren machen müssen.“

Wiedemann betont, daß Sexistinnen keineswegs zwangsläufig Feministinnen oder „Opfer eines Männerregimes“ seien, sondern eher einem aktuellen Trend entsprächen, „den Mann“ für gewerbliche Zwecke als Trottel zu stilisieren – so etwa in der Reklame für eine Salbe, die gestaltet wird, indem eine nette Frau einen netten Mann in seine empfindlichen Bereiche schlägt. Meinrad und Baumann bekunden auf ihrer Netzseite:

„Häufig handelt es sich bei den Täterinnen gerade nicht um Verliererinnen oder Opfer des Patriarchats. Als Motive für ihre Handlungsweise betrachten sie vielmehr einfach ‚Spaß‘ oder eine mit Konkurrenzlust verbundene hohe Aggressionsbereitschaft. Dieser Sexismus von Frauen gegen Männer wird von der breiteren Öffentlichkeit völlig ignoriert.“

Misandrie aus feministischer Sicht

Männerverachtung wird von Feministinnen als individuelles oder Gruppenphänomen betrachtet, aber als strukturelles gesellschaftliches Phänomen analog zur vermeintlich strukturellen Misogynie verneint. Eine Ausnahme bildet der von Wendy McElroy begründete libertäre „Individualfeminismus“. Dieser sieht Misogynie und Misandrie als gleichwertige Phänomene und wendet sich unter Berufung auf Gleichberechtigung und Menschenrechte mit derselben Entschiedenheit gegen beide.

Den oft geäußerten Vorwürfen, männerfeindlich zu sein und männerfeindliche Forderungen zu stellen, haben feministische Autorinnen bereits im 19. Jahrhundert widersprochen.

Einige feministische Autoren, so beispielsweise bei einem arte-Themenabend „Maskulismus“, rufen Männerverachtung als Klischee aus, das der Lobbyarbeit extremistischer Teile der Männerbewegung diene, die sich zum Teil als Männerrechtler, Maskulisten oder auch Maskulinisten bezeichneten.

Misandrie aus feminismuskritischer und aus antifeministischer Sicht

Die Autorin Doris Lessing kritisierte im August 2001 in der britischen Zeitung „Guardian“ eine denkfaule und heimtückische Kultur, die sich im Feminismus breitgemacht habe und darauf hinauslaufe, auf Männer einzudreschen:

„Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, daß sie kaum noch wahrgenommen wird. Es ist Zeit, daß wir uns fragen, wer eigentlich diese Frauen sind, die ständig die Männer abwerten. Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren, und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, daß sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun.“

Maskulisten und Antifeministen sehen Misandrie als Konstante in den meisten Kulturen der Menschen, im Wirken des heutigen Feminismus allerdings die am deutlichsten ausgeprägten Formen bewußt gepflegter und politisch instrumentalisierter Männerverachtung. Heute werde eine „Diskriminierung“ (gemeint sein soll nicht Unterscheidung, sondern Benachteiligung) von Männern durch deren offene Herabsetzung in intellektueller und moralischer Hinsicht angestrebt.

Zur Zeit Simone de Beauvoirs habe sich der Feminismus die Männer noch quasi zum Vorbild genommen und das Ziel verfolgt, mit ihnen auf möglichst allen – auch wissenschaftlichen, philosophischen, kulturellen und technischen – Gebieten mit dem Ziele gleichzuziehen, die in Jahrhunderten errungenen Erkenntnisse und in ihrer Bedeutung ausdrücklich anerkannten Werte der europäischen Kultur und Zivilisation im Sinne eines kooperativen Modells auf der Grundlage der Gleichberechtigung gemeinschaftlich zu pflegen. Heute überwiege die konfrontative Tendenz: Für „männlich“ gehaltene Tugenden und Fähigkeiten wie Objektivität, Rationalität, Wissenschaft und Logik werden als „patriarchale Konstrukte“ verworfen und durch eine vermeintlich „überlegene“, vermeintlich „weibliche“ Sicht der Dinge ersetzt (Subjektivität, emotionale Intelligenz, „Feministische Wissenschaft“).

Feminismus und feministische „Wissenschaft“ zeichneten heute ein sorgsam gepflegtes Bild von einem bloß libidogesteuerten, gewalttätigen Mann, während Frauen grundsätzlich als die besseren Menschen gälten. Beispiel der pauschalen Dämonisierung der anderen Bevölkerungshälfte sei eine faktenwidrige Herabwürdigung „der Männer“ als potentielle Vergewaltiger, Kindesvergewaltiger, Schläger ihrer Ehefrauen, Kriegstreiber oder ähnliches.

Antifeministen sehen Misandrie von jeher in der westlichen Kultur verankert. Phrasen wie „Frauen und Kinder zuerst!“ umschrieben bereits, daß männliches Leben als weniger schützenswert gelte als weibliches Leben, was sich auch in der Tatsache äußere, daß weltweit überwiegend Männer in den Krieg ziehen müssen. Männern werde die Fähigkeit zur offenen und aufrichtigen Emotionalität abgesprochen – für einen Mann gezieme es sich bis heute nicht, in der Öffentlichkeit zu weinen. Misandrie wird ganzen Kulturen zugeschrieben, wenn diese Gesellschaften Männer abwerten oder „diskriminieren“ (gemeint sein soll nicht unterscheiden, sondern benachteiligen).

Aus antifeministischer Sicht schürten die führenden Feministinnen der 1970er und 1980er Jahre wie Germaine Greer oder Andrea Dworkin Männerfeindlichkeit. Männerfeindliche feministische Schriften würden verharmlost.

Im Jahr 2003 legte die französische Philosophin Élisabeth Badinter eine Analyse der feministischen Bewegung in Frankreich vor („Fausse Route“, dt. „Die Wiederentdeckung der Gleichheit. Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer“, Ullstein 2004). Badinter kommt zu dem Schluß, daß, während für Frauen die Gleichheit inzwischen errungen sei, ein radikaler Feminismus die Frauen zum Opfer erklärt und das männliche Geschlecht unter Generalanklage gestellt habe. Dabei würde beispielsweise die Definition männlicher Gewalt so sehr manipulativ erweitert, bis man epidemische Ausmaße suggerieren könne und die Frauen im Kontrast dazu als die besseren Menschen, das Gute schlechthin, erschienen. Die Täterschaft des weiblichen Geschlechts werde dabei unter den Teppich gekehrt. Zugleich konstatiert Badinter einen weiblichen Machtmißbrauch, etwa wenn Frauen sich des Spermas von Männern bedienten, die gar kein Kind haben wollten. Badinter zählt damit neben Camille Paglia, Astrid von Friesen und Wendy McElroy und anderen zu jenen Autorinnen, die den Ansichten vieler Maskulisten nahestehen.

Siehe auch

Literatur

  • Bernhard Lassahn: Frau ohne Welt: Trilogie zur Rettung der Liebe. Teil 1: Der Krieg gegen den Mann. Manuscriptum-Verlag, 2013, ISBN 978-3937801803
  • Paul Nathanson / Katherine K. Young:
    • Spreading Misandry: Teaching Contempt for Men in Popular Culture. McGill-Queen’s University Press 2001
    • Legalizing Misandry: From Public Shame to Systemic Discrimination Against Men. McGill-Queen’s University Press 2006, ISBN 0773528628
  • Judith Levine: My Enemy, My Love. Men-Hating and Ambivalence in Women’s Lives. Doubleday 1992
  • Warren Farrell:
    • Mythos Männermacht. Zweitausendeins, 1995, ISBN 3861501082 (im Originaltitel: The Myth of Male Power. Why Men are The Disposable Sex)
    • Women Can’t Hear What Men Don’t Say. Destroying Myths, Creating Love. Jeremy P. Tarcher 2000
  • Marion Rave: Befreiungsstrategien. Der Mann als Feindbild in der feministischen Literatur. Kleine 1991
  • Karin Jäckel: Der gebrauchte Mann, abgeliebt und abgezockt. 280 Seiten – Dtv, 2000, ISBN 3423362006
  • Paul-Hermann Gruner: Frauen und Kinder zuerst. Denkblockade Feminismus. Rowohlt Tb., 2000, ISBN 3499609460
  • R. Howard Bloch / Frances Ferguson (Hg.): Misogyny, Misandry, and Misanthropy. University of California Press, 1989
  • Richard T. Hise: The War Against Men. Why Women are Winning and What Men Must Do if America is to Survive. Elderberry Press, 2004, ISBN 1930859619
  • Jay Carter: Nasty Women. How to Stop Being Hurt by Them Without Stooping to Their Level. McGraw-Hill, 2003, ISBN 0071410236
  • Thomas P. James: Domestic Violence: The 12 Things You Aren’t Supposed to Know, Aventine Press, 2003, ISBN 1593301227
  • Lionel Tiger: The Decline of Males: The First Look at an Unexpected New World for Men and Women, Golden Guides from St. Martin’s Press, 2000, ISBN 0312263112
  • Astrid von Friesen: Schuld sind immer die anderen! Die Nachwehen des Feminismus. Frustierte Frauen und schweigende Männer, Verlag Ellert & Richter, 2006, ISBN 3831902569
  • Martin van Creveld: Das bevorzugte Geschlecht. Gerling Akademie Verlag, 2003, ISBN 3932425529

Verweis

Fußnoten

  1. Bernhard Lassahn: Frau ohne Welt: Trilogie zur Rettung der Liebe. Teil 1: Der Krieg gegen den Mann. Manuscriptum-Verlag, 2013, ISBN 978-3937801803
  2. Grammatisch-sprachlich richtig – den feministisch durchsetzten Medien geht es jedoch nicht um Grammatik.
  3. Geschlechter-Studie: Schulen benachteiligen Jungen massivDer Spiegel, 12. März 2009