Schweitzer, Hans Herbert

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Kurt Daluege (links) und Hans Schweitzer

Hans Herbert Schweitzer (Lebensrune.png 25. Juli 1901 in Berlin; Todesrune.png 15. September 1980 in Landstuhl) war unter dem Pseudonym Mjölnir bzw. Mjoelnir zeichnerisch für die Zeitung „Der Angriff“ tätig, die er mitgegründet hatte. Professor Schweitzer war auch Mitherausgeber des „Buch Isidor“. Seit 1935 war er SS-Sturmbannführer im Stabe des Reichsführers, ferner war er Reichskultursenator, Präsident der Reichskammer der bildenden Künste und Reichsbeauftragter für künstlerische Formgebung.

Leben

Hans Herbert Schweitzer (rechts) mit Joseph Goebbels bei der Eröffnung der Olympischen Ausstellung in Berlin (1936)
Von Hans Herbert Schweitzer gestaltete Briefmarke zum Reichsparteitag, Erstaugabetag 1. September 1934
Der Reichsminister Dr. Goebbels bei einen Besuch in Neubabelsberg bei den Film Schwarze Rosen. Von links nach rechts, sitzend: Direktor Corell (UFA), Reichsminister Dr. Goebbels, der Reichsbeauftragte für künstlerische Formgebung Hans Schweitzer (Mjölnir), Vizepräsident der Reichsfilmkammer Hans Weidemann. Dahinter stehend: Direktor Lehmann (UFA), Willy Fritsch. Rechts: Lilian Harvey und Willy Birgel.

Geboren wurde Schweitzer am 25. Juni 1901 im Berliner Osten als Sohn eines Sanitätsoffiziers der Kaiserlichen Marine (Marineoberstabsarzt). Nach dem Besuch der Realschule studierte er von 1918 bis 1923 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Politisiert wurde er laut eigener Aussage durch die revolutionären Umwälzungen der Nachkriegszeit. Am Alexanderplatz habe er beobachten müssen, wie Spartakisten einen Soldaten der Regierungstruppen erschlugen. Unter diesem Eindruck seien seine ersten antibolschewistischen Kampfbilder entstanden. Für die Deutschnationalen fertigte Schweitzer 1924 das berühmte Dolchstoß-Plakat an.

Am 2. Februar 1926 trat er in die Potsdamer Ortsgruppe der NSDAP ein. In Anspielung auf den Hammer des Donnergottes Thor, der jedes Ziel traf und immer in dessen Hand zurückkehrte, legte er sich das der germanischen Mythologie entlehnte Pseudonym Mjölnir zu. In den 1920er Jahren zeichnete Schweitzer im typischen Stil der Arbeiterklasse. Charakteristisch für seine Plakatkunst ist die einfache, mobilisierende Bildsprache und Prägnanz, die sich auf wenige, ständig wiederkehrende Symbole beschränkt.

Längst war aus dem Weltkriegssoldaten der SA-Mann mit kantigen, scharfgeschnittenen Gesichtszügen und schwieligen Fäusten geworden, den Schweitzer trutzig einer Front von Kommunisten, Juden und Sozialdemokraten entgegensetzte. Riesenhaft überragte er seine Gegner und wurde damit gezielt zum Sinnbild der Kampfzeit erhoben. In Arbeitskleidung, teilweise mit freiem Oberkörper, trat Mjölnirs Arbeiterriese als Schreckgespenst des Bürgertums auf, ausgerüstet mit Werkzeugen, die seine kämpferische Haltung unterstrichen. Besonders beliebt war der Hammer, mit dem der an Kraft und Dynamik strotzende Gigant auf die Repräsentanten des Systems einschlug. Ein späteres Motiv zeigt ihn als proletarischen SA-Riesen, der sich von seinen Ketten befreit. Eine Darstellung, wie sie ab 1929 gelegentlich im „Angriff“ zu sehen war.

Das erste Mal war dieses Bild auf Werbeplakaten für den dritten Reichsparteitag aufgetaucht. Durch seine Karikaturen, Plakate und Zeichnungen stieg Schweitzer zum bedeutendsten Plakatgestalter der Nationalsozialisten auf, „Es gibt keinen neben ihm.“ hatte der Völkische Beobachter 1934 geschrieben. Wir lesen weiter in Ein Künstler kämpft fürs Dritte Reich aus dem Jahre 1936:

„Und der Achtzehnjährige wirft den Griffel hin und stellt sich, lang aufgeschossen, schmales Gesicht, ernste, schneidend-schmale Nase, bohrende Augen, breitbeinig, Hände in den Hosentaschen, zwischen die Männer, die einen Korn an der Theke trinken, und erzählt ihnen, daß es keinen Sozialismus geben kann, den ein brillantenbespickter Jude predige, sondern daß Sozialismus die Kampfgemeinschaft der anständigen Kerle sei. Was haben die Männer in den blauen Arbeitsblusen doch oft für prächtige Gesichter! Der Nacken ist rot und das Haar strohblond, und von dem Auge schneidet eine Falte an der Nasenwurzel vorbei, am Mundwinkel vorbei, zum Kinn: Präg dir das ein, Hans Schweitzer! Und wie sind die Hände griffig und klobig, Zupackepranken, die schön aussehen, wenn sie als Faust einen Fahnenstiel umklammern! […] Der Bleistift hackt Gesichtszüge auf das Papier, knapp, nüchtern, nordisch, wie man sie noch nicht sah. Der deutsche Michel ist eine romantische Lüge. Michael ist ein jüdischer Name. Der deutsche Arbeiter soll kein Michel sein. Er steht auf den Barrikaden. Aber hat falsche Front. Kehrt machen, Arbeiter! Willst du dein eigenes Blut vergießen? […] Der deutsche Kämpfer, den Rotmord umgelegt hat, steht visionär wieder auf, Blut sickert unter der Stirnbinde hervor, die Backenknochen zeichnen sich durch die abgehärmten Wangen, die Zähne bersten schier unter zusammengebissenen Kiefern. Die eisenharte Entschlossenheit des Siegerwillens springt von dem Blatt Zeitungspapier in Auge und Hirn des braunen Kampfgenossen.“

Charakteristisch für Schweitzers Werke sind knappe einprägsame Parolen und Appelle wie etwa „Haut sie zusammen!“, „Berlin voran!“ oder „Trotz Verbot nicht tot!“ Zu den häufigsten Gegenständen seiner Bildrhetorik gehörten feiste Bonzen, todbringende Rotarmisten, rauchende Fabrikschornsteine, Gesichter verzweifelter Menschen, mächtige SA-Männer und zerspringende Ketten. Der jüdische Drahtzieher operierte seit 1928 mehr verborgen im Hintergrund denn im Rampenlicht. Von dort aus dirigierte er unsichtbar marxistische Bonzen, den deutschnationalen Herrenclub, die goldenen Demokraten und die kommunistische Bürgerkriegsarmee.

Als Anhänger des sozialrevolutionären Flügels verließ Schweitzer zusammen mit Otto Strasser zwischenzeitlich die NSDAP, konnte aber von Goebbels wieder zur Mitarbeit bewegt werden.[1] Eine Information, die mit Vorsicht zu genießen ist, zumal sich in den Goebbels-Tagebüchern keine Entsprechungen finden lassen. Wesentlich interessanter – und bis heute ungeklärt – ist, was den Graphiker damals veranlaßte, von der Berliner Arbeiterzeitung zum Angriff zu wechseln. Daß Goebbels den jungen Zeichner von der Konkurrentin abwarb, kann als ausgeschlossen gelten, denn seine Zeitung wurde finanziell sozusagen aus der hohlen Hand gestartet. Also muß es wohl aus eigenem Antrieb geschehen sein.

Mit dem Wandel der NSDAP, von einer verschworenen Kampfgemeinschaft zur seriösen Volkspartei, ging Schweitzers Einfluß auf die visuelle Präsentation der Hitler-Bewegung zurück. Seine Arbeiterriesen hatten ihren Kampf zu den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 einstellen müssen. Der von der anstrengenden Fabrikarbeit gekennzeichnete Proletarier wurde durch den in denkmalhafter Pose erstarrten Arbeiter des Plakatkünstlers Felix Albrecht ersetzt. Lediglich eine Fabriksilhouette, über der schon ein riesiges Hakenkreuz prangte, wies auf seine eigentliche Tätigkeit hin. Die Arbeiterschaft als Subjekt des politischen Kampfes war nicht mehr gefragt; im Novemberwahlkampf tauchte nicht einmal mehr der bewußte Riese auf.

1934 gestaltete Schweitzer noch für die Saarabstimmung das Plakat Deutsche Mutter – heim zu Dir!; zudem erschien im Herbst desselben Jahres eine von ihm gestaltete Briefmarke zum Reichsparteitag. In „Prominente ohne Maske“ ist nachzulesen, daß er auch nach 1933 mit seinen Zeichnungen in allen maßgeblichen Blättern präsent war. Der Berliner Arbeiterkünstler wurde Reichskultursenator, Reichsbeauftragter für künstlerische Formgebung sowie Vorsitzender des Bundes Deutscher Maler und Graphiker – zahlreiche Posten und klingende Titel, die vermutlich wenig Verpflichtungen mit sich brachten. Obwohl Schweitzer am 30. Januar 1937 gemeinsam mit Albert Speer von Hitler auf Vorschlag Goebbels' mit einem Professorentitel „geadelt“ worden war, befand er sich doch auf einem Abstellgleis. Das aus der Kampfzeit stammende Pseudonym Mjölnir und seine ideologische Nähe zur proletarischen SA paßten nicht mehr in die neue Zeit. Nur sporadisch veröffentlichten NS-Zeitungen Karikaturen von ihm. Vereinzelt entwarf er Plakate für die Polizei und die SS, in der er Oberführer und Ehrenmitglied war. Gefragt waren von nun an Künstler wie Leni Riefenstahl oder Arno Breker.

Zweiter Weltkrieg

Erst mit Kriegsbeginn paßte Schweitzers dynamisch-agressiver Kampfstil wieder ins Konzept. Mit seinen Karikaturen, Durchhalteplakaten und visuellen Kriegserklärungen gelang es ihm, an alte Erfolge anzuknüpfen. Am Zweiten Weltkrieg nahm er ab 1943 als Angehöriger einer Propaganda-Einheit und zum Schluß als Volkssturmmann teil.

Nach 1945

1948 wurde Schweitzer vom Bergedorfer Spruchgericht zu einer Geldstrafe von 500 RM verurteilt, die allerdings durch die Anrechung der erlittenen Internierung als beglichen galt. Erwähnenswert, daß der Künstler nicht als Hauptpropagandist der NSDAP, sondern wegen seiner Mitgliedschaft in der SS bestraft wurde. Denn das „Gericht“ sah es als erwiesen an, daß Schweitzers Karikaturen im großen und ganzen eine Form der Propaganda darstellen, wie sie „überall in der Welt geübt wird“. Glaubhaft hatte er sich dem Richter als unpolitischer Künstler präsentieren können. Er bestätigte auch, von Judendeportationen nie etwas gehört zu haben.

Im Kalten Krieg gegen die Sowjets erfreute sich Schweitzers flinker Zeichenstift wieder reger Nachfrage. Mitte der 1950er Jahre entwarf der Künstler, diesmal im Auftrage der Bundesregierung, verschiedene Plakate zur deutschen Wiedervereinigung. In den 1960er und -70er Jahren arbeitete er für rechte Blätter.

Tod

Hans Schweitzer starb am 15. September 1980 im Alter von 79 Jahren im pfälzischen Landstuhl.

Bildergalerie

Literatur

  • Gerhard Paul: Aufstand der Bilder
  • Joseph Wulf (Hg.): Die Bildenden Künste im Dritten Reich
  • Prominente ohne Maske: Drittes Reich
  • Der Spiegel: Ausgabe 38/1987
  • Elke Fröhlich (Hg.): Die Tagebücher des Doktor Goebbels

Verweise

Fußnoten

  1. vgl.: Lexika-Reihe Prominente ohne Maske