Stendal

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Pfeil 1 start metapedia.png Dieser Artikel behandelt die Stadt Stendal. Zum Landkreis siehe Landkreis Stendal

Stendal

Wappen
Staat: Deutsches Reich
Gau: Magdeburg-Anhalt
Landkreis: Stendal
Provinz: Sachsen
Einwohner (2015): 40.269
Bevölkerungsdichte: 150 Ew. p. km²
Fläche: 268 km²
Höhe: 32 m ü. NN
Postleitzahl: 39576
Telefon-Vorwahl: 03931
Kfz-Kennzeichen: SDL
Koordinaten: 52° 36′ N, 11° 52′ O
Stendal befindet sich entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Bürgermeister: Klaus Schmotz (CDU)

Die Hansestadt Stendal ist eine deutsche Stadt, die im zentralen Teil der Altmark gelegen ist. Die Ortschaft ist ebenfalls eine gleichnamige Einheitsgemeinde in Sachsen-Anhalt.

Lage

Die Hansestadt Stendal liegt an den Ufern des Flusses Uchte nördlich von Tangerhütte und südlich von Osterburg. Die Stadt ist in vierzehn Stadtteile gegliedert: Altstadt, Bahnhofsvorstadt, Bürgerpark, Haferbreite, Nord, Ost, Röxe, Siedlung, Stadtsee I, Stadtsee II, Stadtsee III, Süd, Südost, Villenviertel. Seit der Gebietsreform vom 1. Januar 2010 werden alle Dörfer, die der Einheitsgemeinde Stendal angehören, (aus politischer Sicht) zur Hansestadt hinzugezählt.

Die Elbestädte Tangermünde und Arneburg mit ihren weiten Elbauen liegen unweit östlich von Stendal, wo die Spitzen des Ortes die Landschaft des Wischegebietes erreichen. Im westlichen Teil der Stadt befindet sich in der Nähe von der Kleinstadt Bismark ein kleiner Höhenzug, dessen Ausläufer die Colbitz-Letzlinger Heide erreichen.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1830 6.125
1877 13.137
1910 27.263
1919 29.367
1964 37.496
1939 34.000
2015 40.269

Geschichte

Ältere Zeit

Als Dorf „Steinedal“ wurde Stendal erstmals im Jahre 1022 als Besitzung des Michaelisklosters im Bistum Hildesheim genannt. Der Brandenburger Markgraf Albrecht der Bär verlieh dem Ort 1160 das Marktrecht nach Magdeburger Stadtrecht.

Im 12. Jahrhundert wurde die Pfarre St. Jacobi gegründet. Mit dem Bau eines Franziskanerklosters am Mönchskirchhof wurde 1230 begonnen. Im 13. Jahrhundert wurde die Stendaler Seefahrergilde gebildet, die mit eigenen Schiffen Handel im Ost- und Nordseeraum betrieb. Die älteste urkundliche Erwähnung der Kaufmannskirche St. Marien stammt aus dem Jahre 1283. Um 1300 erhielt Stendal Stadtmauern, zur gleichen Zeit wurde auch das Tangermünder Tor errichtet. Der feldsteinerne Unterbau ist als Fundament eines neueren Toraufbaus noch heute erhalten. Im Jahre 1338 wurde eine Lateinschule in der Brüderstraße errichtet, aus der später das Gymnasium hervorging. Ein berühmter Schüler war im 18. Jahrhundert der spätere Archäologe Johann Joachim Winckelmann, der das Gymnasium von 1726 bis 1736 besuchte.

Stendal gehörte nachweislich von 1358 bis 1518 der Hanse an. Neben Brandenburg an der Havel war Stendal die älteste Münzstätte der Mark Brandenburg, das Stendaler Silber eine im Mittelalter bekannte und gebräuchliche Währung.

Ab 1488 arbeitete Joachim Westfal, erster Buchdrucker der Mark Brandenburg, in Stendal. Im selben Jahr lehnten sich die Stendaler Bürger gegen die Biersteuer auf. 1502 heiratete der brandenburgische Kurfürst Joachim I. in Stendal Elisabeth (1485–1555), die Tochter des dänischen Königs Johann I. Im Jahr 1518 trat Stendal gemeinsam mit Berlin, Brandenburg, Frankfurt (Oder) und Salzwedel aus der Hanse aus. Der Stendaler Roland wurde 1525 aufgestellt. 1539 wurde die lutherische Lehre in der Altmark offizielle Religion. Luthers Schüler und Mitarbeiter Konrad Cordatus war ab 1540 erster lutherischer Superintendent am Ort.

1640 wurde Stendal erstmals Garnisonsstadt. In der Folge war ein 1715 gegründetes altpreußisches Regiment zu Fuß bis 1806 in Stendal stationiert. Ab 1860 wurde Stendal wieder Standort von Truppenteilen, unter anderem ab 1884 Standort des Magdeburgischen Husarenregiments Nr. 10, das 1919 aufgelöst wurde. In dessen Tradition stand dann ab 1919 das Reiterregiment Nr. 3 in der Stadt, das 1937 abzog. 1936 wurde auf dem Flugplatz Stendal-Borstel die erste deutsche Fallschirmjägertruppe gegründet, in der zeitweilig Max Schmeling Mitglied war. Zudem lagen ein Infanterieregiment (Nr. 93) und verschiedene Jagdgeschwader der Luftwaffe in der Stadt.

Jüngere Zeit

Im Jahre 1682 starben 1205 Menschen (darunter 537 Kinder) der Stadt an der Pest. Von 1771 bis 1830 wurden die Stadtbefestigungen teilweise abgebrochen, der Wendenturm, der Torturm, das Arneburger Tor und das Viehtor wurden abgerissen.

Die Bahnstrecke Magdeburg–Stendal–Wittenberge wurde 1849 eröffnet. Mit dem Bau des Stendaler Hauptbahnhofs wurde 1869 begonnen, 1871 wurde er fertiggestellt. Zwei Jahre später wurde die Eisenbahn-Hauptwerkstatt errichtet, die 1881 auf die Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung überging und nach 1920 zum Reichsbahn-Ausbesserungswerk Stendal (RAW Stendal) wurde. Das Altmärkische Museum wurde im Jahre 1888 gegründet. 1906 wurde zum Andenken an den Ehrenbürger Dr. Haacke ein Laufbrunnen auf dem Sperlingsberg errichtet, der im Volksmund „Sperlings-Ida“ genannt wird. Die Stendaler Pferdebahn stellte 1926 nach 34 Jahren ihren Betrieb ein.

Militär-Standort

Seit 1860 befanden sich in Stendal bis 1937 ständig berittene Truppenteile. Zuerst kam das neu errichtete Westfälische Dragonerregiment Nr. 7 und war 18 Jahre in der Stadt untergebracht. Als das Regiment 1878 nach Saarbrücken verlegt wurde, kamen abermals Dragoner, und zwar das Magdeburgische Dragonerregiment Nr. 6 auf sechs Jahre nach Stendal in Garnison. Nach Abrücken der Dragoner ritten am 4. Oktober 1884 die 10. Magdeburgischen Husaren in Stendal ein.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges kehrten die Husaren nach Stendal zurück. Das Regiment wurde zum Reiter-Regiment Nr. 3 der Reichswehr und 1934 zum Kavallerie-Regiment 3 umbenannt. Der Stab und die 2. und 5. Eskadron wurden nach Rathenow verlegt. Im Juli 1937 verließen die Reiter Stendal nach Göttingen. An ihre stelle traten Einheiten des Infanterie-Regiments 93. Bereits 1934 wurde der in Stendal errichtete Fliegerhorst als „Depot der Luftverkehrs-Gesellschaft Brandenburg“ genutzt.

Zweiter Weltkrieg

Am 29. Januar 1936 begann die Luftwaffe der Wehrmacht die erste Rekrutierung von Freiwilligen für die Aufstellung der deutschen Luftlandetruppe. Erste Fallschirmschule wurde der Fliegerhorst Stendal-Borstel, auf dem die ersten deutschen Fallschirmjäger ausgebildet wurden.

Die Stadt geriet im Zweiten Weltkrieg zunehmend in den Fokus des Bombenterrors der Alliierten. Stendal und die dort auf dem Fliegerhorst Stendal-Borstel stationierten Jagdgeschwader (unter anderem das Jagdgeschwader 301Wilde Sau“) lagen direkt in der Einflugschneise der Bomberverbände, die Berlin als Angriffsziel zugewiesen bekommen hatten. Im Frühjahr 1945 kamen bei einem Terrorangriff auf den Stadtteil Röxe 300 Menschen ums Leben. Der Hauptbahnhof wurde ebenfalls getroffen. Am 8. April des Jahres trafen Bomben den Dom St. Nikolaus, der teilweise zerstört wurde: besonders der Kreuzgang, Fresken, Blendmaßwerk und Gitterfriese. Die mittelalterlichen Glasfenster waren zuvor ausgelagert worden und wurden somit gerettet. Im April 1945 startete vom Flugplatz Stendal-Borstel aus eines der umstrittensten Unternehmen der Endphase des Zweiten Weltkrieges, das Sonderkommando Elbe.

Am 13. April übergab Bürgermeister Wernecke die Stadt kampflos den amerikanischen Invasoren. Daraufhin bezeichnete Joseph Goebbels Stendal „wegen feiger Übergabe“ als „ehrlos“. Am 4. Mai 1945 kapitulierte die deutsche 12. Armee (Armee Wenck) unter dem General Reichsfreiherr von Edelsheim im Stendaler Rathaus. Englische Invasionstruppen übernahmen am 12. Juni die Verwaltung in Stendal, wurden aber am 1. Juli von der Sowjetarmee abgelöst. Den ehemaligen Bürgermeister Wernecke brachte die Rote Armee ins KZ Sachsenhausen, wo er im Dezember 1945 verstarb. Infolge des Flüchtlingsstroms beherbergte Stendal am 16. Juni 1945 rund 65.000 Einwohner; zu Kriegsbeginn waren es nur rund 34.000 Einwohner gewesen.

DDR

Zu DDR-Zeiten war Stendal der wichtigste industrielle Standort im Norden des Bezirks Magdeburg, unter anderem mit dem Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Stendal, das 1873 gegründet und 1881 verstaatlicht wurde, dem VEB Dauermilchwerk Stendal, dem Stahlmöbel- und Wärmegerätewerk (STIMA) Stendal und dem VEB Geologische Erkundung / VEB Geologische Forschung und Erkundung Stendal. Stendal war auch Sitz des Bezirksinstitutes für Veterinärwesen (BIV) Stendal, das aus dem Tiergesundheitsamt (TGA) und der Bezirks-Tierklinik hervorgegangen war und nach 1990 in das Staatliche Veterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamt umgewandelt wurde.

1983 wurde nördlich von Stendal mit dem Bau des Kernkraftwerks Stendal begonnen, das allerdings nie in Betrieb ging und nach der Wiedervereinigung abgebrochen wurde.

Bis zur sogenannten Deutsche „Wende“ war Stendal Sitz des Grenzkommandos Nord der Grenztruppen der DDR und überdies auch Standort der 207. Motorisierten Schützendivision (MotSchtzDiv) der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Die 207. Motorisierte Schützendivision war der 3. Stoßarmee in Magdeburg unterstellt.

Ende 1994 zogen die letzten russischen Truppen ab, womit Stendals Zeit als Garnisonsstadt endete.

Am 27. September 2009 wurde das Ergebnis der Bürgeranhörung zur Umbenennung der Stadt veröffentlicht. 78 % der Einwohner stimmten für die alte Bezeichnung „Hansestadt Stendal“. Die Umbenennung trat zum 1. Januar 2010 in Kraft.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger im Deutschen Reich

Ein Ehrenbürger der Stadt Stendal ist der Geheime Sanitätsrat Friedrich Hermann Haacke, Leiter des Johanniter-Krankenhauses und Königlicher Kreisphysikus (1824–1899). Er widmete sich unermüdlich der Bekämpfung von Choleraepidemien, die im 19. Jahrhundert in Stendal wüteten. Ihm zu Ehren wurde der Haacke-Brunnen am Sperlingsberg errichtet.

Ehrenbürger der BRD

Am 7. Mai 1995 wurden Eugenia Jütting (1907–2004) und Hans Jütting (1909–1999) als Gründer der Jütting-Stiftung zu Ehrenbürgern der Stadt Stendal ernannt. Der Geschäftsmann Hans Jütting wanderte in die USA aus, blieb seiner Heimatstadt jedoch immer verbunden. So schaffte er es in den 1970er und 1980er Jahren, die Katharinenkirche vor dem endgültigen Verfall zu retten und machte sie zu einer Stätte der Musikpflege.

Bekannte, in Stendal geborene Personen

  • Heinz Assmann (1904–1954), Korvettenkapitän auf dem Schlachtschiff „Tirpitz“, Opfer des Attentats vom 20. Juli 1944
  • Hans Fritsche (1832–1898), Kommunalpolitiker, Oberbürgermeister von Charlottenburg
  • Dietrich Kagelwit (um 1300–1367), auch Dietrich von Portitz; bedeutender Ratgeber von Kaiser Karl IV.
  • Johann Joachim Winckelmann (1717–1768), Begründer der klassischen Archäologie und der Kunstwissenschaft. Ein Museum der Stadt, ein Gymnasium sowie ein Platz sind nach ihm benannt.

Sehenswürdigkeiten (Auswahl)

Bildergalerie

Siehe auch

Literatur

  • 96-book.png PDF Ludwig Götze: Urkundliche Geschichte der Stadt Stendal, 1873

Verweise

Fußnoten

  1. Tore/Türme und Brunnen. Aus vier Jahrhunderten deutscher Vergangenheit, Verlag Langewiesche, Königstein im Taunus & Leipzig 1924 (Die Blauen Bücher)
  2. Große Bürgerbauten. Aus vier Jahrhunderten deutscher Vergangenheit, Verlag Langewiesche, Königstein im Taunus & Leipzig 1925 (Die Blauen Bücher)