Wittenberge

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Wittenberge

Wappen von Wittenberge
Staat: Deutsches Reich
Gau: Mark Brandenburg
Landkreis: Prignitz
Provinz: Brandenburg
Einwohner (2016): 17.318
Bevölkerungsdichte: 346 Ew. p. km²
Fläche: 50 km²
Höhe: 25 m ü. NN
Postleitzahl: 19322
Telefon-Vorwahl: 03877
Kfz-Kennzeichen: PR
Koordinaten: 53° 0′ N, 11° 45′ O
Wittenberge befindet sich seit 1945 entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Brandenburg
Bürgermeister: Oliver Hermann (parteilos)

Wittenberge ist eine deutsche Stadt der Prignitz in Brandenburg.

Lage

In Wittenberge fließen die Stepenitz und die Karthane zusammen, bevor diese in die Elbe münden. Wittenberge liegt nördlich von Seehausen (Altmark), östlich von Lenzen (Elbe), südlich von Perleberg und westlich von Bad Wilsnack.

Geschichte

Die „Alte Burg“ war das Herrenhaus der Gänse von Wittenberge. Heute befindet sich in diesem ein Stadtmuseum. (Aufnahme: Anfang des 20. Jahrhunderts)

Die erste urkundliche Erwähnung eines Wittenberger Bürgers stammt aus dem Jahre 1239. Historiker vermuten, daß Wittenberge Mitte des 13. Jahrhunderts die Stadtrechte erhielt, jedoch ist darüber kein urkundlicher Nachweis vorhanden. Als Stadt wurde Wittenberge erstmalig im Jahre 1300 in einer Urkunde erwähnt, in welcher die Rechte der Stadt bestätigt wurden.[1]

Zu dieser Zeit waren weite Teile der Prignitz Herrschaftsgebiet der Gans Edle Herren zu Putlitz, einer Adelsfamilie. In Wittenberge regierten die Gänse von Wittenberge, deren Herrschaft bis zum Jahre 1781 andauerte, jedoch erreichte die Linie der Gänse von Wittenberge zu keiner Zeit den Einfluß der Gänse von Putlitz.

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges überfielen schwedische Truppen den Elbeort im Jahre 1631, wobei sich der Heerführer Gustav Adolf für kurze Zeit in Wittenberge niederließ. Fünf Jahre später kehrte der „Französisch-Schwedische Krieg“ zurück, da sich die Kaiserliche Armee nach der verlorenen Schlacht bei Wittstock am 4. Oktober 1636 auch durch Wittenberge über die Elbe zurückzog. Schwedische Verfolger plünderten, mordeten und setzten schließlich die Stadt in Brand. Überlebende, u. a. der Bürgermeister und Pfarrer, suchten Zuflucht im benachbarten Seehausen (Altmark). Die Situation in Wittenberge nach Beendigung des Krieges wurde in einem Bericht an Friedrich Wilhelm I. (Markgraf von Brandenburg) als „erbärmlich“ beschrieben.

Bis zum 19. Jahrhundert war der Elbeort durch den Bauernstand geprägt.

Industrialisierung

Bedingt durch die Industrialisierung gab es in Wittenberge einen wirtschaftlichen Aufschwung. Eine der ersten Ölhandelsgesellschaften Preußens ließ sich 1823 in der Elbestadt nieder. Neben der Ölmühle siedelten sich weitere Fabriken an, u. a. für die Herstellung von Seifen sowie für die Verarbeitung von Chemikalien und Wolle. Im Jahre 1903 wurde ein Nähmaschinenwerk eröffnet, in dem die Singer Nähmaschinen gefertigt wurden.

Neben der Ansiedlung von Industrie kam es zu einer erheblichen Verbesserung der Infrastruktur. Im Jahre 1835 wurde der Neubau des Hafengeländes fertiggestellt. In der Folgezeit entwickelte sich Wittenberge zu einem Knotenpunkt des Eisenbahnnetzes. So erhielt die Stadt 1846 Anschluß an die Strecke BerlinHamburg und 1851 an die Strecke RostockMagdeburg. Weiterhin entstanden Eisenbahnverbindungen nach Lüneburg (ab 1874) sowie über Geestgottberg nach Salzwedel (ab 1879). Während des Jahres 1875 wurde ein Ausbesserungswerk in Betrieb genommen, das später von der Reichsbahn sowie der Deutschen Bahn übernommen wurde.

Wittenberge bis 1945

Das Kultur- und Festspielhaus Wittenberge mit dem Paul-Lincke-Platz wurde 1959 eingeweiht. Hier finden seit 1999 jährlich die Elblandfestspiele mit zahlreicher BRD-Prominenz statt.

Nach der Novemberrevolte am 9. November 1918 bildete sich ein Wittenberger Arbeiter- und Soldatenrat unter Führung eines Sozialdemokraten. Auch in Wittenberge beteiligten sich patriotisch-konservative Kräfte am Kapp-Aufstand. Höhepunkt war eine Auseinandersetzung nahe Beuster am 19. März 1920, bei dem neben zahlreichen Verletzten drei Personen starben.[2] Sowohl während der Novemberrevolte als auch während des Kapp-Aufstandes besetzten Schwadronen des 11. Ulanen-Regimentes aus Perleberg das Bahnhofsgebäude im „roten Wittenberge“, um dieses vor kommunistischen Milizen zu schützen. In den folgenden Jahren suchten Mitglieder des Rotfrontkämpferbundes (RFB) nach bolschewistischen Kundgebungen und Demonstrationen die Konfrontation mit Angehörigen des Stahlhelmbundes.

Am 28. April 1927 wurde eine Ortsgruppe der NSDAP durch den Gießereiarbeiter Otto Reinicke gegründet. Bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 1929 konnte die NSDAP erstmals einen Sitz erringen. Bei den Reichstagswahlen 1932 wurde die NSDAP mit Abstand stärkste Kraft. Nach der Nationalsozialistischen Revolution am 30. Januar 1933 wurde der neu ernannte Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger Wittenberges ernannt.

Im Zweiten Weltkrieg kam es durch alliierte Terrorbomber zu mehreren Luftangriffen, wobei die ersten Bomben am 26. Oktober 1940 gegen 5.00 Uhr auf ein Wohngebiet fielen. In den nachfolgenden Kriegsjahren folgten vier weitere Luftangriffe. Dem alliierten Bombenterror fielen schätzungsweise bis zu 400 Personen zum Opfer.[3] Vor den Toren der Stadt fand im April 1945 das Gefecht um die Wittenberger Elbbrücke statt. Die Eisenbahnbrücke wurde von Einheiten der Wehrmacht jedoch erfolgreich verteidigt und anschließend kontrolliert gesprengt. Am 3. Mai 1945 wurde Wittenberge durch die anrückenden sowjetischen Invasoren nach kampfloser Übergabe besetzt.

Wittenberge nach 1945

Wittenberge war von 1945 bis 1949 Teil der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Nach dem Entstehen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war der Wittenberger Hafen der letzte Elbehafen in der DDR vor dem Überqueren der innderdeutschen Grenze in die BRD. Es kam hier zu mehreren Versuchen der „Republikflucht“.[4] In den 1980er Jahren wurde das Nähmaschinenwerk modernisiert und galt damals als das modernste Europas.

Nach der Teilwiedervereinigung 1990 verfiel die Industrie (Nähmaschinenwerk sowie die Ölmühle) und die Einwohnerzahl Wittenberges reduzierte sich um fast die Hälfte.[5] (→ „Demographischer Wandel“)

Bildergalerie

Wittenberge Singer-Werke.jpg
Wittenberge Bahnhof.jpg
Wittenberge Adolf-Hitler-Straße.jpg

Bekannte, in Wittenberge geborene Personen

  • Ewald Bartel (1910–1986), Hauptmann der Reserve und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges
  • Johannes Daniel Benda (1847–1927), Politiker und Staatsanwalt
  • Kurt Fimmen (1911–2001), Schnellbootkommandant und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges
  • Klaus Havenstein (1922–1998), Schauspieler, Kabarettist, Moderator, Hörspiel- und Synchronsprecher
  • Peter Kalden (1923–1996), Oberleutnant und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges
  • Otto Telschow (1876–1945), Politiker (NSDAP), Gauleiter, Staatsrat und Reichsverteidigungskommissar
  • Joachim Tschirner (geb. 1948), Dokumentarfilmregisseur und Akzidenz-Schriftsetzer
  • Ernst August Wiese (1902–1945), plattdeutscher Dichter
  • Kurt Winkler (1912–1962), Oberstleutnant und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges
  • Georg Wolff (1914–1996), SS-Hauptsturmführer und Journalist

Verweise

Fußnoten

  1. In zahlreichen Büchern des 19. Jahrhunderts wurde die erste urkundliche Erwähnung der „Siedlung Wittenberge“ auf das Jahr 1226 datiert. Jedoch bestätigte das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt im Jahre 2006 den Verdacht der Fälschung des vorliegenden Transsumptes, nachdem bereits im Jahre 1910 der Historiker Hermann Krabbo die Urkunde für eine Fälschung hielt.
  2. Wittenberge. Eine Chronik mit Bildern, BVB-Verlagsgesellschaft mbH, S. 47
  3. Wittenberge. Eine Chronik mit Bildern, BVB-Verlagsgesellschaft mbH, S. 50–52
  4. Fluchtversuch auf der Elbe bei Wittenberge. Sieben Meter bis zur FreiheitMitteldeutsche Zeitung, 26. Dezember 2005
  5. Wittenberge. Niedergang einer IndustriestadtMitteldeutsche Zeitung, 24. Februar 2012