Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen

Aus Metapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das sowjetische sogenannte Speziallager Nr. 7, bzw. ab 1948 Speziallager Nr. 1, war ein alliiertes bzw. sowjetisches Folter-, Vernichtungs- und Internierungslager, das sich zwischen 1945 und 1950 teilweise auf dem Gelände des KL Sachsenhausen bei Oranienburg befand.

Die Insassen dieser „Speziallager“ wurden ohne Urteil festgehalten, denn die von sowjetischen Militärtribunalen (SMT) Verurteilten kamen nicht in diese Folterlager. Da es aber auf dem Gelände eine Strafvollzugsanstalt für Verurteilte gab, ist dies gelegentlich in der Argumentation vermischt worden.[1]

1945 bis 1950

Ab August 1945 wurde das ehemalige deutsche Internierungs- und Arbeitslager (Konzentrationslager) durch die Sowjetische Militäradministration als Folterlager genutzt. Die Nutzung begann mit der Verlegung von 150 Häftlingen des sowjetischen Speziallagers Nr. 7 aus Weesow bei Werneuchen. Fast alle Lagergebäude, vor allem die Holzbaracken, das Lagergefängnis und die Wirtschaftsgebäude, wurden wieder in Betrieb genommen. Gegen Ende 1945 war das Lager wieder voll belegt (12.000 Personen). Im folgenden Jahr waren zeitweise bis zu 16.000 Menschen ohne Rechtsgrundlage und unter menschenverachtenden Bedingungen im Lager eingesperrt. Etwa 2.000 weibliche Häftlinge lebten in einem gesonderten Bereich des Lagers.

Während dieser Zeit wurden dort, auch auf sowjetrussische Anweisung hin, durch acht Gefangene eine sogenannte Vergasungsanlage und eine Genickschußanlage eingebaut, die es dort zuvor nicht gegeben hatte.[2] Mit dieser also erst nach 1945 durch die Sowjets errichteten „Genickschußanlage“ sollen vor Kriegsende in diesem Lager angeblich 15.000 sowjetische Kriegsgefangene einzeln erschossen worden sein. Setzt man für eine solche Aktion einen „Arbeitstag“ von acht Stunden an und die Möglichkeit, im Zehnminutentakt zu exekutieren, inklusive Reinigung und Leichenabtransport, dann hätte diese Aktion insgesamt ein Jahr lang gedauert.

Das als „Zone I“ bezeichnete ehemalige Schutzhaftlager war für internierte deutsche Zivilisten ohne rechtskräftige Verurteilung vorgesehen. In dem „Zone II“ genannten ehemaligen Sonderlager für alliierte Kriegsgefangene befanden sich zunächst Sowjetbürger, die auf ihre Rückführung in die Sowjetunion warteten. Das Lager war kein Arbeitslager. Die weniger von den allgegenwärtigen bolschewistischen Willkürhandlungen und Folterungen betroffenen Häftlinge litten auch unter der erzwungenen Untätigkeit, unter ständigem Hunger, Kälte, Ungeziefer und medizinisch nicht behandelten Folgeerkrankungen. Sie starben zu Tausenden und wurden in Massengräber geworfen und verscharrt. Von den in den Jahren 1945 bis 1950 etwa 60.000 Inhaftierten[3] starben mindestens 12.000 Insassen an Unterernährung und Krankheiten infolge der Haftbedingungen,[4] sowie an psychischer und physischer Entkräftung.[5][6]

Das „Speziallager“ war von der Außenwelt fast völlig isoliert. Angehörige wurden nicht über den Verbleib und das Schicksal der Festgehaltenen informiert. Nach Ende der als „Entnazifizierung“ bezeichneten Mord- und Verfolgungsmaßnahmen in der Sowjetischen Besatzungszone wurden im Sommer 1948 etwa 5.000 Häftlinge aus dem „Speziallager“ Nr. 7 entlassen. Die Inhaftierten waren Mitglieder der NSDAP, Sozialdemokraten, viele Jugendliche sowie willkürlich Denunzierte und politisch Mißliebige, von denen Opposition gegen das sozialistisch-kommunistische Terrorsystem erwartet wurde.

Nachdem 1948 das „Speziallager“ Mühlberg geschlossen worden war, war Sachsenhausen als „Speziallager Nr. 1“ das größte von drei Folterlagern in der sowjetischen Besatzungszone. Außerdem war es ab dann zentrales Lager für verurteilte Frauen mit einer geringen Haftstrafe, was 15 Jahre und weniger beinhaltete.

Im Frühjahr 1950, wenige Monate nach Gründung der DDR, wurden die letzten Lager aufgelöst. Aus dem „Speziallager“ Nr. 1 wurden ca. 8.000 Häftlinge entlassen; eine kleinere Gruppe wurde in die Sowjetunion deportiert. 5.500 Häftlinge überstellte der sowjetische Geheimdienst an die Behörden der DDR. Unter ihnen befanden sich 1.119 Frauen und ca. 30 der im Lager geborenen Kinder, die in die DDR-Frauenstrafanstalt Hoheneck/Stollberg verlegt wurden.[7] Das Unrecht der Nutzung der deutschen Internierungs- und Arbeitslager durch die sowjetische Besatzungsmacht und das damit verbundene Leiden und qualvolle Sterben Tausender Menschen wurde durch das SED-Regime verschwiegen oder verharmlost. Einige Überlebende wurden noch viele Jahre in DDR-Zuchthäusern wie Waldheim und Bautzen festgehalten.

Nach 1989

Nachdem wichtige Akten zum Speziallager wieder zugänglich wurden und sich Betroffene und Angehörige gemeldet hatten, begannen Untersuchungen über die Zeit des Folterlagers in Sachsenhausen. Außerhalb des eigentlichen Lagers (nördlich angrenzend und im Wald Richtung Schmachtenhagen) wurden mit Hilfe von Zeugenaussagen im März 1990 zwei Massengräber wiedergefunden. Da das Lager selbst unmittelbar nach seiner Auflösung größtenteils abgerissen wurde und die spätere Einrichtung unter der Bezeichnung „KZ-Gedenkstätte“ ausschließlich der Umerziehung und dem deutschen Schuldkult dient, wurden nur wenige Funde (unter anderem bei der Sanierung der „Gedenkstätte“ nach 2000) aus der Zeit des sowjetischen Folter- und Vernichtungslagers gemacht.

Anläßlich der Eröffnung des „Speziallager“-Museums wurde im August 2001 in einer offiziellen Erklärung des russischen Außenministeriums behauptet, daß im Museum „die Verbrechen des Faschismus und die Handlungen der sowjetischen Besatzungsmacht auf eine Stufe gestellt“ würden. Von seiten der Opferverbände des sowjetischen Vernichtungslagers wurde dagegen vor einer „Verharmlosung des NKWD-Lagers und der unmenschlichen Haftbedingungen“ gewarnt.[8]

Sonderausstellung „BitterSüß“

Zum 60. Jahrestag der Errichtung des sowjetischen „Speziallagers“ Nr. 7/Nr. 1 in Sachsenhausen wurde eine Sonderausstellung im neuen Museum eröffnet (12. August 2005 bis 31. August 2006): BitterSüß, Geschichte(n) des Hungers: Zuckerdosen aus dem sowjetischen Speziallager Nr. 7/Nr. 1 Sachsenhausen 1945–1950.

Bei Sanierungsarbeiten in der Gedenkstätte Sachsenhausen wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche kleine Aluminiumdosen geborgen. Erstmals widmet sich eine Ausstellung ausführlich diesen Alltagsgegenständen, die vielen Häftlingen des sowjetischen Speziallagers ab 1947 zur Aufbewahrung von Zucker- und Marmeladerationen dienten.

Sie dokumentieren zentrale Aspekte des Haftalltags im Vernichtungslager: Mangelernährung und massenhaftes Verhungern, aber auch menschliche Isolation und erzwungene Untätigkeit. Einige Zuckerdosen tragen die eingravierten Namenszüge ihrer Besitzer. Die Ausstellung erzählt die Lebensgeschichten von 16 ehemaligen Häftlingen des Speziallagers, deren Dosen nach über 50 Jahren wieder ans Tageslicht gekommen sind. Die Biographien mit ihren unterschiedlichen historischen und politischen Hintergründen deuten die Heterogenität der Häftlingsgesellschaft an. Insgesamt hielt der sowjetische Geheimdienst in Sachsenhausen 60.000 Menschen gefangen: Internierte, Verurteilte durch das SMT (Sowjetisches Militär-Tribunal), politische Oppositionelle, ehemalige deutsche Wehrmachtsoffiziere und Ausländer. Über 12.000 von ihnen starben. Die Verfahren vor den SMT waren nicht rechtsstaatlich strukturiert, sondern verliefen nach sowjetischem, stalinistischem Rechtsverständnis, demzufolge es nicht auf Feststellung individueller Schuld ankam, sondern darauf, daß vor allem als Gegner des sowjetischen Systems Verdächtigte aus dem Verkehr gezogen werden sollten. Überdies wurde sowjetisches Unrecht rückwirkend angewandt. In den Schnell-Verfahren von 15 bis 20 Minuten Dauer waren 25 Jahre Zwangsarbeit die Regelstrafe. Verteidiger waren nicht zugelassen, ebenso keine Entlastungszeugen, und es gab keine Berufungsmöglichkeit. Eine Schuld mußte nicht nachgewiesen werden, es genügte das Votum des Tribunals, um ins Lager eingewiesen, in die UdSSR deportiert oder sofort erschossen zu werden.

Bekannte Gefangene

Siehe auch

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. „Die SMT-Verurteilten gehörten nicht zu den Speziallager-Insassen und waren auch völlig isoliert untergebracht.“ nach: Sergej Mironenko / Lutz Niethammer / Alexander v. Plato (Herausgeber): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945 bis 1950, Band 1 Studien und Berichte, Akademie Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-05-002531-X
  2. Oberst Gerhard Schirmer: :„Ich mußte zusammen mit anderen im Oktober 1945 auf Befehl des russischen Polit-Offiziers (...) die Vergasungsanlage und eine betonierte Genickschußanlage in der Vorzone des Lagers einbauen, die vorher nicht bestanden hatten.“
  3. Deutschlandradio Kultur, 1. August 2011: „Im dem Lager inhaftierte der sowjetische Geheimdienst NKWD bis 1950 rund 60.000 Menschen. Von ihnen starben nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten rund 12.000 an Hunger und Krankheiten.“
  4. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 27. März 2010: Sowjetisches Speziallager – Gedenken an Opfer in Sachsenhausen
  5. Peter Reif-Spirek, Bodo Ritscher Speziallager in der SBZ. Gedenkstätten mit „doppelter Vergangenheit“, Ch. Links Verlag, Berlin, ISBN 3-86153-193-3
  6. so auch Peter Erler, in: Deutschlandfunk: „Für uns war der Krieg noch längst nicht vorbei.“ Deutsche Zivilisten in sowjetischen Lagern. Ein Feature von Agnes Steinbauer, Sendung: Freitag, d. 20. Juni 2008, 19.15–20.00 Uhr
  7. Alex Latotzky: Kindheit hinter Stacheldraht, Mütter mit Kindern in sowjetischen Speziallagern, Forum Verlag Leipzig, 2001, ISBN 3-931801-26-8
  8. Petra Haustein: Geschichte im Dissenz - Die Auseinandersetzungen um die Gedenkstätte Sachsenhausen nach dem Ende der DDR, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2006