Mafia

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Das Wort Mafia ist eine Abkürzung, kommt aus dem kastilischen Spanisch und heißt ausgeschrieben Ma familia. Übersetzt bedeutet es Meine Familie oder Meine Sippe. Eine Mafia ist heute eine kriminelle Großorganisation.

Video
Mit offenen Karten – Mafia


Inhaltsverzeichnis

Erscheinung

Eine Mafia ist ein streng hierarchischer Geheimbund, der seine Macht durch Erpressung, Gewalt und politische Einflußnahme zu festigen und auszubauen versucht. Heute bezeichnet man die sizilianische Mafia auch als Cosa Nostra. Die sizilianische Mafia operiert weltweit und hat Verbindungen zu anderen mafiaähnlichen Gruppen.

Die Mafia und die Organisierte Kriminalität

Untersuchungsrichter und Mafia-Experte Giovanni Falcone

Die Mafia unterscheidet sich von anderen Formen der organisierten Kriminalität und kriminellen Vereinigungen in ihrer Struktur: Die Mafia sizilianischen Ursprungs besteht aus sogenannten Familien, wobei es sich hier nicht um Familien im engeren Sinne einer reinen Blutsverwandtschaft handelt, sondern um einen engen, streng hierarchisch gegliederten Gruppenverband aus Mitgliedern sizilianischer Herkunft, die einem Codex folgen. Dessen Regeln hat jedes Familienmitglied genau einzuhalten. Verstöße, insbesondere gegen die Omertà (die Schweigepflicht unter Kriminellen), wurden in der Vergangenheit in der Regel mit brutalen Mitteln, bis hin zum Mord, geahndet. Die Mafia ist vor allem auch eine patriarchale Organisation. Frauen haben keinen Zugang zur Hierarchie der Mafiafamilien, die Mitglieder sind ausschließlich Männer. Trotzdem sind Frauen gravierend in der Lage, Entscheidungen mitzubestimmen. Jede Mafiafamilie hat ein Oberhaupt, dem jedes Familienmitglied zu absolutem Gehorsam verpflichtet ist. Diesen Anführern kann wiederum ein Oberboß („capo dei capi“ bzw. „capo dei tutti capi“, Boß der Bosse) vorstehen, der uneingeschränkte Macht über alle Familien ausübt.

Psychologie und Politik

Die Besonderheit der Mafia, also die Verschmelzung von Organisierter Kriminalität und Staat, ist nur möglich in dem Maß, wie sie eine verbreitete, im Volk tief verankerte Mentalität ausdrückt. Ihr Eindringen in die Regierung beschreibt am Fall von Italien Violante (in den 1990er Jahren Chef der Anti-Mafia-Kommission):

„Die Mafia versucht immer mehr, direkt in die Politik einzudringen und stellt sogar ihre eigenen Kandidaten. Daher muß man die Augen offen halten und scharf reagieren. [...] Für die Mafia ist es nicht so sehr das Problem, Verbindungen mit nationalen Politikern zu finden, die Mafia will zu Geld kommen. Daher ist es für die Cosa Nostra wichtig, auch auf lokaler und regionaler Ebene Politiker in die Institutionen einzuschleusen. Alle Parteien müßten sich mit der Gefahr der Mafia-Verstrickung auseinandersetzen.“

Im Volk verbreitete Haltung gegen staatliche Ordnung dringt einerseits in alle Instanzen öffentlich sichtbaren politischen Lebens, andererseits organisiert sie hierarchisch gegliederte Entscheidungsgremien einschließlich ausführender Organe. So berichtete ein Vincenzo Calcara vom Tag seiner rituellen Aufnahme:

„Die Cosa Nostra erkennt die Autorität des Staates nicht an, zu dem sie immer im Gegensatz stand und stehen wird. Wir kümmern uns nicht um den Staat. Unsere Heimat ist die Mafia-Familie, die wir bis zum letzten Blutstropfen verteidigen müssen.“[1]

Mafia und Wirtschaft

Attentat auf Giovanni Falcone 1992 in Palermo

Ab einem bestimmten Punkt der Akkumulation ökonomischer Ressourcen aus Kriminalität wird der Aufbau von Strukturen zur Geldwäsche zum strategischen Ausgangspunkt der gesellschaftlichen und internationalen Weiterentwicklung von der klassischen zur modernen Mafia. Dabei streift sie den letzten Schein ihrer „archaischen Züge“ ab. Die Mafia infiltriert die Wirtschaft eines Landes und schließlich die internationalen Finanzmärkte als „sauberer Investor“. Geht die Infiltration weit genug, wird die Mafia zum Wirtschaftsfaktor, der in prädestinierten Regionen den staatlich kontrollierten überragen kann.

Die Gegenleistungen der Mafia sind nicht gemeinschaftlicher Art wie Krankenhäuser, Schulen usw., sondern persönliche Vorteilsverschaffung etwa bei der Verteilung staatlicher Bauaufträge oder bei der Besetzung von Stellen im öffentlichen Dienst. Ergebnis ist der wirtschaftliche und verwaltungstechnische Rückfall hinter andere Landesregionen und in Folge die Abwanderung. Die Folge wiederum sind Wirtschaftshilfen und damit die Stärkung der Mafia, die die Verwaltung dieser Hilfen je nach ihrem Einfluß kontrolliert.

In einem Bericht von „Confesercenti“, dem zweitgrößten italienischen Handels- und Unternehmerverband, vom 22. Oktober 2007 im Corriere della Sera wird die Höhe der jährlichen Schutzgelderpressung auf 40 Milliarden Euro geschätzt. Dem Bericht zufolge sollen in Sizilien sieben von zehn Unternehmern Schutzgeld an die Mafia zahlen, in Kalabrien ist es die Hälfte aller Unternehmen. Durch die Kooperation vieler Großunternehmen ist die Mafia in diesen Gebieten zu einem Monopolisten geworden. Supermärkte zahlten rund 5.000 Euro pro Jahr an die Mafia, Bauunternehmen pro Baustelle rund 10.000 Euro.[2]

Der Schraubstock der Mafia hat bewirkt, daß von 2004 bis 2006 rund 165.000 kommerzielle Aktivitäten eingestellt wurden und 50.000 Hotels dichtgemacht haben.[3]

Die Anzahl der von Schutzgelderpressung geschädigten Händler wurde 2007 auf etwa 160.000 pro Jahr geschätzt und rund 150.000 seien auch Opfer von Wucherern.[4] Die Regierung Prodi kündigte daraufhin eine neue Reihe von Gesetzen an, mit denen z. B. eine leichtere Enteignung von Mafia-beherrschten Betrieben möglich werden soll.

Eine in den letzten Jahren neu erschienene mafiöse Form, welche eine starke Verflechtung zwischen Wirtschaft und Organisiertem Verbrechen darstellt, ist die sogenannte Ecomafia (Ökomafia). Der Begriff, der von der italienischen Umweltschutzorganisation Legambiente erfunden wurde, bezeichnet nicht eine bestimmte Organisation, sondern vielmehr die illegale Tätigkeit selbst. Diese beinhaltet insbesondere das illegale Geschäft mit Müllabfuhr, Müllhandel und Müllagerung wie auch die illegale Bautätigkeit. In ihrem Rapport Ecomafia 2008 beziffert Legambiente den damit im Jahr 2007 in Italien erzielten Umsatz mit über 18 Milliarden Euro. Die sogenannte Ecomafia stellt einen für das Organisierte Verbrechen immer wichtiger werdenden Wirtschaftszweig dar und spielt unter anderem in der seit nunmehr 15 Jahren andauernden Müllkrise in der Region Kampanien eine entscheidende Rolle.

Geschichte

Ende des 18. Jahrhunderts verlor Spanien seine Rolle als Weltmacht. Das bedeutete, daß der Reichtum des Landes zurückging. In den katholischen Bergdörfern Kastiliens zog die Armut ein, und die Kriminalität begann anzusteigen. Um ihre angehörigen Männer vor der Strafverfolgung zu schützen, schwiegen deren Helfer und Frauen bei den Verhören. Dies erwies sich als gutes Mittel, denn dadurch gab es sehr wenig Aufklärungen.

Da die Armut Anfang des 19. Jahrhunderts weiter anstieg, mußten die Männer ihre Dörfer verlassen und verdingten sich als Seeleute. Ihr Ziel war das italienische Festland. Dort konnten sie sich selbst und ihre kriminelle Idee nicht an den Mann bringen. Als im sizilianischen Palermo Söldner für die Niederschlagung des Widerstandes der dortigen Kleinbauern gegen den Großgrundbesitz gebraucht wurden, waren sie zur Stelle. Die Gegenrevolution gelang, die Mafiaidee wurde von den Großgrundbesitzern übernommen und an ihre Bedürfnisse angepaßt. Danach hatten die Spanier das Land wieder zu verlassen. Ab 1875 war der Begriff Mafia europaweit bekannt.

Kriegsentscheidender Faktor

Unter Benito Mussolini wurde die Mafia von 1922 bis 1943 weitreichend erfolgreich bekämpft. Aber die Mafiosi und deren geistige Strukturen waren noch vorhanden. Dies wissend, verhandelte die CIA mit der amerikanischen Mafia über einen möglichen Kriegsbeitrag der italienischen Mafiaorganisationen. Bei Mithilfe der Mafiamitglieder würde es eine Amnestie für die seit 10 Jahren in Haft befindlichen amerikanischen und italienischen Mafiosi geben. Einem Gefangenen wurde später die amerikanische Bürgerschaft aberkannt, und er wurde nach Italien ausgewiesen, ein anderer im Gefängnis vergiftet.

So sammelten sich u. a. in der Nacht vom 2. zum 3. September 1943 im Raum Reggio eine große Anzahl bewaffneter Mafiamitglieder und schossen den Raum Reggio von deutschen und italienischen Soldaten frei. Am 3. September 1943 konnten somit die VS-Amerikaner unbehelligt das europäische Festland erreichen.

Zu den Schlüsselpersonen zählte der ausgewiesene Lucky Luciano. Es wurde nach den Mafia-Partisanenaktionen die gesamte Mafia-Verwaltung Italiens neu aufgebaut. Hierbei gelang es der Mafia, sich neu zu organisieren und sich in kommunale wie auch regionale Ämter einzunisten.[5]

Die Mafia-Organisationen

Italien

  • Im blutigen Mafiakrieg im Palermo der frühen 1980er Jahre errangen die Corleoneser unter Führung Totò Riinas die Herrschaft über die sizilianische Cosa Nostra. Nach der Verhaftung Riinas löste ihn bald darauf Bernardo Provenzano ab, der 2006 selbst verhaftet werden konnte. Ob die Cosa Nostra derzeit von einem „Boß der Bosse“ wie Riina oder Provenzano kontrolliert wird, ist unklar. Die verschiedenen Mafiafamilien agieren miteinander vernetzt, agieren in ihren eigenen Territorien aber (fast) völlig eigenständig.
  • Das Ursprungsland der Mafia ist bis heute in vielen Gebieten fest in ihren Händen. Daß die Mafia weiterhin gegenwärtig ist, beweisen die Ereignisse in Neapel, bei denen sich rivalisierende Clans der Camorra, die u. a. den Drogenhandel in und um Neapel beherrschen, einen blutigen Bandenkrieg lieferten. Seit der Flucht Paolo di Lauros, der im September 2005 verhaftet werden konnte, kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Familien der Camorra um die Vorherrschaft, denen zwischen 2004 und 2005 fast 200 Menschen zum Opfer fielen.
  • Die kalabresische ’Ndrangheta ist inzwischen möglicherweise eine der mächtigsten Verbrecherorganisationen Europas.
  • Die Sacra Corona Unita ist eine erst 1983 in Apulien entstandene Mafiaorganisation.
  • Die sizilianische Stidda ist eine kleinere Mafiaorganisation, die in den 1980er Jahren im südlichen Sizilien entstand.

Vereinigte Staaten

  • Die VS-amerikanische La Cosa Nostra galt wegen der zumeist sizilianischen Herkunft ihrer Mitglieder als Ableger der Mafia, obwohl es nicht geklärt ist, inwieweit sie in ihrer Anfangszeit mit der sizilianischen Mafia verbunden war; u. a. bestand über die Black Hand Gang eine Verbindung zu Vito Cascio Ferro, der wiederum den Krieg von Castellammare auslöste, indem er u. a. Salvatore Maranzano in die VSA entsendet hatte. Insbesondere in dieser Auseinandersetzung setzten sich letztendlich die „Jungtürken“ (am.: „Younk Turks“) gegen die Mustache Petes durch, welche noch eine starke sizilianische Orientierung pflegten (wichtige Mitglieder aus den 1930er und 1940er Jahren: Lucky Luciano, Vito Genovese, Frank Costello; Mitglieder der 1990er Jahre: John Gotti und Sammy Gravano).

Kriminelle Bündnisse mafiösen Typs

Folgende kriminelle Organisationen werden oft unter dem Begriff Mafia zusammengefaßt, obwohl sie nicht über den sozialhistorischen Kontext verfügen. Diese sind deshalb eher als Organisierte Kriminalität zu bezeichnen, wobei es nicht in allen Fällen tatsächlich eine einheitliche Organisationsstruktur geben muß.

VSA
Die Kosher Nostra war ein jüdisches mafioses Bündnis vor allem im Neuyork der 1930er Jahre. Der gemeinsam mit der La Cosa Nostra betriebenen Murder, Inc. werden hunderte von Morden zugeschrieben. Ihren Namen bekam sie in Anlehnung an den Namen „Cosa Nostra“ und die überwiegend jüdische Abstammung der Bandenmitglieder wie Meyer Lansky, Bugsy Siegel und Dutch Schultz. Insbesondere Lansky war ein Jugendfreund von Lucky Luciano, und beide hatten wesentlichen Einfluß bei der Bildung des National Crime Syndicate. Die Kosher Nostra verschwand jedoch mit dem Tod der ersten Mobster-Generation, da durch den gesellschaftlichen Aufstieg die kriminelle Bandenbildung aufgegeben wurde.

Kolumbien
Lateinamerika wurde in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren von zwei kolumbianischen Drogenkartellen beherrscht, die den lateinamerikanischen und amerikanischen Kokainmarkt fast vollständig unter sich aufteilten. Das mächtigste war das Cali-Kartell, das bis zu 80 Prozent des Kokainhandels mit den VSA kontrollierte. Das wesentlich kleinere Medellín-Kartell war wegen seines berüchtigten Bosses Pablo Escobar bekannt, der es u. a. durch seine Verbrechen zu einem der reichsten Menschen der Welt und zu einem kurzzeitigen Sitz im kolumbianischen Kongreß schaffte, aber 1993 nach längerer Jagd von der Polizei auf der Flucht erschossen wurde.

Asien

  • Die japanische Yakuza
  • Die chinesischen Triaden

Rußland
Die diversen kriminellen Banden, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den chaotischen 1990er Jahren entstanden, werden oft als die „Russenmafia“ bezeichnet, haben aber nicht zwingend etwas mit ethnischen Russen zu tun, sondern bezeichnen Mitglieder von OK-Gruppen, die im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion tätig sind oder von dort stammen (z. B. also auch Personen aus dem Kaukasus oder Zentralasien). Die Ursprünge solcher Gruppierungen gehen allerdings bis in die Zarenzeit zurück, haben aber erst in den Lagern (→ Gulag) der sowjetischen Nachkriegszeit ihre spezielle Ausprägung erlangt, aus der sich die heutigen Gruppen entwickelten, die seit dem Ende der Sowjetunion ihren Einfluß voll entfalten konnten.[6] International ist die Russenmafia vor allem in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa vertreten. Bekannte Hauptquartiere sind z. B. Neuyork, London und Berlin. Der größte Geschäftsbereich der Russenmafia ist nach dem Waffenschmuggel der Drogen- und Menschenhandel sowie Geldwäsche.

Albanien
Die „albanische Mafia“ sind kriminelle Banden mafiosen Typs, deren Geschäftsfelder u. a. Menschenhandel, Drogen- und Zigarettenschmuggel sind.

Polen
In Polen gab es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zwei mafiaähnliche Bündnisse, die Pruszkow-Organisation, die die Gebiete nördlich, südlich und westlich von Warschau für sich beanspruchte, und die Wolomin-Mafia, die die Gebiete östlich der Hauptstadt beanspruchte. Die Haupteinnahmequellen der beiden Organisationen waren Schutzgelderpressung, Schmuggel und Drogenhandel. Sie waren für viele Morde verantwortlich, die sowohl an Privatpersonen wie auch an Polizisten verübt wurden. Mittlerweile sind fast alle Anführer entweder tot oder im Gefängnis, so daß nur noch vereinzelte Gruppen existieren.

BRD
Die XY-Bande war eine kriminelle Vereinigung, die in den 1990er Jahren bis 2005 in und um Neuruppin in Brandenburg organisierten Drogenhandel und illegales Glücksspiel betrieb. Ihre mafiösen Verbindungen gingen bis ins Rathaus und zur Polizei.

Lateinamerika, VSA, Italien, Spanien

  • Mara („Jugendbanden“)

Die Mafia heute

Heute ist „Mafia“ international ein gleichbedeutender Begriff für organisierte Kriminalität. „Mafia“ wird gleichgesetzt mit gewalttätigen und verschworenen Geheimgesellschaften und kriminellen Klans, die sich in der Prostitution, dem Menschenhandel und dem Drogenhandel betätigen sowie ihre Einkünfte aus Erpressung, insbesondere der Schutzgelderpressung, dem illegalen Glücksspiel und Subventionserschleichung bzw. Subventionsbetrug bestreitet. Lohnendes „Geschäftsfeld“ ist weiterhin die kriminelle Unterwanderung von legalen Wirtschaftssektoren: der Bauwirtschaft, der Wohnungswirtschaft, der Abfallentsorgung, der Gastronomie und dem offiziellen Bank- und Finanzwesen. Allein in Italien soll die Mafia schätzungsweise 100 Mrd. Euro jährlich erwirtschaften – doppelt soviel wie der Autohersteller Fiat (Stand: 2006). Die Gewinne versucht die Mafia in den normalen Wirtschaftskreislauf einzubringen und so zu legalisieren.

Trotz zahlreicher wichtiger Verhaftungen bildet sich innerhalb der sizilianischen Cosa Nostra immer wieder eine neue Führungsspitze.

Aktuelle Verlautbarungen

Italien

2009: „Die italienische Regierung hat 17,8 Milliarden Euro für die Verbesserung der Infrastruktur zur Verfügung gestellt. 1,2 Milliarden sollen für die Renovierung von Schulen und Gefängnissen verwendet werden, allein 1,3 Milliarden Euro sind für den Bau einer Brücke zwischen dem italienischen Festland und Sizilien vorgesehen. Die umstrittene Brücke ist eines der Lieblingsprojekte von Regierungschef Silvio Berlusconi. Insgesamt wird die nahezu vier Kilometer lange Brücke sechs Milliarden Euro kosten. Berlusconi sagte, es seien vor allem die Medien, die die Wirtschaftskrise als ‚definitiv‘ und ‚tragisch‘ hochstilisierten. Er sehe zwar eine schwere Krise, aber das Adjektiv ‚tragisch‘ sei absolut übertrieben. Von den Projekten der Regierung Berlusconi dürfte auch das Organisierte Verbrechen (Mafia) profitieren, das in Italien vielerorts Bauvorhaben koordiniert.“[7]

BRD

Der Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano erklärte im März 2012: „Deutschland ist ein perfektes Land für die Mafia.“ Hier würden jährlich Milliarden Euro von der Mafia gewaschen. Auch wenn spezielle Polizeieinheiten für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität bestünden, reiche dies nicht aus.

Bekämpfung der Mafia

Behörden

International

  • Interpol ist die zweitgrößte Organisation der Welt hinter den Vereinten Nationen. Die Leitung der nationalen Polizeibehörden Europas wird zunehmend an die 1992 gegründete europäische Polizeibehörde Europol übergeben.

Staatlich

  • Republik Italien: Die Direzione Investigativa Antimafia (DIA) ist eine 1992 gegründete Antimafiabehörde der Carabinieri.
  • VSA: FBI (Federal Bureau of Investigation), DEA
  • BRD: Bundeskriminalamt

Wichtige Mafiagegner

Denkmal für Giovanni Falcone

Italien

  • Paolo Borsellino war u. a. Staatsanwalt bei den großen Mafiaprozessen und wurde am 19. Juli 1992 von der Mafia ermordet.
  • Antonino Caponnetto war leitender Richter der Untersuchungskommission, die zu dem ersten großen Mafiaprozeß führte.
  • Rocco Chinnici war ein sizilianischer Staatsanwalt u. a. beim ersten sogenannten Maxiprozeß gegen die Mafia in Palermo. Er war Begründer des Antimafia-Pools von Palermo und Ziehvater u. a. von Paolo Borsellino und Giovanni Falcone. Chinnici wurde am 29. Juli 1983 von der Mafia ermordet.
  • Carlo Alberto Dalla Chiesa war u. a. General der Carabinieri und wurde am 3. September 1982 von der Mafia ermordet.
  • Gaetano Costa war leitender Staatsanwalt und wurde von der Mafia am 6. August 1980 ermordet.
  • Giuseppe Diana war ein in der Camorra-Hochburg Casal di Principe geborener und dort tätiger Priester. Er setzte sich gegen die Camorra und die Omertà ein und betrieb verschiedene soziale Projekte. Landesweite Anerkennung erhielt er 1991, als er in sämtlichen Kirchen von Casal di Principe und Umgebung das von ihm verfaßte Dokument „Per amore del mio popolo non tacerò“ („Aus Liebe zu meinem Volk werde ich nicht schweigen“) verteilen ließ. Er wurde am 19. März 1994, seinem Namenstag, von der Camorra ermordet.
  • Giovanni Falcone war u. a. Staatsanwalt bei den großen Mafiaprozessen und wurde am 23. Mai 1992 von der Mafia ermordet.
  • Giorgio Boris Giuliano war ein leitender Polizeibeamter und wurde von der Mafia am 21. Juli 1979 ermordet.
  • Libero Grassi war ein sizilianischer Unternehmer, der sich Anfang der 1990er Jahre öffentlich gegen die Schutzgelderpressung seitens der Mafia wehrte und damit einer der ersten überhaupt, der dieses Problem auf nationaler Ebene thematisierte. Er wurde am 29. August 1992 von der Mafia ermordet.
  • Giuseppe Impastato war ein italienischer Politiker und wurde in der Nacht zwischen dem 8. und 9. Mai 1978 von der Mafia ermordet.
  • Giuseppe Insalaco war ein italienischer Politiker und ehemaliger Bürgermeister von Palermo. Er trat im Juli 1984 nach nur drei Monaten von seinem Amt als Bürgermeister aus Protest gegen die in Palermo offensichtlich übliche Verstrickung zwischen Politik und Mafia zurück. Er wurde am 12. Januar 1988 von der Mafia ermordet.
  • Rosario Livatino war ein sizilianischer Staatsanwalt, der als einer der ersten die Beschlagnahmung von Mafia-Vermögen als Mittel zum Kampf gegen die Mafia einsetzte. Er wurde am 21. September 1990 im Alter von knapp 38 Jahren von der Mafia ermordet.
  • Piersanti Mattarella war ein italienischer Politiker und ehemaliger Präsident der Region Sizilien. Während seiner Amtszeit ab 1978 verurteilte er öffentlich die Verstrickung zwischen Politik (Regionale Ämter sowie teilweise seiner eigenen Parteikollegen) und Mafia. Er wurde während seiner Amtszeit am 6. Januar 1980 von der Mafia ermordet.
  • Beppe Montana war ein sizilianischer Polizist und Leiter der für die Verhaftung von gesuchten Mafiamitgliedern zuständigen Gruppe der Polizeikräfte in Palermo. Zusammen mit mehreren Polizeikollegen führte er die Untersuchungen im Fall Pizza Connection. Er wurde am 28. Juli 1985 von der Mafia ermordet. Wenige Tage später, am 6. August 1985, wurden ebenfalls seine Arbeitskollegen Roberto Antiochia und Antonino Cassarà von der Mafia ermordet. Der dabei verletzte Natale Mondo wurde schließlich am 14. Januar 1988 von der Mafia ermordet.
  • Leoluca Orlando ist Politiker und Jurist und war u. a. von 1985 bis 2000 Bürgermeister von Palermo, wo er mit einem vielfältigen Projekt der zivilen Erneuerung den Einfluß der Mafia im sizilianischen Alltag zurückzudrängen versuchte.
  • Salvatore Pappalardo war emeritierter Erzbischof von Palermo und wurde durch seine unerschrockenen Reden gegen die Mafia und sein Eintreten gegen das die Mafia begünstigende Schweigen bekannt.
  • Pino Puglisi war ein sizilianischer Priester und ab 1990 Pfarrer im Brancaccio-Quartier von Palermo, Hochburg der Mafia, wo er sich gegen die Mafia und die Omertà einsetzte und verschiedene soziale Projekte initiierte. Er wurde am 15. September 1993, dem Tag seines 56. Geburtstages, von der Mafia ermordet.
  • Cesare Terranova war u. a. leitender Staatsanwalt und wurde am 25. September 1979 von der Mafia ermordet.

Schweiz

  • Carla del Ponte ist eine Schweizer Juristin und war ab 1981 Staatsanwältin des Kantons Tessin und zwischen 1994 bis 1999 Schweizer Bundesanwältin. In diesen beiden Funktionen war sie u. a. in Zusammenarbeit mit Giovanni Falcone im Kampf gegen die Geldwäsche und das organisierte Verbrechen tätig.

VSA

  • Joseph D. Pistone war ein verdeckt arbeitender FBI-Agent, durch den eine Neuyorker Mafia-Familie enttarnt werden konnte.
  • Eliot Ness war u. a. Finanzbeamter in Chicago zur Zeit der Alkoholprohibition.
  • Rudolph Giuliani hatte großen Erfolg bei der Bekämpfung der fünf Neuyorker Familien zu Beginn der 1980er Jahre. Es gelang ihm als leitendem Distriktstaatsanwalt für Neuyork Stadt, vier der fünf Familienoberhäupter zu teilweise lebenslangen Haftstrafen zu verurteilen. Sein Engagement im Kampf gegen die Mafia, auch später als Oberbürgermeister der Stadt, soll auch darauf begründet sein, daß sein Vater, ein Einwanderer aus Norditalien, einst ein Geschäft aufgrund von Repressalien der Mafia aufgeben mußte.

Filme und Filmdokumentationen

  • Albanien: Das Gesetz der Mafia, Reportage, Frankreich, 2007, 22:37 Min., Buch und Regie: Frédéric Vassort und Jean Paul Llmazares, Produktion: arte, Mano a Mano, Online-Video, Inhaltsangabe

Literatur

  • Hervé Ryssen: The Jewish Mafia, lulu.com, 2016, ISBN 978-1365101717 [382 S.]
  • Norbert Borrmann: Das große Lexikon des Verbrechens – Täter, Motive und Hintergründe, Schwarzkopf und Schwarzkopf Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-896-02506-6 [525 S.]
  • Roberto Saviano:
    • Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra. Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß, Hanser-Verlag, München 2007, ISBN 978-3-446-20949-7 [364 S.]
    • Der Kampf geht weiter – Widerstand gegen Mafia und Korruption. Mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe von Roberto Saviano, aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß, Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-23881-7 [174 S.]
    • ZeroZeroZero – Wie Kokain die Welt beherrscht. Aus dem Italienischen von Rita Seuß und Walter Kögler, Hanser Verlag, München 2014, ISBN 978-3-446-24497-9 [477 S.]
  • Jürgen Roth:
  • Egbert Bülles / Axel Spilcker: Deutschland, Verbrecherland? Mein Einsatz gegen die organisierte Kriminalität, Econ-Verlag, 2013, ISBN 978-3430201599 [Der Verfasser ist Oberstaatsanwalt.]
  • Pino Arlacchi:
    • Mafia von Innen – Die Geschichte des Antonio Calderone, S. Fischer, Frankfurt am Main 1993, 1995. ISBN 3-596-12477-8
    • Mafiose Ethik und der Geist des Kapitalismus – Die unternehmerische Mafia, Cooperative Verlag, Frankfurt a. M. 1989, ISBN 3-88442-019-4
  • Filippo Bettini (Hg.): Poeti contro la mafia – A cura di Filippo Bettini con un’ intervista a Paolo Volponio, La Luna, Palermo 1994, ISBN 88-7823-042-1
  • Anton Blok: Die Mafia in einem sizilianischen Dorf 1860–1960 – Eine Studie über gewalttätige bäuerliche Unternehmer, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-518-11082-9
  • Carmen Butta: Jetzt gehörst du nicht mehr dieser Welt – Reportagen über die Mafia, Hirzel Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0936-6
  • Nando Dalla Chiesa: Der Palazzo und die Mafia – Die italienische Gesellschaft und die Ermordung des Präfekten Dalla Chiesa, Verlag Förtner & Kroemer, Köln 1985, ISBN 3-924366-01-2
  • Teresa Cordopatri dei Capece / Angelica Rago Gallizzi: Schwarzes Schweigen – Eine Frau kämpft gegen die Mafia, Piper Verlag, München 1998, ISBN 3-492-22556-X
  • John Dickie: Cosa Nostra. Die Geschichte der Mafia, S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 3-596-17106-7
  • Giovanni Falcone / Marcelle Padovani: Mafia intern, Knaur, München 1993, ISBN 3-426-80012-8 (Titel der franz. Originalausgabe: Cosa Nostra, Titel der engl. Ausgabe: Inside Mafia)
  • Diego Gambetta: Die Firma der Paten – Die sizilianische Mafia und ihre Geschäftspraktiken, dtv, München 1994, ISBN 3-423-30417-0
  • Henner Hess: Mafia – Ursprung, Macht und Mythos, Herder, Freiburg 1993, ISBN 3-451-04244-4
  • Edith Kliez: Ich, die Frau des Paten – Als Deutsche in der Mafia, Ullstein Verlag, 1998, ISBN 3-548-35818-7
  • Ciro Krauthausen: Moderne Gewalten – Organisierte Kriminalität in Kolumbien und Italien, Frankfurt am Main, Campus 1997, ISBN 3-593-35768-2
  • Dagobert Lindlau: Der Mob, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, ISBN 3-423-30070-1
  • Salvatore Lupo: Die Geschichte der Mafia, Patmos, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96152-1
  • Leoluca Orlando: Ich sollte der Nächste sein. Zivilcourage – die Chance gegen Korruption und Terror, Herder, Freiburg 2002, ISBN 3-451-05451-5
  • Hanspeter Oschwald: Einer gegen die Mafia – Leoluca Orlando, Bürgermeister von Palermo, Herder Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-451-04598-2
  • Marina Pino: Im Dienst der ›Familie‹ – Weibliche Drogenkuriere der Mafia, Fischer Taschenbuch Verlag, Ffm. 1996, ISBN 3-596-12697-5
  • Werner Raith:
  • Petra Reski:
    • Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern, Droemer Knaur, München 2008, 336 S., Gebunden, ISBN 978-3-426-27466-8
    • Rita Atria – eine Frau gegen die Mafia, Heyne Verlag, München 1994, ISBN 3-453-08931-6
  • Alexander Stille: Die Richter, die Mafia und der Tod, C.H. Beck Verlag, München 2006, ISBN 3-406-52955-0
  • Rolf Uesseler: Stichwort Mafia, Heyne Verlag, München 1994, ISBN 3-453-07068-2
  • Andreas Ulrich: Das Engelsgesicht – Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland, DVA, Stuttgart 2005, ISBN 3-421-05899-7

Verweise

Wissenschaftliche Artikel
Journalistische Artikel
Archive

Fußnoten

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