Giesler, Paul

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Gauleiter Paul Giesler

Paul Giesler (Lebensrune.png 15. Juni 1895 in Siegen; Todesrune.png 8. Mai 1945 in Bischofswiesen-Stanggaß, Landkreis Berchtesgadener Land) war ein deutscher Offizier des Deutschen Heeres, der SA und der Wehrmacht, zuletzt Hauptmann der Reserve des Heeres und SA-Obergruppenführer sowie Politiker, Reichstagsabgeordneter und Preußischer Staatsrat; von 1941 bis 1943 Gauleiter der NSDAP zunächst von Westfalen-Süd, ab 1942 als ständiger Vertreter, dann Nachfolger von Adolf Wagner auch von München-Oberbayern. Zudem war er von November 1942 bis 1945 bayerischer Ministerpräsident und gemäß Adolf Hitlers politischem Testament Reichsminister des Innern.

Leben

Gauleiter Paul Giesler (links) mit dem Bochumer Oberbürgermeister Dr. Otto Piclum (rechts)
Giesler und Generalfeldmarschall Keitel gedenken der Blutzeugen
Gauleiter Paul Giesler spricht bei einer der unzähligen Gedenkfeiern für die Gefallenen des alliierten Bombenterrors, München 1944
Der Völkische Beobachter zum Krawall in Penzberg

Erster Weltkrieg

Im August 1914 meldete er sich freiwillig zum Fronteinsatz und beendete den Ersten Weltkrieg als Leutnant und Kompanieführer eines Garde-Pionierbataillons. Mehrfach verwundet wurde er mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse ausgezeichnet. Von 1922 bis 1933 arbeitete er als selbständiger Architekt in Siegen. Sein jüngerer Bruder Hermann studierte in München ebenfalls Architektur.

Zwischenkriegszeit

1919 trat Giesler dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten bei, dem er bis 1927 angehörte. Ab 1920 war er Mitglied des Jungdeutschen Ordens. Der SA und der NSDAP trat Giesler 1928 bei. Bis 1933 wirkte er als Führer einer SA-Standarte, Gauredner und Leiter der Parteiortsgruppe Siegen. Seit 1933 war er Mitglied des Reichstages. Zwischen den Führungen der SA-Gruppen Westfalen und Alpenland war Giesler Stabschef der Gruppe Hochland. 1938 meldete sich Giesler als Reserveoffizier zur Wehrmacht.

Zweiter Weltkrieg

Giesler nahm als Hauptmann der Reserve und Kompaniechef 1939 am deutschen Befreiungskrieg gegen Polen und 1940 am Westfeldzug teil. Erneut verwundet, erhielt er die Spange zum Eisernen Kreuz zweiter Klasse.

Dann wurde er zunächst zum Stellvertreter und am 16. November 1941 zum Nachfolger des bisherigen Gauleiters von Westfalen-Süd ernannt. Als im Juni 1942 der bisherige Gauleiter von Oberbayern, Adolf Wagner, aus gesundheitlichen Gründen abgelöst werden mußte und der bayerische Ministerpräsident Ludwig Sieber am 1. November 1942 starb, wurde Giesler im Juni Gauleiter und Staatsminister des Innern, im November dann Ministerpräsident. Weiter wurde er mit den Geschäften der bayrischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, für Finanzen sowie Wirtschaft betraut.[1]

Am 28. und 29. April 1945 gelang es ihm mit Hilfe von SS- und Werwolf-Einheiten, einen Aufstand von Deserteuren unter dem Verräter Rupprecht Gerngross niederzuschlagen, die sogenannte Penzberger Mordnacht. Im oberbayerischen Penzberg war unter Rädelsführerschaft des früheren SPD-Bürgermeisters Hans Rummer der nationalsozialistische Oberbürgermeister Karl Fiehler abgesetzt und zur Kollaboration mit dem Gegner aufgerufen worden. Giesler rettete den angeblich an diesem Putschversuch beteiligten Reichsstatthalter General der Infanterie Franz Ritter von Epp vor dem Tode. Mit dem Hinweis, Ritter von Epp sei eine rein politische Persönlichkeit, die als solche ausschließlich dem Führer unterstehe, entzog er ihn dem unter dem Vorsitz des Münchner Kampfkommandanten Generalleutnant Rudolf Hübner stehenden Standgericht. Unter dem Schutz eines Polizei-Obersten ließ er ihn nach Salzburg bringen.

Beim Vormarsch der Amerikaner gegen München sorgte Giesler – gegen den Plan Generalfeldmarschall Kesselrings – für die Nichtsprengung der Münchner Brücken, da er angesichts der militärischen Lage die Zerstörung für sinnlos erachtete. Paul Giesler war im politischen Testament Adolf Hitlers als zukünftiger Reichsminister des Innern (als Nachfolger von Heinrich Himmler) der Regierung Dönitz vorgesehen, sollte sich diesbezüglich Ende April 1945 in den Raum „Alpenfestung“ absetzen.

Chronologie

1902–1914 Besuch von Volksschule und Realgymnasium in Siegen

  • 1914–1918 Kriegsdienst
  • 1919–1921 Architektur Studium an der Höheren Landesbauschule in Darmstadt
  • 1919 Mitglied im Stahlhelmbund (bis 1927)
  • 1922 Eintritt in die NSDAP und Mitbegründer der Siegerländer SA (bis zur Verbotszeit nach dem Marsch auf die Feldherrnhalle)
  • 1922–1933 selbständiger Architekt (wie schon sein Vater)
  • 1924 Parteiredner
  • 1.1.1928 Wiedereintritt, formal (durch ein parteiinternes Versehen) Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 72.741)
  • 1929–1933 NS-Ortsgruppenleiter in Siegen
  • 15.9.1932 SA-Standartenführer der SA-Gruppe Westfalen,
  • März 1933-April 1934 Stadtrat in Siegen
  • 11.8.1933–14.3.1934 Führer der SA-Brigade 68 Siegen
  • November 1933–1945 Mitglied des Deutschen Reichstags (9.–11. Wahlperiode, Wahlkreis 18 Westfalen Süd bzw. Wahlkreis 14 Weser-Ems)
  • 15.11.1933 SA-Oberführer
  • 15.3.–30.6.1934 Führer der SA-Gruppe Westfalen in Dortmund
  • 20.4.1934 SA-Brigadeführer
  • 1934 Anklage wegen vermeintlicher Anhängerschaft von Ernst Röhm; Ankläger: Gauleiter von Westfalen-Süd Josef Wagner
  • 10.4.1935 Freispruch vor dem Obersten Parteigericht der NSDAP mangels Beweisen
  • 15.5.1935–31.8.1936 Führer der SA-Brigade 63 (Oldenburg-Ostfriesland)
  • 19.2.1936 Mitglied des Kulturkreises der SA
  • 1.9.1936–31.5.1938 Stabsführer der SA-Gruppe Hochland in München
  • 9.11.1937 SA-Gruppenführer
  • 1.6.1938 Aufbau der SA in der Ostmark nach dem Beitritt Österreichs
  • 1.6.1938–6.9.1941 Führer der SA-Gruppe Alpenland in Linz
  • 1939/40 Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Hauptmann und Kompaniechef, verwundet
  • 9.1941 Hauptdienstleiter
  • nach der Absetzung Josef Wagners vom 9.11.1941 bis 18.6.1943 Gauleiter des Gaus Westfalen-Süd, ab 26.1.1943 vertreten durch Albert Hoffmann
  • 15.11.1941–18.6.1943 Gauwohnungskommissar des Gaus Westfalen-Süd
  • 1942 Preußischer Staatsrat
  • 6.4.1942–18.6.1943 Beauftragter des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz für den Gau Westfalen-Süd
  • 23.6.1942–12.4.1944 Stellvertreter (ständiger Vertreter) für den erkrankten Gauleiter von München-Oberbayern, Adolf Wagner (12.4.1944 Amtsübernahme)
  • 23.6.1942–12.4.1944 Wahrnehmung der Geschäfte des bayerischen Staatsministers des Innern sowie für Unterricht und Kultus
  • 23.6.1942–1945 Gauwohnungskommissar und Beauftragter des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz für den Gau München-Oberbayern
  • 2.11.1942–April 1944 Wahrnehmung der Geschäfte des bayerischen Ministerpräsidenten (ab 12.4.1944 Amtsübernahme) sowie Staatsminister der Finanzen und für Wirtschaft
  • ab 1.12.1942 Reichsverteidigungskommissar für den Gau München-Oberbayern (Wehrkreis VII) sowie vom 16.11.1942-26.1.1943 für den Gau Westfalen-Süd und ab April 1945 Reichsverteidigungskommissar Süd (Gau Bayern, Schwaben, Tirol, Oberdonau und Salzburg)
  • 30.1.1943 SA-Obergruppenführer
  • 25.9.1944 Führer des Deutschen Volkssturms im Gau München-Oberbayern
  • am 29.4.1945 von Hitler testamentarisch zum Reichsminister des Innern bestimmt (Nachfolge Himmler), am selben Tag Flucht nach Berchtesgaden (Alpenfestung), die VS-amerikanischen Invasoren nahmen am 30. April 1945 die Stadt ein

Tod

Gieslers Tod ist im Sterbebuch der Katholischen Pfarrei Berchtesgaden für den 8. Mai 1945 dokumentiert. Nicht geklärt sind die Todesumstände. Er soll nach dem mißglückten Versuch, sich selbst zu erschießen, schwerverletzt zu einem Bäcker Ertl nach Ramsau gebracht worden sein. Nach anderen Quellen hatte er am 1. Mai 1945 zusammen mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter einen Suizidversuch mit Hilfe von Schlafmitteln (nach anderen Quellen Gift) unternommen.

„In Hitlers politischen Testament vom 29.04.1945 wurde Giesler in der Nachfolger von H. Himmler mit dem Amt des Reichsinnenministers in einer längst nicht mehr existenten deutschen Reichsregierung bedacht. Am 08.05.1945 verstarb der frühere Gauleiter von Westfalen-Süd und München-Oberbayern auf der Flucht vor den sich nähernden US-Truppen in Berchtesgaden an den Folgen eines wenige Tage zuvor gemeinsam mit seiner Ehefrau verübten Selbstmordversuchs.“[2]

Dort soll ihn ein Leutnant der Waffen-SS in seinem Wagen mitgenommen und zum damaligen Lazarett im Bischofswieser Ortsteil Stanggaß gebracht haben. Sechs Tage darauf starb er an den Folgen, wiederum nach anderen Quellen, bat er seinen Adjutanten, ihn zu erschießen, was dieser auch nachkam.

Giesler wurde am 10. Mai 1945 auf dem Alten Friedhof in Berchtesgaden beigesetzt. Wenig später schändeten Amerikaner sein Grab, um Gieslers Identität festzustellen. Bei der Exhumierung sollen sie dem toten Gauleiter die Orden und Ehrenzeichen abgenommen haben.[3] Der Grabstein des Ehepaares (Abteilung 0, Reihe 3, Grab 12) wurde in der Nachkriegszeit entfernt.

Auszeichnungen (Auszug)

Fußnoten

  1. RdErl. des RWM vom 11. Mai 1944 – I 2/1 – 3306/44 – Geschäftsbereich des bayerischen Ministerpräsidenten und Staatsministers des Innern Gauleiter Giesler. In: RWMBl. Heft 9 1944, S. 134
  2. Paul Giesler, Westfälische Geschichte
  3. vgl.: Karl Höffkes: HpG. Die Gauleiter des Dritten Reiches, Grabert-Verlag, Tübingen