Protektorat Böhmen und Mähren

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Protektorát Čechy a Morava
Protektorat Böhmen und Mähren
Flagge des Protektorats Wappen des Protektorats
(Flagge) (Wappen)
Status Protektorat des Deutschen Reiches
Amtssprachen Tschechisch, Deutsch
Hauptstadt Prag
Einrichtung 15. März 1939
Reichsprotektoren
Staatspräsident Emil Hácha
Einwohnerzahl 7.380.000 (1940)
Währung] Tschechische Krone

Das Protektorat Böhmen und Mähren (tschechisch Protektorát Čechy a Morava) war von 1939 bis 1945 ein Protektorat des Deutschen Reiches. Es ging am 15. März 1939 aus der Rest-Tschechei hervor, welche ein Teil des vormaligen Versailler Kunststaates Tschecho-Slowakei war. Das Protektorat gehörte weder zur Slowakei noch zu dem zuvor an das Deutsche Reich angeschlossene Sudetenland noch zu den an Polen und Ungarn abgetretenen Landesteilen.

Die Namen Böhmen und Mähren wurden gewählt, da die besagten Gebiete lange Zeit wichtige Bestandteile des Alten Reiches sowie Österreich-Ungarns waren, so wurde in Prag etwa die erste deutsche Universität errichtet.

Name

Der offizielle Titel war Protektorat Böhmen und Mähren. Fälschlicherweise wird in der nach 1945 erschienenen Literatur häufig vom Reichsprotektorat Böhmen und Mähren gesprochen.

Einwohner

Das Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren hatte (1930) 6.807.809 Einwohner, von denen noch ca. 225.000 Deutsche (3,3 %) waren, nachdem bereits einhundert Jahre zuvor im Zuge des antideutschen Panslawismus ein langsamer aber stetiger Vertreibungsprozeß der deutschen Bewohner begonnen hatte.

Gründe für die Einrichtung des Protektorats

Das Großdeutsche Reich mit dem Protektorat Böhmen und Mähren sowie dem besetzten Polen
Das deutsche Sudetengebiet nun als Teil des Großdeutschen Reiches
Völkischer Beobachter vom 16. März 1939: Anschluß der Rest-Tschechei, Böhmen und Mähren sind wieder im Reich
Flugblatt des Gaus Berlin vom 18. März 1939 anläßlich des Anschlusses von Böhmen und Mähren (Vorderseite)
Flugblatt (Rückseite)

Geschichtlicher Aspekt

Fakt ist, daß das Gebiet zuvor jahrhundertelang Teil des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns war und der Kunststaat Tschecho-Slowakei, der nur 20 Jahre existierte, mit dem alleinigen Ziel der Schwächung Deutschlands geschaffen wurde. Böhmen und Mähren waren demzufolge kein Ausland, sondern ein seit langem fester Bestandteil Deutschlands gewesen, in dem Deutsche und Tschechen zuvor gemeinsam gelebt hatten. Zum Zeitpunkt der Zerschlagung der Rest-Tschechei war das Band gerade einmal seit 20 Jahren zerissen worden und somit noch nicht aus dem Gedächtnis entschwunden.

Geostrategischer Aspekt

Adolf Hitler hatte in München gar keine Absichten auf die eigentliche Tschechoslowakei, sondern wollte nur die Sudetendeutschen Gebiete zurückhaben. In der Weisung Hitlers vom 21. Oktober 1938, welche immer als Beweis seiner Eroberungssucht angesehen wird, heißt es nur:

„Es muß möglich sein, die Resttschechei jederzeit zerschlagen zu können, wenn sie etwa eine deutschfeindliche Politik betreiben sollte.“

Nach „München“ entwickelten sich dort aber nicht nur Auflösungstendenzen, da die Slowakei und die Karpatho-Ukraine die Loslösung anstrebten, sondern auch stark deutschfeindliche Tendenzen, welche sich zu einer Gefahr für Deutschland zu entwickeln drohten. Beweise dafür liegen vor. Schon 1918 hatten die tschechischen Politiker in Versailles die Notwendigkeit der Tschechei damit begründet, daß ihre Lage sie natürlicherweise zum Todfeind der Deutschen mache. Der französische Luftfahrtminister Pierre Cot bestätigte, daß die Tschechei bestimmt sei, im Falle eines Krieges wegen des kurzen Anflugweges die deutschen Orte und Industrien mit Bomben anzugreifen. Winston Churchill bezeichnete die Tschecho-Slowakei selbst einmal als „Flugzeugträger im Rücken Deutschlands“. Somit fürchtete man im Deutschen Reich, daß im Kriegsfall feindliche Truppen von drei Seiten nach Deutschland vordringen könnten und kam dem zuvor.

Pfeil 2 siehe auch.pngSiehe auch: Kuffner-Plan

Die deutschfeindliche Haltung der tschechischen Seite trug ihr übriges zur Verschärfung der Lage bei. Exemplarisch hierfür sind die Drangsalierungen der Sudetendeutschen und die tschechische Mobilmachung gegen das Deutsche Reich im Mai 1938 ohne ersichtlichen Grund zu nennen. Die englische Garantieerklärung an Polen brachte Deutschland in seinen angestrebten Lösungsverhandlungen um den polnischen Korridor keinen Schritt näher. Die Tschechei blieb, nach allen Erfahrungen, das englische Pfand, um Verhandlungen mit Polen auf Dauer zu blockieren. Demzufolge kam es am 14. März 1939 zu einem Treffen zwischen Hitler und dem damaligen tschechischen Präsidenten Emil Hacha in Berlin.

Hitlers Entschluß stand bereits fest, den innenpolitisch krisengeschüttelten Reststaat Tschechei aus dem deutschfeindlichen Verbund mit Frankreich und England zu lösen, auf dessen weitere Fledderung schon bereits Ungarn und Polen warteten. Die Ursachen hierfür lagen jedoch im vorherigen Verhalten der Tschecho-Slowakei selbst, vor allem in seiner Minderheitenpolitik gegenüber den verbliebenen Sudetendeutschen, die aus Ämtern und ihren Arbeitsplätzen herausgedrängt wurden und, im Gegensatz zu Tschechen, kein Arbeitslosengeld erhielten und somit völliger Not preisgegeben waren. Auch die prinzipiell deutschfreundliche Haltung des damaligen Präsidenten Hacha änderte an Hitlers Entschluß nichts mehr. Hitler ließ die Rest-Tschechei besetzen mit dem Versprechen einer weitgehenden innenpolitischen Autonomie, die weit über das Maß der Zeit Böhmens und Mährens unter Österreich-Ungarn hinausgehen sollte.

Hitler hielt sein Versprechen. Das Militär wurde abgerüstet, trotzdem sank in Folge die Arbeitslosigkeit unter den 6 Millionen Tschechen. Die Polizei blieb tschechisch, die tschechische Krone blieb Landeswährung. Auch die Landesgrenze blieb bestehen und eine Ein- und Ausreise war auch weiterhin für Deutsche nur mit einem Paß möglich.

In seiner Rede vom 28. April 1939 sagte Hitler dazu::

„Ob diese Lösung, die Deutschland gefunden hat, richtig ist oder nicht richtig ist, wird die Zukunft erweisen. Sicher aber ist das eine, daß die Lösung nicht einer englischen Kontrolle oder englischer Kritik untersteht. Denn die Länder Böhmen und Mähren haben als letztes Restgebiet der ehemaligen Tschecho-Slowakei mit der Münchner Abmachung überhaupt nichts mehr zu tun. So wenig, als etwa englische Maßnahmen, sagen wir in Irland, mögen sie richtig oder falsch sei, einer deutschen Kontrolle oder Kritik unterstellt sind, so wenig ist dies bei diesen alten deutschen Kurfürstentümern der Fall.“

Reinhard Heydrich begründete die Errichtung des Protektorates in seiner Rede vom 20. Januar 1942 mit der aggressiven Ideologie des Panslawismus:

„Die geschichtliche Fehlentwicklung zur Eigenstaatlichkeit und die Zeit der Republik selbst haben die Bevölkerung Böhmens und Mährens bewußt von der organischen geopolitischen und geschichtlich gewachsenen Zugehörigkeit zum Reich wegerzogen. Die politischen und geistigen Drahtzieher des Westens, der plutokratischen Mächte und – im Mäntelchen eines sogenannten Panslawismus – die bolschewistischen Mächte haben diese Fehlerziehung mit allen Mitteln gefördert und die Heranbildung einer seit kurzem entwickelten, prozentual viel zu zahlreichen egoistischen und ehrgeizigen Intelligenzschicht erzwungen.“[1]

Geschichte

  1. Das Sudetenland wurde dem Deutschen Reich angegliedert (Herbst 1938)
  2. Ungarn besetzte Grenzgebiete teils ungarischer Ethnie sowie auch
  3. die ruthenischsprachige Karpatoukraine (Herbst 1938).
  4. Polen besetzte Gebiete in Teschen (Herbst 1938).
  5. Im März 1939 wurde die restliche Tschechei von Deutschland annektiert und wurde zum sogenannten Reichsprotektorat Böhmen und Mähren.
  6. Aus der Resttschechoslowakei bildete sich die Erste Slowakische Republik.

Durch das Münchener Abkommen vom 29. September 1938 wurde das Sudetenland dem Deutschen Reich eingegliedert. Am Morgen des 15. März 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Prag ein und errichtete das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Die Slowakei war am Tage zuvor mit ihrer Unabhängigkeitserklärung faktisch in eine Art Vasallenverhältnis zum Deutschen Reich getreten. Auf dieses Auseinanderbrechen des Staates glaubte Staatspräsident Emil Hácha allein damit reagieren zu können, indem er Hitler in Berlin um „Protektion“ für den Reststaat bat.

Mitteilung des Reichsprotektors 1939

Am 28. Oktober 1939, dem Jahrestag der tschechoslowakischen Unabhängigkeit, demonstrierten in Prag mehrere Tausend Studenten gegen die deutsche Besatzung. Dabei wurde der Medizinstudent Jan Opletal von einer Kugel schwer verwundet und starb am 15. November 1939 an seinen Verletzungen. Sein Tod löste schwere Unruhen aus. Daraufhin wurde die Tschechische Karlsuniversität in Prag am 17. November 1939 geschlossen, über 1.200 tschechische Studenten wurden im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert aber 1942 wieder freigelassen.

Der Chef des Reichssicherheitshauptamtes SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich wurde 1941 zum stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren ernannt (Stellvertreter von Reichsprotektor von Neurath). Nachdem Heydrich am 27. Mai 1942 durch ein Attentat schwer verwundet worden und am 4. Juni 1942 an dessen Folgen gestorben war, erlebte das Reichsprotektorat Vergeltungsmaßnahmen für den Mord an Heydrich. 10.000 Tschechen wurden festgenommen, über 1.300 starben. Besonders bekannt wurde dabei das sogenannte „Massaker von Lidice“ (Liditz), bei dem am 10. Juni 1942 als Reaktion von Partisanenüberfällen auf deutsche Truppen alle Männer über 18 Jahren erschossen wurden. Am 3. Juli 1942 wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, die Standgerichte zur Aburteilung verdächtiger Personen blieben jedoch weiterhin auf unbestimmte Zeit im Amt.

Das Protektorat lieferte einen sehr großen Beitrag zur deutschen Kriegswirtschaft. Die gut ausgebildete Arbeiterschaft und hochentwickelte Industrie konnten voll ausgenutzt werden. Andererseits lag das Protektorat an der Grenze der Reichweite alliierter Bomber, so daß die tschechische Wirtschaft bis zum Kriegsende beinahe ungestört arbeiten und wichtige Kriegsgüter liefern konnte. Bis zum 29. Oktober 1943 wurden sämtliche nicht kriegswichtigen Betriebe geschlossen. Zum Kriegsschauplatz wurde Böhmen erst im Frühjahr 1945. Am 14. Februar 1945 bombardierten alliierte Flugzeuge die Stadt Prag, dabei starben 700 Menschen. Im März 1945 wurden die Prager Vororte Lieben und Vysocany bombardiert, dabei starben über 350 Menschen. Am 5. Mai 1945 ereignete sich der Prager Aufstand, der sich gegen die deutschen Truppen der Heeresgruppe Mitte, mehrere SS-Divisionen und zentrale Gestapo-Dienststellen im Protektorat wandte. Der Aufstand war de facto am 8. Mai beendet. Am 9. Mai 1945 marschierten die sowjetischen Truppen in Prag ein.

London wurde vor dem Einmarsch informiert

„Am 13. März lag ein entsprechendes Gutachten des britischen Außenministeriums vor. Dieses Papier diskutierte in aller Länge die gestellte Frage, ob der angekündigte deutsche Schritt nach Prag einen Verstoß gegen das Münchener Viermächte-Abkommen oder den ebenfalls in München unterzeichneten englisch-deutschen Konsultationsvertrag bedeuten würde. Die Autoren kamen in allen Fragen zu der Einschätzung, daß dies nicht der Fall wäre. Weder das Münchener Abkommen noch der Konsultationsvertrag würden durch die beabsichtige Protektoratserrichtung verletzt werden. Mehr noch: Der Unterzeichner F. K. Roberts stellte ausdrücklich fest, es gebe überhaupt keine juristische Basis für die britische Regierung, von der aus sie gegen die Errichtung des Protektorats protestieren könnte. Damit bestand einige Tage vor der Reise des tschechischen Präsidenten Emil Hacha nach Berlin in der englischen Regierung nicht nur Klarheit über die deutschen Absichten, sondern auch über deren völkerrechtliche Zulässigkeit, jedenfalls mit Blick auf die englisch-deutschen Beziehungen. Vielleicht fielen die Reaktionen auch deshalb zurückhaltend aus.“[2]

Die Errichtung des Protektorates Böhmen und Mähren

Nach dem Münchener Abkommen besetzten Polen und Ungarn Teile der Tschechei. Die Slowakei erklärte sich für selbständig. Der tschechische Staatspräsident Hacha unterstellte mit Vollmacht seiner Regierung am 15. März 1939 in Berlin sein Land deutscher Oberhoheit. Deutsche Truppen marschierten ein, das Protektorat wurde errichtet.

„Unserer Ansicht nach hat sich die Lage von Grund auf geändert, seit der Slowakische Landtag die Unabhängigkeit der Slowakei erklärt hat. Diese Erklärung hatte die Wirkung, daß der (tschechoslowakische) Staat von innen her zerbrach und so sein Ende fand [...]“ — Chamberlain, englischer Premier, 24. September 1938[3]

Um auszudrücken, daß die Tschechoslowakei durch ihre geographische Lage an der Mitte Deutschlands bei feindlicher Orientierung eine große militärstrategische Bedrohung darstellte, nannte der französische Minister Pierre Cot die Tschechoslowakei „das Flugzeugmutterschiff des Westens“. Hitler nannte die Tschechoslowakei einen „russischen Flugzeugträger mitten in Deutschland“.[4] M. Freund bezeichnete die Tschechei „als einen auf das Herz Deutschlands gerichteten Dolch, eine feindliche Festung mitten im deutschen Raum“.[5]

„Hitlers Bemerkung, daß das Protektorat im gegenwärtigen Moment eine Notwendigkeit sei, mag durchaus wert sein, daß man sich ihrer erinnert. Böhmen mag letzten Endes eine Frage der Formulierung sein [...] Es mag sein, was es wolle, solange es nicht als Bastion gegen Deutschland und als Brückenkopf für einen Angriff auf Deutschland ausgebaut werde.“ — Henderson, englischer Gesandter in Berlin[6]
„Die Sowjets hatten bis März 1939 bereits 300 Kriegsflugzeuge an die Tschechei (den „russischen Flugzeugträger“) geliefert. Außerdem standen mehrere Geschwader sowjetischer Flugzeuge auf tschechischen Flugplätzen bereit.“ — F. Sanborn, amerikanischer Historiker[7]

Friedrich Lenz bewertete die Errichtung des Protektorats wie folgt:

„Jenen aber, welche die Bildung des Protektorats kritisch als eine gewaltsame und damit zu verurteilende Tat Hitlers bezeichnen, möchte ich folgendes zu bedenken geben: 1. Hitler hatte in München gar keine Absichten auf die eigentliche Tschechoslowakei, sondern wollte nur die Sudetendeutschen Gebiete zurückhaben. In der Weisung Hitlers vom 21. Oktober 1938, welche immer als Beweis seiner Eroberungssucht angesehen wird, heißt es nur: ‚Es muß möglich sein, die Resttschechei jederzeit zerschlagen zu können, wenn sie etwa eine deutschfeindliche Politik betreiben sollte.‘ 2. Nach ‚München‘ entwickelten sich dort aber nicht nur Auflösungstendenzen, da die Slowakei und Karpatho-Ukraine die Loslösung anstrebten, sondern auch stark deutschfeindliche Tendenzen, welche sich zu einer Gefahr für Deutschland zu entwickeln drohten. Beweise dafür liegen vor. — 3. Der bekannte Politiker Paul Rohrbach sagte 1930 in Deutschland – Tod oder Leben: ‚Wenn eines Tages der Anschluß Österreichs an das Reich kommt, wenn die Formel ›ein Volk – zwei Staaten‹ auf den Scheiterhaufen geworfen wird, so wird das Gebiet des geeinigten deutschen Nationalstaates die Tschechoslowakei derart umfassen, daß sie zwangsläufig mit ihm ihr Auskommen zu suchen haben wird.‘ Daß die Tschechei trotz der Warnungen, die ihr Hitler in der Rede vom 28. September 1938 und im Gespräch mit dem tschechischen Außenminister zukommen ließ, das Gegenteil tat, war ihre Schuld. 4. Schon im Februar 1939, also Wochen vor der Schaffung des Protektorats, veröffentlichte eine führende englische Tageszeitung einen bemerkenswerten Leitartikel über den nach München den Tschechen verbliebenen Reststaat. Dieser Staat sei auf die Dauer nicht lebensfähig. Er sei geographisch und wirtschaftlich so eng vom Deutschen Reich umklammert, daß er zwangsläufig über kurz oder lang in Deutschland aufgehen werde; man könne dies bedauern, aber aufhalten ließe sich diese Entwicklung nicht mehr. England habe in München A gesagt und nun müsse es auch B sagen. 5. Böhmen und Mähren waren schon einmal Bestandteile des Deutschen Reiches und zwar 1.000 Jahre lang. 6. Hitler wird sich an den klassischen Ausspruch seines großen Vorgängers Bismarck erinnert haben, der da sagte: ‚Wer der Herr Böhmens ist, ist der Herr Mitteleuropas.‘ 7. Um mit den Worten des englischen Botschafters Henderson zu sprechen: ‚Die Gelegenheit war zu günstig, als daß Hitlers Opportunismus sie sich hatte entgehen lassen können.‘ 8. Abgesehen davon, daß die Tschechen im Protektorat ja nicht die Rolle einer bedrückten Minderheit, sondern die eines weitgehend selbständigen Volkes spielten, möchte ich mit Botschafter Abetz sagen: ‚Wer es in Ordnung fand, daß bis September 1938 dreieinhalb Millionen Deutsche gegen ihren Willen zum staatlichen Zusammenleben mit sechseinhalb Millionen Tschechen gezwungen worden waren, hatte kein Recht dagegen aufzutreten, daß im April 1939 diese sechseinhalb Millionen Tschechen gegen ihren Willen in einen Staatsverband mit achtzig Millionen Deutschen aufgenommen wurden.‘ 9. Wer nun noch die ‚Methode‘ kritisieren mochte, mit der Hitler den tschechischen Präsidenten Hacha, der am 15. März zu Hitler nach Berlin gefahren war und nach Meißner diesem schon am Bahnhof erzählte, ‚daß er angesichts der unhaltbar gewordenen Situation in seiner Heimat zu dem Entschluß gekommen sei, den Führer und Reichskanzler um Hilfe und Schutz anzugehen, und daß er hoffe, bei ihm Bereitwilligkeit zu einer gemeinsamen politischen Arbeit zu finden,‘ zur Annahme seines Protektoratsvorschlages veranlaßte, sei darauf verwiesen, daß ‚die Besprechung im Gegensatz zu späteren Tendenzmeldungen über heftige Zusammenstöße und brutale Bedrohungen in Ruhe und korrekten Formen verlief‘. Damit man aber auch weiß, warum Hitler dem Protektoratsvorschlag sofort den Einmarsch der Truppen folgen ließ, halte ich es für nützlich, hier eine einschlägige Buchstelle zu zitieren: ‚...erzählte einmal, wie minutiös Hitler an jenem Abend alle Einzelheiten der Situation kalkuliert hatte, als er Hacha in Berlin mit dem Protektoratsvertrag überrumpelte. Er hatte dabei genau ausgerechnet, daß bei Hachas Rückkehr nach Prag die eingeflogenen deutschen Verbände bereits Spalier zu seinem Empfang bilden mußten. Das alles hatte nun ein wenig nach großarrangiertem Indianerspiel ausgesehen und war offenbar von einigen Leuten in der Umgebung Hitlers auch dahin mißverstanden worden. Hitler hatte das bemerkt und nun dazu erklärt: ›Hacha ist ein alter, ehrlicher Mann. Es wird Kreise in seinem Land geben, die ihm nicht glauben werden, daß er nicht anders handeln konnte. Ich muß daher verhindern, daß nun Hacha gezwungen würde, zur Sicherung des Vertrages gegen einen Teil seiner Landsleute vorgehen zu müssen. Ich muß auch verhindern, daß die Möglichkeit einer loyalen Entwicklung innerhalb der nun einmal unumgänglich gewordenen Lösung auch nur durch einen einzigen sinnlosen Schuß unnötig belastet wird. Ich habe als Staatsmann das Amt eines Chirurgen – wenn ich schon schneiden muß, so darf ich über das Unabänderliche hinaus auch nicht einen einzigen noch so winzigen Schnitt sinnlos tun. Es ist nichts wichtiger für die spätere Anerkenntnis einer sachlich unvermeidlichen Notwendigkeit als die absolute Korrektheit, mit der man auch von vornherein die Grenzen des Unvermeidlichen einhält. Deshalb ist dieses Minutenprogramm, das die Reihenfolge des Eintreffens meiner Verbände und des Sonderzuges von Hacha in Prag genau regelt, so wichtig. Die Lösung der Protektoratsfrage als solche steht nicht mehr zur Debatte, sie würde auch durch das tschechische Militär nicht aufgehalten werden können. Aber man läßt nicht schießen, wo das Schießen nicht zum Zweck unumgänglich dazugehört und ihn für die Zukunft höchstens völlig nutzlos belastet.‹‘ 10. Es wäre für die Welt besser, Deutschland wäre heute der Herr Böhmens statt der Sowjetunion und das tschechische Volk wäre sicher glücklich, wenn die Zeiten des ‚Protektorats‘ wieder kommen könnten. 11. Am 15. März erklärte Chamberlain im Unterhaus, daß die englische Garantie für die Tschechoslowakei nicht zur Anwendung kommen könne, weil der Staat, dessen Grenzen England zu garantieren beabsichtigt hatte, von innen zerbrochen sei und so die geplante Garantie ein Ende gefunden habe. SM Regierung könne sich infolgedessen nicht länger an diese Verpflichtung gebunden halten. Als nun im Anschluß an das Protektorat noch das Memelland zurückkehrte, aber Hitler erklärt hatte, daß er wegen der Kolonien nie eine kriegerische Auseinandersetzung beginnen würde, hatte es England plötzlich eilig, einen Anlaß zu suchen, den man im geeigneten Zeitpunkte benützen konnte, um auf den Knopf zu drücken. Es hatte nämlich inzwischen in Erfahrung gebracht, daß Deutschland in aussichtsreichen Verhandlungen mit Polen bezüglich einer vernünftigen Korridorlosung stand. Statt sich nun an die edle Mahnung Churchills zu halten, die schon am 24. November 1932 ausgesprochen wurde – ‚Wenn die englische Regierung wirklich wünscht, etwas zur Förderung des Friedens zu tun, dann sollte sie die Führung übernehmen und die Frage Danzigs und des Korridors wieder aufrollen, solange die Siegerstaaten noch überlegen sind. Wenn diese Fragen nicht gelöst werden, kann keine Hoffnung auf einen dauernden Frieden bestehen‘ – erteilte es den Polen am 31. März 1939 ein nur wegen der oben erwähnten Eile verständliches Garantieversprechen — von äußerster Leichtsinnigkeit. Darüber äußerte Chamberlain im Unterhaus am 3. April 1939 die vielsagenden Worte, an die sich England noch einmal mit Schaudern erinnern wird: ‚So weit von unseren traditionellen Ideen in dieser Hinsicht abgewichen zu sein, wie ich es im Auftrag SM Regierung am Freitag getan habe, bildet in der Tat einen so wichtigen Markstein in der britischen Politik, daß ich mit Sicherheit sagen zu können glaube, daß dieser Entschluß ein Kapitel für sich erhalten wird, wenn es einmal zum Schreiben der Geschichtsbücher kommt...‘ Selbst der wenig hitlerfreundliche Staatssekretar Ernst von Weizsäcker meinte hierzu: ‚Wie konnte man in London glauben, auf solche Weise dem Frieden zu dienen? Glaubte man den durch äußere Erfolge verwöhnten und geblendeten Hitler öffentlich intimidieren zu können? Und glaubte man, die polnischen Regierungsorgane würden so zur Vorsicht gemahnt? Ich glaubte das nicht, und der britische Botschafter teilte meine Ansicht. Der britische Minister und spätere Botschafter Duff Cooper drückte es so aus: nie in der Geschichte habe England einer zweitrangigen Macht die Entscheidung darüber eingeräumt, ob Großbritannien in einen Krieg einzutreten habe oder nicht. Jetzt sei diese Entscheidung einer Handvoll Leuten überlassen, deren Namen – mit Ausnahme vielleicht des Obersten Beck – in England total unbekannt seien. Und diese Unbekannten könnten morgen die Entfesselung eines europäischen Krieges befehlen.‘ “[8]

Politik

Briefmarke in deutscher und tschechischer Sprache vom 29. Januar 1943 mit Zuschlagswert zugunsten des Winterhilfswerks

Mit der Errichtung des Protektorats im März 1939 wurden alle politischen Parteien verboten und durch die Nationale Union (Národní souručenství) als einzig zugelassener Einheitspartei ersetzt. Sie wurde bis 1942 von einem Präsidium (Výbor národního souručenství), danach von einem Führer (Vedoucí) geleitet.

Staatspräsident (Státní Prezident) unter deutscher Oberherrschaft war von 1939 bis 1945 der bisherige, ab November 1938 amtierende tschechoslowakische Staatspräsident Dr. Emil Hácha (1872–1945), Ministerpräsident zunächst der ebenfalls ab 1938 amtierende Premierminister Rudolf Beran (1887–1954).

Die tschechische Regierung im Reichsprotektorat bestand aus dem Ministerpräsidenten (Předseda vlády) sowie den Ministerien für Erziehung, Finanzen, Gesundheit, Handel, Inneres, Justiz, Landwirtschaft und Öffentliche Arbeiten. Die Zuständigkeiten für Außenpolitik und Verteidigung blieben der Besatzungsmacht vorbehalten. Der ehemalige Außenminister der Tschechoslowakei, František Chvalkovský wurde Minister ohne Geschäftsbereich und Ständiger Vertreter des Protektorats in Berlin.

Die Interessen des Großdeutschen Reiches gegenüber der Protektoratsregierung und damit die eigentliche Regierungsgewalt im Reichsprotektorat übernahm der sogenannte „Reichsprotektor“:

  • 16. März 1939 – 20. August 1943 Konstantin Freiherr von Neurath, ehemaliger Reichsminister des Auswärtigen, Reichsminister ohne Geschäftsbereich bis 1943 (am 27. September 1941 offiziell „aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt“)
  • 27. September 1941 – 30. Mai 1942 Reinhard Heydrich, zugleich weiterhin Chef des Reichssicherheitshauptamtes (offiziell am 27. September 1941 als Stellvertreter mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsprotektors beauftragt, aber mit allen Vollmachten ausgestattet)
  • 31. Mai 1942 – 20. August 1943 Kurt Daluege, zugleich Chef der Ordnungspolizei im Reichsministerium des Innern (ebenfalls Stellvertretender Reichsprotektor)
  • 20. August 1943 – 5. Mai 1945 Wilhelm Frick, ehemaliger Reichsminister des Innern

Als Leiter der Protektoratsverwaltung amtierte als Staatssekretär bzw. (ab 1943) Staatsminister beim Reichsprotektor:

Zweiter Weltkrieg

Eine Vielzahl von Juden aus der Tschechei wurden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern interniert. Mehrere Ortschaften wurden als Vergeltung für Überfälle von Partisanen zerstört, so die Ortschaften Lieditz, Lezaky, Ploština und zuletzt Jaworitsch, von denen die als Terrorkommandos tätigen männlichen Einwohner standrechtlich erschossen wurden.

Beim Näherrücken der Fronten kam es Anfang Mai 1945 vor allem in Prag zu Aufständen tschechischer Nationalisten und nach Kriegsende bei der Vertreibung der deutschen Bevölkerung zu blutigen Mordaktionen an deutschen Frauen und Kindern. Dokumentiert sind in den „Dokumenten zur Austreibung der Sudetendeutschen“ vor allem der Brünner Todesmarsch und das Aufhängen von Deutschen und Verbrennen bei lebendigem Leibe auf dem Prager Wenzelsplatz im Mai 1945.

Filmische Umsetzung

Siehe auch

Literatur

  • Uderstädt: Das Protektorat Böhmen-Mähren und der Schutzstaat Slowakei. 1939. (Text 20 Seiten, Bildteil 30 Seiten)

Verweise

Weltnetz

Tondateien

Fußnoten

  1. Erklärung des Stellvertretenden Reichsprotektors, SS-Obergruppenführer Heydrich, gegenüber der neu eingesetzten Protektoratsregierung (PDF-Datei)
  2. Junge Freiheit, 14. März 2014, S. 19: Der Einmarsch in die Rest-Tschechei
  3. vgl. „Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges 1939“, Deutsches Weißbuch, Nr. 2, Berlin 1939, 2 Doc., S. 259
  4. vgl. Härtle, H., „Kriegsschuld“, a.a.O., S. 182
  5. vgl. Freund, M., „Weltgeschichte“, a.a.O., S. 24
  6. vgl. Walendy, „Wahrheit“ a.a.O., S. 112
  7. vgl. Sanborn, zit. bei F. Lenz: „Nie wieder München“, Heidelberg 1965, I, S. 82
  8. Der ekle Wurm der deutschen Zwietracht (1952) S. 19 bis 21