Stemmle, Robert Adolf

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Robert Adolf Stemmle (1903–1974)
Bei den Dreharbeiten zu dem Film „Jungens“ von 1941; der Regisseur R. A. Stemmle (rechts) mit dem Kameramann Robert Baberske und seinen Gehilfen

Robert Adolf Ferdinand Stemmle, auch kurz R. A. Stemmle oder Robert A. Stemmle (Lebensrune.png 10. Juni 1903 in Magdeburg; Todesrune.png 24. Februar 1974 in Baden-Baden), war ein deutscher Autor, Regisseur und Filmproduzent.

Leben

Robert Adolf Ferdinand Stemmle wurde am 10. Juni 1903 in Magdeburg als Sohn des Lehrers Hugo Stemmle und dessen Frau Emma, geb. Vehe, geboren. Er machte sein Abitur am Realgymnasium Magdeburg, sein Lehrerseminar in Genthin; sein Examen beendete er 1923. Bis 1927 unterrichtete er an der Karl-Marx-Schule in Magdeburg-Buckau; beschäftigte sich mit Puppentheater, Schul- und Laienspiel. 1927 hatte er seine erste Veröffentlichungen, darunter ein Puppenspiel in der Reihe „Das Handpuppentheater“, an der er bis 1930 mitarbeitete.

Zu jener Zeit zogen viele Gruppen von Volksschauspielern durch die Lande und erhielten mit ihren Aufführungen in Städten und Dörfern ein dankbares Echo. Die Gründer und Leiter dieser Gruppen – ob sie nun Haas-Berkow, Holtorf oder Blachetta hießen – kamen aus der deutschen Jugendbewegung, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkriege entstanden war, und an einen von ihnen – es war Blachetta – wandte sich der junge Stemmle und wurde als Mitglied in seine Spielschar 1927/28 aufgenommen.[1]

1928 übersiedelte er nach Berlin, wo er mit dem Studium der Germanistik, Theater- und Literaturwissenschaften begann. Am 12. Dezember 1928 war die Uraufführung seines Stücks „Hans Dampf“ am Landestheater Meiningen. Über Hans Deppe mit Werner Finck bekannt, wurde er 1929 Gründungsmitglied des Kabaretts „Die Katakombe“. Er schrieb mehrere Bühnenstücke, so die satirische Arbeitslosenkomödie „30002 will arbeiten“ (Uraufführung: Landestheater Gotha; 31. Januar 1930), das „proletarische Oratorium“ (Scharff) „Mann im Beton“ und die sozialkritische Berliner Szene „Und Bronte schweigt dazu“. Bekannt wurde er durch das Schülerstück „Kampf um Kitsch“ (Uraufführung: Volksbühne Berlin; 30. September 1931; R: Karlheinz Martin): Ein Lehrer will im Keller der Schule ein Kitschmuseum eröffnen und löst dadurch heftige Kontroversen aus.

Am 29. Mai 1933 fand die Uraufführung seines mit Jens C. Nielsen verfaßten Schauspiels „Drei Apfelbäume“ am Deutschen Künstlertheater Berlin statt. Seit Beginn der 30er Jahre arbeitete Stemmle auf verschiedensten Gebieten: beim Rundfunk, beim Theater als Regieassistent Erik Charells und Ludwig Bergers, als Dramaturg und Regisseur sowie beim Film als Chefdramaturg der Tobis (1930-34?). Des weiteren war er Regisseur bei der UFA (ab 1936); er schrieb für in- und ausländische Zeitungen (u. a. Schauspieleranekdoten für die Berliner Illustrirte) und war Publizist von Anekdoten-, Moritaten- und Balladensammlungen.

Im Auftrag Max Reinhardts entwarf er mit Ödön von Horváth eine Revue, die jedoch unvollendet blieb. 1933 drehte Johannes Meyer nach der Komödie von Stemmle und Hans Szekely den Film „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Buch: Peter Francke, Walter Wassermann).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Stemmle als Regisseur an Theatern in Heidelberg, München und Berlin.

1946 gründete er in München das Kabarett Gonghaus und unterrichtete bis 1948 an der Schauspielschule der Kammerspiele. 1947 bis 1949 war er der Sendeleiter der Berliner Hörspielabteilung des NWDR und schrieb und realisierte mehrere Hörspiele, darunter „Viktoria“ (nach Hamsun).

1948 verfaßte Stemmle das Drehbuch für den DEFA-Film „Affaire Blum“ (auch als Roman, Hörspiel, Fernsehspiel und Theaterstück); im selben Jahr drehte er nach seiner Bearbeitung von Günter Neumanns Kabarettprogramm „Schwarzer Jahrmarkt“ in West-Berlin „Berliner Ballade“ – als Versuch einer italienischen Version dieses Films inszenierte er 1950 im Auftrag des Produzenten Giorgio Venturini „Abbiamo vinto“. Neben „Der Biberpelz“ blieben dies Stemmles einzige Regiearbeiten beim Film, die an die Kabaretterfahrungen und die kritische Haltung seiner jungen Jahre erinnern. Seine Ansicht, Filme sollten sich an der Kasse selbst tragen, veranlaßte ihn zu Zugeständnissen an den Publikumsgeschmack: „‚Toxi‘ ist ein sehr deutscher Film“ (Stemmle in: Der Spiegel, 1952).

Cineastischen Ehrgeiz entwickelte er eher auf technischem Gebiet: aus Italien übernahm er das Verfahren, Filme stumm zu drehen und nachzusynchronisieren („Sündige Grenze“); „Toxi“ hat nur wenig mehr als hundert Schnitte; sein Einsatz der Kamera sowie der Umgang mit Musik und Ton spiegeln oft gelungen Stemmles Beschäftigung mit den Filmen Alfred Hitchcocks.

Von 1955 bis 1957 war Stemmle Inhaber der Produktionsfirma Maxim Film GmbH Berlin. Ab 1962 arbeitete er gelegentlich und ab 1965 ausschließlich fürs Fernsehen, u. a. schrieb er in den 60er Jahren vier Kurzfilme für Curd Jürgens: „Rauf und runter“, „Das Bombardon“, „Die Gehaltserhöhung“ und „Die Münze“. „Er hat zahllose brauchbare, zuständige, handwerklich vorzüglich ausgerichtete Fernsehspiele und Serien hergestellt. Er war ein solider und kenntnisreicher Mann in einem Medium, in dem sich sonst so gern und meistens unertappt die Scharlatane tummeln. Er war immens fleißig.“ (Luft, 1974).

In zahlreichen Filmen und Fernsehspielen schlug sich Stemmles Vorliebe für Kriminalgeschichten nieder, wobei er fast immer authentische Fälle verarbeitete – seine umfangreiche Bibliothek umfaßte u. a. mehrere hundert Bände von Kriminalakten. Von 1963 bis 1969 ist er Herausgeber der Sammlung von Kriminalfällen „Der Neue Pitaval“ (eine tätige Mitarbeit Mostars fand nicht statt). 1972 bis 1974 erarbeitete er neun Filme der Vorabendserie über Jugendkriminalität „Unter Ausschluß der Öffentlichkeit“.

Robert A. Stemmle war in erster Ehe mit der Schauspielerin Gerda Maurus verheiratet und hatte eine Tochter; 1968 heiratete er seine langjährige Mitarbeiterin Anneliese Lippert. Am 24. Februar 1974 starb Stemmle in Baden-Baden an Herzversagen.

Auszeichnungen

Bücher (Auswahl)

als Autor
  • Affäre Blum, Herbig, München 1979, ISBN 3-7766-0968-0
  • Aus heiterm Himmel. Theater- und Filmanektoden, Herbig, Berlin 1942
  • Herzeleid auf Leinewand. 7 Moritaten, Bruckmann, München 1962
  • Hier hat der Spass ein Ende, Verlag der Sternbücher, Hamburg 1957
  • Ich war ein kleiner PG. Ein Roman, Goverts, Stuttgart 1958
  • Ja, ja, ja, ach ja, s’ist traurig, aber wahr. Ergreifende Balladen und tragische Moritaten, Verlag Weiß, Berlin 1964
  • Der Mann, der Sherlock Holmes war. Ein heiterer Kriminalroman, Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-359-00856-1
  • Onkel Jodokus und seine Erben. Ein heiterer Roman, Herbig, Berlin 1953
  • Reise ohne Wiederkehr. Der Fall Petiot, Verlag das neue Berlin, Berlin 1968
  • Die Geburt der Komödie. 7 Bilder nach Franz Pocci, Deutscher Laienspiel-Verlag, Rotenburg/Fulda 1950
als Herausgeber
  • Marta Adler: Mein Schicksal waren die Zigeuner, Schünemann, Bremen 1957
  • Paul Johann Anselm von Feuerbach: Merkwürdige Verbrechen in aktenmässiger Darstellung, Bruckmann, München 1963
  • Herrmann Mostar: Der neue Pitaval. Sammlung berühmter und merkwürdiger Kriminalfälle, Desch, München 1963–1969
    • Bd. 1 Die Hölle. 10 Kriminalfälle, 1963
    • Bd. 2 Der Wolfsmensch. 10 Kriminalfälle, 1963
    • Bd. 3 Giftmord. 10 Kriminalfälle, 1964
    • Bd. 4 Todesurteil. 9 Kriminalfälle, 1964
    • Bd. 5 Betrug. 9 Kriminalfälle, 1964
    • Bd. 6 Raub. 11 Kriuminalfälle, 1964
    • Bd. 7 Jurtizirrtum, 1965
    • Bd. 8 Attentat, 1965
    • Bd. 9 Indizien, 1966
    • Bd. 10 Erpresser, 1966
    • Bd. 11 Jugendkriminalität, 1967
    • Bd. 12 Tatmotiv Begierde, 1967
    • Bd. 13 Sexualverbrechen, 1967
    • Bd. 14 Skandale, 1967
    • Bd. 15 Hexenjagd, 1969

Filmographie (Auswahl)

Regie
Drehbuch

Fußnoten