Hoffmann, Paul

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Hofrat und Kammerschauspieler Paul Hoffmann
Paul Hoffmanns Grab
Wiener Zentralfriedhof

Paul Hoffmann (Lebensrune.png 25. März 1902 in Barmen; Todesrune.png 2. Dezember 1990 in Wien) war ein deutscher Schauspieler und Regisseur.

Leben

In derselben Stunde, als das alte Stadttheater in Barmen niederbrannte, wurde Paul Hoffmann in dieser Stadt geboren. Sein Vater war dort Theaterkritiker und Feuilletonredakteur. Nebenbei war er ein namhafter Lustspielautor, dessen bekanntestes Stück „So’n Windhund“ über die Bühnen fast der ganzen Welt ging.

So war es nicht erstaunlich, daß der Sohn, früh und entscheidend mit Theaterkreisen in Berührung gebracht, sehr bald den Wunsch hegte, selbst Schauspieler zu werden. Aber der Vater verlangte eine solide Lebensbasis. Also wurde vorerst acht Semester Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie studiert.

In der schönen Universitätsstadt Würzburg, wo Paul Hoffmann studierte, fand einmal zugunsten der mensa academica eine Studentenaufführung statt. Man wählte die Orestie von Aeschylos, und der nach wie vor theaterbegeisterte junge Hoffmann spielte den Orest. In jener Veranstaltung sah der Direktor des Würzburger Stadttheaters den Studenten und engagierte ihn vom Platz weg als jugendlichen Helden an seine Bühne. Zwar wurde das Studium zunächst noch fortgesetzt – die Doktorarbeit über den Burgtheater-Dramaturgen Deinhardstein war schon geschrieben –, aber der endgültige Übergang zum Theater vollzog sich, ohne daß der junge Schauspieler jemals eine Stunde dramatischen Unterricht gehabt hätte.

Natürlich galt es, unablässig an sich zu arbeiten, doch der Erfolg blieb nicht aus: Aachen, Köln, Düsseldorf, Hamburg waren die weiteren Stationen seiner künstlerischen Entwicklung. Nicht immer wurde es ihm leicht gemacht. Als der junge Schauspieler eines Sommers in Bad Kissingen ein Engagement als Erster Bonvivant antrat, wurde er „wegen ungenügender Garderobe“ fristlos entlassen. Im Brikettbergwerk in Kirberg suchte und fand er Arbeit, bis ihm dann, im benachbarten Köln, der Anschluß an die Winterspielzeit glückte.

Ab 1927 war Paul Hoffmann am Schauspielhaus Dresden engagiert, wo er bis 1946 blieb. Er spielte, sang und tanzte in Operetten wie „Meine Schwester und ich“, „Herz über Bord“ usw. In Dresden wurde Paul Hoffmann außerordentlich beliebt. Dort gewann ihm nicht nur sein Theaterspiel immer neue Anhänger, auch seine Leistungen als Mittelstürmer in der Fußballmannschaft der Staatstheater sicherten ihm große Popularität.[1]

Zum Film kam Paul Hoffmann Mitte der 1930er Jahre. In „Und du, mein Schatz, fährst mit“ aus dem Jahre 1937 spielte er einen komischen Bonvivant, in „Gleisdreieck“ aus demselben Jahr eine ausgesprochene Charakterrolle. Er wirkte in zahlreichen Produktionen mit, meist waren es prägnante Nebenrollen, der große Durchbruch zum Filmstar gelang ihm nicht. Oft verkörperte Hoffmann Grafen, hochrangige Persönlichkeiten der Gesellschaft, Generäle oder sonstige militärische Befehlshaber.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Schauspieler für Produktionen wie Kurt Meisels „Verspieltes Leben“ (1949), Helmut Käutners „Bildnis einer Unbekannten“ (1954), Wolfgang Liebeneiners „Immer, wenn der Tag beginnt“ (1957) oder Frank Wysbars „Hunde, wollt ihr ewig leben“ (1958) vor der Kamera; zu seinen letzten Leinwandauftritten zählen die Melodramen „Arzt aus Leidenschaft“ (1959, mit Willy Birgel) und „Geständnis einer Sechzehnjährigen“ (1960, mit Ivan Desny), Josef von Bakys Komödie „Die Ideale Frau“ (1959, mit Ruth Leuwerik) und Alfred Weidenmanns starbesetzter Film „Das große Liebesspiel“ (1963), unter anderem mit Hildegard Knef. Lediglich in Wigbert Wickers Heimatdrama „Jägerschlacht“ (1982) übernahm er als Abt noch einmal eine Rolle in einer Kinoproduktion.

Danach arbeitete Paul Hoffmann neben seiner umfangreichen Theatertätigkeit vermehrt für das Fernsehen, spielte vor allem Rollen in Adaptionen von Theaterstücken, mit denen er auch auf der Bühne Erfolge feierte.

Daneben zeigte sich Hoffman mehrfach mit Gastauftritten in einigen populären Krimi-Reihen wie „Der Kommissar“, „Derrick“ und „Der Alte“, für die „Tatort“-Episoden „Der King“ (1979, mit Klaus Höhne als Kommissar Konrad) und „Mord in der U-Bahn“ (1983, mit Fritz Eckhardt als Oberinspektor Marek) stand er ebenfalls vor der Fernsehkamera. In Schillers „Wilhelm Tell“ (Regie: Claus Peymann) erlebte man Paul Hoffmann 1990 letztmalig in einer Übertragung des Wiener Burgtheaters mit der Figur des Werner Freiherr von Attinghausen auf dem Bildschirm. Im selben Jahr starb der Charakterdarsteller am 2. Dezember 1990 im Alter von 88 Jahren in Wien; seine letzte Ruhe fand er in einem ihm ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem dortigen Zentralfriedhof. Paul Hoffmann war verheiratet und hatte zwei Kinder.

Auszeichnungen

Filmographie

  • 1937: Und du mein Schatz fährst mit
  • 1937: Fanny Elssler
  • 1937: Gleisdreieck
  • 1937: Meine Freundin Barbara
  • 1937: Wenn Frauen schweigen
  • 1938: Großalarm
  • 1938: Kleiner Mann – ganz groß!
  • 1939: Ich bin gleich wieder da
  • 1939: Zentrale Rio
  • 1939: Flucht ins Dunkel
  • 1940: Bismarck
  • 1941: Blutsbrüderschaft
  • 1941: Leichte Muse
  • 1942: Die Entlassung
  • 1943: Die große Nummer
  • 1949: Verspieltes Leben
  • 1949: Der Ruf
  • 1949: Liebe 47
  • 1954: Bildnis einer Unbekannten
  • 1955: Der 20. Juli
  • 1957: Immer wenn der Tag beginnt
  • 1959: Hunde, wollt ihr ewig leben
  • 1959: Arzt aus Leidenschaft
  • 1959: Die ideale Frau
  • 1960: Geständnis einer Sechzehnjährigen
  • 1960: Kein Mann zum Heiraten
  • 1962: Becket oder Die Ehre Gottes
  • 1963: Das große Liebesspiel
  • 1963: Hedda Gabler (Regie/Darsteller)
  • 1965: Der Fall Klaus Fuchs
  • 1965: Oberst Wennerström
  • 1965: Der arme Mann Luther
  • 1966: Der schwarze Freitag
  • 1966: Der Fall Rouger
  • 1967: Der Panamaskandal
  • 1967: Moral (nur Regie)
  • 1967: Der öffentliche Ankläger
  • 1967: Nathan der Weise
  • 1968: Affäre Dreyfuss
  • 1969: Rebellion der Verlorenen (Fernsehmehrteiler)
  • 1970: 11 Uhr 20 (Dreiteiler)
  • 1971: Der Kommissar (Episode: Als die Blumen Trauer trugen)
  • 1973: Der Kommissar (Episode: Herr und Frau Brandes)
  • 1975: Memento Mori
  • 1975: Don Juan in der Hölle
  • 1976: Der Raub der Sabinerinnen
  • 1979: Tatort – Der King (Fernsehreihe)
  • 1979: Derrick – Ein unheimliches Haus
  • 1977: Der Alte – Verena und Annabella (Fernsehserie)
  • 1979: Der Alte – Der Auftraggeber
  • 1980: Defekte
  • 1982: Ein Winter auf Mallorca
  • 1983: Der Alte – Liebe hat ihren Preis
  • 1983: Jägerschlacht
  • 1983: Tatort: Mord in der U-Bahn
  • 1985: Derrick – Toter Goldfisch
  • 1986: Derrick – Entlassen Sie diesen Mann nicht!
  • 1989: Derrick – Wie kriegen wir Bodetzki?
  • 1990: Wilhelm Tell

Hörspiele

Fußnoten

  1. Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nr. 23, 23. August 1936