Tressler, Otto

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Staatsschauspieler Otto Tressler, der anläßlich seines 70. Geburtstages mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wurde, war in freien Stunden ein begeisterter Photoamateur.
Otto Tresslers Grab
Wien, Döblinger Friedhof
Inschrift des Grabsteins

Otto Tressler, auch Otto Treßler, eigentlich Otto Karl August Meyer bzw. Otto Karl August Mayer (Lebensrune.png 13. April 1871 in Stuttgart; Todesrune.png 27. April 1965 in Wien), war ein deutscher Schauspieler, Theaterregisseur, Zeichner und Bildhauer.

Leben

Otto Tresslers Vater war Kaufmann und der Sohn des damaligen Bürgermeisters der schwäbischen Hauptstadt. Seine künstlerische Begabung bekam er aber sicherlich von seiner Mutter vererbt, die aus einer alten Pfarrersfamilie der Schwäbischen Alb stammte und schon in ihren jungen Jahren in Konzerten sang und Klavier spielte und überdies eine poetische Ader hatte und Gedichte verfaßte. Der junge Tressler war zwar den schönen Künsten zugeneigt, verspürte aber keine besonders starke Neigung zu irgendwelcher praktischen Betätigung am Theater. Er trieb vielmehr intensiv und mit großer Freude Sport, fuhr noch auf den eisenbeschlagenen Holzrädern und auf dem Hochrad, betätigte sich im Taubénschießen, errang mehrere Ruder- und Segelpreise und war nebenbei ein begeisterter Motorradfahrer und brach sich hierbei zweimal die Schulter.[1]

Nach Absolvierung des Realgymnasiums wandte sich Otto Tressler dem Buchhändlerberuf zu. Er wirkte damals mit vielen seiner Kollegen in Liebhabervorstellungen mit und fand bei dieser ersten schauspielerischen Betätigung großes Vergnügen. Da ihm aber allenthalben gesagt wurde, daß das Theater ein heißer Boden sei, auf dem sich vorwärtszubewegen keine Kleinigkeit sei und auf dem nur überdurchschnittliche Begabungen die Aussicht hätten, etwas zu erreichen, glaubte er sich in seinem einmal ergriffenen Beruf des Buchhändlers sicherer. Eines Tages aber kam das Theater trotzdem an ihn heran, und zwar in Gestalt des Intendanten Gustav zu Putlitz vom Stuttgarter Hoftheater, des späteren Präsidenten des Deutschen Bühnen-Vereins. Putlitz hatte ihn in einer Vorstellung des Liebhabertheaters gesehen und fragte ihn, ob er bei ihm volontieren wolle. Nun packte die Theaterlust Otto Treßler doch, und er ergriff die Möglichkeit beim Schopf. Er blieb vier Jahre in Stuttgart und spielte dort in sämtlichen Fächern.

Von dort kam er später ohne Übergang ans Wiener Burgtheater, spielte unter der Leitung der bekannten Direktoren Burckardt und Schlenther neben Friedrich Mitterwurzer, Josef Kainz und anderen Meistern überragender deutscher Schauspielkunst.[2]

Mit 23 Jahren heiratete Otto Tressler zum ersten Mal eine Kollegin, die Tochter eines österreichischen Generals. Aus dieser Ehe entsprossen seine beiden älteren Kinder Erich-Philipp und Stella-Katharina.

Nach dem Tode seiner ersten Frau vermählte er sich mit einer Dame der Wiener Gesellschaft, die ihm seine beiden jüngeren Söhne Wolf-Dieter und Hans-Jürgen schenkte. Seine Kinder sind bis auf das einmalige Auftreten der beiden jüngsten Söhne, zu dem der Vater übrigens nur sehr ungern seine Zustimmung gab, künstlerisch nicht tätig.

Otto Tresslers zweite Frau war die Schauspielerin des Burgtheaters Hilde Wagener.

In der Frühzeit der Kinematographie entdeckte ihn Sascha Graf Kolowrat, Begründer der Filmindustrie in Wien. Seine erste Filmrolle hatte er schon im Jahre 1912 gespielt. Diese Sache wurde in dieser Zeit ganz groß aufgezäumt. Ein Film wurde mit Alexander Girardi gedreht und einer mit Otto Tressler, ein „großer Tressler-Film“ sollte es werden.[3] Der Film „Zwei Freunde“ sollte vor einem geladenen Publikum aufgeführt werden. Tressler sollte sich seine Partnerin für diesen Film selbst aussuchen, und man hatte eine Anzahl junger Damen ins Atelier gebeten. Für die Verpflichtung einer Künstlerin waren damals ein hübsches Gesicht oder schöne Augen ausschlaggebender als die Begabung.

Tressler traf seine Wahl und bat darum, eine sehr hübsche junge Dame zu engagieren, die zwar etwas füllig war und auch nicht sonderlich begabt erschien, aber ein interessantes Gesicht und vor allen Dingen wunderschöne Augen hatte. Tressler spielte mit dieser Partnerin, der Film wurde aufgeführt, und Tressler wandte sich wieder völlig seiner Bühnentätigkeit zu – bis nach zwei oder drei Jahren ihm plötzlich ein Freund aus München schrieb, er habe ihn kürzlich in einem Film gesehen. Er nannte aber einen ganz anderen Titel. Tressler schrieb seinem Freund zurüék, daß er sich irren müsse, denn er habe in der letzten Zeit überhaupt nicht gefilmt und könne sich auf einen Film solchen Namens beim besten Willen nicht entsinnen; er möge ihm doch einmal das Programm dieses Films schicken. Er erhielt das Programm, und dabei stellte sich heraus, daß dieser Film eben jener war, in dem er damals spielte. In Wien war dieser Film als Tressler-Film unter dem Namen „Zwei Freunde“ herausgekommen; in München hatte er einen ganz anderen Namen bekommen und firmierte überdies als Fern-Andra-Schlager, weil nämlich kaum jemand in München etwas von Tressler wußte und seine damalige, von ihm sozusagen zum Film gebrachte Partnerin, nämlich Fern Andra, inzwischen nicht nur schlanker geworden war, sondern auch Karriere gemacht hatte.

Tressler wurde 1932 Ehrenbürger von Wien und erwarb damit die österreichische Staatsangehörigkeit. Gleichzeitig besaß er auch die deutsche Staatsangehörigkeit, denn er hatte darum gebeten, Deutscher bleiben zu dürfen.

Tressler spielte noch in einer ganzen Reihe weiterer Stummfilme mit, so z. B. in dem Film „Das Weib des Irren“, in dem er der Irre war, und vielen anderen mehr. Heute sind die meisten Filme der Vergessenheit anheimgefallen.

Sehr bald aber zog er sich vom Film zurück und spielte nur noch Theater. Erst mit dem Tonfilm erwachte sein Interesse für den Film wieder, und nun wechselte seine Bühnentätigkeit fast ständig mit seiner Filmtätgkeit. Von seinen Tonfilmen sei der Hansi-Niese-Film „Blumenfrau“ genannt, ferner der UFA-Film „Die Insel“, in dem er den Botschafter spielte, weiter der bekannte Schubert-Film, in dem er den Grafen Esterhazy verkörperte, und endlich der Wessely-Film „Episode“.

Im Frühjahr 1935 ernannte ihn der österreichische Unterrichtsminister mit Einwilligung des Bundeskanzlers Kurt Schuschnigg zum Hofrat.

Eine weitere Auszeichnung, die er während seiner langjährigen künstlerischen Tätigkeit erhielt, war eine goldene Medaille, die der König von Württemberg ihm anläßlich eines Gastspiels verlieh.

Auf der Feier seines 70. Geburtstages erhielt er eine Anerkennung seiner Kunst, ihm wurde die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft durch Lothar Müthel, den Direktor des Burgtheaters, überreicht.

Bis kurz vor seinem Tod trat Otto Tressler auch in Theaterrollen auf. Sein Sohn Georg Tressler wurde ein berühmter Regisseur, seine Enkelin Melanie Tressler versuchte sich als Schauspielerin.

Auszeichnungen

Filmographie

Fußnoten

  1. Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nr. 1, 5. Januar 1936
  2. Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nr. 17, 25. April 1941
  3. Film – Illustrierte Film- und Kinorundschau, Nr. 22, 2. Juni 1939
  4. Eine Geburtstagsüberraschung für Otto Tressler
  5. Verleihung der akademischen Auszeichnung Ehrenbürger