Pessimismus

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Pessimismus (lat.: pessimum„das Schlechteste“, „das Übelste“) steht im allgemein verwendeten bzw. trivialen Sprachgebrauch zumeist für das Erwarten eines schlechten Verlaufs und Endes („Schwarzsehen“) sowie für die Interpretation allen Geschehens als etwas Unheilverkündendes.

Sehr von diesem, sich oft in Verdrießlichkeit äußernden Alltagspessimismus zu unterscheiden ist der als grundlegende Weltanschauung existierende Pessimismus. Dieser findet sich zuvorderst in der Philosophie, aber auch in der allgemeinen Literatur, in der politischen Theorie sowie in der Kunst und der Religion; er betrachtet die Existenz der Welt als etwas, das a priori schlecht sowie bösartig ist und in welchem die Leiden die Freuden grundsätzlich überwiegen, letztendlich sogar „alles Leben Leiden ist“ (Arthur Schopenhauer), da alle Genüsse nur scheinbar, mithin negativer Natur sind, während alle Qualen der Ausdruck des realen Wesens der Welt sind.

Im Gegensatz zum Optimisten sieht der weltanschauliche Pessimist auch eine erträgliche oder sogar glückliche Gegenwart als etwas Vorübergehendes, nicht dem eigentlichen inneren Wesen der Welt Entsprechendes an, deren unglückliche Grundlage hierdurch nicht tangiert wird bzw. sich auch dem einer Täuschung unterliegenden bzw. Hoffnung mit der Illusion Glück verwechselnden Optimisten über kurz oder lang offenbaren wird.

Der Pessimismus in seinen verschiedenen weltanschaulichen Erscheinungen

Der Pessimismus als Weltbild und Lebensgefühl

Zu unterscheiden sind zwei Formen des Pessimismus: der theoretisch postulierte, also intellektuelle bzw. als Idee und theoretisches Weltbild vertretene Pessimismus, und der praktisch gefühlte, also intuitive bzw. moralische und somit als grundsätzliches oder vorwiegend herrschendes Lebensgefühl vorhandene Pessimismus.

Diejenigen Menschen, welche dem letzteren zuzuzählen sind, orientieren sich in ihrem Denken und Handeln unwillkürlich an ihrer grundlegenden pessimistischen Erwartungshaltung, zudem fehlt ihnen eine allgemeine Lebensheiterkeit; man bezeichnet sie im allgemeinen als Melancholiker, bei ausgeprägteren Fällen auch unrichtigerweise,[1] aber nicht selten als Misanthropen. Die Vertreter des ersteren hingegen entwerfen den Pessimismus als ein theoretisches System, welches durchaus nicht immer vollständig mit ihrem persönlichen Lebensgefühl kongruieren muß. Hierzu führen sie auch Beweisführungen an, die – als theoretischen Fragestellungen eigen – im allgemeinen Leben nur sehr selten und zufällig gemacht werden, und damit den meisten Menschen als praktische Erfahrung unbekannt sind. Hierzu zählt z. B. der Vergleich, ob die größtmögliche Lust den größtmöglichen Schmerz aufwiegen oder gar überbieten könne, wobei der theoretische Pessimist zu dem Ergebnis kommt, das beides nicht der Fall sei.

In der Regel sind theoretische Pessimisten aber bis zu einem gewissen Grade auch immer praktische Pessimisten. Jedoch ist umgekehrt ein praktischer Pessimist nicht immer ein theoretischer.

Die Mehrheit der Menschen sind und waren zu allen Zeiten sowohl nach ihrem Weltbild als auch ihrem Lebensgefühl Optimisten.

Pessimistisches Menschenbild

Ein pessimistisches Menschenbild oder aber eine Verachtung der Mehrheit in Gestalt der Masse wurde zu allen Zeiten von einer Vielzahl von Denkern und großen Männern vertreten; so z. B. von dem für sein pessimistisches Menschenbild bekannten englischen Philosophen Thomas Hobbes, dessen Zitat „Der Mensch sei dem Mensch ein Wolf“ (homo homini lupus) bereits auf Plautus (ca. 250 v. d. Z. – ca. 184 v. d. Z.) zurückgeht.[2]

Der griechische Philosoph Hegesias (3. Jahrhundert v. d. Z.), der den Spitznamen Peisithanatos („der zum Tode überredet“) führte, betonte in seinen aus seiner pessimistischen Lebensauffassung gespeisten Vorträgen das Elend der menschlichen Existenz.

Auch Immanuel Kant prägte eine weitere bekannte Formel für ein pessimistisches Menschenbild: „Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts Gerades gezimmert werden“. Nichtsdestoweniger sieht Kant es als Aufgabe an, daß der Mensch stets an seiner Sittlichkeit arbeite.

Philosophischer Pessimismus

Der philosophische Pessimismus erblickt in der realen Welt allgemein etwas Böses. Belege dafür sind ihm die zahllosen Leiden; die Endlichkeit des Lebens, verbunden mit dem allmählichen Prozeß des Alterns und Sterbens; die physischen Grundbedingungen des Daseins, in der jedes Leben nur eine Weile fortexistieren kann, indem es anderes Leben – oft qualvoll – vernichtet, sprich verzehrt; die Eitelkeit alles Strebens und Hoffens; die Leiden beim Eintritt (Geburt) und Austritt (Tod) ins Dasein.

Das Dasein wird definiert als „etwas, das nicht sein sollte“ und das es – wenn möglich – zu überwinden gilt. Der bedeutendste Vertreter des philosophischen Pessimismus ist Arthur Schopenhauer, welcher in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung die bedeutendsten sowie bekanntesten Aussagen und Argumente hierzu darlegte.

Kulturpessimismus

Der herausragendste Vertreter des Kulturpessimismus ist Oswald Spengler, dessen bekanntestes Werk Der Untergang des Abendlandes kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges in Deutschland erschien. Hierin wird der Standpunkt vertreten, daß alle Völker biologischen Organismen gleichen, und wie diese nach einer gewissen Spanne Zeit unweigerlich – gleich wie bedeutend sie sind – untergehen müssen. Sich gegen diesen Untergang als Einzelner zu stemmen, wird von Spengler zwar als Verpflichtung angesehen, ja sogar bei außergewöhnlichen Vertretern dieser Haltung als heroisch gepriesen – kann aber den Zerfall eines altgewordenen Volkes im besten Fall ein wenig hinauszögern, so wie ein fähiger Arzt das Leben eines Todkranken noch um ein paar Tage zu verlängern vermag.

Ein weiterer Vertreter des Kulturpessimismus ist der italienische Kulturphilosoph Julius Evola.

Grundsätzlich trägt der politische Konservatismus – im Gegensatz zum linken politischen Spektrum – pessimistische Züge; er vertritt damit die Anschauung, daß die Masse der Menschen sowohl in moralischer als auch in intellektueller Hinsicht von Geburt an in ihrer überwiegenden Mehrheit zum Schlechten neigt („homo homini lupus est“), und diesem Umstand entgegengetreten werden muß durch Erziehung, Ordnung, Zucht, gesamtgesellschaftlich ethisch verbindliche Regeln (verankert u. a. in den völkischen Traditionen, den Sitten und in allgemein verankerten Tabus) sowie durch eine hieraus erwachsende Autorität des Staatswesens und der politischen Führung.

Ebenso ist der klassische politische Konservatismus in der Vergangenheit grundsätzlich pessimistisch gegenüber dem Fortschrittsglauben gewesen – hier scheinen sich allerdings die Fronten verkehrt zu haben, da heutzutage sich diejenigen BRD-Parteien, welche sich – zumindest dem Namen nach – als konservativ bezeichnen, im Gegensatz zur Linken deutlich fortschrittsgläubiger zeigen (z. B. in Fragen der Kernkraft, Genmanipulation, Verkehrsplanung, Wirtschaft). Tatsächlich vertreten diese nur noch dem Namen nach konservativen Parteien mittlerweile jedoch einen optimistischen Materialismus und Liberalismus; während die BRD-Linksparteien schon seit jeher materialistisch sowie liberalistisch gesinnt waren, seit einigen Jahrzehnten dort aber besonders ausgeprägte allgemein-lebensfeige Züge (→ Pazifismus, → Gutmenschentum) hinzugetreten sind.

Religiöser Pessimismus

Der religiöse Pessimismus äußert sich im theoretischen Gedanken der Entsagung und der praktischen Forderung nach Askese. Dieser Entsagungsgedanke findet sich am offensten im Buddhismus, aber auch ganz deutlich im Hinduismus und im eigentlichen Christentum (nicht zu verwechseln z. B. mit einem naiv-optimistischen Wohlstandspastoren der BRD, welcher gar nichts mit dem Christentum zu tun hat). Auch im Islam finden sich noch einige Forderungen nach Entsagung, im Judentum dagegen nahezu keine.

In ihrer Grundaussage sind sämtliche Erlösungsreligionen pessimistisch gesinnt.

Pessimismus in der Literatur und Kunst

In der Literatur finden sich zahllose pessimistische Elemente. So ist jede Tragödie – im Gegensatz zur Komödie   ihrer Grundstimmung nach pessimistisch, aber auch das Drama enthält pessimistische Züge. Bedeutende Vertreter in der Prosa sind u. a. Giacomo Leopardi und Lord Byron.

Unter den Musikern vertrat u. a. der deutsche Komponist Hans Pfitzner in seinen theoretischen Schriften eine ganz maßgeblich durch Schopenhauer beeinflußte Weltsicht.

Pessimistische Züge zeigen auch die Stoiker des Altertums. Allerdings sind deren Lehren zur Maßhaltung weitaus mehr auf das Erreichen eines letztendlich langen, gesunden und glückseligen Daseins berechnet und können von daher deutlich eher dem Optimismus als dem Pessimismus zugerechnet werden.

Psychologie

Bei den Vertretern der modernen kommerziellen Psychologie wird der Pessimismus bzw. ein Pessimist zumeist mit oberflächlichen Allgemeinplätzen definiert; so wird dort als Pessimist bezeichnet, wer lediglich aus „verschiedenen negativ empfundenen Situationen und Konsequenzen“ seine „negativ gefärbten Betrachtungsweisen“ herleite. Dabei werde diese „negative Erwartungshaltung“ oft hervorgerufen durch „Lernerfahrungen“, gemischt mit Hilflosigkeit, z. B. langandauernder Arbeitslosigkeit usw. Somit erscheint der Pessimismus der gegenwärtigen psychologischen Lehre in der Regel nur selten als unvoreingenommen zu beleuchtendes, individuelles sowie weltanschauliches Phänomen, sondern vielmehr als eine wenn nicht gar krankhafte, so doch vermeintlich ungesunde wie auch destruktive Geisteshaltung.[3] Infolgedessen wird die Erscheinung des grundsätzlichen Pessimismus häufig lediglich den verschiedenen Erscheinungsformen der mehr oder weniger temporären depressiven Erkrankungen subsumiert.

Wirtschaftspessimismus

In der Wirtschaft spricht man von Wirtschaftspessimismus oder einem „pessimistischen wirtschaftlichen Umfeld“, wenn die Erwartungen des Marktes und der Industrie vorwiegend negativ bezüglich der Produktion und des Handels sind. Man verwendet hierbei auch die Bezeichnung bärischer Markt (im Gegensatz zum bullischen Markt); des weiteren wird eine langanhaltende pessimistische Wirtschaftsstimmung als Baisse, eine optimistische dagegen als Hausse bezeichnet.

Sonstiges

Um die Lebenshaltung des Pessimisten und Optimisten zu veranschaulichen, wird oft die Streitfrage bzw. Redewendung gestellt, ob ein Glas „halb voll“ oder „halb leer“ sei. Für den Pessimisten ist das Glas halb leer, während der Optimist sich für halb voll entscheiden würde. Führt man dieses Gleichnis hinsichtlich der Erwartungshaltung weiter, würde der Pessimist prophezeien, daß sich das Glas unweigerlich vollständig leeren, der Optimist hingegen, daß es sich gewiß ganz füllen wird.

Zitate

  • „Ein glückliches Leben ist unmöglich: das höchste, was der Mensch erlangen kann, ist ein heroischer Lebenslauf.“Arthur Schopenhauer[5]
  • „Dieses harte historische Wissen um die Tatsachen, wie es in diesem Jahrhundert beginnt, ist den weichen, unbeherrschten Naturen unerträglich. Sie hassen den, der sie feststellt, und nennen ihn einen Pessimisten. Nun gut, aber dieser starke Pessimismus, zu dem die Menschenverachtung aller großen Tatmenschen gehört, die Menschenkenner sind, ist etwas ganz anderes als der feige der kleinen müden Seelen, welche das Leben fürchten und den Blick auf die Wirklichkeit nicht ertragen.“Oswald Spengler[6]
  • „Je mehr man lebt, desto weniger erscheint es angebracht, gelebt zu haben.“Emil Cioran[7]
  • „Das Glück ist nur ein Traum und wirklich ist der Schmerz.“Voltaire[8]
  • „Gar nichts mag ich. Ich mag nicht reiten, das ist eine zu starke Bewegung; ich mag nicht gehen, das ist zu anstrengend; ich mag mich nicht hinlegen, denn entweder müßte ich liegenbleiben, und das mag ich nicht, oder ich müßte wieder aufstehen, und das mag ich auch nicht. Summa summarum: gar nichts mag ich.“Sören Kierkegaard[9]
  • „Eigentlich hat's ja nicht viel auf sich mit dem besten Peßimismus. An dem Glücklichen gleitet er ab, wie Waßer an der pomadisirten Ente, und der Unglückliche weiß ohne weiters bescheid.“Wilhelm Busch, Brief an Grete Thomsen
  • „Weg mit den bis zum Überdruß verbrauchten Wörtern Optimismus und Pessimismus! Denn der Anlaß, sie zu gebrauchen, fehlt von Tag zu Tage mehr: nur die Schwätzer haben sie jetzt noch so unumgänglich nötig.“Friedrich Nietzsche[10]
  • „Es ist heute schlecht und wird nun täglich schlechter werden – bis das Schlimmste kommt.“ — Arthur Schopenhauer[11]
  • „Pessimisten sind Optimisten mit mehr Erfahrung.“ — deutsches Sprichwort

Gedicht

Menschliches Elende“ von Andreas Gryphius

Was sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen,
Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,
Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid,
Ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen.
Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Und in das Toten-Buch der großen Sterblichkeit
Längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen.
Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt
Und wie ein Strom verscheußt, den keine Macht aufhält,
So muß auch unser Nam, Lob, Ehr und Ruhm verschwinden.
Was itzund Athem holt, muß mit der Luft entfliehn,
Was nach uns kommen wird, wird uns ins Grab nachziehn.
Was sag ich? Wir vergehn wie Rauch von starken Winden.

Siehe auch

Literatur

Pessimistische Werke

Fußnoten

  1. Misanthropie (von altgr.: μισεῖν misein = hassen, ἄνθρωπος anthrōpos = Mensch; dt. „Menschenhasser“) ist nicht zwingend mit dem Pessimismus verbunden. So gibt es z. B. Misanthropen unter radikalen Ökologen, die zwar die Menschheit, aber keineswegs die Welt (die „Natur“) nebst Dasein an sich hassen; ebenso existieren Misanthropen aus allgemeinem Egoismus sowie Bosheit heraus. Andererseits gibt es wiederum Pessimisten, welche zwar die Welt als Übel betrachten, ohne jedoch die Menschen zu hassen.
  2. Das – allerdings aus einer Komödie stammende – Originalzitat bei Plautus lautet: „lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit.“ („Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, nicht ein Mensch, wenn man sich nicht kennt.“)
  3. Vgl. zu dieser sowohl einseitigen, wie auch oberflächlichen Einordnung des Begriffs Pessimismus: „Psycho-Tipps“: Denkweisen pessimistischer Menschen
  4. in: Persische Briefe, Nr. 40
  5. In: Parerga und Paralipomena II, Erster Teilband, §172a, Seite 350; Ausgabe Diogenes, 1977, Zürich, ISBN 3 257 20429 0
  6. In: Jahre der Entscheidung, 45.-60. Tsd., C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München, Seite 9 unten
  7. In: Vom Nachteil, geboren zu sein: Gedanken und Aphorismen. 1979 suhrkamp tb 549. ISBN 3-518-37049-9
  8. In einem Brief an den Marquis de Florian vom 16. März 1774.
  9. In: Entweder - oder (Erster Teil)
  10. In: Menschliches, Allzumenschliches, 28
  11. Parerga und Paralipomena II