Gablenz, Carl August von

Aus Metapedia
(Weitergeleitet von Carl August von Gablenz)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der deutsche Luftverkehrspionier Carl August Freiherr von Gablenz gilt als der „Vater des modernen Instrumentenflugs“; er war u. a. Mitglied des Deutschen Aero-Clubs, des Deutschen Luftfahrt-Verbandes, des Deutschen Luftsportverbandes sowie des Deutschen Arbeitsfronts und war NSFK-Gruppenführer.

Wilhelm Carl August Heinrich Adolf Freiherr von Gablenz (auch: Karl; Lebensrune.png 13. Oktober 1893 in Erfurt; Todesrune.png 21. August 1942 bei Mühlenberg) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, des Deutschen Heeres, der Freikorps, der Vorläufigen Reichswehr und der Wehrmacht, zuletzt Generalmajor der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.

Leben

Besatzung des Pamirfluges: Oberfunkermaschinist Karl Kirchhoff, Expeditionsleiter Flugkapitän Carl August von Gablenz (Mitte) und Flugkapitän Robert Untucht nach ihrer Rückkehr nach Deutschland am 27 September 1937.[1]
Luftwaffenoffizier Freiherr von Gablenz
Trauerfeier bzw. Staatsakt angeordnet von Hermann Göring für Generalmajor Freiherr von Gablenz, Ministerialdirektor Professor Dr. Krümmel und Bordfunker Oberfeldwebel Klaer im Ehrensaal im Haus der Flieger in Berlin am 25. August 1942
Bericht zum Staatsakt
Nachruf, „Der Adler“ (19/1942)

Gablenz stammt aus einem alten Adelsgeschlecht der Niederlausitz, seine Taufe erfolgte am am 18. Januar 1894 in Erfurt. Die Taufzeugen waren laut Taufschein Generaldirektor Max Freiherr von Gablenz, Hauptmann Bothe in Mainz, Freiin Sybille von Uchtritz, Frau von Forckenbeck in Cottbus und Freiin von Gablenz in Wien.

Nach dem Abitur schlug er die Offizierslaufbahn ein, trat am 10. Februar 1913 als Fahnenjunker dem Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 ein und erhielt nach einer schweren Verwundung (Knieschuß, Oktober 1914) im Ersten Weltkrieg eine Ausbildung als Beobachter, dann Flieger. Er erwarb besondere Verdienste bei seinem Einsatz auf Jagd-, Kampf- und Beobachtungsflugzeugen (Flieger-Abteilung Nr. 42, Kampfgeschwader I OHL, Kommandeur der Flieger-Heeresgruppe F). Im letzten Kriegsjahr war er vom 1. März bis 13. Dezember 1918 als Flugzeugführer eines viermotorigen Großbombers eingesetzt und diente als Geschwaderadjutant im Bombengeschwader der Obersten Heeresleitung Nr. 7 (Bogohl). Während der Demobilisierung war er bis zum 10. Januar 1919 bei der Geschwaderschule in Paderborn.

Freikorps

Am 11. Januar 1919 wurde Freiherr von Gablenz Fliegerführer beim Freikorps „Lüttwitz“.

Zwischenkriegszeit

Im Juni 1919 erhielt er Urlaub und am 26. Oktober 1920 schied er mit dem Charakter als Oberleutnant aus der Vorläufigen Reichswehr aus. 1926 wurde er Flugbetriebsleiter, später Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa. Berühmtheit erlange er durch seine wagemutigen Forschungsflüge über den Süd- und Nordatlantik sowie in Fernost. In den 1930er Jahren erwarb er Verdienste beim Aufbau des internationalen Streckennetzes. 1934 richtete er schwimmende Flugzeugstützpunkte im Atlantik ein, die den ersten planmäßigen Transatlantikflug ermöglichten. Er war ab 1. Juli 1933 Vorstand der Lufthansa sowie neben Hugo Eckener und Albert Mühlig-Hofmann Aufsichtsrat der Deutschen Zeppelin-Reederei und der Deutschen Lebensversicherungs-AG. Am 12. Juni 1935 trat er als Reserveoffizier der neuen Luftwaffe bei.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wirkte er als Kommandeur der deutschen Blindflugschulen sowie als Lufttransportführer in der Luftwaffe. 1941 wurde er im Rang eines Generalmajors Chef des Planungsstabes der Reichsluftfahrtministeriums.

Chronologie (Auswahl)

  • 1919 Flieger bei der Deutschen Luft-Reederei (seit seiner Beurlaubung vom Militärdienst)
  • 1920 bis 1923 Vorsitzender der Zentralverwaltung der „Freien Standesherrschaft Militsch
  • 1924 bis 31. Dezember 1925 Flieger der Junkers Luftverkehr AG ein
    • er übernahm technische Sonderaufgaben und setzte sich besonders für die Entwicklung zuverlässiger und für den Allwetterbetrieb geeigneter Flugzeugmotoren ein
  • 6.1.1926 bis 30.6.1933 als Prokurist und (ab Ende 1929) als Leiter des Flugbetriebs (Flugbetriebsleiter) und der Technischen Abteilung bei der Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft
    • Unter dem damaligen Technischen Direktor der Lufthansa und späteren Generalfeldmarschall Erhard Milch leistete Gablenz bahnbrechende Arbeit und entwickelte die Grundlagen des modernen Blind- bzw. Instrumentenfluges. Er setzte konsequente Schulungsprogramme zur Beherrschung des Instrumentenflugs durch, was der Deutschen Lufthansa beim Aufbau des europäischen Nachtpoststreckennetzes einen bedeutenden technischen Vorsprung sicherte.
  • 1.6.1933 in der Vorstand der Deutschen Lufthansa berufen
    • Er setzte sich in den folgenden Jahren maßgeblich für den Aufbau des Atlantikluftverkehrs ein. Er selbst führte die ersten Erkundungsflüge über den Nord- und Südatlantik aus und sorgte 1934 für die Aufnahme eines regelmäßigen Flugdienstes nach Südamerika. Die Logistik der Postflüge brachte der Deutschen Lufthansa ein Höchstmaß an internationaler Anerkennung ein. Größtes Aufsehen erregte der auf Initiative von Freiherr von Gablenz erworbene Dampfer „Westfalen“, seine Stationierung auf dem Südatlantik und seine Nutzung als schwimmender Stützpunkt zwischen dem afrikanischen und dem südamerikanischen Kontinent. Damit konnte nunmehr Post auf dem schnellsten Wege nach Südamerika befördert werden, zunächst mit einer Heinkel He 70 von Berlin und Stuttgart nach Sevilla, weiter mit einer Junkers Ju 52 bis Bathurst in Westafrika, um dort auf den Dampfer „Westfalen“ umgeladen und schließlich per Katapultstart mit Dornier-Wal-Flugbooten nach Natal (Brasilien) transportiert zu werden. Von Gablenz sorgte unermüdlich für den Ausbau des Streckennetzes der Deutschen Lufthansa. Im September 1934 überführte Gablenz eine Junkers Ju 52 von Berlin nach Shanghai in China, wo das Flugzeug die neu gegründete „Eurasia Aviation Corporation“ verstärkte. 1936 war er der Kapitän der Besatzung, die den ersten Flug auf verkehrsmäßiger Grundlage von Europa nach Neu York durchführte.
  • 12.6.1935 Beitritt zur neuen Luftwaffe als Reserveoffizier
  • 12.6.1935 bis 10.7.1935 Beobachterlehrgang bei der Fliegergruppe Tutow (früher getarnt als Funkpeilversuchsinstitut der elektronischen Industrie e. V., später Kampfgeschwader 152) als Oberleutnant der Reserve
  • 16.3.1936 Flugzeugführer und Beobachter bei der I. Gruppe/Fliegergeschwader Greifswald in Neunrandenburg
  • August 1937 Erkundung des Luftwegs in den Fernen Osten mit der Lufthansa Junkers Ju-52 D-ANOY; er wurde nach einer Notlandung vier Wochen mit seiner Besatzung in Chotan in Chinesisch-Turkestan festgehalten. Über diesen Flug, den er zusammen mit Flugkapitän Robert Untucht und Oberfunkermaschinist Karl Kirchhoff durchführte, berichtete er ausführlich in seinem 1937 erschienenen Buch „D-ANOY bezwingt den Pamir“. Der spektakuläre „Pamirflug“, bei dem die Paßhöhen des Wakhan von mehr als 5.300 Höhenmetern bezwungen werden mußten, war eine weltweit beachtete Pionierleistung. Als die schon verschollen geglaubten Flieger am 3. Oktober 1937 in Berlin-Tempelhof landeten, wurden sie wie Helden gefeiert.
  • 26.8.1939 Kommodore des in Berlin-Tempelhof neu aufgestellten Kampfgeschwaders z. b. V. 172
  • 10.11.39 bis 30.9.1941 Kommandeur der Blindflugschulen der Luftwaffe
  • 12.3.1940 Lufttransportführer (Land)
  • 5.5.1940 Lufttransportführer beim Generalquartiermeister der Luftwaffe Hans-Georg von Seidel
  • 1.10.1941 bis 21.8.1942 Chef des Planungsamtes (GL/A-Pl) beim Generalluftzeugmeister im RLM
    • ab November 1941 zugleich Technischer Leiter im RLM

Tod

Grabstätte (Invalidenfriedhof, Feld A); Ein stilisierter Kranich, das Wappen der Lufthansa, schmückt die Grabplatte.

Generalmajor Freiherr von Gablenz (als Flugzeugführer seiner Reisemaschine Siebel Si 204), Ministerialdirektor Dr. Carl Krümmel und der Bordfunker Oberfeldwebel Klaer verstarben bei einem Flugzeugabsturz bei Mühlberg/Elbe als Folge eines Gewittersturms. Aufgrund der schlechten Bodensicht flog er wohl tief und soll beim Ausweichen an einem Industrieschornstein hängengeblieben sein. Die drei waren unterwegs nach Ainring bei Salzburg. Von Gablenz und Dr. Krümmel wollten in Salzburg an einer Vorstandssitzung der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug teilnehmen. Die Maschine war in Berlin-Tempelhof um 12.13 Uhr gestartet, der Absturz erfolgte gegen 12.45 Uhr. Die Trauerrede beim Staatsakt am 25. August 1942 hielt Generalfeldmarschall Milch, in der er ihn als „in der ganzen Welt ersten Fachmanns des Luftverkehrs“ würdigte. Noch am selben Tag wurde er auf dem Invalidenfriedhof feierlich beigesetzt.

Familie

Carl August war der Sohn des Majors und späteren Generalleutnants z. D. Heinrich Adolf Ernst Freiherr von Gablenz (Lebensrune.png 11. Juni 1845; Todesrune.png 12. Juli 1917; u. a. Teilnehmer am Deutschen Bruderkrieg, 1867 dann Leutnant der preußischen Landwehr, seit Anfang der 1890er Jahre Bataillonskommandeur im 3. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 71 und Inhaber des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens) und seiner am 28. September 1880 in Frankfurt/Oder geehelichten Gemahlin Clara (Klara) Johanna Marie, geb. von Forckenbeck (Lebensrune.png 16. Februar 1859; Todesrune.png 9. Oktober 1923). Sein Großvater war Maximilian „Max“ Franz August von Forckenbeck (1821–1892), der hochdekorierte Oberbürgermeister von Berlin.

Gebrüder von Gablenz

Carl August war der Jüngste der fünf Gebrüder von Gablenz, seine vier Brüder waren:

Ehe

Am 6. Februar 1919 heiratete Leutnant von Gablenz in Gonzenheim seine Verlobte und Kusine Anna Martha Paula von Forckenbeck (Lebensrune.png 13. Dezember 1897 in Frankfurt an der Oder), Tochter des Landgerichtsdirektors Geheimer Justizrat Franz Theodor Max von Forckenbeck und dessen Ehefrau Johanna Paulina Clara Elisabeth, geborene von Hagens. Zeugen waren der 61jährige Vater der Braut und der 37jährige Hauptmann Max Freiherr von Gablenz (wohnhaft in Durlach bei Karlsruhe), der älteste Bruder von Carl August.

Aus der Ehe sind zwei Söhne und eine Tochter entsprossen. Sein Sohn Franz-Heinrich Freiherr von Gablenz (1922–2019; im Krieg Fernaufklärer der Luftwaffe, zuletzt Oberleutnant) wurde Flugkapitän, dann Chefpilot der Lufthansa,[2] sein Enkel Dr. jur. Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz (Lebensrune.png 2. Februar 1952) war Vorsitzender des Aufsichtsrats der CargoLifter AG.[3]

Beförderungen

Auszeichnungen (Auszug)

Schriften (Auswahl)

  • D-ANOY bezwingt den Pamir. Ein abenteuerlicher deutscher Forschungsflug. Oldenburg i.O. 1937.
    • Unter dem Titel Pamirflug. Lufthansa D-ANOY 1937. neu aufgelegt, Herbig, München, 2002
  • Carl August von Gablenz, Die Blindflugschule, Richtlinien für Lehrer und Schüler, o. J., herausgegeben von der Deutschen Lufthansa AG

Literatur

  • Freiherr von Gablenz starb den Fliegertod, in: „Deutsche Luftwacht“ (Ausgabe Luftwissen), Nr. 9, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Berlin 1942

Fußnoten

  1. Pamirflug der D-ANOY 1937. Am 24. August 1937 startete eine vollbeladene Ju 52 der Deutschen Lufthansa auf dem Flughafen Kabul, um über Hindukusch und Pamir hinweg eine neue Flugroute nach China zu erkunden. Der Besatzung mit Flugkapitän und Lufthansa-Vorstandsmitglied Carl August Freiherr von Gablenz, Flugkapitän Robert Untucht und Oberfunkermaschinist Karl Kirchhoff gelingt der Flug über den 5.300 Meter hohen Wakhan-Paß und weiter über das „Dach der Welt“ bis nach Sian in China. Auf dem Rückflug zwingt eine Motorstörung zu einer Außenlandung, die Besatzung gerät in die Kriegswirren in China und wird vier Wochen in der Zitadelle von Chotan gefangengehalten. Am 27 September 1937 landen die verschollen geglaubten Flieger wohlbehalten Deutschland, am 3. Oktober 1937 werden sie feierlich in Berlin-Tempelhof empfangen.
  2. Franz-Heinrich hatte mehr als 20.000 Flugstunden auf Ju 52, Ju 86, Ju 88, DC-3, Convair 340/440, Lockheed Super-Constellation, Boeing 707 und Boeing 747 (Jumbo); 1953 landete er als erster deutscher Verkehrsflieger nach dem Krieg auf dem Hamburger Flughafen - in einer zweimotorigen DC-3 der Swissair. Er beendete 1982 seinen letzten Flug für die Lufthansa im amerikanischen Atlanta (Georgia). Nach der Landung überschüttete die Flughafenfeuerwehr seinen „Jumbo“ ohne Vorwarnung mit Kaskaden von Löschwasser.
  3. Nachdem er an einem humanistischen Gymnasium sein Abitur abgelegt hatte, ergriff Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz - entgegen der Tradition seiner „fliegenden“ Vorfahren - den bodenständigen Beruf des Landwirts, bevor er ein Jurastudium begann, das er 1979 mit dem zweiten Staatsexamen abschloß. Drei Jahre später promovierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit einer Arbeit über „Die Haftung der Banken bei Einschaltung Dritter“ zum Dr. jur. Seine berufliche Laufbahn begann er bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. 1986 wechselte er in den Vorstand der Maho AG in Pfronten. Nach dem Zusammenbruch der DDR im Spätherbst 1989 verließ Carl-Heinrich Freiherr von Gablenz das Allgäu in Richtung Thüringen, wo er Geschäftsführer im Vorstand eines Uhrenwerks wurde. Vier Jahre später zog der Freiherr nach Chapel Hill, um an der Universität North Carolina eine Gastprofessur für globale Logistik anzutreten. In dieser Zeit entstand die Idee für das Luftschiff. Am 1. September 1996 gründete er die Cargolifter AG, zunächst mit Sitz in Wiesbaden.
  4. Im Rahmen einer Restaurierung wurde das Flugzeug später jedoch wieder auf den Namen „Hans Kirschstein“ umbenannt, unter welchem die Deutsche Lufthansa das Flugzeug im Jahr 1941 ursprünglich in Dienst gestellt hatte.