Derfflinger, Georg von

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Generalfeldmarschall, Geheimer Kriegsrat, Statthalter von Hinterpommern, Obergouverneur aller Festungen und Chef dreier Regimenter (ein Infanterie-, Kürassier- und Dragonerregiment) Georg von Derfflinger, Stich von Joh. Hainzelmann 1690

Georg Derfflinger, seit 1674 Reichsfreiherr von Derfflinger (Lebensrune.png 20. März 1606 in Neuhofen an der Krems, Erzherzogtum Österreich; Todesrune.png 14. Februar 1695 in Gusow), war kurfürstlich-brandenburgischer Generalfeldmarschall, Statthalter von Pommern, berühmter deutscher Feldherr und mehrfacher Sieger über Schweden.

Leben

Nach einer Originalzeichnung
„Seine Meister-Attacke ritt der 69-Jährige im für Brandenburg schicksalhaften Jahr 1675. Damals fielen die mit Frankreich verbündeten Schweden erneut in die Neumark, Uckermark, die Grafschaft Ruppin und ins Havelland ein und hausten dort schlimmer als im Dreißigjährigen Krieg. Doch am 25. Juni 1675 fügte ihnen Derfflinger in Rathenow die erste Niederlage zu und drei Tage später warf er die Schweden in der siegreichen Reiterschlacht bei Fehrbellin mit Schimpf und Schande aus Brandenburg hinaus. Es war der krönende Abschluss seiner Laufbahn, die ihm den Titel ‚Reichsfreiherr‘ eintrug. Mit dem reichen Sold erwarb er in Pommern und am Rande des Oderbruchs dutzende Dörfer. In Gusow baute er die alte Sumpfburg zum Schloss aus. Dem Park hinter dem Schloss mit Bäumen, Wegen und Wasserläufen galt seine ganze Liebe. Die Kirche neben dem Schloss ließ er erneuern - ein Zufluchtsort für die Bauern in Kriegszeiten. Derfflinger starb am 4. Februar 1695. Er ruht in einer Gruft hinter dem Altar, wo er eine Falltür anbringen ließ, die seine Totenruhe garantieren sollte. Was Grabräuber nicht davon abhielt, seinem Leichnam Uniformstücke und Orden zu rauben. Als die Rote Armee im 2. Weltkrieg in Brandenburg einmarschierte, ließ sie den Leichnam exhumieren und stellte ihn vier Wochen lang als ‚verhassten deutschen Junker‘ an einem Baum hängend zur Schau. Heute ruht Derfflingers unversehrter Leichnam in der blauen Dragoneruniform wieder in seiner angestammten Gruft. Die Haut sieht aus wie graubraunes Leder. So hat sich die Legende erhalten, dass der Tote durch das viele Blut, das er vergossen hat, bis zum Jüngsten Tag reiten muss.“[1]

Georg Freiherr von Derfflinger wurde als Sohn eines armen protestantischen Bauern geboren und soll angeblich wegen religiöser Unterdrückung als Kind mit den Eltern die Heimat verlassen haben. Wenn auch über seine Jugend nichts bekannt ist, so ist doch sicher, daß er nie Schneidergeselle, wie über ihn erzählt wurde, gewesen ist. Unsicher ist die Überlieferung über seine Teilnahme an der Schlacht am Weißen Berge 1620.

Jedenfalls trat er später, wahrscheinlich schon unter Gustav Adolf, in schwedische Dienste; genannt wird er jedoch erst 1636 als Oberstleutnant. Hierbei tat er sich wiederholt durch kühne Handstreiche hervor (1636 bei der Moritzburg in Halle, 1637 in Thüringen) und avancierte um 1640 zum Oberst und Regimentskommandeur. 1642 wurde er zu Georg I. Rakoczi nach Siebenbürgen gesandt, um über ein Bündnis mit ihm zu unterhandeln.

Vermutlich 1646 verließ von Derfflinger den schwedischen Dienst und wohnte anfänglich in Berlin in Brandenburg-Preußen, dann auf dem Landgut Gusow bei Küstrin, das ihm seine Gemahlin, ein Fräulein von Schaplow, mit in die Ehe gebracht hatte, und das er eifrig bewirtschaftete. 1655 trat er als Generalwachtmeister in brandenburgische Dienste, wo er sich durch Klugheit und Tapferkeit in den Kriegen gegen Polen, Dänen, Schweden und Franzosen auszeichnete und rasch weiter aufstieg. Er wurde 1657 Generalleutnant und Wirklicher Geheimer Kriegsrat, 1658 Generalfeldzeugmeister, 1670 Generalfeldmarschall, 1677 Obergouverneur der pommerschen Festungen, 1678 Statthalter von Hinterpommern und Kammin. Seine hervorstechendsten Waffentaten sind die Schlacht bei Warschau (28.–30. Juli 1656) und die Schlacht bei Fehrbellin, die er an der Spitze von 6.500 Reitern entschied (18. Juni 1675), sowie der vorhergehende Handstreich gegen Rathenow, die Eroberung von Stralsund und Rügen (1678) und der Winterfeldzug gegen die Schweden 1678–79. Die Aufbringung und Schulung der brandenburgischen Reiterei war großenteils von Derfflingers Verdienst; auch bediente sich der Große Kurfürst seiner mehrfach zu Gesandtschaften.

1674 wurde von Derfflinger vom Kaiser in den Reichsfreiherrenstand erhoben, 1679 nach dem Frieden von St. Germain-en-Laye erbat und erhielt er seinen Abschied und lebte größtenteils auf seinen Gütern. Für seine Leistungen empfing er eine Dotation von 140.000 Talern.

Neue Deutsche Biographie

„Daß D. das Schneiderhandwerk erlernt habe, ist Sage. Er hat offenbar von der Muskete auf gedient, zuerst unter dem Grafen Matthias von Thurn zur Zeit des böhmischen Aufstandes, ist bald zum Offizier befördert worden, wie überhaupt das Offizierkorps sich damals häufig aus dem Bauernstande ergänzte. 1632 trat er als Hauptmann in schwedische Dienste und wurde 1639 bereits Oberst. Er wurde als Gesandter zum Fürsten von Siebenbürgen, und 1642 nach der Schlacht bei Breitenfeld nach Stockholm zum mündlichen Bericht geschickt. D. muß also neben vorzüglicher militärischer Veranlagung schon damals vornehme Umgangsformen und diplomatisches Geschick gezeigt haben, übrigens Eigenschaften, die auch später die Zeitgenossen an ihm rühmten. Obwohl mit Ehren und materiellen Zuwendungen überhäuft, nahm D. als Oberst Abschied aus schwedischen Diensten und zog sich auf das von ihm erworbene Schapelowsche Gut Gusow bei Lebus zurück. Die Bestallung vom 16.8.1655 zum ältesten Generalwachtmeister bei der neu errichteten brandenburgischen Armee durch den Großen Kurfürsten bildete den Auftakt zu der ruhmreichen Laufbahn D.s. In den Feldzügen in Schleswig, Jütland und Pommern wie auch in den späteren Kriegen gegen Frankreich und Schweden zeigte er Führereigenschaften, die ihn zum unbestritten hervorragendsten Feldherrn seiner Zeit stempelten. Unvergessen bleibt D.s Schöpfung der Dragoner, einer neuartigen Waffe, die eine Verbindung von Infanterie und Kavallerie darstellte und bei geschickter Verwendung schlachtentscheidend wurde. (Bis 1918 führte das preußische Grenadier-Regiment zu Pferde Nummer 3 in Bromberg seinen Namen.) Auch auf politischem Gebiet zeigte D. oft klareren Blick und größere Einsicht als die zünftigen Diplomaten. So erwies sich unter anderem D.s dringende Empfehlung, am Bündnis mit dem Kaiser, Spanien und den Generalstaaten festzuhalten, als richtig. Die diplomatische Sendung D.s nach Den Haag (Mai 1674) und seine persönlichen Verhandlungen mit dem Prinzen von Oranien brachten einen vollen Erfolg. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes sehen wir den Feldmarschall im Feldzug gegen Franzosen und Schweden (1674–79). Die Ernennung zum Statthalter von Hinterpommern und dem Fürstentum Cammin belohnte D.s Leistungen. Die Belagerung von Bonn 1689 unter Kurfürst Friedrich III. war des alten Helden letzte Kriegstat. - D. war nicht nur Reformator der Reiterei, auch in der Verwendung der Feldartillerie, in der Belagerungskunst und im Nachschub- sowie Verpflegungswesen wies er neue Wege. Besonders verdient aber machte sich D. durch Schaffung eines neuen Offizierstypus. Indem er nämlich dem Offizierkorps Ehr- und Pflichtgefühl anerzog und ihm die Treuepflicht gegenüber dem Landesherrn auch über die Dienstzeit hinaus auferlegte, nahm er ihm den bisher noch anhaftenden Landsknechtscharakter.“[2]

Tod

Nach seinem Tod 1695 wurde von Derfflinger in der Kirche von Gusow bestattet. Der jüngere seiner beiden Söhne fiel 1686 vor Ofen, der ältere, mit dem der männliche Familienstamm erlosch, starb 1724 als Generalleutnant in Gusow. Von Derfflingers vier Töchter verehelichten sich mit brandenburgischen Offizieren aus den Familien von der Marwitz, von Dewitz, von Zieten. Ab dem Jahr 1889 führte das preußische 3. Dragoner-Regiment seinen Namen. Zu seinem Wirken heißt es weiterhin:

Derfflingers Leben ist phantastisch wie das Jahrhundert, das er mit seinen 90 Jahren umspannt. Nur in unruhigen Zeiten, die die größte Kraft und die beste Leistung verlangen, reißt den Fähigen ein Aufstieg, wie ihn von Derfflinger stürmisch durcheilt hat, an den gemäßen Führerplatz. Als armer Bauernjunge hatte er noch vor dem Dreißigjährigen Krieg in seiner oberösterreichischen Heimat das Vieh gehütet. Als das Jahrhundert zu Ende ging, trauerte um den preußischen Generalfeldmarschall ein ganzer Staat. Dazwischen verbrachte er ein Menschenalter auf dem Rücken des Pferdes. Den jungen Reitknecht, als der er sein Kriegerleben begann, hoben Tapferkeit und militärisches Können in immer höheren Rang. Er hat manchem Kriegsherren ruhmreich gedient, als ihm mit der Berufung in den brandenburgischen Dienst seine große geschichtliche Stunde schlug. Zuerst organisiert er die brandenburgische Reiterei. Nach wenigen Jahren schon führt er sie zu den ersten Siegen: Fehrbellin ist sein Werk. Auf dem Heer, das Derfflinger schuf, haben die großen preußischen Könige weitergebaut; und die Siege, die er errang, sind die ersten Taten gewesen, denen jedes Geschlecht des kommenden preußischen Staates sich heilig verpflichtet fühlte.[3]

Familie

Georg war der Sohn des begüterten Bauens Hans Georg Dörffling aus Weinschenk in Neuhofen. Seine Schwester Regina heiratete 1617 Christoph Crinesius (1584–1629), aus Böhmen vertrieben, Pfarrer in Gschwendt und Neuhofen, 1624 erneut vertrieben, schließlich Professor der Theologie und orientalischen Sprachen in Altdorf.

Ehen

Georg von Derfflinger heiratete am 26. Januar 1646 Margarete (Todesrune.png 1661), Tochter des Friedrich Wulff von Schapelow auf Gusow und der Elisabeth von Bardeleben. 1662 heiratete der Witwer Barbara Dorothea Rosina (Todesrune.png 1666), Tochter des Otto von Beeren auf Klein-Beeren und der Dorothea von Goertzke.

Kinder

Mit Margarete hatte er einen Sohn und die Tochter Beata Luisa (1647–1715). Beata heiratete 1674 den kurbrandenburgischer Generalleutnant und Oberhauptmann von Küstrin Curt Hildebrand von der Marwitz (1641–1701). Aus der Ehe mit Barbara sind zwei Töchter und vier Söhne entsprossen. Sohn Friedrich (1663–1724) wurde preußischer Generalleutnant der Kavallerie (mit ihm erlosch das Geschlecht), Emilie Luise (Todesrune.png 1704) heiratete 1694 den kurbrandenburgischen Generalleutnant Joachim Balthasar von Dewitz (1636–99), Tochter Charlotte heiratete 1683 den kurbrandenburgischen Generalmajor Johann Anton von Zieten (1640–1690], der tapfer und siegreich für Friedrich Wilhelm (Brandenburg) kämpfte und ein Vorfahre Otto von Bismarcks war.

Ehrungen (Auszug)

Er war der Namenspatron des Kaiserlich-deutschen Schlachtkreuzers SMS „Derfflinger“, der an der Skagerrakschlacht teilnahm und dabei schwer beschädigt wurde, sowie der „Derfflinger“ der Kurbrandenburgischen Marine. Der Norddeutsche Lloyd benannte nach ihm 1908 den Reichspostdampfer „Derfflinger“. In der Kriegsmarine diente 1943/44 in der 6. Vorpostenflottille der Fischdampfer „Derfflinger“ als Vorpostenboot. Zahlreiche Straßen wurden in Deutschland, auch in Deutschösterreich, nach ihm benannt (u. a. in Bremen, Berlin, Linz, Duisburg, Düsseldorf und Lünen). Der Große Kurfürst schenkte Georg von Derfflinger in Berlin einen Bauplatz am Köllnischen Fischmarkt 4. Dort ließ der Generalfeldmarschall im Jahr 1693 ein Palais errichten, das seinen Namen nach dem Besitzer erhielt: „Palais Derfflinger“.

Siegesallee

Für die Berliner Siegesallee gestaltete der Bildhauer Fritz Schaper eine marmorne Büste Derfflingers als Seitenfigur der Denkmalgruppe 25 zu dem zentralen Standbild für den Kurfürsten Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, enthüllt am 30. März 1901. Die Büste zeigt den Generalfeldmarschall mit dem Marschallstab. Für die Darstellung verwendete Schaper unter anderem einen Kupferstich von Johann Hainzelmann aus dem Jahr 1690.

Lied vom Derfflinger

Der alte Derfflinger
Die Stettiner hatten sich unterfangen
Eine Schere ausgehangen
Dem Feldmarschall nur zum Hohn.
Wart, ich will euch auf der Stelle
Nehmen Maß mit meiner Elle,
Kreuzmillionenschocksschwernoth.[4]

Literatur

  • Karl August Varnhagen von Ense: „Georg von Derfflinger“ in: „Biographische Denkmale“, 1872, Band 1 (Bände 1-2 PDF-Datei)
  • Anton Balthasar König: Authentische Nachrichten von dem Leben und den Thaten George Freiherrn von Derfflinger. Stendal 1786
  • Ernst Graf zur Lippe-Weißenfeld: Derfflinger. Biographische Skizze. Beitrag zur 2. Secularfeier des Sieges bei Fehrbellin. Verlag der „Militaria“, Berlin 1875 (aus: Neue militärische Blätter)
    • 2. Auflage unter dem Titel: Derfflinger. Verlag der „Militaria“ (G. von Glasenapp), Berlin 1880
  • Ernst Fischer: Beiträge zur Geschichte des Kurbrandenburgischen Feldmarschalls Georg Reichsfreiherrn von Derfflinger. Berlin 1884 (enthält eine kritische Prüfung der Überlieferungen über Derfflingers Jugendzeit)

Fußnoten

  1. Georg von Derfflinger, OÖNachrichten, 10. März 2006
  2. Derfflinger, Georg Freiherr von, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 605 f.
  3. Karl Richard Ganzer: Das deutsche Führergesicht, 200 Bildnisse deutscher Kämpfer und Wegsucher aus zwei Jahrtausenden. 1937 Lehmanns-Verlag München
  4. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg