Bierbrauer, Günther

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Günther Bierbrauer; auf dem kleinen Bild als Ritterkreuzträger. Das Bild ist eine Nachkriegsfotomontage, denn beim Endkampf um Deutschland im April 1945 gab es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Ritterkreuzverleihungszeremonie, geschweige denn Aufnahmen in einem Fotostudio, wie diese noch 1944 üblich waren. Dieses Bild stammt wohl aus der Zeit nach der Verleihung des Deutschen Kreuzes in Gold, weshalb Bierbrauer noch das Beobachter- statt das Flugzeugführerabzeichen trägt. Bei Anfragen um Autogrammkarten fügte Bierbrauer stets einen diesbezüglichen aufklärenden Text hinzu.

Günther Bierbrauer (Lebensrune.png 20. Mai 1922 in Stuttgart; Todesrune.png 26. Juni 2019 ebenda) war ein deutscher Unteroffizier der Wehrmacht, zuletzt Oberfeldwebel der Luftwaffe und Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkrieges. Das Kampfflieger-As war bei rund 500 Feindflügen u. a. an der Zerstörung oder schweren Beschädigung von mindestens 49 feindlichen Panzerzügen beteiligt. In der Nachkriegszeit war er Großunternehmer sowie erfolgreicher Mannschafts- und Einzel-Tischtennisspieler.

Werdegang

Kampfgeschwader 27 (mit He 111 und Jagdschutz) mit Unterschrift von Günther Bierbrauer
Beispiel eines Begleitschreibens zur Autogrammkarte, 1983

Zweiter Weltkrieg

Der noch nicht 18jährige Bierbrauer trat der Luftwaffe am 7. Januar 1940 bei. Im Herbst 1940 wurde er zur Fliegerwaffenschule (See) 1 kommandiert, wo er als Beobachter ausgebildet wurde. Im März 1941 kam er dann an die Große Kampffliegerschule 1, wo er bis August 1941 blieb. Im September 1941 erhielt er weitere Ausbildung beim Kampfgeschwader 100, danach wurde er zur 10. Staffel/Kampfgeschwader 26 versetzt, wo er den letzten Schliff erhalten sollte.

Im Februar 1942 wurde er schließlich in die 3. Staffel/Kampfgeschwader 27 versetzt. Im Dezember 1942 und im Januar/Februar 1943 flog er als Besatzungsmitglied Versorgungsgüter in den Kessel von Stalingrad. Für diese vielen und gefährlichen Feindflügen bekam Beobachter Bierbrauer im Sommer 1943 das Deutsche Kreuz in Gold.

„Zu Jahresbeginn 1943 war das Kampfgeschwader 27 zur Versorgung des Kessels von Stalingrad sowie zu Bombeneinätzen um den Kessel eingesetzt. Hierzu lagen der Stab und die III. Gruppe in Nowotscherkassk, die I. und II. Gruppe in Urasoff. Im Januar 1943 wurde zudem in Charkow-Woitschenko eine 14. (Eis) Staffel zur Eisenbahnjagd aufgestellt und im Südabschnitt der Ostfront eingesetzt. Bis in den Juni 1943 flog das Geschwader Einsätze im Bereich der Heeresgruppe Don und der Heeresgruppe B. Vom 4. bis 13. Juni flog das Geschwader Einsätze auf Motoren- und Rüstungswerke in Gorki und Jaroslaw. Zwischen dem 5. und 15. Juli beteiligte sich das Geschwader an der deutschen Offensive bei Kursk. Zwischen dem 16. Juli und dem 5. August flog das Geschwader Einsätze auf Ziele an der Mius- und Donezfront im Bereich der Heeresgruppe Süd. Im September 1943 wurde die I. Gruppe zur Auffrischung nach Goslar verlegt, während die II. und III. Gruppe im Südabschnitt der Ostfront verblieben.“[1]

Im August 1943 wurde er in die im Januar 1943 aufgestellten 14. (Eisenbahnjagd-)Staffel (Eis.) der IV. (Ergänzungs-)Gruppe versetzt, die auch als 14. (Eisenbahnjagd-Nacht-)Staffel (Eis./N.) bekannt war. Hier wurde er endlich Flugzeugführer. Eine ähnliche Entwicklung hatte auch Staffelkamerad Günther Kempin gemacht, vom Bordfunker zum Flugzeugführer und Ritterkreuzträger. Aufgabe der He 111 war die Bekämpfung von Eisenbahnzielen, die Versorgung des Feindes durch sowjetische Panzerzüge sollte unterbrochen werden. Stärke der He 111 war die überlegene Feuerkraft, Schwäche, z. B. im Vergleich zu den schweren Jägern oder Schlachtflieger, war die geringere Geschwindigkeit und der notwendige flache Tiefflug, was sie zum willkommenen Ziel der feindlichen Flugabwehr machte. Von März bis Juli 1944 war er Ia der 14. (Eisenbahnjagd-)Staffel. Am 13. September 1944 wurde er bei der Reichsverteidigung bei Odertal O.S. (Oberschlesien) verwundet. Ende April 1945 geriet Oberfeldwebel Günther Bierbrauer in VS-Amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nachkriegszeit

Anfang 1947 kehrte Bierbrauer aus der Gefangenschaft nach Stuttgart zurück und hat zusammen mit seinem Bruder Heinz die Firma Bierbrauer mit großem Erfolg aufgebaut. Daneben war er als Gründer und Leiter verschiedener Büro-Einzelhandelsorganisationen deutschlandweit tätig. Parallel dazu hat er für die Tischtennis-Herrenmannschaft der Stuttgarter Kickers glänzende Erfolge errungen. 1950 die württembergische Mannschaftsmeisterschaft, daneben viele Einzeltitel und konnte dann mit seiner späteren Frau Edith weitere Erfolge für die Stuttgarter Kickers feiern. Er war auch maßgebend, zusammen mit dem unvergessenen Kurt Schal, an der Entwicklung und dem Aufbau der Tischtennisabteilung beteiligt und hat bis ins hohe Alter für die Senioren-Mannschaft gespielt.

Würdigung zum 90. Geburtstag

„Am 20. Mai 2012 feierte Günther Bierbrauer seinen 90. Geburtstag. Der gebürtige Stuttgarter baute ab 1946 gemeinsam mit seinem Bruder Heinz das 1914 gegründete Unternehmen Gustav Bierbrauer KG neu auf und verschmolz es im Jahr 1972 zusammen mit der Werner Nagel KG auf die Bierbrauer + Nagel GmbH & Co. KG. Bis Ende der 1980er Jahre stand er an der Spitze der Firma. In mehreren Phasen wurde das Vollsortiments-Unternehmen, das zum Schluss 750 Mitarbeiter beschäftigte, an das damalige Unternehmen Bührmann + Tetterode verkauft. Bekannt wurde Günther Bierbrauer in der Branche als Gründungs­präsident des Bundesverbandes Bürowirtschaft: Im Jahr 1975 fusio­nierten die einstmals selbständigen Handelsverbände, des einzel­handelsorientierten Verbandes Papier-, Bürobedarf und Schreibwa­ren (VPBS) und des auf den Streckenhandel fokussierten Verbandes Büromaschinen, Büro- und Organisationsmittel (BBO) auf den Bun­desverband Bürowirtschaft (BBW).
Günther Bierbrauer führte diesen neuen Verband bis zur Übergabe an Armin Schröter im Jahr 1991. Geschäftsführer war in dieser langen Periode Helmut Schmalfuß, der von der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE) zum BBW gewechselt war. Bierbrauer verstand es, dem Handel in der Branche Gewicht bei den Lieferanten und in der Öffentlichkeit zu verschaffen. Man hörte auf seinen Rat, man folgte seinen Ausführungen als politischem Unter­nehmer. Viele Leistungen des BBW sind mit seinem Namen verbun­den. Dazu gehörten die Gründung des ‚Forum Bürowirtschaft‘ im Jahr 1987, das bis heute gemeinsam für alle Wirtschaftsstufen mit seinen Arbeitstagungen wichtige Impulse für die Branche setzt.
Viele Jahre lang gehörte Bierbrauer dem Präsidialrat des HDE an. So war es für ihn selbstverständlich, an der Beilegung des jahrelan­gen Streits zwischen Verbänden der Einzelhandelsorganisation und den expansiven Großvertriebsformen des Handels mitzuwirken und das sogenannte HDE-Metro-Abkommen zu ermöglichen. Dafür wurde ihm vom damaligen Vizepräsidenten des HDE, Prof. Dr. Erich Greipl die Goldene Ehrennadel des Spitzenverbandes überreicht. Auch international war Günther Bierbrauer in den Branchenverbän­den Ifosa, Zürich, für die Sektion Papier, Bürobedarf und Schreibwa­ren und Cecoma, Wien, für die europäischen Büromaschinen- und Organisationsmittelhändler engagiert. Schon vor seiner Zeit als BBW-Präsident übte er das Amt des ehrenamtlichen Vorstands der Großeinkaufsgemeinschaft Deutscher Bürobedarfsgeschäfte (GDB), der heutigen Soennecken eG, aus. Für seine Verdienste in der Bürowirtschaft und für den Bundesver­band Bürowirtschaft wurde Günther Bierbrauer zum Ehrenpräsiden­ten ernannt und ihm die Goldene Ehrennadel des BBW verliehen. Der Jubilar ist Träger des Ritterkreuzes, ausgezeichnet für den tap­feren Einsatz in 450 Luftkämpfen. Günther Bierbrauers Sohn Wolfgang führt heute die Unternehmen Regler Office GmbH und Regler Solutions GmbH. Seinen Geburts­tag feierte der Jubilar im Kreis seiner Familie sowie sportlicher, beruf­licher und privater Weggefährten.“[2]

95. Geburtstag

Der letzte lebende Ritterkreuzträger des Kampfgeschwaders 27 „Boelcke“ feierte 2017 seinen 95. Geburtstag bei einem großen Festakt in der Gourmet-Gaststätte „Bischoff“ in Stuttgart-Möhringen.

Tod

Traueranzeige der Familie
Trauerkranz Günther Bierbrauer von der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger

Kampfflieger Günther Bierbrauer verstarb am 26. Juni 2019 mit 97 Jahren:

„Ritterkreuzträger Oberfeldwebel Günther Bierbrauer ist mit 97 Jahren, 1 Monat und 6 Tagen am heißesten Tag des Jahres am Mittwoch, dem 26.6.2019 an einer Lungenentzündung im Krankenhaus in Stuttgart friedlich eingeschlafen. Am 12.7.1943 war dem Flugzeugführer in der 14. Staffel des Kampfgeschwaders 27 ‚Boelcke‘ das Deutsche Kreuz in Gold und am 17.4.1945 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen worden. Der hohe Ordensträger war Geschäftsführer der Firma Bierbrauer + Nagel Grundstücksverwaltungs- und Werbemittel GmbH & Co. KG in Stuttgart. Somit leben nur noch 3 Veteranen der Luftwaffe und 6 des Heeres, denen rechtswirksam im Zweiten Weltkrieg die höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung verliehen worden war. Es leben noch 3 Leutnants (+1 rechtsunwirksamer) und jeweils 2 Oberleutnants (+1 rechtsunwirksamer) und Hauptmänner sowie jeweils 1 Gefreiter, Obergefreiter, Oberfeldwebel und Major im Generalstab. In den west- und süddeutschen Nachkriegsstreitkräften erreichten von diesen 6 höhere Dienstgrade: 2 wurden Generale, 2 Obristen und je einer Oberleutnant d. R. und Oberstleutnant d. R. Ein weiterer wurde ‚Bundespropagandaminister‘, Staatssekretär, Botschafter und Fernseh-Intendant.“Peter Hild, Facebook, 28. Juni 2019

Letzter Stuttgarter Ritterkreuzträger zu Grabe getragen

Am 10. Juli 2019 wurde der Günther Bierbrauer auf dem Waldfriedhof Stuttgart-Degerloch beigesetzt. OdR-Organisator Christian Heine aus Reutlingen schrieb am 11. Juli 2019 zur würdigen Trauerfeier:

„Am 10. Juli waren bei herrlichem Wetter ca. 100 Verwandte und Freunde gekommen, um ihrem ‚GB‘ lebe wohl zu sagen, darunter 8 Mitglieder unserer Ordensgemeinschaft. Er war am 26. Juni, 4 Wochen nach seinem 97. Geburtstag in einem Stuttgarter Krankenhaus verstorben. Damit lebt mit Ludwig Bauer nur noch ein Ritterkreuzträger in unserer Sektion Stuttgart und weltweit nur noch 12 von ehemals ungefähr 7300. Die einzige Rede hielt sein Sohn Wolfgang, aber das sehr gut. Er erwähnte die Eigenheiten seines Vaters, die mehrfach zum Schmunzeln waren, aber auch ausführlich seine Militärzeit, mit dem für ihn schlimmsten Erlebnis, als er über Moskau von den Flakscheinwerfern erfasst wurde, und nur mit viel Glück unbeschadet hindurch kam. Besonders beeindruckt zeigte er sich von den vielen Zuschriften von Interessierten, Verehrern und Sammlern, die sein Vater bis kurz vor seinem Tode immer noch gewissenhaft beantwortet hat. U. a. fand er einen Brief einer amerikanischen Klassenlehrerin, die für alle 30 Kinder eine persönliche Widmung bat und sie auch bekam, weil die ‚german soldiers‘ in den USA sehr verehrt werden! Über so etwas hat sich sein Vater natürlich besonders gefreut. Seine Großzügigkeit zeigte sich im anschließenden Essen bei Sternekoch Bischoff, wo wir schon oft eingeladen waren. Ja, die Geselligkeit war ihm immer ganz besonders wichtig. Nur wenn die Bundesliga im Fernsehen lief, durfte man ihn nicht stören. Bis zum Schluss interessierte er sich brennend für die aktuelle Politik und unser Soldatentum. Dass 2018 sein Lebenslauf in der Deutschen Militärzeitschrift erschienen ist, war für ihn eine große Freude, nachdem er zuerst nicht mitmachen wollte. Freiexemplare wurden von den Gästen gerne mitgenommen. Mein Tischnachbar war ein alter Freund von ihm, der ab 1943 als sechzehnjähriger Flaksoldat an der 10,5 mithalf, die Terrorbombenangriffe der Alliierten gegen die Zivilbevölkerung in Stuttgart zu bekämpfen. All zu oft kamen die Bomben aber durch und vernichteten 1944 auch Bierbrauers Haus, wodurch sie alles verloren. Als einziges konnte der Ehrenpokal aus dem brennenden Haus von seiner Mutter gerettet werden.
Am 20. Mai im 1922 als zweiter Sohn eines Kaufmanns in Stuttgart geboren, besuchte er nach dem Realgymnasium die höhere Handelsschule. Schon 1936 fing er bei den Stuttgarter Kickers mit dem Tischtennis spielen an, die ihn zum Tode einen tollen Nachruf mit Würdigung seiner militärischen Laufbahn würdigten. Nach dem Krieg war er dort als Einzel- und Mannschaftsspieler äußerst erfolgreich, bevor er 1975 zum Tennis wechselte. Als Junge war er zuerst im CVJM, später im Jungvolk und der Hitlerjugend, an die er nur gute Erinnerungen hatte. Nachdem 1937 sein 3 Jahre älterer Bruder zur Flak eingezogen und nach dem Spanieneinsatz in Berlin begeistert empfangen wurde, wollte er auch zur Wehrmacht und meldete sich deshalb im Herbst 39 mit 17 ½ freiwillig zur Luftwaffe. Am 11. Januar 40 begann die Grundausbildung in München-Neubiberg. Daran schloss sich die Fliegerausbildung an verschiedenen Kriegsschulen auf der He 111 und der Ju 88 in Norddeutschland an, die er im Herbst abschloss. Der erste Einsatz erfolgte mit dem KG 27 ‚Boelcke‘ zur Überwachung des Ärmelkanals.
Als der Krieg mit Rußland ausbrach, verlegte er nach Osten, um feindliche Truppen mit der He 111 als Bomber zu bekämpfen. Ein ganz besonderer Einsatz war Ende 1942 auf Führerbefehl die Bombardierung der größten russischen Munitionsfabrik in Jaroslawl 300 km nord-östlich von Moskau, wo sämtliche verfügbaren deutschen Bomber (mehrere Hundert) an einem Tage zum Einsatz kamen. Danach kam der Einsatz zur Versorgung der eingeschlossenen Truppen in Stalingrad. Viele Maschinen gingen durch die russischen Angriffe verloren. Als einer der letzten Maschinen kam er aus der heiß umkämpften Stadt noch heraus. Die dramatischen Szenen bei jedem Abflug konnte er nie vergessen. ‚Aufgrund außergewöhnlicher Einsatzfreudigkeit und Draufgängertum mit großen Erfolgen‘ wurde ihm als Obergefreiter am 27.1.43 der Ehrenpokal und am 17.6.43 das Deutsche Kreuz in Gold nach 259 Feindflügen verliehen, bevor er am 23.8. zum Unteroffizier befördert wurde. Zuvor war ihm schon die Medaille Winterschlacht im Osten, das EK II und I, das Krimschild, das Verwundetenabzeichen in Schwarz, das Flugzeugführerabzeichen und die Frontflugspange für Kampfflieger in Bronze (20 Feindflüge), Silber (60) und Gold (110) verliehen worden. Später bekam er auch noch den Sternanhänger für über 300 Feindflüge.
Am 1.2.44 wurde er mit seinem Staffelkapitän und anderen zur neu aufgestellten Sondereinheit der 14. Eisenbahn-Nachtbekämpfungsstaffel versetzt. Dort hatte er weitere 171 Einsätze. Nacht für Nacht waren im Tiefflug bis auf 10 m die Nachschubzentren und Versorgungszüge des Russen das Ziel, ein unglaublich anstrengender und gefährlicher Job. Am 5.8.44 zerstörte er als Staffelführer und Feldwebel eine wichtige Ponton-Brücke über die Weichsel und erhielt dafür die persönliche Anerkennung des kommandierenden Generals des I. Fliegerkorps Paul Deichmann. Bei einem amerikanischen Bombenangriff auf ein Hydrierwerk an der Oder am 13.9.44, wurde er am rechten Arm verletzt. Am selben Tag wurde er auch zum Feldwebel befördert.
Auf eigenen Wunsch seinen Kameraden wieder beistehen zu können, wurde er am 8.1.45 vorzeitig nach Linz entlassen, wo seine Staffel lag. Da die Staffel aber nicht mehr einsatzfähig war, ging er zurück ins Lazarett nach Ulm, wo auch seine Verlobte Anneliese beheimatet war. Am 17.4.45 wurde ihm das Ritterkreuz verliehen, was er allerdings nicht mitbekam und auch nicht ausgehändigt wurde, weil er zu dieser Zeit nicht mehr im Einsatz, sondern im Lazarett war. Als die Amerikaner Ulm erreichten, hat er sich am 26.4.45 freiwillig gestellt. Im Göppinger Lager wurden ihm alle Orden und Auszeichnungen von der Uniform gerissen, weil er sie freiwillig nicht hergab. Danach kam er ins Lager Heilbronn mit 140.000 anderen Gefangenen, bei fürchterlichen Bedingungen. Tagelang gab es weder etwas zu Essen noch zu Trinken. Viele Kameraden kamen elendig um. Mitte Juni wurde er ins Lager Marseille gebracht. Auch hier sehr schlechte Zustände. Am 29. Januar 46 kam er durch eine List nach Hause, weil er sich als verheiratet ausgab. Als 1947 sein Bruder endlich nach Hause kam, baute er mit ihm zusammen das Handelsunternehmen seines Vaters wieder auf und führte es zu einem der größten Büroartikelunternehmen in Deutschland ‚Bierbrauer + Nagel‘, bis er es 1991 verkaufte. Viele Ehrenämter begleiteten sein Berufsleben, welche durch unzählige Würdigungen Anerkennung fanden.
Wir verlieren in ihm einen knallharten Geschäftsmann, liebevollen Freund, eingefleischten Stuttgarter und treuen Kameraden, der beim Wiederaufbau unseres Vaterlandes Außerordentliches geleistet hat, was heute leider keine Beachtung mehr findet. Die Diffamierung der Kriegsgeneration hier in Deutschland hat er bis zu seinem Tode nicht verstanden und machte ihn traurig. Nun liegt er in guter Gesellschaft ganz in der Nähe des berühmten Schwerterträgers Dietrich Peltz, auch ein Flieger. Wir werden Ihn nicht vergessen und immer ein ehrendes Andenken bewahren.“

Bildergalerie

Auszeichnungen (Auszug)

Fußnoten