Kappler, Herbert

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Herbert Kappler (Lebensrune.png 29. September 1907 in Stuttgart; Todesrune.png 9. Februar 1978 in Soltau) war ein deutscher Polizist und Offizier der Allgemeinen SS, zuletzt Kommandeur der Sicherheitspolizei (SiPo) sowie des SD (KdS) in Rom als SS-Obersturmbannführer und Oberstleutnant der Polizei (seit dem 12. September 1943) oder, nach vereinzelten Quellen, SS-Standartenführer und Oberst der Polizei.

Die italienischen Generäle Umberto Presti (Lebensrune.png 29. Juli 1889) und Riccardo Umberto Maraffa o Marraffa (1890–1943), dann SS-Sturmbannführer Herbert Kappler und ein deutscher Offizier der Ordnungspolizei, Sommer 1943

Werdegang

Anneliese Wenger (links) am Tag der Hochzeit 1972; Seit der Hochzeit in der Zelle trug sie häufig aus Protest schwarz. Schwarzgekleidet flog sie jeden Monat einmal zu Besuch in Gaeta ein. In Schwarz begann sie auch am 10. Dezember 1975 auf dem Bonner Münsterplatz einen Hungerstreik. Am 14. Dezember 1975 demonstrierte sie mit einem selbstgemalten Plakat vor dem Bonner Bundeshaus: Weihnachten 1975, das 31. Weihnachtsfest im Kerker von Gaeta“, stand auf der Tafel, die sie um den Hals hängen hatte. „Gnade kann nicht teilbar sein. Für Christentum und Humanität – Gegen Scheinheiligkeit und Heuchelei.“[1] Ende Februar 1976 wurde Herbert Kappler mit Verdacht auf Magen- und Darmkrebs in das römische Militärkrankenhaus eingeliefert. Da sich der Krebsverdacht bestätigte und die Ärzte ihm nur noch ein paar Wochen gaben, übernahm sie selbst die Behandlung. Ihre Soltauer Praxis öffnete sie nur noch an zwei Tagen in der Woche. Diese beiden Tage in Soltau benutzte sie vor allem dazu, die Medizin und die Diät für ihren Mann zusammenzustellen. Für den Rest der Woche flog sie nach Rom ins Krankenhaus, wo sie freien Zugang hatte. Im Krankenzimmer stand ein Bett für sie. SS-Obersturmbannführer der Waffen-SS a. D. Dietrich Ziemssen sagte später über die Kappler-Ehefrau Anneliese: „Der einzige, der ernst zu nehmen ist, ist die Madame. Die Helden sterben aus. Die Damen gehen in die vordere Linie.“
Anneliese Viktoria Wenger, Hochzeitsfoto mit ihrem ersten Mann, mit dem sie drei Kinder hatte.
Herbert Kappler (links) und Walter Reder in italienische Gefangenschaft; Bildquelle: „Der Freiwillige“ 1973; in der Monatsschrift hatten die beiden eine feste Rubrik, in der Besucher über ihren Zustand berichteten, Spendensammler ihre Konten publizierten und die HIAG-Führer zu Aktionen aufriefen. 1959 konvertierte Herbert Kappler zum Katholizismus und wurde von dem irischen Priester Monsignore Hugh O’Flaherty getauft.

Die schwäbischen Kapplers waren immer Bauern, Weingärtner und Beamte gewesen. Ursprünglich hatte der 1907 geborene Sohn des Oberrechnungsrates Ernst Kappier Elektroingenieur werden wollen. Er legte im April 1925 an der Stuttgarter Wilhelms-Oberrealschule die Reifeprüfung ab und ließ sich sofort in der Technischen Hochschule seiner Heimatstadt einschreiben. 1932 hatte Kappler bereits acht Semester studiert, da verließ er die TH, arbeitete in größeren und kleineren Firmen der Maschinen- und Elektroindustrie Württembergs und, da er nun mehr zeit hatte, engagierte sich verstärkt für die aufsteigende NSDAP, der er seit dem 1. August 1931 angehörte. Der Dienst bei der der 13. SS-Standarte mit, die Hilfspolizeifunktionen ausübte, gefiel ihm so gut, daß er beschloß, die Laufbahn eines Polizisten einzuschlagen. Was folgte, war zunächst Routine: Dienst als Kriminalangestellter, Überweisung an die Württembergische Politische Polizei als Hilfspolizei-Beamter, Kommissar-Lehrgang an der Polizeischule in Berlin-Charlottenburg, 1937 legte er an der Polizeiakademie Berlin sein Examen als Kriminalkommissar ab. Kappler galt als ein so brillanter und aussichtsreicher Schüler, daß ihn die Führung der Schule als Dozenten für Kriminaltechnik behalten wollte.

Zweiter Weltkrieg

Richard Burton als SS-Obersturmbannführer Herbert Kappler in „Rappresaglia – Tödlicher Irrtum“ (1973); im Hintergrund John Steiner (mit P-38-Halfter) als SS-Standartenführer Eugen Dollmann .
Christopher Plummer als Herbert Kappler in „Im Wendekreis des Kreuzes“ (1983)
Grabstätte auf dem Stadtfriedhof von Soltau

Kappler war seit 1939 Verbindungsmann der deutschen Polizei, schließlich Polizeiattaché an der Deutschen Botschaft in Rom, dann ab September 1943 Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD Rom.

„Ich hole Dich heim – Die Affäre Kappler“ (1988) von Anneliese Kappler
„Er war nie populär, kaum einer seiner Zeitgenossen mochte ihn. Die Diplomaten an der Deutschen Botschaft in Rom fühlten sich von ihm bespitzelt, den italienischen Gesprächspartnern, meist Routiniers der Geheimdienst- und Polizeibranche, schien er unheimlich und unberechenbar. Auch die Kameraden von SS und SD wichen ihm aus, wo immer sie konnten. Der kühl-ehrgeizige Mann, anscheinend immer im Dienst, nur auf Karriere und rücksichtslose Befolgung der ihm erteilten Befehle bedacht, fand kaum einen menschlichen Zugang zu Vorgesetzten und engeren Mitarbeitern. […] Wer sich jedoch Mühe gab, Kappler näher kennenzulernen, merkte rasch, daß er intelligenter und sensibler war, als sein düsteres Image vermuten ließ. Er interessierte sich für etruskische Vasen, war ein Kenner der italienischen Geschichte, liebte Rosen und photographierte viel in seiner Freizeit. Bei näherem Hinschauen erwies sich auch Kapplers Regimetreue als durchaus begrenzt: Der SS-Obersturmbannführer machte sich keine Illusionen über die deutschen Siegesaussichten, er hatte früher als die meisten anderen deutschen Italien-Beobachter die Kriegswende im Mittelmeer vorausgesagt und durchschaute die ganze Verderbnis des Systems, dem er diente. […]
Die unsentimentalen Macht-Techniker der SS, die mit ihren ohnehin zu schwachen Polizeiapparaten das eroberte Europa beherrschen und zugleich befrieden sollten, standen immer wieder vor dem gleichen Problem: Die plumpe Ausplünderungspolitik Hitlers (und Himmlers) reizte die Völker zum Widerstand und machte zunichte, was die SS-Führer aufzubauen versuchten. Die SD-Elite steuerte dagegen, vorsichtig und unauffällig, um nicht die Wut des Diktators auf sich zu lenken. Sie wollte die deutsche Herrschaft rationaler, die Besatzungspolitik ‚vernünftiger‘ machen und damit für die beherrschten Völker annehmbar. Das bedeutete: Aufgabe der Herr-und-Sklaven-Politik Hitlers, Ausklammerung aller Reizthemen, an denen sich der Widerstandswille der fremden Nationen entfachen konnte. […] Reinhard Heydrich bestimmte Kappler für die römische Mission, da er große Stücke auf ihn hielt. Kapplers Auftrag: Beobachtung des italienischen Geheimdienstes, der Innenpolitik Italiens und nicht zuletzt der deutschen Diplomaten. […] Doch mit seiner schwäbischen Zähigkeit erschloß er sich gute Informationsquellen, die ihm ermöglichten, Heydrich laufend mit Italien-Interna zu beliefern. Kappler galt bald als besser informiert denn sein Konkurrent von der Abwehr, Oberst Helfferich.
Dennoch fühlte sich Kappler in Rom nicht wohl. Von den Diplomaten und Abwehroffizieren meist geschnitten, mit seiner Frau heillos zerstritten, zog es ihn aus der italienischen Hauptstadt fort, je weiter der inzwischen ausgebrochene Zweite Weltkrieg voranschritt. Fünfmal beantragte Kappler seine Versetzung an die Front, zuletzt direkt bei einer Wehrmachtsdienststelle unter Umgehung des für ihn zuständigen Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), was ihm prompt einen Verweis der Berliner Zentrale eintrug. Als sich Kappler mit einer Holländerin liierte, schien jedoch seine Stellung unhaltbar zu werden. Frau Kappler bombardierte deutsche Militärs und SS-Führer, darunter auch den als Kappler-Aufpasser fungierenden Standartenführer Dr. Eugen Dollmann, mit Briefen, in denen sie ihren Mann beschuldigte, der Geliebte einer gefährlichen Feindagentin zu sein. Schon war in Berlin die Ablösung Kapplers beschlossen, da stürzte am 25. Juli 1943 Mussolini und das gesamte faschistische System. Der SS-Sturmbannführer Kappier durfte sich glänzend gerechtfertigt sehen: Das Ende Mussolinis und das Ausscheiden Italiens hatte er seit Wochen in seinen Berichten an das RSHA vorausgesagt, ohne freilich Gehör zu finden. Heinrich Himmler beließ Kappler auf seinem Posten, denn jetzt war jeder Mann in Rom wichtig. Noch hatte Italien nicht kapituliert, doch jeden Augenblick konnte sich der neue italienische Ministerpräsident Badoglio von Deutschland trennen. Eiligst ließ Hitler deutsche Kampfverbände nach Italien einrücken, um die Front gegen die Angloamerikaner in Sizilien zu verstärken.
Ende Juli meldete sich SS-Hauptsturmführer Otto Skorzeny, einer der aufsteigenden Stars des SD, bei Kappier und informierte ihn, daß Hitler befohlen habe, die strategisch wichtigen Punkte Roms schlagartig zu besetzen und den König samt Regierung zu verhaften. Kappler verwahrte sich gegen ‚diese kindische Idee‘ mit dem Argument, das würde dann auch die letzten kriegswilligen Italiener gegen Deutschland aufbringen. […] Anfang September kapitulierte Italien, fast zur gleichen Zeit landeten britische und amerikanische Truppen in Süditalien. Sofort schlugen die deutschen Verbände zu: Rom wurde besetzt, die italienischen Truppen im deutschen Herrschaftsgebiet entwaffnet und entlassen. Aus dem Bundesgenossen war ein Gegner geworden, aus dem befreundeten Land ein deutsches Besatzungsgebiet. Herbert Kappier aber, zum SS-Obersturmbannführer befördert, mußte den Geheimdienst-Job aufgeben und sich zu dem mausern, was eine verkürzende Formel den ‚Gestapochef von Rom‘ nennt. Von Stund an war er als Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD für Ruhe und Ordnung in Rom und Umgebung verantwortlich. Für Kappler gab es kein höheres Ziel, als die deutschen Truppen vor Partisanenüberfällen, Angriffen gegnerischer Verbände und den tödlichen Tagträumen der eigenen politischen Führung zu schützen. […] Für Kappler stand fest: ‚Mein Problem sind nicht die Juden, sondern die Antifaschisten.‘ Er verband sich mit dem deutschen Konsul Eitel Friedrich Moellhausen, und gemeinsam bewogen sie Albert Kesselring, die militärische Lage für so kritisch zu erklären, daß er eine spektakuläre Juden-Deportation nicht verantworten könne.“[2]

Rom

Kappler hatte versucht nach dem Fall Achse und trotz des Waffenverrats der Einheimischen, eine offene Konfrontation zwischen der deutschen Besatzungsmacht und Italienern zu vermeiden, denn er gehörte zu jenen jungen Intellektuellen des Sicherheitsdienstes (SD), die sich in den Kopf gesetzt hatten, eine differenziertere Besatzungspolitik als die von Hitler gewünschte zu treiben. Aufrufe zum Volksaufstand durch den „Partito Comunista Italiano“ (PCI) blieben zuerst ohne Folgen, die römische Bevölkerung verhielt sich größtenteils ruhig und abwartend. Bereits vor der Invasion bei Anzio hatte der SD Kapplers in Rom versucht, den Terror der Kommunisten in jeder Weise Einhalt zu gebieten. Im Vordergrund stand die Bekämpfung von italienischen Partisanenverbänden wie den „Gruppi d’Azione Patriottica“ (GAP), die nach dem 8. September 1943 vom PCI gegründet worden waren, um die Besatzungsmacht in Atem zu halten. Seitdem führten die „Gappisti“ auch in Rom zahlreiche blutige Attentate gegen deutsche Einheiten durch.

Am 2. März 1944 kam es während des Kampfes um Rom in der Via Rasella inmitten Roms zu einem Sprengstoffanschlag kommunistischer Terroristen, unter ihnen Rosario Bentivegna, auf Angehörige des Südtiroler Polizeiregiments „Bozen“, wobei 32 junge deutsche Polizisten (fünf erlagen im Laufe des Tages ihren Verwundungen) aus Südtirol, zehn unbeteiligte Italiener und ein 13jähriger Junge durch einen Überfall von Partisanen getötet wurden. Obwohl diese gewußt hatten, daß sie durch ihre Tat den Tod von hunderten Italienern in Kauf nehmen würden, haben sie die Tat durchgeführt und sich später nicht gestellt. Bei der üblichen von der Reichsregierung angeordneten Vergeltungsmaßnahme im Rahmen der Bandenbekämpfung, die Kappler befahl (Erich Priebke gehörte zu den Ausführenden), wurden am 23. März 1944 nach dem Massaker an der Via Rasella gemäß der festgelegten Repressalienquote von 1 zu 10 von den italienischen Behörden ausgesuchte Geiseln, bei denen es sich überwiegend um verurteilte Gefängnisinsassen handelte, in den Ardeatinischen Höhlen erschossen. Nach heutiger Ansicht gewisser Kreise wurden bei dieser kriegsvölkerrechtlich absolut konformen Repressalmaßnahme aus bisher nicht geklärten Umständen von den Italienern fünf Geiseln zuviel angeliefert und hingerichtet. Statt 330 Geißeln (inzwischen war am 24. März 1944 ein weiterer Polizist, der 33., seinen Verwundungen erlegen) wurden es aus Versehen 335. Der Polizeipräfekt Caruso hatte Kappler seine Geiseln übergeben und übersah den Fehler, der ihm dabei unterlief: Statt der 50 Geiseln lieferte er fünf mehr, die Kappler unwissend erschießen ließ. Unter ihnen befanden sich 154 Gefangene aus dem römischen GestapoGefängnis und 43 schwer vorbestrafte Häftlinge aus den Wehrmachtsgefängnissen.

Die Idee sowie den Auftrag zum Attentat auf die Deutschen hatte der Kommunist Giorgio Amendola erteilt. Nach dem Krieg war Amendola bis zu seinem Tod 1980 ständig Parlamentsabgeordneter der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) und 1978 sogar deren (erfolgloser) Präsidentschaftskandidat. Die Attentäter der Via Rasella wurden nie zur Verantwortung gezogen, obwohl nach Kriegsende italienische Militärgerichte die Legitimität des Attentats in Zweifel zogen. Das Attentat fiel unter die allgemeine Amnestie von 1946 für Gewalttaten auf beiden Seiten, mit der Italien für italienische Staatsbürger einen Schlußstrich unter den Krieg ziehen wollte.

Schauprozeß

Am 20. Juli 1948 verurteilte das römische Militärgericht Herbert Kappler für die angebliche „Unterschalung von Judengold“ zu 15 Jahren und für die Erschießungen in den Ardeatinischen Höhlen zu lebenslanger Haft. General Euclide Fantoni verkündete das Strafmaß:

„Verurteilt zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe für die erste Straftat, zu 15 Jahren Freiheitsentzug für die zweite, außerdem zu 4 Jahren Isolationshaft mit allen gesetzlichen Folgen.“

Kapplers Verteidigung legte Berufung gegen das Gerichtsurteil ein, das jedoch am 25. Oktober 1952 durch das italienische Oberste Militärgericht erwartungsgemäß bestätigt wurde. Während das römische Militärgericht Kappler zu einer hohen Haftstrafe verurteilte, wurden seine mitangeklagten Untergebenen ohne Ausnahme freigesprochen, da sie einen „für sie nicht als rechtswidrig zu erkennenden Befehl“ lediglich ausgeführt hätten. Kapplers Vorgesetzte, Albert Kesselring, Eberhard von Mackensen und Kurt Mälzer hatten britische Militärgerichte zwar zunächst zum Tode verurteilt, sie wurden aber bereits im Jahr 1952 zurecht begnadigt und kurz darauf freigelassen.

„Freiheit für Kappler“

Das parteiübergreifende große Engagement für Kappler war auch ein Resultat des politischen Einflusses einer deutschen „Kappler-Lobby“: Vaterländische Unterstützerverbände wie die „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e. V.“ („Stille Hilfe“) oder die „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG) ehemaliger Soldaten der Waffen-SS, zwei bekannte Netzwerke alter Kameraden, verfaßten zahlreiche Petitionen, um Kappler die Rückkehr in seine Heimat zu ermöglichen. Im Jahr 1955 gründeten der einstige Erste Generalstabsoffizier in der Leibstandarte „Adolf Hitler“, Dietrich Ziemssen, und der ehemalige SS-Offizier Jürgen Marloh innerhalb der HIAG das „Hilfskomitee – Freiheit für Kappler“. Mit der Forderung nach einer Freilassung Kapplers wandte es sich zum ersten Mal im Jahr 1968 an die Deutsche Botschaft in Rom. Der „Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen“ („Verband der Heimkehrer“) überreichte dem italienischen Botschafter in Bonn, Mario Luciolli, im Jahr 1974 eine von 200.000 Bürgern unterschriebene Petition zugunsten der Freilassung von Kappler.

Die Hochzeit 1972 mit Anneliese Viktoria Wenger wurde von den führenden Blättern der Welt in größter Aufmachung herausgebracht und hat eine entscheidende Umstimmung in der italienischen Öffentlichkeit bewirkt. Als im Februar 1976 bekannt wurde, daß der 69jährige Kappler an Darmkrebs erkrankt war, wurden die Begnadigungsforderungen aus Deutschland immer lauter: Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) verwandten sich in Briefen an ihre italienischen Amtskollegen für die Freilassung des Schwerkranken.

Zu Beginn des Jahres 1976 ordnete Verteidigungsminister Arnaldo Forlani, Politiker der „Democrazia Cristiana“ (DC), eine Aussetzung der Haftstrafe Kapplers an und ließ den schwerkranken Deutschen in ein Militärkrankenhaus auf dem nur wenige hundert Meter vom Kolosseum entfernt liegenden Celiohügel in Rom verlegen. Dort wurde Kappler auf seinen ausdrücklichen Wunsch und mit Erlaubnis der italienischen Behörden von seiner Frau nach einem Naturheilverfahren behandelt. Hierfür pendelte Anneliese Kappler jede Woche von Soltau in Niedersachsen, wo sie eine naturheilkundliche Praxis führte, nach Rom und zurück; pro Woche hielt sie sich drei Tage in der italienischen Hauptstadt auf. Der größte Teil der Kosten für die wöchentlichen Flüge wurden vom Bund bezahlt. Der Umgang im Celio-Hospital war, so Frau Kappler, geprägt von einer „ausgezeichneten menschlichen Atmosphäre“.

Am 10. November 1976 beschloß das römische Militärtribunal schließlich (auch angesichts der Tatsache, daß Italiens Armee im Zweiten Weltkrieg beispielsweise in Albanien Geiselerschießungen im Verhältnis 1:200 praktiziert hatte) die bedingte Haftentlassung des krebskranken Häftlings. Noch am selben Tag kam es aber in der italienischen Öffentlichkeit zu einer großen Protestbewegung, an der sich Kommunisten, Partisanenverbände und die jüdische Gemeinde beteiligten. Einen Monat später, am 15. Dezember 1976, legte die Oberste Militärstaatsanwaltschaft Italiens – wegen formeller Fehler – Berufung gegen den Beschluß des römischen Militärtribunals ein und verwies den Fall zurück zur ersten Instanz. Eine endgültige richterliche Entscheidung wurde in der Folge immer wieder verschoben.

Am 12. August 1977 flog die kriegserfahrene Rote-Kreuz-Schwester Anneliese Kappler aus der Heidekleinstadt Soltau bei Lüneburg ein letztes Mal nach Italien und mietete sich am Flughafen Fiumicino ein Fahrzeug. Ihre Geduld war aufgebraucht, sie wußte, jetzt hieß es handeln.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier gedenkt 2014 den 335 erschossenen Geißeln, den 33 ermordeten deutschen Polizisten aus Südtirol dagegen nicht.

„Ich hole Dich heim“

In der Nacht vom 14. auf den 15. August 1977, dem traditionellen Höhepunkt der Sommerferien in Italien, gelang Kappler die Flucht aus Rom. Laut dem italienischen Verteidigungsminister Vito Lattanzio, der sich in den frühen Abendstunden des 15. August 1977 an die Öffentlichkeit wandte, hatte Frau Kappler in der Nacht um 1 Uhr das Militärhospital Celio mit einem sehr großen Rollkoffer verlassen und war mit diesem im Aufzug aus der dritten Etage, wo Kappler untergebracht war, zum Erdgeschoß gefahren. Dort stieg sie in einen Mietwagen der Autofirma Hertz (Fiat 132/2000) und fuhr los. Den wachhabenden Carabinieri hatte sie erklärt, sie müsse für Kappler dringend neue Medikamente besorgen. An der Tür zu seinem Zimmer ließ sie einen Zettel zurück, auf dem die Bitte vermerkt war, den kranken Häftling nicht vor 9.30 Uhr zu stören. Die diensthabenden Carabinieri hatten die Flucht am 15. August gegen 10 Uhr entdeckt und im Bett Kapplers eine aus Kissen zusammengebundene und unter die Decke gelegte menschengroße Attrappe gefunden. Fluchthelfer vermutete man in Kreisen der deutschen Unterstützerverbände Kapplers oder in Südtirol, aber es wurde auch vermutet, daß die italienischen Behörden, inzwischen von der Stärke der Deutschen Mark („D-Mark-Imperialismus“) abhängig, auf die Bitten des deutschen Bundeskanzlers derart reagiert haben, daß sie die Flucht begünstigten. Anneliese Kappler bestätigte in Deutschland, daß die über Presse und Radio verbreitete Mär „Flucht im Koffer“ nicht stimmte.

Mit der mitgeführten Bergsteigerausrüstung seilte sie ihren, aufgrund seiner schweren Krankheit nur noch 48 Kilogramm wiegenden Mann aus dem Fenster seines Krankenzimmers im 3. Stock des Militärhospitals in einer ausgepolsterten Sitzschlinge ab. Danach verließ sie das Krankenhaus, half ihrem Mann in den mit Kissen gepolsterten Kofferraum des Fiats und fuhr zum Olympiagelände Roms. Die Kapplers wechselten dort das Auto (ihr schneller Opel Commodore wurde von einem befreundeten Ehepaar aus Soltau nach Rom gefahren, so zumindest ihre Schilderung) und fuhren zum Hauptbahnhof Termini, um Verbandsmaterial zu kaufen. Anneliese Kappler übergab anschließend die Schlüssel zu ihrem Mietwagen zwei angeblich Unbekannten, deren eigenes Auto, wie sie zufällig erfahren haben will, einen Motorschaden hatte (später in ihrem Buch gab sie zu, daß sie ihrem Sohn, der als Priester verkleidet war, den Fiat übergeben hatte). Dann fuhren die Kapplers mit dem Opel Richtung Deutschland. Sowohl die italienisch-österreichische als auch die österreichisch-deutsche Grenze konnten sie ohne Komplikationen überqueren, Herbert Kappler stellte sich stets schlafend. Die Deutsche Botschaft in Rom hatt ihm im Jahre 1976 einen Reisepaß ausgestellt, da sie dessen baldige Begnadigung und Heimführung für absehbar hielt. Dies machte es an der Grenze leichter.

Gegen 9.30 Uhr erreichte das Ehepaar Kappler den Flughafen Riem in München, stellte seinen Wagen ab und flog mit einer Lufthansamaschine nach Hannover. Dort wurden die Kapplers von Freunden in Empfang genommen, die sie mit dem Auto nach Soltau brachten, wo sie im Haus von Anneliese Kappler einmal nächtigten. Aus Sicherheitsgründen hielten sie sich danach für circa zwei bis drei Wochen in einem niedersächsischen Kreiskrankenhaus und bei Freunden in der Lüneburger Heide auf, bevor sie nach Soltau zurückkehrten.

„Heute morgen gegen 8.30 Uhr rief mich Frau Kappler wie folgt an: ‚Ich bin mit meinem Mann z. Zt. in München, wir sind aus Italien herausgekommen. Bitte unterrichten Sie davon sofort Herrn Bundesminister Genscher. Mehr kann ich jetzt nicht sagen, ich melde mich später wieder.‘ Ich habe umgehend Herrn Bundesminister unter seiner Privatnummer hiervon unterrichtet [...]. Ich habe sodann [...] Verbindung mit der Botschaft Rom aufgenommen, ob der Botschaft bereits etwas über die neue Entwicklung des Falles bekannt ist. Gesandter Mühlen erklärte hierzu, diese Mitteilung sei für ihn völlig überraschend.“ — Helmut Türk, Leiter des Strafrechtsreferats 511 im Auswärtigen Amt am 15. August 1977

Da Herbert Kappler zum Zeitpunkt der Flucht aufgrund seiner Krebserkrankung an Entkräftung, Fieberschüben und Darmblutungen litt, wird die Abseilgeschichte immer wieder angezweifelt. Bereits im Oktober 1976 hatte ihm eine italienische Ärztekommission nur mehr eine Lebenserwartung von wenigen Monaten prognostiziert. Aber Frau Kappler blieb stets bei ihrer Version. Zwei Carabinieri wurden kurz nach der Flucht unter Arrest gestellt, zwei weitere im September 1977. Auch drei Offiziere und ein General wurden strafversetzt. Auch wurde nach einem roten Fiat, und nicht nach einem großen Opel gefahndet. Der italienische Rechtsanwalt Kapplers, Franco Cuttica, behauptete Ende August 1977 in einem Interview, die Bundesregierung habe die Flucht seines Mandanten mitfinanziert. Das Auswärtige Amt bestritt dies vehement. Ende September 2011 bestätigte Eckehard Walther dem italienischen Wochenmagazin „Oggi“, daß neben den bereits bekannten Mitwirkenden „mindestens vier weitere vertraute Freunde“ der Familie in die Fluchtgeschehnisse involviert waren.

Am 15. August 1977 um 18 Uhr schickte Interpol Rom einen Funkspruch an das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden, den dessen Präsident Horst Herold unverzüglich an das Bundesministerium der Justiz weiterleitete:

„Fahnden Sie zwecks Festnahme und Auslieferung an unser Land nach dem Deutschen [...] Kappler Herbert. Genannter hat sich heute, zu einem nicht näher bezeichneten Zeitpunkt, seiner Bewachung entzogen.“

Das Ehepaar Kappler hielt sich da bereits in Soltau auf. Die vom BKA gleichzeitig an die Landeskriminalämter ergehende Aufforderung, Kappler erforderlichenfalls festzunehmen und dem nächsten Haftrichter vorzuführen, wurde zurückgenommen, als den deutschen Behörden der Aufenthaltsort der Kapplers bekannt war. Eine Auslieferung ins Ausland kam nicht in Frage.

Reaktionen

Alle italienischen Rundfunk- und Fernsehsender berichteten von der Flucht Kapplers, wobei sie betonten, daß dies ein Ereignis „von weittragender nationaler Bedeutung“ sei. Ab dem 17. August wurde die italienische Flagge auf dem Hauptsitz der Provinzialverwaltung Rom für sieben Tage auf Halbmast gehißt, gleichzeitig flammten von den Kommunisten angefachten antideutsche Ressentiments auf. Das Hafenamt von Genua schloß am 17. August 1977 die Hafenanlagen für 15 Minuten, in Mailand fand eine große Demonstration linksextremistischer Verbände statt. In der deutsch-italienischen Handelskammer in Mailand explodierte am 26. August 1977 eine Bombe und zerstörte das Informationszentrum1. Bei den konsularischen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland in Italien gingen Drohanrufe ein, die eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen erforderlich machten.

Einen „demütigenden Skandal“ nannte die Turiner „La Stampa“ Kapplers Flucht. „Italien ist verwundet“, klagte die kommunistische „Unità“. Roms größte Zeitung „Il Messaggero“ meldete freierfinderisch aus Bonn, Kappler sei fürs deutsche Gesetz „ein Heiliger, den man nicht anrühren darf“. Das italienische Staatsfernsehen „RAI“ strahlte Fernsehbilder aus, die vermeintliche Kappier-Photos in Schaufensterläden der Heimatstadt der Anneliese Wenger zeigten. Es waren Photos von Hermann Hesse, dessen hundertsten Geburtstag ein Buchladen feierte. Als die „RAI“ den Irrtum bemerkte, entschuldigte sie sich. Im konservativen Stockholmer „Dagens Nyheter“ erschien eine siebenteilige Deutschlandserie unter der Überschrift „Die Großmacht Westdeutschland“. Ihr Emblem war ein kraftstrotzender deutscher Riese in Siegerpose. Die Zeitung „La Repubblica“ fragte: „War Bozen die Operationsbasis der Kappler-Freunde?“

In der italienischen Öffentlichkeit gab es jedoch auch Stimmen, die Kapplers Flucht nüchtern betrachteten. Ein Leser des „Corriere della Sera“ schrieb, die Flucht eines alten, kranken Mannes könne die antifaschistischen Kräfte nun wirklich nicht zittern lassen. Die Deutsche Botschaft in Rom erreichten im Herbst 1977 Briefe aus allen Schichten der italienischen Gesellschaft. Dabei ging es auch vielen Einsendern darum, Verständnis für die humanitären Aspekte des Falles zu bekunden und sich vom hysterischen Geschrei des überwiegenden Teils der hiesigen linken Medien zu distanzieren.

Große Freude in Soltau

In Soltau wurden Kappler und seine Frau am Nachmittag des 15. August 1977 überschüttet mit Beweisen der Freundschaf und Anteilnahme. Vor ihrem Haus fuhr ein Postbote nach dem anderen vor, um stapelweise Glückwunschtelegramme abzuliefern. Immer wieder kamen Blumenlieferanten an das Haus. Vor dem Haus der Kapplers positionierte sich eine Gruppe junger Patrioten der „Wiking-Jugend“, um die Familie Kappler vor Anschlägen zu schützen. Für die offizielle Bewachung waren fünf bewaffnete Kriminalbeamte zuständig. Aus dem Soltauer Hotel, in dem ein Teil der rund 60 Pressevertreter aus aller Welt untergebracht war, wurden sieben italienische Journalisten, vor allem aufgrund der hetzerischen Presseberichterstattung in Italien, kurzerhand hinausgeworfen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Präsident des „Verbandes der Heimkehrer“, Wolfgang Imle schrieb an Bundesinnenminister Werner Maihofer und forderte ihn dazu auf, die Bewachung von Kapplers Haus in Soltau auf unabsehbare Zeit sicherzustellen. Am 26. August 1977 veröffentlichte die Bundesregierung eine Presseerklärung zur Kappler-Flucht, die jedoch keinerlei wertende Stellungnahme enthielt. Die Entführung von Hanns Martin Schleyer durch die RAF am 5. September 1977 lenkte die Medien ab.

„Hans Eck weiß, wo das Herz vieler Soltauer schlägt: ‚Sie sind sehr konservativ und froh, daß die Flucht gelungen ist.‘ Da konnten die rund 500 linken Demonstranten, die am Freitag vor das Kappler-Haus gezogen waren und seine Auslieferung forderten, des Volkes Zorn gewiß sein. ‚Die sollen doch nach Italien gehen, nicht Kappler!‘ Es wurde gespuckt, gehupt, gepfiffen, gebuht. Weniger Aufregung verursachte einen Tag später ein Grüppchen von Rechtsextremisten, die gekommen waren, ‚um das Haus zu schützen‘ – in schwarzen Lederjacken und Schaftstiefeln, auf den Gürteln das SS-Zeichen. Doch Glückwünsche und Blumengrüße für die Kapplers kamen nicht nur aus Soltau, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet – Post- und Fleuropboten gaben sich die Klinke in die Hand. Auf Wunsch von Frau Kappler wurde die Blumenflut schließlich gestoppt, weil das Haus inzwischen überquelle. Derweil unterteilte sich die Schar der Reporter und Photographen in Skatspieler (hier ist nichts rauszukriegen) und Fährtensucher, ständig auf der Jagd nach einem Exklusiv-Photo von Kappler und einer Exklusiv-Story, etwa unter dem Motto „So habe ich meinen Mann entführt“. Da wurde jede Bewegung, jede Kleinigkeit registriert: Wer war der Mann mit Koffer und dunkler Brille, der ins Haus gelassen wurde? Oder die alte Frau am Fenster – kommt man an sie ran? Da wurden umliegende Dörfer abgeklappert, Häuser beobachtet, Autos mit fremden Kennzeichen verfolgt, ja sogar der Kaufmann, bei dem trau Kappler sich versorgt hatte: ‚Vielleicht bringt er Konserven ins Versteck.‘“[3]

Tod

Herbert Kappler verstarb am 9. Februar 1978, nur wenige Monate nach seiner Flucht, im niedersächsischen Soltau. An der Trauerfeier nahmen rund 1.000 Menschen teil.

Familie

Kappler lebte im Haus 318 der Via Salaria in Rom zusammen mit seiner ersten Ehefrau. Da die Ehe kinderlos geblieben war, adoptierte das Paar aus einem Lebensborn-Heim einen Jungen. Am 19. April 1972 heiratete er Anneliese Viktoria Wenger (Lebensrune.png 1925), einer Homöopathin und Mutter dreier bereits erwachsener Kinder aus einer ersten, 1955 geschiedenen Ehe (darunter Eckehard bzw. Ekkehard Walther, der mit ihr in Rom war), die seit 1962, nachdem sie zum erstenmal von einer Patientin über das Schicksal Kapplers erfuhr, ihn schrieb und Lebensmittelpakete schickte. 1968 besuchte sie ihn erstmalig in der Festung Gaeta.

Mitgliedschaften Auswahl)

Auszeichnungen (Auszug)

Fußnoten