Heye, Wilhelm

Aus Metapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oberst Wilhelm Heye

Wilhelm Max Heinrich Heye (zuweilen auch August Wilhelm; Lebensrune.png 31. Januar 1869 in Fulda; Todesrune.png 11. März 1947 in Braunlage) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, der Schutztruppe, des Kaiserlichen Heeres (u. a. an Generalquartiermeister), der Freikorps (Grenzschutz Ost) und der Reichswehr, zuletzt Generaloberst und Chef der Heeresleitung in der Weimarer Republik.

Leben

Bruder Oberst (später Generalmajor) Alexander Heye (1860-1915), Kommandeur des 1. Unter-Elsässischen Infanterie-Regiments Nr. 132
Generaloberst Wilhelm Heye
Generaloberst Wilhelm Heye und Adjutant Major Hermann Ritter von Speck in Buenos Aires, 1929; Heye führte die Reichswehr-Delegation an, die Ende der 1920er Jahre militärisch beratend in Chile, Peru und Argentinien verweilte. Im Gegenzug besuchten auch hohe Offiziere Südamerikas Deutschland, so traf z. B. General Diaz, der General-Inspekteur der chilenischen Armee, auf dem Dampfer „Stuttgart“ des Norddeutschen Lloyd, im Juli 1929 in Bremen ein.

Wilhelm Heye wurde als Sohn des preußischen Oberstleutnants Wilhelm Christian Heye (1824–1899) und dessen Frau Charlotte Henriette, geb. von Finckh (1834–1871), geboren. Sein Bruder war Alexander Friedrich August Johann Heye (1860–1915), zuletzt Generalmajor und militärischer Schriftsteller. Alexanders Sohn und somit Wilhelms Neffe war Kapitän zur See Karlhans Heye (1891–1980).

August Wilhelm Heye

Wilhelm Max Heinrich Heye wird zuweilen als „August Wilhelm Heye“ (vermutlich ein Neffe) geführt. Hier scheint es sich um eine Namensverwechselung mit dem Ingenieuroffizier der Reichsmarine (Crew 1929), Kriegsmarine (u. a. Leitender Ingenieur auf dem Zertörer „Z 13“ und zuletzt LI auf dem Leichten Kreuz „Köln“) – Kapitänleutnant (Ing.), zuletzt Korvettenkapitän (Ing.) – und Fregattenkapitän der Marine der Bundeswehr August Wilhelm Heye (Lebensrune.png 13. Dezember 1907 in Magdeburg), der auf Anordnung von Theodor Blank vom 23. Mai 1956 mit der Aufstellung der Technischen Marineschule zum 1. Juni 1956 in Kiel beauftragt war und von März bis Juni 1959 deren Kommandeur war. Er war ebenfalls Autor zahlreicher Bücher, darunter:

Laufbahn im Kaiserreich

Grabstätte des Ehepaars Wilhelm und Else Heye auf dem Friedhof Braunlage (Harz)

Heye trat am 22. März 1888 vom Kadettenkorps als Sekondeleutnant in das Königlich Preußische Heer über und diente zunächst in der Infanterie beim 8. Rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 70. 1896 wurde er für längere Zeit zur Kriegsakademie kommandiert. Mit seinem Wechsel in den Generalstab im Frühjahr 1900 begann seine Karriere als Generalstabsoffizier, am 22. März 1901 wurde er beim Großen Generalstab zum Hauptmann befördert. Anfang 1905 wurde er für zwei Jahre als Kompaniechef in das 3. Posensche Infanterie-Regiment Nr. 58 versetzt. Danach wurde er für ein Jahr in den Stab der 5. Division versetzt.

Von 1906 bis 1908 gehörte Heye dem Etappenkommando für die Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika an, die in dieser Zeit den Hereroaufstand niederschlug. Von 1910 bis 1913 leitete er die Abteilung III b (Nachrichtendienst) im Großen Generalstab

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Heye als Oberstleutnant zum Chef des Generalstabes des Landwehrkorps unter Remus von Woyrsch ernannt, aus dem später die Armeeabteilung bzw. Heeresgruppe „Woyrsch“ hervorging. Er bewährte sich in den wechselhaften Kämpfen an der Ostfront. Im September 1917 wechselte er an die Westfront und wurde Generalstabschef der Heeresgruppe „Herzog Albrecht“.

Am 21. September 1918 wurde Heye - inzwischen Oberst - in den Generalstab des Feldheeres berufen und dort zum Chef der Operationsabteilung ernannt. Damit hatte er unmittelbaren Kontakt zu den höchsten militärischen Entscheidungsträgern. Als Erich Ludendorff am 26. Oktober als Generalquartiermeister entlassen wurde, übernahm Heye trotz seines vergleichsweise niedrigen Dienstgrades vorübergehend dessen Aufgaben, bis Ludendorffs Nachfolger Wilhelm Groener sein Amt antreten konnte.

Laufbahn in der Reichswehr

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne wurde Heye im April 1919 Chef des Generalstabes des AOK Grenzschutz Nord in Ostpreußen, der die militärischen Operationen gegen die Rote Armee im Baltikum koordinierte. Er wurde damit Nachfolger Hans von Seeckts, mit dessen Leben Heyes militärischer Werdegang in der Folgezeit auf das Engste verknüpft bleiben sollte. In Ostpreußen erfuhr Heye erstmals von den Putschplänen konservativer Offiziere und Politiker um Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz, denen er sich wegen mangelnder Erfolgsaussichten nicht anschließen wollte.

Zum 1. Oktober 1919 wechselte Heye als Chef des Stabes des Truppenamtes ins Reichswehrministerium nach Berlin. Chef des Amtes (und damit heimlicher Generalstabschef) war wiederum von Seeckt, der Heye zu seiner rechten Hand machte. Als es im März 1920 tatsächlich zum Kapp-Aufstand kam und sich von Seeckt vorsichtshalber in seine Privatwohnung zurückzog, vertrat ihn Heye im Ministerium. Wie von Seeckt verfolgte auch er die Absicht, sich einerseits nicht am Aufstand zu beteiligen, ihn anderseits aber auch nicht militärisch niederzuschlagen, um auf jeden Fall den Zusammenhalt der Reichswehr zu wahren.

Als von Seeckt in der Folge des Aufstandes zum Chef der Heeresleitung ernannt wurde, wurde Heye im Juni 1920 sein Nachfolger als Chef des Truppenamts. Gleichzeitig wurde er zum Generalmajor befördert. 1922 wurde er unter Beförderung zum Generalleutnant Chef des Heerespersonalamts und 1923 Befehlshaber im Wehrkreis I (Königsberg).

Als Reichswehrminister Otto Geßler im Oktober 1926 einen eigentlich nichtigen Anlaß nutzte, um den zu mächtig gewordenen und eigensinnigen von Seeckt zu entlassen, entschied er sich für Heye als Nachfolger. Die Regierung hoffte, die Reichswehr unter Heye nun endlich politisch kontrollieren zu können, da er als schwache Persönlichkeit galt und keine eigenen politischen Pläne verfolgte. Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht, denn die Reichswehr geriet nun unter den Einfluß des Chefs des neugeschaffenen Ministeramtes, Kurt von Schleicher. Dieser zog im Hintergrund die Fäden, während Heye sich auf seine eigentlichen Dienstgeschäfte beschränkte.

Zu Beginn seines Dienstes als Chef der Heeresleitung am 1. November 1926 zum General der Infanterie befördert (das Patent wurde mit Wirkung vom 1. Dezember 1924 datiert), wurde Heye Anfang 1930 Generaloberst und im Oktober desselben Jahres in den Ruhestand verabschiedet, dabei wurde ihm das Recht zum Tragen der Uniform des 1. (Preuß.) Infanterie-Regiment verliehen. Sein Nachfolger wurde Kurt von Hammerstein-Equord.

Wehrmacht

Am 4. November 1938 wurde er zur Verfügung des Heeres gestellt, aber nicht reaktiviert.

Tod

Generaloberst a. D. Wilhelm Heye verstarb 1947 und ruht in einem Gemeinschaftsgrab mit seiner Gattin. Im Familiengrab ruht auch sein Sohn, Kapitänleutnant Hans Joachim Bodo Heye (1901–1935), der in Agra bei Lugano verstarb und Gemahlin Mercedes, geb. Güldner und die beiden Kinder Dirk und Ingrid hinterließ. Nur Schritte entfernt ruht General der Infanterie a. D. Franz Mattenklott.

Familie

Sekonde-Lieutenant Heye heiratete 1894 in Beckingen/Saar seine Verlobte Elisabeth „Else“ Anna Karcher (1875–1961), Tochter des Industriellen Fritz Karcher, mit der er drei Söhne und zwei Töchter hatte:

  • Hellmuth Guido Alexander Heye (1895–1970)
  • Erika Emma Marie Heye (Lebensrune.png 1897)
  • Friedrich Wilhelm Adolf Robert Heye (1898–1918)
  • Hans Joachim Bodo Heye (1901–1935)
  • Annemarie Elisabeth Heye (Lebensrune.png 1903)

Sein Sohn Hellmuth (1895–1970) wurde später Vizeadmiral der Kriegsmarine und Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages.

Beförderungen

Auszeichnungen (Auszug)

Schriften (Auswahl)

  • Die Geschichte des Landwehrkorps im Weltkriege 1914–1918, Wilhelm Gottlieb Korn Verlag, Breslau 1935/37, Band 1 & 2
  • Lebenserinnerungen des Generaloberst Wilhelm Heye
    • Teil I 1869–1914
    • Teil II 1914–1942

Fußnoten

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 1,22 1,23 1,24 Rangliste des Deutschen Reichsheeres, Mittler & Sohn Verlag, Berlin 1930, S.106