Organisation Werwolf

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Die Organisation „Werwolf“ (auch: Wehrwolf) war eine nationale und militante Widerstandsorganisation, hervorgegangen aus Teilen der SS und der Hitlerjugend. Sie wurde im November 1944 durch den Reichsführer SS Heinrich Himmler als Unternehmen „Werwolf“ gegründet. Der Werwolf sollte nach der Besetzung des Deutschen Reiches Sabotage- und Partisanenaktionen gegen die Besatzungstruppen durchführen und letztendlich die Aufgabe der besetzten Gebiete durch die Feindmächte erzwingen.

„Hier spricht der Sender Werwolf! Sender der deutschen Freiheitsbewegung in den vom Feind besetzten Gebieten! Das Oberkommando der Feinde hat über die besetzten Gebiete Ausgangsverbot verhängt. Dieses Verbot gilt nicht für uns Werwölfe. Auf vertrauten Wegen sind wir auch im Dunklen zusammen. Vier Jahre lang sind unsere Feinde in der Nacht gekommen, um mit ihren Mordmaschinen den Tod über unsere Heimat auszusäen. Jetzt sind ihre Soldaten gekommen, um ihre Aussaat zu ernten. Aber nun gehen wir in der Nacht aus und säen den Samen der Freiheit.“ — Sender Werwolf, Frühjahr 1945
Das Zeichen der Organisation Werwolf, die Wolfsangel

Namensgebung

Das Hauptquartier der Organisation Werwolf, Schloß Hülchrath, in Grevenbroich
Plakat der Organisation „Werwolf“
Vor einem US-amerikanischen Siegergericht: Die BDM-Scharführerin und angebliche Werwolfangehörige Maria Bierganz auf einem Durchhalteplakat der Propagandaabteilung.

Der Name Werwolf geht auf eine Sage der germanischen Mythologie zurück und bezeichnet Mannwölfe, die umherstreiften, gerissen und getötet haben. Diese Aufgabe sollten auch die Werwölfe dieser Organisation haben. Der Begriff Werwolf wurde ab 1910 mit dem Roman „Der Wehrwolf“ von Hermann Löns bekannt. Löns, im Nationalsozialismus als Nationaldichter verehrt, schildert darin den Partisanenkampf niedersächsischer Bauern gegen Söldnertruppen im Dreißigjährigen Krieg. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Buch Flakhelfern und Hitlerjungen als Lektüre empfohlen. Die Zensur der alliierten Besatzer verbot das Buch demzufolge.

Des weiteren deutete Adolf Hitler seinen Vornamen als Adalwolf, was übersetzt der edle Wolf bedeutet. Daher benannte Hitler seine Führerhauptquartiere an der Ostfront (Wolfsschanze, Wolfsschlucht und Werwolf) in diesem Sinne.

Erstmals öffentlich tauchte der Begriff „Werwölfe“ am 18. Oktober 1944 in einer Rede Himmlers auf, die er vor Angehörigen des ostpreußischen Volkssturmes hielt.

Zweck

Die Mitglieder des Werwolfes sollten in verschieden großen Einheiten Sabotage- und Partisanenaktionen durchführen. So zum Beispiel:

Gliederung

Heinrich Himmler befahl dem „Höheren SS- und Polizeiführer West“, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Karl Gutenberger, im Westen des Reiches eine Untergrund- und Widerstandsorganisation aufzubauen. 300 Kandidaten für Werwolf-Aktionen wurden nun in den Gauen Düsseldorf, Köln-Aachen und Essen offiziell als Waffen-SS-Mitglieder rekrutiert, darunter auch Bergleute, die bisher nicht zum Militär einberufen worden waren.

Der paramilitärische Verband wurde von der Waffen-SS in improvisierten Werwolf-Schulen ausgebildet. Grundlage der Ausbildung war ab Januar 1945 die Taktik-Fibel „Werwolf – Winke für Jagdeinheiten“. Die Werwolf-Kommandos bestanden überwiegend aus Hitlerjungen und BDM-Mädchen, die sich freiwillig meldeten.

Dem Werwolf stand der SS-General Hans-Adolf Prützmann (Reichs-Werwolf) vor, der sich Himmler gegenüber zu verantworten hatte. Die Werwölfe waren in sogenannten Rudeln organisiert, in denen der befehlshabende Offizier als Leit-Wolf bzw. Leit-Werwolf bezeichnet wurde. Diese wurden in speziellen Werwolf-Schulungs-Gattern ausgebildet.

Die kleinste selbständig operierende Einheit war die Jagdgruppe; sie bestand aus vier Mann und einem Führer. Die nächstgrößere Einheit war der Jagdzug. Dieser vereinigte mehrere Jagdgruppen und einen Führungstrupp, die Einsatzstärke lag zwischen 10 und 40 Jägern und deren Führern. Bei Angriffen auf befestigte Positionen oder beispielsweise Eisenbahnen sollten Streifkorps gebildet werden. Deren Stärke richtete sich nach Größe und Kampfstärke der anzugreifenden Objekte.

Bis zur Kapitulation und in den Wirren der letzten Kriegstage wurden allerdings nur wenige Leit-Wölfe ausgebildet, so daß viele Rudel ohne Führung waren und ziel- und wahllos durch das besetzte Deutschland zogen. Dazu kam, daß die Rudel oftmals aus jungen, unerfahrenen SS-Männern, Hitlerjungen und BDM-Mädchen bestanden, die keinerlei oder kaum militärische Schlagkraft besaßen. Desweiteren hätten die Rudel die Unterstützung der Bevölkerung benötigt, welche ihnen angesichts des alliierten Wütens unter der Zivilbevölkerung und deren Kriegsmüdigkeit größtenteils verwehrt blieb.

Aktivitäten

Sender Werwolf

Erbeutete B-17 des KG 200 in Diensten der deutschen Wehrmacht, u. a. beim Unternehmen „Karneval“.
Blond, blauäugig und germanische Sommersprossen – Ilse Hirsch als vorbildhafte BDM-Hauptgruppenführerin
Heinz Petry (16 J. und Schüler) wurde in einem geheimen Schnellverfahren von einem amerikanischen Militärtribunal als sogenannter „Werwolf“ wegen Spionage gegen die US-Armee zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Sprachrohr der Organisation war der Rundfunksender „Sender Werwolf“, der am 1. April 1945 seine geheimen Sendungen aufnahm.

Sender Werwolf, Aufrufe zum Widerstand:

Radio Werwolf (Occupied Germany, 1945)
MP3-Datei zum anhören

In der sowjetischen Besatzungszone SBZ vollstreckten die sowjetischen Besatzungstruppen in den Jahren nach dem Krieg zahlreiche Todesurteile gegen Jugendliche, die der Werwolftätigkeit für angeblich oder tatsächlich schuldig befunden wurden.

Ein bekanntes angebliches Mitglied war die damals 17jährige BDM-Führerin Maria Bierganz aus der Eifel, die wegen Verbindungen zu sogenannten Saboteuren angeblich am 12. Februar 1945 vor ein anglo-amerikanisches Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurteilt wurde. Diese Behauptungen, sowohl die Mitgliedschaft bei Werwolf als auch das Gerichtsurteil, stellten sich jedoch als Propagandamaßnahmen heraus, ein solches Kriegsgericht fand nie statt.

„Der Feind sieht es heute schon ein, daß eine Besetzung Deutschlands für ihn unmöglich wäre, denn über zwanzig Jahre nationalsozialistischer Erziehung haben es unmöglich gemacht, daß 20 oder 30 Millionen Deutscher sich willenlos vom feinde ins Ausland abtransportieren ließen. Der Feind würde, wenn ihm ein Erfolg beschieden wäre, in Deutschland einen Partisanenkrieg unter dem Zeichen des ‚Werwolfes‘ erleben, wie ihn die Welt bisher noch nicht gesehen hat. Denen würden wir eine Götterdämmerung aufspielen, von der sie sich heute überhaupt keine Ahnung machen.“Dr. Naumann bei einer Rede im München am 23. März 1945

Als Reichspräsident Dönitz nach dem Tod Hitlers die Organisation Werwolf verbot, leistete im Sengeberger Forst eine Gruppe von Männern der Waffen-SS, verstärkt durch jugendliche Werwölfe, der 11th Armoured Division erbitterten Widerstand. Die Aufforderung, sich zu ergeben, wurde zurückgewiesen. Selbst als Dönitz befahl, die Waffen zu strecken, verweigerten sie den Gehorsam. Als das deutsche Oberkommando die eigene 8. Fallschirmjägerdivision gegen sie einsetzte, nahmen sie sich lieber selbst das Leben, als zu kapitulieren. Ihre Leichen lagen überall im Wald verstreut.

Unternehmen Karneval

Hauptartikel: Unternehmen „Karneval“

Beim Unternehmen „Karneval“ wurde Franz Oppenhoff, ein fahnenflüchtiger Kollaborateur und erster Aachener Oberbürgermeister nach der amerikanischen Besetzung der Stadt, von einem sechsköpfigen Werwolf-Kommando hinter feindlichen Linien am 25. März 1945 hingerichtet. Das Todesurteil wurde später vom Bundesgerichtshof als juristisch einwandfrei bestätigt.

Alliierte Hysterie

Nach dem erfolgreichen Unternehmen „Karneval“ brach bei den VS-Amerikanern im Raum Aachen Panik aus. Jugendliche, die beim Spielen mit einem gefundenen Gewehr aufgegriffen wurden, setzte man mitsamt ihren Eltern für mehrere Tage hinter Gitter. Am 29. März 1945 verurteilte ein VS-amerikanisches Kriegsgericht die 16- und 17jährigen Heinz Petry sowie Josef Schöner, die erwischt worden waren, als sie sich durch die amerikanische Linien schmuggeln wollten, „wegen Spionage“ zum Tod durch Erschießen.

In den Monaten nach dem Kriegsende gab es in Mitteldeutschland gegen über tausende Verdächtige Hetzjagden und Verhaftungen und Folterungen. Viele wurden im ehem. Wehrmachts-Kriegsgefangenenlager Mühlberg festgehalten und später nach Sibirien bei Wasser und Brot zu schwerem Arbeitseinsatz in Steinbrüchen gebracht.

Im Jahr 1952 wurden tausende unschuldig nach 7 ½ Jahren in Gefangenschaft entlassen. In der DDR wurde den Zurückgekommenen von der Staatssicherheit Schweigegebot auferlegt.

Der Fall „Heinz Petry und Josef Schöner“

Der 16jährige Schüler Heinz Petry wurde am 29. März 1945 gemeinsam mit dem 17jährigen Josef Schöner zum Tode verurteilt. Ihnen wurde Spionage in der Nähe von Eupen vorgeworfen. Dort wurden beide am 21. Februar 1945 von den Amerikanern festgenommen, als sie sich durch die amerikanische Linien schmuggeln wollten. Ihre Angaben, sie wollten zur Familie, ließ der Feind nicht gelten. Nach der Verurteilung am 29. März 45 waren sie mehrere Wochen im Rheinland inhaftiert, aber das Rheinland wurde am 1. Juni 1945 von den Amerikanern geräumt und an die Briten übergeben. Deshalb wurde die beiden Jungen am 30. Mai 1945 eilig nach Braunschweig transportiert und dort in einer Kiesgrube bei Denstorf von Soldaten der 9. US-Armee durch Erschießen exekutiert. Kurz darauf wurden beide auf Braunschweiger Friedhöfen verscharrt. Heinz Petry wurde allerdings 1948 in seine Heimat Euskirchen umgebettet, wo sein Familie eine Gärtnerei betrieb. Es gab keinen Verteidiger, es gab keine Zeugen, nur einen Militärstaatsanwalt, der die Jungen als „Nazi-Spione“ bezeichnete, welcher die „Sicherheit und das Leben der US-Streitkräfte gefährdet“ habe. Obwohl es außer der Behauptung des Staatsanwaltes keinerlei Beweise gegen die Jungen gab, wurden die Jungen nacheinander in einem Steinbruch bei Braunschweig an einen Pfahl gebunden und erschossen. Erst Jahre später hat ein deutsches Gericht, nach Anhörung zahlreicher Zeugen, Heinz Petry und Josef Schöner für unschuldig erklärt.

Siehe auch

Literatur

  • Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen – „Werwolf“-Schicksale mitteldeutscher Jugendlicher
  • Werwolf – Winke für Jagdeinheiten, Nachdruck Enforcer-Verlag, Pülz, ISBN 978-3939700173

Verweise

Weltnetz

Audio