Bund deutscher Mädel

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Der Bund Deutscher Mädel (BDM / BdM) war während der Zeit des Nationalsozialismus die weibliche Organisation der Hitler-Jugend (HJ). Darin waren die Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren organisiert, den Jungmädelbund (JM) der 10- bis 13jährigen Mädchen eingeschlossen. Der BDM bildete die damals zahlenmäßig größte weibliche Jugendorganisation der Welt mit 4,5 Millionen Mitgliedern im Jahr 1944.

Schwestern gemeinsam beim BdM.jpg

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Entwicklung

Plakat zum Eintritt in den BDM (ab 10 Jahren Jungvolk innerhalb der HJ)
Titelblatt der BDM-Zeitschrift „Das deutsche Mädel

Anfänge

Schon 1923 entstanden innerhalb der NSDAP die ersten „Mädchenschaften“, auch als „Schwesternschaften der Hitler-Jugend“ bezeichnet. Diese Gruppen hatten aber noch wenige Mitglieder und wurden erst im Juni 1930 zum Bund deutscher Mädel zusammengeschlossen. Die bis 1931 auf 1.711 Mitglieder angewachsene Organisation wurde im selben Jahr unter Bundesführerin Elisabeth Greiff-Walden in die Hitlerjugend eingegliedert.

Die ersten Gründungen von Ortsgruppen des BDM, des Nationalsozialistischen Schülerinnenbundes (NSS) und der Jungmädchengruppen der NS-Frauenschaft fallen in die Jahre 1930/31. Die Ortsgruppe Berlin z. B. wurde im Februar 1930 gegründet, eine BDM-Gruppe in Danzig im Juli 1931.

Mitgliederwachstum ab 1933

Wimpel und Uniform

Der am 17. Juni 1933 ernannte Reichsjugendführer Baldur von Schirach erließ sogleich Verordnungen, die die bis dahin bestehenden konkurrierenden Jugendverbände auflösten und in die HJ eingliederten.

Leitbilder

Hitlers grundlegende Vorgabe für die Ausrichtung der weiblichen Jugend läßt sich einer Rede auf dem Frauenkongreß 1935 in Nürnberg entnehmen:

BDM-Kinderbetreuung, Weimar, Juni 1938
„Die Gleichberechtigung der Frau besteht darin, daß sie in den ihr von der Natur bestimmten Lebensgebieten jene Hochschätzung erfährt, die ihr zukommt [...] Auch die deutsche Frau hat ihr Schlachtfeld: Mit jedem Kinde, das sie der Nation zur Welt bringt, kämpft sie ihren Kampf für die Nation.“

Bereits in Hitlers „Mein Kampf“ stand zu lesen:

„Auch die Ehe kann nicht Selbstzweck sein, sondern muß dem einen größeren Ziele, der Vermehrung und Erhaltung der Art und Rasse dienen. [...] Daher schon ist die frühe Heirat richtig, gibt sie doch der jungen Ehe noch jene Kraft, aus der allein ein gesunder und widerstandsfähiger Nachwuchs zu kommen vermag.“[1]

Die BDM-Reichsreferentin Dr. Jutta Rüdiger hat für ihren Zuständigkeitsbereich im ersten Kriegsjahr 1939 schriftlich erklärt:

„Die Jungen werden zu politischen Soldaten und die Mädel zu starken und tapferen Frauen erzogen, die diesen politischen Soldaten Kameraden sein sollen – und unsere nationalsozialistische Weltanschauung später in ihrer Familie als Frauen und Mütter leben und gestalten – und so wieder großziehen eine Generation der Härte und des Stolzes. Wir wollen darum bewußt politische Mädel formen. Das bedeutet nicht: Frauen die später in Parlamenten debattieren und diskutieren, sondern Mädel und Frauen, die um die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes wissen und dementsprechend handeln.“

Erziehung

Bereits 1934 stand in dem offiziellen Publikationsorgan „Mädel im Dienst“ zu lesen, daß die 10- bis 14jährigen Jungmädel sich in Handarbeit und Kochen auskennen und für „die Wärme des heimatlichen Herdes“ sorgen müßten. Auch sollten sie es verstehen, ein Heim behaglich einzurichten. Im Zentrum der BDM-Erziehung stand „die Synthese von körperlicher und hauswirtschaftlicher Ertüchtigung“ in Verbindung mit der Aufgabe, „den Zucht- und Auslesegedanken der gesamten weiblichen Jugend zu Bewußtsein zu bringen. Der Typ der deutschen Frau tritt ergänzend neben den Typ des deutschen Mannes, ihre Vereinigung bedeutet die rassische Wiedergeburt unseres Volkes.“[2] Im Hinblick auf die für die Erhaltung der Volksgemeinschaft zu erfüllenden eugenischen Aufgaben erklärte man die Mädchen zum „Rassegewissen der Nation“. Die „echte deutsche Maid“ habe „Hüterin der Reinheit des Blutes und des Volkes zu sein und Helden aus den Söhnen des Volkes zu erziehen“.[3]

Aktivitäten und Alltag

Wandergruppe des BDM

Ähnlich wie bei den Jungen lag ein Schwerpunkt des Aktivitätenangebotes im BDM bei Ausflügen und Wanderungen in freier Natur, oft gefolgt von Lagerfeuer mit Kochen und gemeinsamem Singen deutschen Liedgutes. Auch Vollmondbeobachtungen mit anschließender Übernachtung in Heuschobern waren im Sommerhalbjahr gängig.

Märchen- und Theateraufführungen, teils mit Puppen und Marionetten, Volkstanz und Flötenmusik sowie verschiedene Sportangebote, häufig als Gruppenspiel, zählten genauso zum Standardprogramm wie allgemeine Leibes- und ästhetische Gymnastikübungen.

Anders als für die männlichen Gliederungen der HJ gab es außer dem „Gesundheitsmädeldienst“ und dem für beide Geschlechter vorgesehenen Landdienst keine BDM-Spezialabteilungen.

Gymnastik

Während es bei den Jungen um die Förderung von Kraft und Zähigkeit ging, sollten die Mädchen durch gymnastische Schulung vor allem Anmut entwickeln. Bereits 1933 wurde aber auch Fechtunterricht für deutsche Mädels angeboten.

„An die Stelle athletischen Kraftaufwands trat in der Regel die rhythmische Gymnastik mit ihrer Betonung auf Harmonie und dem Gefühl, im eigenen Körper zu ruhen und Teil des Gruppenkörpers zu sein. So praktizierten die Mädchen eine organische ‚Volksgemeinschaft’, gleichzeitig war der Fluß der gymnastischen Bewegungen auf die weibliche Anatomie und die künftige Mutterrolle abgestimmt.“[4]

Im Winterhalbjahr gehörten Handarbeits- und Bastelabende in den BDM-Heimen zum Regelangebot.

Kleidung

Standardbekleidung im BDM waren dunkelblauer Rock, weiße Bluse und schwarzes Halstuch mit Lederknoten. Die Art der Kniestrümpfe und der Frisur ließen noch individuellen Spielraum. Nicht erlaubt waren hochhackige Schuhe und Seidenstrümpfe; Schmuck war nur in Gestalt von Fingerring und Armbanduhr zugelassen.

Ilse Hirsch, Hauptgruppenführerin

Weiterbildung

Die von HJ und BDM angebotenen Ferienreisen, die über Zuschüsse auch Kindern aus finanziell schlechtgestellten Familien Fahrten ins Winterskilager oder ins Sommerzeltlager ermöglichten, gehörten zu den gern wahrgenommenen Freizeitangeboten. Zur Vorbereitung der Mädchen für den Dienst an Volk und Familie gab es zudem – zunächst auf freiwilliger Basis, von 1938 an verpflichtend – ein Dienstjahr als hauswirtschaftliche oder landwirtschaftliche Hilfe. Schlesien, Pommern und Ostpreußen waren die Schwerpunktregionen für den Landdienst.

Führung und Schulung

Mitglieder des BDM

Wie in der HJ galt auch im BDM, daß Jugend durch Jugend geführt werden sollte. Die Schulung der Mädel fand an den Heimabenden statt. Zu deren Unterstützung gab es die monatlich erscheinende „Mädelschaft“, gemäß Titelblatt „Blätter für Heimabendgestaltung im Bund Deutscher Mädel“. Den Führerinnen standen zur ideologischen und praktischen Orientierung „Führerinnenblätter“ zur Verfügung, die auf Gauebene herausgegeben wurden. Sie hatten auch an Wochenendschulungen teilzunehmen, die im Winter monatlich stattfanden. Dazu wurde vom Amt für weltanschauliche Schulung (WS) der Reichsjugendführung (RJF) Material zur „Wochenendschulung“ herausgegeben, das bis zur Ringführerin einschließlich verteilt wurde. Für langfristige Schulungen wurden BDM-Führerinnenschulen eingerichtet.

Die Sonderausgabe vom September 1937 umreißt das Ziel dieser Wochenendschulungen wie folgt:

„Es muß erreicht werden, daß [...] die Führerin das unbedingt sichere Gefühl der Geborgenheit innerhalb der Gemeinschaft der anderen Führerinnen bekommt. Wie wichtig das ist, zeigt sich besonders bei Führerinnen, die, dauernden Angriffen ausgesetzt, in kleinsten Standorten arbeiten müssen. Sie müssen allmählich eine klare und unerschütterliche weltanschauliche Haltung bekommen, um ihren Mädeln etwas sein zu können. Sie sollen weiter durch die Wochenendschulung zur selbständigen Arbeit erzogen werden, um aus sich selbst heraus (aus eigener Arbeit und eigener Haltung), unter Hinzuziehung der Mappen der RJF. einen Heimabend gestalten zu können.“

Weitere Sonderausgaben wurden zu den Sommerlagern herausgegeben. Außerdem kursierten Liederbücher wie „Wir Mädel singen.“

Mitglieder und Organisationsformen

Die Mitgliedschaft in BDM/JM war seit 1936 für Mädchen des entsprechenden Alters obligatorisch. Junge Frauen von 17 bis 21 Jahren konnten dem 1938 gegründeten Werk Glaube und Schönheit beitreten, das ein altersgemäßes Programm bot und die Zeit bis zum Eintritt in die Nationalsozialistische Frauenschaft überbrücken sollte.

Gliederung

Wie die männliche Hitler-Jugend waren auch BDM und Jungmädelbund sowohl nach Alter als auch horizontal (nach Regionen) und vertikal (nach Verbandsgrößen) untergliedert:

Deutsches Jungvolk Hitlerjugend Jungmädel Bund Deutscher Mädel
Gebiet Obergau
Bann Untergau
Jungstamm Stamm Jungmädelring Mädelring
Fähnlein Gefolgschaft Jungmädelgruppe Mädelgruppe
Jungzug Schar Jungmädelschar Mädelschar
Jungenschaft Kameradschaft Jungmädelschaft Mädelschaft

Eine „Mädelschaft“ umfaßte etwa 10 bis 15 Mädchen, eine „Mädelschar“ 3 Mädelschaften, eine „Mädelgruppe“ wiederum 3 Mädelscharen, ein „Mädelring“ 4 Mädelgruppen (etwa 360 bis 540 Mädchen). Der „Untergau“ kam auf 5 Mädelringe, der „Obergau“ auf etwa 25 Untergaue und der „Gauverband“ etwa auf 5 Obergaue (insgesamt ca. 225.000 bis 337.500 Mädchen). Vom Obergau ab waren für BDM und JM gemeinsame Dienststellen eingerichtet.

Kriegszeit und Auflösung

Die Zeit von September 1939 an war vom Zweiten Weltkrieg geprägt, mit dem die BDM-Mitglieder als Lazarett-, Luftschutz- und Landhelferinnen – und auf vielfältige andere Weise außerhalb des Waffendienstes – zu tun hatten. Manche Mädel meldeten sich ab 1943 auch freiwillig als Flakhelferinnen. Um der Luftwaffe oder Kriegsmarine beitreten zu dürfen, mußten sie hierzu beim BDM austreten, denn der Dienst an der Waffe oder an waffenähnlichen Geräten war dem Mädel untersagt.

Weitere Einsatzbereiche der BDM-Angehörigen im Verlauf des Krieges waren Erste-Hilfe-Maßnahmen für Verwundete in Krankenhäusern und Lazaretten, die Betreuung ankommender Flüchtlinge auf Bahnhöfen und die Unterstützung von im alliierten Bombenkrieg gegen die schutzlose deutsche Zivilbevölkerung obdachlos Gewordenen.

Verbot

Als Untergliederung der Hitler-Jugend wurde die Organisation Bund Deutscher Mädel nach Kriegsende durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 der Siegermächte verboten und aufgelöst, ihr Vermögen beschlagnahmt.

Bildergalerie

Siehe auch

Filme / Dokumentationen

  • Mädchen für Adolf Hitler – BDM, Der Bund Deutscher Mädel, Dokumentation, BRD 2007

Literatur

Verweise

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E.M. Wisser - Kämpfen und Glauben.jpg
Schriften

Fußnoten

  1. (85.–94. Auflage, München 1934, S. 275 f.)
  2. Zit. n. Klönne: Jugend im Dritten Reich, Lizenzausgabe München 1995, S. 84.
  3. Zit. n. Kater, S. 91.
  4. Kater, S. 74.
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