Willisen, Wilhelm von

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Major i. G. Wilhelm von Willisen; Reichskanzler a. D. Heinrich Brüning in seinen Memoiren über den Offizier, Patrioten sowie Lehrmeister in politischer Strategie und Taktik:

„ Er plante und führte den Überraschungskampf gegen die französischen und englischen Kavalleriedivisionen an der belgisch-französischen Grenze im Spätherbst 1914 durch. Er war der wirkliche Sieger von Brzezeny, wo er die vorgedrungenen deutschen Truppen aus der Umklammerung der russischen Armeen befreite und noch 60 000 Gefangene einbrachte. Er plante und war hauptsächlich verantwortlich für den Sieg über die Italiener bei Caporetto. […] Er war Seele des Widerstandes gegen den Bolschewismus.“

Freiherr von Willisen war allerdings auch ein Gegner des Kapp-Aufstands und agierte gemeinsam mit seinem Freund Kurt von Hammerstein-Equord (obwohl sein Schwiegervater Walther Freiherr von Lüttwitz war) im Reichswehrministerium mit dem Ziel, eine Teilnahme der Reichswehr zu verhindern.

Friedrich Wilhelm Carl Adolf Freiherr von Willisen, der auch als Ludwig Wilhelm geführt wird (Lebensrune.png 12. Februar 1876 in Karlsruhe; Todesrune.png 4. Januar 1933 in Berlin-Charlottenburg) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, des Deutschen Heeres, der Freikorps und der Vorläufigen Reichswehr, zuletzt Oberstleutnant und Ritter des Ordens „Pour le Mérite“ im Ersten Weltkrieg sowie Politiker und Mitbegründer des Deutschen Schutzbundes für das Grenz- und Auslandsdeutschtum. In der Weimarer Republik war der „geheimnisvolle Mann“ der Reichswehr, der für viele – zum Unterschied zu Schleicher – der „gute Genius“ des Heeres war,[1] ein wichtiger Verbindungsmann zwischen der Reichswehr und der Regierung, der aber auch als Kontaktmann zu industriellen Spenderkreisen fungierte, wodurch er geheime Reichswehr Projekte finanzieren half.

Werdegang

  • 22. März 1893 Eintritt als in das 4. Garde-Regiment zu Fuß des Garde-Korps
  • 18. August 1894 Sekondeleutnant
  • 10. März 1904 Oberleutnant
  • 24. März 1909 Hauptmann
  • 28. November 1914 Major i. G.
    • Mai 1915 Erster Generalstabsoffizier im Deutschen Alpenkorps
    • 5. September 1916 zugeteilt zum Stab des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl Franz Joseph, wo er als Verbindungsoffizier zum Oberkommando der k. u. k. 7. Armee diente.
    • 10. Oktober 1916 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes des Deutschen Alpenkorps beauftragt
    • Ende Februar 1917 Erster Generalstabsoffizier beim Oberkommando der Heeresgruppe „Herzog Albrecht von Württemberg“
    • Anfang September 1917 Erster Generalstabsoffizier des Oberkommandos der neu aufgestellten 14. Armee
      • Nach der 11. Schlacht am Isonzo war die k. u. k. Armee an der Italienfront stark geschwächt. Im Generalstab mußte man befürchten, einer weiteren italienischen Offensive nicht mehr gewachsen zu sein. Deshalb ersuchte man die deutsche Oberste Heeresleitung um Hilfe. Diese befürchtete einen militärischen Zusammenbruch der Italienfront und stellte deshalb sieben Divisionen, 540 Geschütze, 216 Minenwerfer und etwa 100 Flugzeuge der Fliegertruppe zur Verfügung, die von der West- und Ostfront abgezogen wurden. Aus diesen Truppen wurde eine neue 14. Armee unter General der Infanterie Otto von Below zwischen Tolmein und Flitsch zusammengezogen. Für die Zwölfte Isonzoschlacht am 24. Oktober 1917 unterstanden dem AOK 14 zusätzlich drei österreichisch-ungarische Divisionen. Das Armeeoberkommando 14 wurde aus dem Stab der bisherigen Armeeabteilung „Scheffer“ gebildet.
    • 1. November 1917 Pour le Mérite für seine umfassende Vorbereitung der Offensive des Deutschen Heeres und der k. u. k. Armee am Isonzo, die am 24. Oktober 1917 begann und zum Durchbruch durch die italienischen Linien und dem Vormarsch bis zum Tagliamento führte.
    • 1. Februar 1918 als die 14. Armee durch Verlegung an die Westfront und Umbenennung zur 17. Armee wurde, trat er zu dieser in derselben Dienststellung über.
      • Bei der am 21. März 1918 beginnenden deutschen Offensive bildete die 17. Armee zusammen mit der 2. Armee den rechten Angriffsflügel.
    • 24. April 1918 Erster Generalstabsoffizier des Oberkommandos der 6. Armee in Lille unter General der Infanterie Ferdinand von Quast
    • 24. August 1918 Chef des Generalstabes des IV. Armee-Korps unter Generalleutnant Richard von Kraewel
      • Das Korps befand sich bei der Abwehr der feindlichen Hunderttage-Offensive.
    • September 1918 zur besonderen Verwendung dem Chef des Generalstabes des Feldheeres zugeteilt, um die durchbrochene Balkanfront zu reorganisieren.

Nachkriegszeit

Nach dem Novemberputsch wurde von Willisen am 10. November 1918 zum Abteilungsleiter im Preußischen Kriegsministerium ernannt, wo er mit der Aufstellung des Oberkommandos Grenzschutz Ost beauftragt war. Als solcher schlug er auch vor, eine neue Pressenachrichtenstelle einzurichten. Am 17. Dezember 1918 wurde er dann Chef der Zentralstelle Grenzschutz Ost in Berlin. Er war führend am Aufbau der Freikorps beteiligt (Baltikumkämpfer) und bemühte sich später, deren Angehörige in die Reichswehr einzugliedern. Nach über 15 Monaten Dienst in dieser Stellung wurde er am 1. April 1920 mit dem Charakter als Oberstleutnant aus dem aktiven Militärdienst entlassen, nachdem er um seinen Abschied ersucht hatte.

Seit 1918 war von Willisen, der u. a. zu Joachim von Stülpnagel (mit dem er gemeinsam im November 1920 die „Donnerstag-Gesellschaft“[2] geründete), Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, Oskar von Hindenburg und Kurt von Schleicher eine enge Kameradschaft pflegte, auch politisch aktiv. Er war Mitbegründer und Zweiter Vorsitzender des Deutschen Schutzbundes für das Grenz- und Auslandsdeutschtum, Unterstützer oder Gründungsmitglied des Juni-Klubs, Gründungsmitglied des Deutschen Herrenklubs und Ehrenritter des Johanniterordens. Er war auch seit 1925 Mitglied des neu gegründeten „Großdeutschen Klubs“, der wenig später in „Volksdeutscher Klub“ umbenannt wurde.

„Eine bestimmende Rolle fiel bei der Gründung des Klubs Rudolf Pechel zu, der sich in der Pressearbeit für das Grenz- und Auslanddeutschtum stark engagiert hatte. Auf der entsprechenden Versammlung, an der allenfalls 24 Personen teilnahmen, wurde auf Antrag Pechels Karl Christian v. Loesch zum ersten Vorsitzenden gewählt. Beisitzer im Geschäftsführenden Vorstand wurden, ebenfalls auf Pechels Vorschlag, neben Richard Bahr, Peter Weber von der Reichszentrale für Heimatdienst und der Direktor im Reichslandbund von Volkmann. Wiederum auf Pechels Betreiben gelangten in den erweiterten Vorstand: Dr. Heinrich Brüning, Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Carl Georg Bruns vom Ausschuß für Minderheitenrecht, Regierungsrat Krahmer-Möllenberg von der Deutschen Stiftung, Walter Lambach vom DHV, von Lindeiner-Wildau (DNVP), Admiral von Trotha (Großdeutscher Jugendbund), Freiherr von Willisen, Hans Werner von Zengen (Arbeitgeberverband), Dr. Edgar Jung, sowie von Wetter-Rosenthal, Regierungspräsident a. D. Foerster, Landrat Theodor Steltzer aus Rendsburg, Major a. D. Walter Vogel und der Antragsteller.“[3]

Im Sommer 1923 reiste von Willisen zu einer Unterredung mit Adolf Hitler nach München, um sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Als der Chef der Reichswehr, Generaloberst Hans von Seeckt, von den Männern seines Stabes – unter ihnen Kurt von Schleicher – und Industriellen wie Hugo Stinnes im Herbst des Krisenjahres 1923 gedrängt wurde, das Kanzleramt für sich zu beanspruchen und das Parlament aufzulösen, brachte von Willisen seinen Kriegskameraden von Seeckt zum Einlenken, indem er ihn davor warnte, die Reichseinheit durch ein Sandkastenspiel mit unbekannten Gegnern zu gefährden.

Als Leiter der vier vom Versailler Schanddiktat verbotenen Fliegerschulen war Freiherr von Willsen aktiv am Aufbau der deutschen Luftwaffe nach dem Ersten Weltkrieg beteiligt, die jedoch erst 1935 enttarnt werden sollten. Neben Friedrich Graf von der Schulenburg war von Willisen im Januar 1928 als einer der Kandidaten Paul von Hindenburgs für die Nachfolge des wegen der Lohmann-Affäre zurückgetretenen Reichswehrministers Otto Geßler im Gespräch. Beide lehnten es jedoch ab, gegen Wilhelm Groener anzutreten, der als Kandidat der Reichswehr schließlich das Amt übernahm.

Er war auch vier Jahre von 1928 bis 1932 Zweiter Vorsitzender der Volkskonservativen Vereinigung (Volkskonservativen Partei). Am 26. Dezember 1929 fand in seinem Haus (Giesebrechtstraße 15) ein Vorgespräch mit Heinrich Brüning, Kurt von Schleicher, Reichswehrminister Wilhelm Groener, Gottfried Treviranus und Hindenburgs Staatssekretär Otto Meissner statt. Paul von Hindenburg wollte den konservativen Zentrumspolitiker Brüning, einen persönlichen Freund Treviranus’, mit der Bildung eines Kabinetts beauftragen, das ohne die SPD regieren sollte. Brüning zögerte, ließ sich aber am 30. März 1930 doch mit der Kanzlerschaft beauftragen.

Tod

Ende 1931 erkrankte von Willisen schwer. Die Ärzte diagnostizierten eine Krebserkrankung des Halses. Er befand sich bereits im Sanatorium, als es am 10. Mai 1932 im Reichstag, während einer Rede Groeners, in der er das Verbot der von Ernst Röhm geführten SA verteidigen wollte, zu Tumulten kam. Als daraufhin am 11. Mai 1932 Kurt von Schleicher, als Vertreter der Reichswehr, gegenüber Brüning den Rücktritt des Reichswehrministers Groener forderte, entfuhr es Brüning nach Aussage des an der Unterredung teilnehmenden Treviranus: „Wenn nur Willisen gesund wäre. Er würde die Bendlerstraße in Schach halten!“ Am 4. Januar 1933 starb Oberstleutnant a. D. von Willisen an den Folgen seiner Erkrankung und wurde auf dem Berliner Invalidenfriedhof feierlich beigesetzt.

Familie

Willisen ist der Name eines alten deutschen Adelsgeschlechtes. Das Geschlecht stammt aus der Wetterau. Die Stammreihe beginnt mit Johann Will, Stadtschreiber zu Windecken bei Hanau. 1702 erfolgt die Aufnahme in den Reichsadels- und Ritterstand mit Edler von Willisen für den Herzoglich-Sachsen-Naumburgischen Wirklichen Geheimen Rat Emanuel Willius (1656–1728). Die preußische Genehmigung zur Führung des Freiherrentitels ergeht 1863 an Friedrich Adolf Freiherr von Willisen und 1866 an seine Brüder Generalleutnant Karl Friedrich Ferdinand Freiherr von Willisen (1788–1873) – Wilhelms Großvater – und Generalleutnant Karl Wilhelm Freiherr von Willisen (1790–1879) sowie deren Nachkommen. Zu den Verwandten gehört auch General der Kavallerie Friedrich Adolf Freiherr von Willisen (1798–1864).

Eltern

Wilhelm war der Sohn des Generals der Kavallerie und Gouverneurs von Berlin Karl Georg Gustav Freiherr von Willisen (Lebensrune.png 19. Oktober 1819 in Breslau; Todesrune.png 24. Juli 1886 in Berlin) und dessen Frau Julie, geb. von Köller (1843–1934), eine Tochter des Landrats Matthias von Köller. Seine Onkel waren Ernst von Köller (Politiker) und Georg von Köller (Verwaltungsjurist, Politiker und Gutsherr). Seine Geschwister waren:

  • Katharina (Lebensrune.png 1869) ⚭ 1896 Albrecht von Köller (Lebensrune.png 1864)
  • Karl Ferdinand (Lebensrune.png 1878), Dr. phil.

Ehe

Oberleutnant Freiherr von Willisen heiratete 1905 in Berlin Irmgard Rieß von Scheurnschloß. Der Ehe entsprossen zwei Kinder:

  • Hans-Karl Herman Edwin Heinrich Freiherr von Willisen (Lebensrune.png 19. April 1906 in Charlottenburg; Todesrune.png 26. Januar 1966 in Wuppertal), deutscher Pionier der Funkmeßtechnik
  • Maria-Irmgard (1914–2006), verwitwete von Bülow, ab 1956 verehelichte Gräfin zu Stolberg-Wernigerode

Auszeichnungen (Auszug)

Fußnoten

  1. John Wheeler-Bennett: Die Nemesis der Macht. Die deutsche Armee in der Politik. 1918-1945. Bd. 1, Droste-Verlag, Düsseldorf 1954, S. 215.
  2. Die Donnerstag-Gesellschaft tagte allmonatlich und bestand aus handverlesenen Generalstabsoffizieren der ehemaligen OHL, so z. B. Bodo von Harbou und Erich von dem Bussche-Ippenburg, sowie ausgewählte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
  3. Berthold Petzinna: Erziehung zum deutschen Lebensstil. Ursprung und Entwicklung des jungkonservativen „Ring“-Kreises 1918–1933, Berlin 2000, S. 234.