Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V.

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Signet des „Deutschen Ahnenerbes“ bis zur Reformierung am 20. März 1937. Die Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ verfolgte laut seiner reformierten Satzung die folgenden Ziele:

1. Raum, Geist und Tat des nordrassischen Indogermanentums zu erforschen,
2. die Forschungsergebnisse lebendig zu gestalten und dem deutschen Volke zu vermitteln,
3. jeden Volksgenossen aufzurufen, hierbei mitzuwirken.
In seinen besten Zeiten bestand das Ahnenerbe aus mehreren Dutzend Forschungsabteilungen und verfügte über Lichtbildlabore, ein Bildhauerstudio, ein Museum, sowie diverse Bibliotheken und Archive in München, Salzburg, Detmold und vielen anderen Städten. Über den „Ahnenerbe-Stiftungsverlag“ kontrollierte der Verein zahlreiche Zeitschriften, Buchreihen und Verlagshäuser. Das Ahnenerbe finanzierte archäologische Grabungen und Forschungsexpeditionen inner- und außerhalb Europas (u. a. die Tibet-Expedition Ernst Schäfers 1938) und veranstaltete wissenschaftliche Tagungen und Kongresse.

„Deutsches Ahnenerbe“ – Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte e. V. bzw. ab dem 20. März 1937 Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ e. V. (bekannt auch als SS-Ahnenerbe oder Ahnenerbe der SS) war eine Forschungseinrichtung der Schutzstaffel, deren primäre Aufgabe darin bestand, das nordische Indogermanentum zu erforschen. Der Verein wurde am 1. Juli 1935 von Heinrich Himmler (Reichsführer-SS), Richard Walther Darré (Reichsbauernführer und Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes) und dem niederländischen Privatgelehrten Herman Wirth gegründet.[1] Im Vordergrund standen anfangs archäologische, anthropologische und geschichtliche Forschungen, vor allem über Wirths Steckenpferd, die Sinnbildkunde und die Germanenkunde, aufgrund Himmlers persönlichen Interesses auch über Heinrich I. (919–936). Rasch nutzte Heinrich das Ahnenerbe dann als Forschungsapparat für weitere, ihn interessierende Projekte, darunter die Welteislehre, deren Unterstützung er im Pyrmonter Protokoll 1937 zusicherte.[2]

Geschichte

Ein weiteres Erkennungszeichen
Arbeitszimmer von Wolfram Sievers
Erkennungszeichen; Rune „Othala“ mit Hakenkreuz und die Worte „Volk“ und „Sippe“.
„Reichsbund für Biologie“ im Ahnenerbe, 1939

Das „Deutsche Ahnenerbe“ wurde am 1. Juli 1935 als privater Verein errichtet. Ihre institutionellen Grundlagen waren Herman Wirths „Gesellschaft für Geistesurgeschichte“ und dessen Sammlung für Volksbrauchtum und Urglauben. Die Studiengesellschaft sollte den wissenschaftlichen Beweis für die Überlegenheit der Deutschen durch Forschungen, insbesondere zur germanischen Vorgeschichte, erbringen. Zu Beginn seiner Tätigkeit war der Verein auch als weltanschaulich-wissenschaftliches Schulungsorgan für die Allgemeine SS gedacht. Zeit seines Bestehens war das Ahnenerbe an den Grundsätzen bewährter sachlicher Wissenschaftlichkeit orientiert. So war beispielsweise die Forschungsstätte für Geophysik mit der Verteidigung und wissenschaftlichen Grundlegung der Welteislehre Hans Hörbigers beauftragt.

Wirtschaftlich wurde der Verein zu Beginn seiner Tätigkeit v. a. vom Reichsnährstand getragen. Ab 1936 übernahm die Deutsche Forschungsgemeinschaft (Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft) den Großteil der Finanzierung, die um Mittel aus dem SS-Etat und Spendengelder erweitert werden konnte. Bruno Galke, Leiter der Abteilung für wirtschaftliche Hilfe im Persönlichen Stab Reichsführer SS, verwaltete im Ahnenerbe als Sonderbeauftragter des Reichsführers die Zuschüsse aus dem SS-Etat. Seit Februar Seit 1937 war das Ahnenerbe wirtschaftlich dem späteren SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt unterstellt. Die Gründung einer eigenen „Ahnenerbe-Stiftung“ sollte die Forschungsgemeinschaft finanziell unabhängiger machen.

1937 erhielt der Verein eine neue Satzung und wurde in „Das Ahnenerbe e. V.“ umbenannt. Dieser sollte jetzt nicht nur für den deutschen Raum, sondern für das gesamte Indogermanentum Forschungen betreiben. Himmler wird neuer Kurator des Vereins, was insbesondere den Einfluß des Reichsnährstandes weitgehend beschränkte. Der Kurator war zu Satzungsänderungen berechtigt und übte die Aufsicht über das Ahnenerbe aus, das formell durch einen Präsidenten geführt wurde. Diese Stelle besetzte der spätere Rektor der Universität München Walther Wüst. Die laufenden Geschäfte, insbesondere die gesamte Organisation und die personelle Führung, übernahm Wolfram Sievers als Reichsgeschäftsführer. Sievers war bereits seit 1935 Generalsekretär der Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte. Die Satzung von 1937 legte folgende Ziele fest:

  • 1. Raum, Geist und Tat des nordischen Indogermanentums zu erforschen
  • 2. die Forschungsergebnisse lebendig zu gestalten und dem deutschen Volke zu vermitteln
  • 3. jeden Volksgenossen aufzurufen, hierbei mitzuwirken.

Herman Wirth wurde nach dieser Satzungsänderung Ehrenpräsident. Das Ahnenerbe bestand bei seiner Gründung aus fünf Forschungsstätten:

  • Pflegstätte für Sinnbildkunde (Sammlung Hermann Wirth)
  • Pflegstätte für Wortkunde (Walther Wüst)
  • Pflegstätte für Germanenkunde (Wilhelm Teudt; nach dessen Ausscheiden Dr. Bruno Schweizer)
    • „Die Forschungsstätte wird bestrebt sein, für den ganzen Aufgabenbereich der nordischen Philologie eine sachkundige und grundsatztreue Beratungs- und Auskunftsstelle zu sein, sie wird versuchen, neue Beziehungen zu den wissenschaftlichen Kreisen Islands und Skandinaviens aufzunehmen und sie wird auch von sich aus verschiedene Untersuchungen über bisher nicht oder irrig behandelte Themen in Angriff nehmen.“ — Dr. Schweizer, 15. November 1938
  • Pflegstätte für indogermanisch-finnische Kulturbeziehung (Yrjö von Grönhagen)
  • Pflegstätte für Märchen- und Sagenkunde (Joseph Otto Plassmann)
    • „Die Lehr- und Forschungsstätte für Volkserzählung, Märchen- und Sagenkunde hat die Grundlagen für eine neue Art der Sagen- und Märchenforschung ausgearbeitet. Diese besteht in der Feststellung des dem Sagen- und Märchenmotiv zugrundeliegenden geschauten Bildes, das sich in den Sinnbildern des Volksbrauches und des Volksglaubens nachweisen und durch Vergleich mit Mythen und Sagen des idg. Kulturkreises in seinen mythischen und kultgeschichtlichen Ursprüngen entnehmen läßt. Die vorläufigen Ergebnisse sind in mehreren Lichtbild-Vorträgen niedergelegt, unter denen ein von Dr. Plassmann im Sep 37 in Lübeck gehaltenen demnächst als bebilderte Abhandlung im Druck erscheint.“

Im Oktober 1936 kam die „Pflegstätte für Germanenkunde in Detmold“ hinzu, die auch den „Führungsdienst Externsteine“ übernahm. Diese im Teutoburger Wald gelegenen Felsformationen, betreut von Wilhelm Teudt, wurden vom Ahnenerbe als Kultstätte der Ahnen verehrt.[3]

1939 wurde die Satzung des Ahnenerbes letztmalig geändert. Die darin festgelegte Struktur blieb bis zur Auflösung stabil. Nun wurden die Rollen vertauscht: Jetzt firmierte Himmler formal als „Präsident“ der „Forschungs- und Lehrgemeinschaft“. Prof. Wüst, nun Kurator und Amtschef, übernahm die wissenschaftliche Verantwortung, aber auch die für die Personalpolitik. Wüst hatte u. a. das Recht neue Mitarbeiter vorzuschlagen. Wüst selbst galt damit als Repräsentant, der auch in der Fachwelt als Wissenschaftler ernst genommen wurde. Siebers wurde stellvertretender Amtschef.

Verhältnis zu anderen Einrichtungen

Angesichts des Augenmerkes auf germanische Geschichte und Vorgeschichte waren Konflikte mit anderen nationalsozialistischen Forschungseinrichtungen abzusehen. An erster Stelle ist dabei das Amt Rosenberg zu nennen, dessen Leiter Alfred Rosenberg sich schon vor der Gründung des Ahnenerbes einen ideologischen Kleinkrieg mit Herman Wirth lieferte.

Nachdem Rosenbergs von Hans Reinerth geleiteter „Reichsbund für deutsche Vorgeschichte“ die in der deutschen Tradition Gustaf Kossinnas stehenden Frühgeschichtsforscher für sich zu gewinnen vermochte, näherten sich eine Reihe von etablierten Forschern der antiken Tradition Carl Schuchhardts dem Ahnenerbe an. Dies kam Himmler, trotz seiner oftmals gegenteiligen Ansicht bezüglich der Rolle des frühgeschichtlichen Germaniens, insofern zugute, als daß diese zur Verbesserung der wissenschaftlichen Reputation des Ahnenerbe beitrugen. Hier sind vor allem Prof. Franz Altheim, Prof. Herbert Jankuhn sowie Prof. Hans Schleif zu nennen.

Ein Ärgernis entstand den auf Wissenschaftlichkeit bedachten Ahnenerbe-Mitarbeitern zudem durch Karl Maria Wiligut, den Leiter des Amtes für Vor- und Frühgeschichte innerhalb des organisatorisch – bis Herbst 1936 – ebenfalls dem RuSHA unterstehenden Persönlichen Stabes RFSS (Rasse- und Siedlungshauptamt). Da Himmler ihn als eine Art persönliches Medium betrachtete, war das Ahnenerbe gezwungen, mit Wiligut zusammenzuarbeiten.

Vorkriegszeit

Nachdem die von Herman Wirth bereits 1928 gegründete „Herman-Wirth-Gesellschaft“ 1933 auf Vermittlung Himmlers angesichts der Finanzknappheit der SS unter das Dach des von Walter Darré geleiteten Reichsnährstandes eingegliedert worden war, folgte die schrittweise Annäherung an das ebenfalls von Darré seit 1931 geleitete „Rasse- und Siedlungshauptamt“ (RuSHA) der SS. Am 1. Juli 1935 konnte die „Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte Deutsches Ahnenerbe“ schließlich offiziell dem RuSHA angeschlossen werden.

1936 erfolgte die Übernahme des Ahnenerbes – nunmehr als Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Deutsches Ahnenerbe“ – durch den im Herbst 1936 zum SS-Hauptamt umfunktionierten Persönlichen Stab RFSS.[4] Die damit einhergehende Satzungsänderung hatte zur Folge, daß etliche Mitarbeiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes vom Ahnenerbe übernommen wurden und die vormals enge Zusammenarbeit im Februar 1938 vollständig endete (die neue Satzung umriß das Ziel der Organisation Ahnenerbe mit der Erforschung von „Raum, Geist und Tat des nordischen Indogermanentums“.[5]

Unter der Leitung von Wolfram Sievers als Reichsgeschäftsführer und dem anerkannten Indologen Walther Wüst als Präsident expandierte das Ahnenerbe beträchtlich.

„Das vornehmste Werk dieser Organisation ist der, den Kontakt zwischen den alten Traditionen und der bewussteren Elite des neuen Deutschlands wieder herzustellen; er geht von der Voraussetzung aus, daß das, was unbewußt als Instinkt aus der Tiefe der Seele hervorgeht, fortgesetzten Gefahren ausgesetzt ist und nicht zu einer wahren Realisierung gelangen

kann, wenn es nicht von bewußter Geisteskraft und klarer Anschauung getragen wird.“ — Walther Wüst

Es umfaßte bald mehrere Dutzend Forschungsabteilungen. Hinzu kamen Fotolabore, ein Museum, eine Bildhauerwerkstatt sowie mehrere Bibliotheken und Archive in verschiedenen Städten, darunter München, Salzburg und Detmold. Nach Erschließung von Finanzmitteln aus dem „Freundeskreis Heinrich Himmler“ begann das Ahnenerbe zunehmend mit der Finanzierung von Ausgrabungen und Expeditionen. Seit 1938 unterstanden dem Ahnenerbe die vordem innerhalb des Persönlichen Stabes angesiedelten Ausgrabungen der SS (Hans Schleif), die mit den Externsteinen, Haithabu, dem Glauberg und der Erdenburg bei Bensberg über einige prestigeträchtige Exklusivgrabungsstätten verfügten.[6]

Daneben gelang es, den vielversprechenden jungen Forscher Ernst Schäfer für das Ahnenerbe zu gewinnen, auch wenn dessen offiziell unter Schirmherrschaft des Ahnenerbes stattfindende dritte Tibet-Expedition (1938/39) lediglich durch Zahlung des Rückfluges direkt mit diesem in Verbindung zu bringen ist.[7] Eine Beteiligung des von Himmler zur Untersuchung von Aspekten der Welteislehre vorgesehenen Edmund Kiß lehnte Schäfer ab. Immerhin dürfte Schäfer seinem nunmehrigen Dienstherren insofern entgegengekommen sein, als daß er Bruno Beger zur anthropologischen Erforschung der Himalaya-Bevölkerung mitnahm.[8]

Die Entsendung weiterer Expeditionen, darunter eine geplante Welteisforschungsreise Edmund Kiss’ nach Südamerika, mußte angesichts des Kriegsbeginns abgesagt werden. Internationale Anerkennung gewann das Ahnenerbe mit der Durchführung der frühgeschichtlich ausgerichteten Kieler Wissenschaftstagung sowie den seit 1938 jährlich geplanten Salzburger Wissenschaftswochen. Parallel gab es Versuche gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst SD der SS Einfluß auf die offizielle Wissenschaftspolitik zu nehmen und die Besetzung von Lehrstühlen zu kontrollieren, wobei Walther Wüst als Dekan der Münchener Universität entgegen der weit verbreiteten Ansicht die fachliche Befähigung in der Regel der parteilichen Zugehörigkeit voranstellte.[9]

„Die Ahnensäule“, nach dem Originalgemälde von Rudolf Wilhelm Albert Gahlbeck (1895–1972);[10] die Szenerie stellt das Nordland dar. Im Hintergrund ein Ordensritter (Deutscher Orden), dann ein Mann aus der Reformationszeit (Martin Luther), des weiteren ein Mann ggf. zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, dann der Dichtervater Johann Wolfgang von Goethe und schließlich ein deutscher Junge mit dem Modell einer Kogge (Handels- und Kriegsschiff) aus der Hansezeit.

Aktivitäten während des Krieges

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges änderte sich die Ausrichtung des Ahnenerbes. Haupteinsatzgebiete waren nunmehr die Koordination der nach Hitlers Übereinkunft mit Mussolini erforderlich gewordenen Umsiedlung der deutschen Bevölkerung Süd-Tirols ins Reich – in Form von Aufnahme und Erfassung des deutschen Kulturgutes in Südtirol (Kulturkommission Südtirol) sowie die Erfassung und Sicherstellung deutscher Kulturgüter in den besetzten Gebieten, die maßgeblich von hauptamtlichen Mitarbeitern organisiert wurde.[11]

Daneben gelang die Erschließung weiterer, exklusiver Ausgrabungsstätten teils in nunmehr verbündeten Ländern (Kroatien, Slowakei), teils in besetzten Ländern (Polen, Griechenland). 1940 verlor der Verein seine institutionelle Unabhängigkeit und wurde als Amt A in die Dienststelle Persönlicher Stab Reichsführer SS eingegliedert. In den germanischen Ländern Belgien, Dänemark, Niederlande und Norwegen warb man im Rahmen eines Germanischen Wissenschaftseinsatzes Freiwillige für die Waffen-SS an. Parallel dazu versuchte man durch Projekte, das gemeinsame germanische Erbe in den Mittelpunkt zu rücken (→ Aktion Ritterbusch). Ein im Planungsstadium verbliebener Einsatz war das „Sonderkommando-K“, die „Totalerfassung“ des Kaukasus, die für 1942/43 unter anderem die anthropologische Klassifizierung der Bevölkerung (Beger) vorsah.[12]

Mit dem Erfordernis der Teilhabe an der kriegswichtigen Forschung rückte die „wehrwissenschaftliche Zweckforschung“ in den Fokus des Ahnenerbes. Hier war es insbesondere Ernst Schäfer, der auf Schloß Mittersill an der Züchtung kälteresistenter Getreidesorten und wintertauglicher Pferderassen arbeitete.[13]

Das Ahnenerbe als Gegenstand der Okkult- und Wissenschaftsliteratur

Die bedeutendste Monographie verfaßte Michael Kater 1969 als Dissertation (3. Auflage, Oldenbourg-Verlag 2006). Mit dem Schwerpunkt der Volkskunde befaßte sich auch das Werk Jacobeit/Lixfelds ausführlich mit dem Forschungsamt. In jüngster Zeit gesellten sich weitere wissenschaftliche Werke über Teilaspekte des Ahnenerbes hinzu, neben Maximilian Schreibers Walther-Wüst-Biographie, Peter Mieraus Untersuchung der Tibet-Expeditionen des Dritten Reiches. Daneben finden sich eine Reihe von Aufsätzen, wobei insbesondere Reinhard Greves „Tibetforschung im Ahnenerbe“ hervorzuheben wäre. Ungeachtet dessen wird das Ahnenerbe innerhalb der sogenannten Okkult-Literatur immer wieder als esoterische Okkultforschungseinrichtung erwähnt und vereinzelt auch mit der Thule-Gesellschaft in Verbindung gebracht. Urheber der Spekulationen über das Ahnenerbe waren insbesondere die französischen Autoren Pauwels/Bergier („Aufbruch ins dritte Jahrtausend“) sowie E. R. Carmin („Das schwarze Reich“).

Auch die – um die Vortäuschung von Wissenschaftlichkeit bemühten – Autoren Heller/Maegerle integrierten diese Legenden in ihre Veröffentlichung, indem sie behaupteten, im Ahnenerbe hätten „die sektiererischen Ursprünge der NSDAP Unterschlupf gefunden“ (Thule). Ebenso argumentieren V. und V. Trimondi („Hitler, Buddha, Krischna“), wenn sie vor der Gefahr des Aufstieges der okkulten Achse Berlin-Tibet warnen, eine Mutmaßung, die sich auf die vorgeblich okkulten Hintergründe der Tibet-Expedition Ernst Schäfers bezieht.

Stark beeinflußt haben die Legendenbildung um das Ahnenerbe insbesondere die anglo-amerikanischen Darstellungen zu dieser Thematik (etwa Peter Levendas „Unholy Alliance“), und selbst betont und ausdrücklich rationale Autoren wie James Webb übernahmen kritiklos „Erkenntnisse“ dieser Okkultliteratur, nach denen die hauptsächliche Aufgabe des Ahnenerbes in der Erforschung des Okkulten gelegen hätte.[14] Positiv hervorzuheben ist hier allerdings – trotz des reißerischen Untertitels – die sich auf persönliche Aussagen eines der letzten Protagonisten des Ahnenerbe stützende Veröffentlichung Christopher Hales, „Himmlers Crusade“, die sich hauptsächlich mit der Tibet-Expedition Ernst Schäfers befaßt.[15]

Grundlage der Spekulationen der okkulten Involvierung des Ahnenerbes war indes die tatsächliche Existenz einer Forschungsstätte „Zur Erforschung der sogenannten Geheimwissenschaften“ (seit 1939), die von Kater mit dem Hinweis, sie habe „nur auf dem Papier existiert“[16] aus seiner Betrachtung ausgeklammert wurde. Indes gibt es jedoch Indizien, die gegen eine solche Annahme sprechen, denn die Gründung einer Dienststelle setzt zumindest einen Gründungsvermerk oder ähnliches voraus – die zwar noch in Berlin vorhandene Akte dieser Forschungsstätte im Bundesarchiv enthält dagegen kein einziges Blatt, weshalb man von einer vorsätzlichen Bereinigung der Akte ausgehen muß.[17]

Veröffentlichungen

Die Organisation gabt verschiedene Veröffentlichungen heraus, und ihr offizielles Organ war die Monatszeitschrift „Germanien – Monatshefte für Vorgeschichte zur Erkenntnis deutschen Wesens“, später umbenannt in „Germanien. Monatshefte für Germanenkunde. Zeitschrift aller Freunde germanischer Vorgeschichte“, herausgegeben von Dr. Joseph Otto Plaßmann vom „Ahnenerbe“. 1931 erschien erstmals die Zeitschrift „Der Biologe“ mit dem Untertitel „Monatsschrift zur Bewahrung der belange der deutschen Biologen“. Mit der Umwandlung des „Deutschen Biologen-Verbandes“ in „Reichsbund für Biologie“ 1939 wurde „Der Biologe“ de facto vom Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Deutsches Ahnenerbe“ herausgegeben. Zu dem Mitherausgebern gehörte Prof. Dr. Hermann Alois Boehm.

Siehe auch

Literatur

  • Detlev Rose (Hg.): Die Deutsche Tibetexpedition 1938/39
  • Fanny Moser: Das große Buch des Okkultismus – Originalgetreue Wiedergabe des zweibändigen Werkes ›Okkultismus – Täuschungen und Tatsachen‹ [2 Bände, Ernst Reinhadt Verlag, 1935]. Mit einer Einleitung von Prof. Dr. Hans Bender, Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1974, ISBN 3-530-57900-9 [Fanny Moser promovierte 1902 in Zoologie.]

Verweise

Fußnoten

  1. Als weitere Gründungsmitglieder werden auch angegeben: Hermann Reischle, Adolf Babel, George Ebrecht, Erwin Metzner und Richard Hintmann.
  2. Für diverse Anfragen Himmlers an das Ahnenerbe vgl. Heiber: Reichsführer...; zum Pyrmonter Protokoll, Nagel: Welteislehre
  3. Vertrag zwischen dem „Ahnenerbe“ und Wilhelm Teudt über die Einbeziehung der „Pflegstätte für Germanenkunde in Detmold“ in das Ahnenerbe vom 22. Juni 1936
  4. Vgl. hierzu Lixfeld, NS-Volkskunde und Volkserneuerung, S. 221
  5. Dokument Zeitschrift „Germanien“, Das Ahnenerbe, Forsite-Verlag, S. 26
  6. vgl. Die Ausgrabungen der SS, Forsite-Verlag
  7. vgl. hierzu: Mierau: NS-Expeditonspolitik, S. 330
  8. Siehe hierzu: Das Ahnenerbe, Forsite-Verlag
  9. vgl. hierzu Schreiber, S. 231 ff.
  10. Der Künstler Rudolf Gahlbeck (Lebensrune.png 22. November 1895 in Malchow; Todesrune.png 4. Oktober 1972 in Schwerin) hatte viele Talente. Neben seiner Hauptbeschäftigung als Kunsterzieher in Schwerin in den Jahren von 1922 bis 1960 war er Maler und Graphiker. Außerdem schrieb Gahlbeck Novellen und Gedichte, komponierte Lieder und spielte perfekt und einfühlsam Geige und Klavier.
  11. aufschlußreich insbesondere Tagebucheintragungen Wolfram Sievers, BA NS 21
  12. vgl. Mierau, S. 458 ff.
  13. nach Mierau, S. 507
  14. Webb: Das Zeitalter des Irrationalen, S. 375 ff.
  15. Hintergrund dieser letzten Augenzeugenberichte gegenüber einem VS-Autoren ist die Weigerung Begers zur Auskunft gegenüber deutschen Historikern nach seiner leidvollen Erfahrung mit Michael Kater, der im Vertrauen gewonnene Aussagen Begers zur Anzeigeerstattung gegen diesen verwendete. Durch Katers Mitwirkung wurde Beger schließlich vom Frankfurter Landgericht 1970 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, was nachfolgenden Historikern die Möglichkeit raubte, Begers Aussagen in ihren Forschungen zu berücksichtigen; hierzu Hale: Himmlers Crusade
  16. Kater, S. 113
  17. Siehe zur Okkultforschung innerhalb des Ahnenerbe: Wegener: Heinrich Himmler und der französische Okkultismus; ebenso Okkulte Wurzeln und Forschung im Dritten Reich, Forsite-Verlag