Kolmar

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Kolmar

Wappen der Stadt Colmar
Staat: Deutsches Reich
Gau: Westmark
Landkreis: Kolmar
Provinz: Elsaß
Einwohner (2008): 65.136
Bevölkerungsdichte: 972 Ew. p. km²
Fläche: 67 km²
Koordinaten: 48° 5′ N, 7° 21′ O
Flucht.jpg
Kolmar befindet sich seit 1945 unter Fremdherrschaft. Das Gebiet ist von Frankreich vorübergehend besetzt.
Die Altstadt Kolmars

Kolmar (auch Colmar) ist die Hauptstadt des Oberelsaß und ehemalige Reichsstadt des ersten Deutschen Reichs, 4 Kilometer von den Vogesen und 16 Kilometer vom Rhein enfernt, an der Mündung des Logelbachs in die Lauch bzw. am Kanal der Fecht, 70 km südlich von Straßburg.

Name

Kolmar wird seit der französischen Besetzung im Jahre 1945 laut offizieller französischer Bezeichnung als Colmar bezeichnet, ebenso in der Besatzungszeit von 1919 bis 1940.

Geschichte

Der Ursprung der Stadt Kolmar ist wenig bekannt. Während die meisten Autoren auf einen Königshof hinweisen, der an seine Stelle existierte und dessen erste Erwähnung sich in Urkunden des 8. Jahrhunderts befindet, gehen andere von der Entdeckung einer großen Anzahl gallo-römischer Gräber aus und schließen daraus, daß die Ortschaft vor der germanischen Landnahme bewohnt worden ist, was zur Meinung einiger Historiker tendiert, die behaupten, daß Kolmar aus dem alten Argentuaria entstand. Diese Bahuptung wird jedoch von anderen Wissenschaftlern zurückgewiesen, die das Dorf Horburg als aus dieser keltischen Stadt entstanden betrachten.

Das Lügenfeld

Das erste wichtige Ereignis, das sich bei der Villa Columbaria zugetragen haben soll, ist die Absetzung Ludwig des Frommen durch seine Söhne, deren Heere ihre Zelte auf der Ebene um Kolmar (833) aufschlugen. Der Papst Gregror IV. hielt sich als Mediator in Kolmar auf, und während er Besprechungen mit dem unglücklichen Nachfolger Karls des Großen hielt, warben die Kinder dieses schwachen Monarchs ses Truppen ab; dieser Verrat gab der Ebene, wo er sich zutrug, den Namen Lügenfeld.

Seine genaue Stellung ist jedoch nicht genau bekannt, da Grandidier dieses Ereignis in Sigolsheim (Savamont) sieht, Schilter am Rothleuble, bei Kolmar, Laguille in Rufach und schließlich Schöpflin brachte es auf das Ochsenfeld, wo ein über 100 Morgen großer Flur immer noch Lügner heißt. Nachdem diese entarteten Söhne in ein Kloster in Soissons eingesperrt hatten, teilten sie sich das Reich: das Elsaß fiel mit dem übrigen Deutschland an Ludwig den Deutschen.

Ab dieser Zeit wurde Kolmar in keinem Dokument mehr erwähnt, bis 865 ein gewisser Richwin, ein elsässischer Adeliger, seine im Bann dieses Dorfes befindlichen Besitzungen an die Abtei Münster schenkte, die, wie es scheint, mit dem Priorat von St. Peter und die Kirche von Konstanz am meisten von den zahlreichen Schenkungen profitierte, die den Großteil der kaiserlichen Besitzungen in die Hände der Kirche brachten.

Der Kaiser Karl der Kahle besiegelt seinen Aufenthalt in Kolmar 876 mit einer Schenkungsurkunde zugunsten Otperts, eines seiner treuen Diener.

Elf Jahre später hält Karl der Dicke dort einen Reichstag, um die Verteidigung des Reichs gegen die wiederkehrenden Angriffe der Normannen zu organisieren, die in Lothringen eingefallen waren. Hugo, Herzog vom Alsace wurden die Augen gestochen, da er sich mit ihnen verbündet hatte.

903 wird eine Schenkung Luifrieds, Graf von Altenburg an die Kirche von Kolmar erwähnt; 936 gibt Rudolf, Graf von Altdorf, den Niederhof seinem Bruder, St. Konrad, Bischof von Konstanz; 984 verhandelt ein gewisser Philipp, Dekan von St. Martin mit der Bürgerschaft und dem Priorat von St. Peter über Weide-, Ernte- und Fischrechte. Laut jener Urkunde genoß Colmar schon damals gewisse Stadtrechte.

Die Münsterer Chronik erzählt, daß Kolmar 1106 von einem Brand zerstört wurde, doch es erhob sich anscheinend bald von seinen Ruinen, da Kaiser Friedrich I. sich dort 1153 und 1155 aufhielt, was durch verschiedene Schenkungen an die Kirche belegt wird. 1185 besuchte Friedrich I. erneut die Villa Regia, wo er einen gewaltigen Streit zwischen dem Prior von St. Peter und Ulrich von Herinstein (Erstein) schlichtete.

Der deutsche Reichsadler auf dem Haus Pfister (1537)

Colmar wird Reichsstadt

Das Dorf Kolmar behauptet sich im Elsaß, seine Bevölkerung wächst und, um 1220 läßt der elsässische Landvogt Albin Wölfel Kolmar ummauern und Friedrich II. erhebt es 1226 zur Reichsstadt. Um diese Epoche begann auch der Bau der Martinskirche, 1237 vom Münsterer Abt Friedrich als Stiftskirche eingeweiht.

Verfassung der Reichsstadt

Die nichtadelige Bürgerschaft von Kolmar bestand ursprünglich aus zwanzig Zünften, in denen alle Einwohner nach ihrem Beruf eingereiht waren. Deren Anzahl wurde 1521 auf zehn reduziert. Jede Zunft hatte ihre Zeichen, ihre Stuben, wählte ihren eigenen Rat und ernannte ihren Zunftmeister; allein bildeten sie die Stadtmiliz. Der Verlust des Bürgerrechts und Verbannung wurden gegen jeden Bürger ausgesprochen, der beim Läuten der Sturmglocke sich nicht zu dem Posten beging, der ihm im Angriffsfalle zugewiesen wurde oder der die militärischen Unternehmungen nicht befolgte, die im Interesse der Stadt oder ihrer Verbündeten entschieden wurden.

Die von den Zünften ernannten Meister bildeten erst, mit acht gewählten Vertretern der Adeligen, den Stadtrat. Dieses gremium beriet über die Interessen der Stadt, erließ Ordnungen, gewährt oder lehnte Subventionen ab. Die Anzahl der Ratsmitglieder wurde mehrmals geändert. Über diesen ständigen Rat hinaus berief man in Krisenzeiten bzw. auch um wichtige Fragen zu beraten, 144 von den Zünften im Verhältnis ihrer Größe gewählte Bürger zum Schöffenrat. Diese Schöffen allein wählten den Bürgermeister und die Stettmeister, die die Stadtverwaltung innehatten. Der Bürgermeister und die drei Stettmeister wurden jährlich gewählt, gleichfalls die Schöffen.

Alljährlich am zum Laurenztag nächsten Sonntag, den man deswegen den Meistertag nannte, schworen der neue Rat, der Bürgermeister und die Stettmeister, unter freiem Himmel, Treue an die auf dem Kirchplatz versammelte Bürgerschaft.

Diese einfache und mächtige Organisation wurde ans Reich durch den Schultheißen verbunden. Er allein vertrat den Kaiser in der freien Reichsstadt, befehligt die Miliz, übte dort die hohe Gerichtsbarkeit aus und bewahrte die Souveränität des Kaisers. Der kaiserliche Schultheiß war der erste Magistrat der Stadt.

Dieses hohe Amt wurde von den Kaisern erst nur Adeligen verliehen, die den Städten fremd waren, wo sie ihr Amt auszuüben hatten. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts stützten sie sich auf die Bürgerschaft, um die aufrührerischen Adeligen zu zähmen, und verliehen das Amt des Schultheißen an Männer aus dem Bürgerstand. 1407, als der Kaiser Robert kaiserliche Ämter verkaufte, um seine erschöpften Geldkassen wieder zu füllen, verkaufte er das Kolmarer Schultheißamt an einen Herren von Hattstatt für 1000 Gulden. 1425 erlaubte es Kaiser Sigismond der Stadt, das Amt zurückzukaufen und es in Zukunft selbst zu verleihen. Von da an war der Schultheiß von Kolmar nicht mehr der Mann des Kaisers sondern der Mann der Stadt. Es wurde jedes Jahr zu diesem Amt gewählt und damit der Schultheiß nicht daran denke, seine erweiterte Macht seines Amtes zu mißbrauchen, wurde entschieden, daß er erst nach allen anderen Amtsträgern der Stadt Rang nehmen konnte.

Der Zehnstädtebund

Ein enges Bündnis vereint Kolmar mit den anderen elsässischen Reichsstädten. Diese zehn freien Städte libres (Zehnstädtebund) bildeten eine Art Bundesstaat unterhalb des Reiches. Der Sitz ihrer Hauptverwaltung war in Hagenau. Die Organisation dieser Regierung entsprach der städtischen Organisation der Mitgliedsstädte. Der Oberlandvogt vertrat dort den Kaiser, während die Städte Abgeordnete entsandten. Zwei davon vertraten Kolmar. Dieser Städtebund kann als eine Art Hanse Süddeutschlands betrachtet werden.

Das Martinsmünster

Emanzipation

1293 bestätigte Kaiser Adolf von Nassau das Kolmarer Stadtrecht und befreite dessen Bürger von aller fremden Gerichtsbarkeit. Ludwig von Bayern gewährte der Stadt 1333 das Recht, Steuer auf alle Waren zu erheben, die in die Stadt eingeführt werden. Karl IV. gewährte ihr 1376 das Münzrecht. Sigismund untersagte es 1422 jedem, ein Haus in Kolmar zu besitzen, der mächtiger als die Stadt sei. 1442 verfügte Friedrich IV., daß die Güter der Kolmarer Bürger außerhalb des Stadtbanns keine Steuer an die Herren der dortigen Gebiete mehr zahlen müssen; er bekräftigte mit Entschiedenheit dieses Privileg, indem er in einem harten Reskript die Ansprüche Ludwigs von Württemberg, des Herrn von Horburg und Reichenweier, abwies.

Derselbe Kaiser gewährte Kolmar das Privileg über den eigenen Fluß, die Fecht, allein zu verfügen, und zwar vom Fürst am Gipfel des Vogesen – der den Punkt der Trennung der Gewässer auf beiden Seiten des Gebirges bildet – bis zur Stadt. Er befahl den Einwohnern des Tals, Wasser aus dem Fluß zur Bewässerung ihrer Felder nur wöchentlich vom Samstag bis zum Montag umzuleiten. Dies wurde durch Maximilian I., Karl V. und Ferdinand I. bestätigt und erweitert.

Die Steuer, die Kolmar an das Reich bezahlte, bestanden aus einer militärischen Leistung und einem jährlichen Geldbetrag, deren Höhe je nach dem Willen, dem Bedarf bzw. der Macht der Kaiser öfters geändert wurde. 1467 wurde der Matrikularbeitrag der Stadt Kolmar an das Reich auf 12 Mann zu Fuß und 6 Reiter festgelegt. 1545 waren es 4 Reiter und 30 Mann zu Fuß. Die Stadt hatte die Möglichkeit, diesen Militärdienst durch eine monatlich Zahlung von 160 Gulden zurückzukaufen, wenn diese Kontingent verlangt wurde. Neben dieser dem Kaiser geschuldeten Steuer gab es eine städtische Gewerbesteuer, die man erhob, um die Ausgaben der Stadt zu finanzieren. Kolmar trug darüber hinaus für ein Viertel zu den allgemeinen Verwaltungskosten des Zehnstädtebundes bei.

Der Blutbann, als Merkmal der Souveränität, wurde durch den kaiserlichen Schultheißen ausgeübt. Ihm stand gemäß des alten germanischen Brauchs für die Strafgerichtsbarkeit ein Gericht bei, das aus Bürgern der Stadt bestand. Der Bürgermeister, die Stettmeister und die Zunftmeister entschieden als Gericht in Zivilsachen und urteilten für die untere Strafgerichtsbarkeit. 1510 erklärte Kaiser Maximilian, daß man gegen die Urteile des städtischen Magistrats wegen Beleidigungsangelegenheiten oder Körperverletzungen bzw. in Prozessen, deren Streitwert keine 50 Rheingulden ausmachen, nicht berufen könne.

Szene an der Lauch, Klein-Venedig

Das Kolmarer Stadtrecht

Das Kolmarer Stadtrecht von 1293, das am 15. Februar 1293 vom Kaiser Adolf bestätigt wurde, ruft den Frieden Gottes aus und untersagt es den Bürger, sich innerhalb der Stadt gegenseitig zu verfolgen, anzugreifen oder zu verletzen; es versichert die Unverletzbarkeit es Wohnsitzes, indem es es in jedem Fall ablehnte, in das Haus eines Bürgers einzudringen. Es bestrafte denjenigen mit der Todesstrafe wie den Mörder, der diesem Asyl gewärt. Es regelte den alten Brauch des Justizkampfes zwischen Ankläger und Angeklagtem und entschied, daß die Beteiligten dieser Kämpfe mit einem Kettenhemd und zwei Schwertern bewaffnet werden. In den strafrechtlichen Annalen der Stadt Colmar entdeckt man u.a., daß der Galgen für die Bauern und das Schwert für die Adeligen nicht die einzigen Urteile waren, die von diesen Gerichten des Mittelalters ausgesprochen wurden. Infolge der öfteren Reaktion, denen sie ausgesetzt waren, wurden viele Juden verbrannt. Am Ende des 13. Jahrhunderts wurde ein junger Mann wegen einer Vergewaltigung lebend begraben; ein Falschmünzer wurde in ungelöschtem Kalk verbrannt.

Dieses Stadtrecht von 1293 verfügte über eine allgemeine Gütergemeinschaft der Eheleute, schrieb bei kinderloser Ehe, das Erbrecht dem überlebenden Ehepartner. Die Erbschaften fielen in direkter Linie zu; wenn der Verstorbene keine Nachkommen hatte, erbte erst der Vater, dann der Großvater, was die BVrüder und Schwester ausschloß. Das neue Kolmarer Stadtrecht von 1593, das 1737 gedruckt wurde, behielt diese Verfügungen bezüglich Heirat und Erbschaft. Es veränderte das Strafrecht, indem es der Entwicklung der Sitten begleitete.

Kämpfe mit dem Bischof von Straßburg

Das Reichtum Kolmars brachte der Stadt viele Feinde, unter ihnen Heinrich von Stahleck, Bischof von Straßburg. Als die Kolmarer sich für den Kaiser Friedrich II. gegen Wilhelm von Holland erklärten, den der Papst in Rom unterstützte, ließ er sie 1248 bei Feldkirch von seinen Untertanen aus Rufach angreifen; die Rufacher wurden Sieger und nahmen eine große Anzahl Gefangene. Die Kolmarer hatten 1256 mehr Glück und besiegten wiederum die Rufacher am Tieffenbach.

1255 trat die Stadt dem Rheinischen Städtebund bei und verbündete sich 1261 mit Straßburg gegen den Bischof Walter von Geroldseck, folgend dem Rat des kaiserlichen Schultheißen Johannes Rösselmann, Sohn eines Gerbers aus Türkheim. Dieser Mann, der es durch seine hohen Talente und seine Hingabe für die öffentliche Sache bis zum höchsten Amt in Kolmar schaffte, wurde nicht stark genug, um gegen die Intrigen der Adeligen Widerstand zu leisten. Wegen ihrer Umtriebe wurde Rösselmann gejagt und die Stadt an den Bischof geliefert. Doch der Schultheiß ließ sich nicht entmutigen und nahm sich sofort vor, in die Stadt zurückzukehren. Er ging zu Rudolf von Habsburg, Hauptmann der straßburgischen Truppen, der die Partei des Bischofs verlassen hatte, da dieser es abgelehnt hatte, eine Schenkung an die Straßburger Kirche durch seinen (Habsburgs) Onkel Hartmann von Kyburg annulieren zu lassen.

Nachdem sie sich abgesprochen hatten, kehrte der mutige Schultheiß nach Colmar zurück, indem er sich in einem Faß versteckte, ging dort zu seinen Anhängern, konnte mit ihrer Hilfe eines der Tore überraschen, das den vor der Stadt wartenden Truppen Rudolfs. Die Rufe von Es lebe Habsburg! meldeten bald den Bürgern der Stadt, daß der bischöfliche und adelige Joch gesprengt war; Rösselmann wurde in sein Amt wiedereingesetzt. Ein Herr von Rathsamhausen, der während des Exils Rösselmanns das Schultheissenamt ausgeübt hatte sowie sieben weiter Adelige und zehn der mächtigsten Bürger wurden aus der Stadt verbannt.

Über diesen Verlust sauer verschuchte der Bischof 1262 die Stadt durch ein andere List zu erobern: seine Truppen setzten die Farben Rudolfs von Habsburg und unter der Führung der verbannten Adeligen und Bürger bzw. dank einiger Hilfe, die sich von innerhalb der Stadt verschafften, ritten sie in Kolmar ein und riefen dort „Es lebe der Bischof von Straßburg!“; Rösselmann, der sich wiederum nicht entmutigen ließ, kam an der Spitze der Bürger herbei, schlug die bischöflichen Soldaten zurück und fiel, tödlich getroffen, mitten in seinem Triumph. Eine Büste von ihm wurde über dem Tränktor aufgestellt, als Zeichen seines heldenhaften Todes und heute noch erinnert man sich von ihm in Kolmar.

Aufstände gegen die Schultheisse

Siegfried von Gundolsheim, der Johannes Rösselmann nachgefolgt war, wurde 1267 abgesetzt, da er Unruhen unter den Bürgern gestiftet hatte; er wurde durch Konrad von Kaysersberg ersetzt, dem Walter Rösselmann, der Sohn Johannes' nachfolgte. Dieser neue Schultheiß war stolz und unternehmungslustig, ohne jedoch die hohen Qualitäten seines Vaters zu besitzen; vor allem hatte er ein schlechtes Verhältnis zum Oberlandvogt Otto von Ochsenstein, der ihn, um ihn loszuwerden, durch den Kaiser Rudolf 1284 absetzen ließ. Als alleiniger Herr geblieben, erhob nun Otto willkürliche Steuerbeiträge von den Bürgern und verlangte sogar den Dreißigstel ihres Vermögens. Rösselmann benutzte die Empörung der Einwohner und führt sie in eine Revolte nicht nur gegen Otto sondern gegen den Kaiser selbst, indem er sie Partei für einen Abtenteurer greifen ließ, der sich Friedrich II. ausgab. Diese Rebellion kam ihnen teuer zu stehen, denn Rudolf, nachdem er den falschen Friedrich II in Wetzlar hatte verbrennen lassen, bemächtigte sich der Stadt und verzieh den Einwohnern erst, als sie eine Geldstrafe von 4000 Goldmarken zahlten.

Ein Adeliger von Stammheim, der nun von Rudolf in das Amt des Schultheißen eingesetzt wurde, behandelte die Bürger nicht besser als sein Vorgänger Otto, und zog sich gleichfalls ihren Unmut an, der am Ostertag 1286 ausbrach. Das Volk fiel plötzlich auf die Leute des Schultheißen, verletzte einige und sperrte die anderen in die Barfüsser Kirche. Der Aufruhr wurde jedoch bald beendet; die Anführer des Aufstands wurden aus der Stadt verbannt, ihre Güter konfisziert und ihre Häuser dem Boden gleichgemacht. Nach dem Tod Rudolfs (1291), wußte der Schultheiß von Stammheim nicht besseres als die Stadt zu verlassen, wo er allgemein verhaßt war. Walter Rösselmann, der sich bislang durch die Flucht vor der Wut Rudolfs gerettet hatte, kam nach Kolmar zurück, verjagte die Adeligen und nahm an dem Widerstand des Bischofs von Straßburg, Konrad von Lichtenberg, der 1292 an der Spitze eines starken Heeres Kolmar erobert hatte, gegen den neuen Kaiser Adolf von Nassau teil. Als dieser der Stadt befahl, seine Oberhoheit anzuerkennen, tat Rösselmann als ob er sich unterwerfen würde, unter der Bedingung, in seinem Amt bestätigt zu werden, doch bald (1293) darauf ließ er die Tore Anselm von Rappoltstein (1293), dem Feind Adolfs, öffnen.

Empört durch die Untreue kam der Kaiser Kolmar belagern, und nachdem er die Burgen zu Weier und Gemar zerstören hatte lassen, ließ er die Gewässer des Logelbachs umleiten, die die Mühlen der Stadt unterhielten, sodaß er sie zum Stillstand brachte und die darauffolgende Hungersnot einen Aufstand ausbrechen ließ, infolgedessen die Einwohner sich ergaben. Rösselmann behielt das Leben dank des Eingreifens des Bischofs von Basel; nachdem er als Gefangener eine Weile hinter dem Kaiser gezogen wurde, wurde er in einem Kerker eingesperrt, wo er auch starb. Sein Sohn wurde ebenfalls bis zum Tode Adolfs eingesperrt. Es lag in dem Schicksal dieser Stadt, von deren Schultheissen in den Krieg gezogen zu werden. Ein Herr von Berckheim, der Rösselmann nachgefolgt war, zog die Exkommunikation auf die kleine Republik, indem er 30 Silbermarken vom Konstanzer Kapitel gestohlen hatte. Der Bischof von Straßburg kam und belagerte die Stadt (1298), doch den Kolmarern gelangen kräftige Ausbrüche und sie überraschten sogar Sulzmatt, Sundheim, Heilig-Kreuz und Rufach, die zu den bischöflichen Besitzungen zählten. Sie widerstanden ebenfalls dem Grafen von Freiburg, der sich mit Bischof gegen sie verbündet hatte.

Die Schwarzen gegen die Roten

Nachdem Ludwig V. von Bayern und Friedrich der Schöne 1314 beide zum Kaiser gewählt geworden waren, entstanden Unruhen, an denen sich Kolmar, das Partei für Ludwig ergriffen hatte, aktiv beteiligte. Die Einwohner teilten sich in zwei Lager, die Schwarzen und die Roten; ihre Feindseligkeit erlosch nicht einmal nach dem Tod Friedrichs (1330), da der Kaiser Ludwig vom Papst Johannes XXII. exkommuniziert worden war; Ludwigs Feinde riefen die Österreicher, die die Stadt gemeinsam mit dem Bischof von Straßburg zweimal belagerten. Der Frieden zwischen Ludwig von Bayern und Otto, dem Erzherzog von Österreich, zwang den Geistlichen dazu, die Belagerung aufzugeben. Der Magistrat traf dann strenge Maßnahmen gegen diejenigen, die aufrührerische Farben trugen; sie wurden aus der Stadt verbannt und durften erst unter der bedingung zurückkommen, daß sie kein Zeichen tragen durften, das diese aufrührerischen Parteien erkennen ließen.

Zerstörung von Deinheim

1335 zerstörten die Colmarer das Dorf Deinheim, dessen Einwohner sich dann in Colmar niederließen, wo sie die Deinheimer Vorstadt errichteten.

Aufstand gegen die Juden

Diesen Unruhen folgte 1337 ein allgemeinder Aufstand gegen die Juden, der in Franken ausgebrochen war. Der Schankwirt Armleder, der wegen seiner ledernen Armbände so genannt wurde, setzte sich an die Spitze eines rasenden Haufens, der das Land durchging und im Namen Gottes alle Juden tötete, die ihnen in die Hände fielen. In Ensisheim und in Rufach metzelten sie 1500 nieder. Viele der Verfolgten hatten Zuflucht nach Kolmar gesucht und Armleder befahlt der Stadt, sie ihm auszuliefern; doch da der Magistrat sie stattdessen unter seinen Schutz nahm, belagerte er Kolmar und begann das Umland zu verwüsten. Die Ankunft Ludwigs von Bayern setzte dem Gemetzel vorläufig ein Ende, das der Kaiser wohl mit mehr Kraft unterdrückt hätte, wenn die Kaiserin Margarethe von Holland nicht fanatisch Partei für Armleder ergriffen hätte.

Kaum war der Kaiser weggezogen, daß Armleder es mit seinen Kreuzzügen wieder anfing; doch der Bischof von Straßburg Berthold verbündete sich mit den Städten und Herren des Elsaß gegen ihn und seine Anhänger und zwang sie somit, ihre Überfälle zu beenden (1338). Weniger glücklich wurden die Juden von Kolmar 1349 alle an einem Ort – der heute noch Judengraben heißt – lebendig verbrannt, als der Ausbruch derPest ihnen in ganz Europa eine erneute Verfolgung zuzog. Diese Verfolgungen kamen immer wieder und ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde ihnen sogar strikt verboten, in die Stadt einzugehen. Dieses Verbot wurde erst durch die französische Revolution wieder aufgehoben.

Aufstand der Adeligen

1358 setzten interne von den Adeligen gestiftete Querelen die Stadt erneut der kaiserlichen Rache aus. Der Erzherzog Rudolf belagerte Kolmar, bemächtigte sich dessen und verjagte die Adeligen, die den Schultheissen und den Magustrat abgesetzt hatten. Die Häuser des Aufständischen wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Die „englischen“ Kompanien

Kolmar nahm einen aktiven Anteil an dem Bündnis, das im Elsaß gegen die „englischen“ (eigentlich französischen) Kompanien 1365 geschlossen wurde, sowie an den Unternehmungen gegen den Ritter Johannes von Erb, der, aus Straßburg verbannt, einen Kartell an die Stadt schickte und eine Truppe von Räubern erhob, mit denen er das Land verwüstete. Die Bürger von Straßburg, Kolmar und Schlettstadt bemächtigten sich der Burg zu Herrlisheim, wo der Ritter und seine Gefolgschaft sich aufhielten: die nichtadeligen Räuber wurden zum Tode verurteilt, während Johannes von Erb einfach ins Exil geschickt wurde.

Eine zweite Invasion durch 60.000 von Enguerrand de Coucy geführte Räuber fand 1375 statt; nachdem sie erneut wie das erste Mal das Land verwüstet hatten, zogen sie sich zurück in die Schweiz, wo sie schließlich von den Schweizern – die sich mit den elsässischen Städten verbündet hatten – besiegt und zerstreut wurden.

1402 zogen der Bischof von Straßburg und die Städte Basel und Kolmar gegen die Molkenburg bei Gemar, wo ein Adeliger an der Spitze einer Räuberbande zurückgezogen hatte. 1416 beteiligte sich Kolmar an den Krieg gegen den Markgrafen Bernhard von Baden um ihn dazu zu zwingen, die illegalen Gebühren auf dem Rhein aufzuheben. Um sich zu rächen hetzte Bernhard gegen sie die Grafen von Chalon und Orange, deren Truppen in den Sundgau einmarschierten; doch die Schweizer kamen zur Rettung der Einwohner und halfen ihnen, den Feind zurückzuwerfen, der sich durch Dattenried zurückzog.

Der Krieg der Armagnaken

Der Frieden dauerte nicht lange; die vom Herrn von Finstingen geführten Armagnaken, 12.000 an der Zahl, kamen 1439 unerwartet von den Vogesen herunter und begingen schreckliche Taten. Vor Kolmar angekommen, töteten sie sechs Einwohner der Stadt in den Weinbergen und nahmen eine große Anzahl gefangen, die sie gegen ein großes Lösegeld wieder freiließen. Die Kolmarer konnten sich rächen, indem sie bei Mömpelgard auf die Nachhut der Armagnaken fielen, die sie niedermetzelten.

Dasselbe Heer kam 1444 unter der Führung des französischen Kronprinzen zurück, der zur Hilfe des Kaisers gegen die Schweizer herbeieilte. Nach der Schlacht bei St. Jakob fielen die Truppen des Kronprinzen ins Elsaß, wo sie große Verwüstungen hinterließen; erst zwei Jahre später wurde das Land von diesen Räubern endlich befreit.

Die Stadt Kolmar führte noch drei Kriege gegen Walter von Thun, gegen die Burg und die Stadt Lützelstein (1452) und gegen die Hohkönigsburg (1454).

Peter von Hagenbach

Die Kolmarer widerstanden mit Mut den Drohungen Peters von Hagenbach, dem Statthalter Karls des Kühnen, Herzog von Burgund bzw. dem Herzog selbst, als er durch das Elsaß auf dem Weg nach Neuß (1475) zog; sie zeichneten sich bei den berühmten Schlachten aus, die das Schicksal Karls besiegelten, bei Granson, bei Murten (1476) und bei Nanzig (1477). Peter von Hagenbach wurde von den Bürgern von Breisach verhaftet und einem Sondergericht ausgeliefert; er wurde zum Tode verurteilt und nachts beim Licht der Fackeln erhängt, nachdem er fünf Jahre lang als Verwalter das Landes durch seine Grausamkeiten und seine abscheuliche Tyrannei gegen sich aufgebracht hatte.

Die Reformation

Die Lehren Luthers fanden nur wenige Anhänger in Kolmar. Die Reformation hatte wohl dort welche, doch die Nachbarschaft der österreichischen Besitzungen und die Drohungen Kaiser Karls V. und König Ferdinands unterdrückten lange die Versuche der Erneuerer, die übrigens einen furchtbaren Gegner in Johannes Hoffmeister, dem durch seine Eloquenz und seine theologischen Kämpfe gegen Martin Butzer vor dem Reichstag in Regensburg berühmt gewordenen Prior der Augustiner, fanden.

Es scheint jedoch, daß der Magistrat selbst zur Reformation hinwog, da er 1530 die Beschlagnahmung einer Schrift Hoffmeisters befahl, während sie gleichzeitig den öffentlichen Verkauf der Werke Luthers, den Verzehr von Fleisch an den Abstineztagen sowie weitere Verletzung der katholischen Praxis duldeten. Die äußerlichen Zeichen blieben jedoch den Protestanten verboten, doch sie gingen öffentlich zur Kirche nach Horburg, einem Dorf aus den elsässischen Besitzungen des Herzogs Ulrich von Württemberg, eines der glühendsten Anhänger der neuen Lehre, der sie schon 1534 in seine Länder eingeführt hatte. Doch auf Beschwerde des Bischofs von Basel stellte der Magistrat 1560 den Besuch der reformierten Kirchen unter die Geldstrafe einer Krone. Dieses Verbot bracht, wie immer, entgegengesetzte Ergebnisse, denn die Anzahl der Abweichler wuchs so sehr, daß der Magistrat 1568 gezwungen wurde, ihnen die Barfüsser Kirche zu geben, doch versuchte er sich weiterhin mit Zwischenlösungen und wählte einen Prediger, Michel Buchinger, von dem bekannt war, daß seine Meinung hin und her zwischen Rom und Luther schwamm; er konnte keine der beiden Partein zufrieden stellen, wurde gezwungen, sein Amt niederzulegen und die Kirche wurde geschlossen.

Dieser Sieg der Katholiken wurde durch die Ankunft Wilhelm Lincks und Johannes Golls in Kolmar gelähmt; beide waren aus Schlettstadt wegen ihrer religiösen Meinung verbannt. Diese zwei glühenden Anhänger der Reformation wurden, entgegen der Gesetze der kleinen Republik, in den Stadtrat aufgenommen, wo ihr Einfluß bald so groß wurde, daß der Pfarrer von St. Martin, Johannes Schuler, sich bald in der Kanzel gegen das Verderben der Geistlichen erhob. Schuler wurden durch den Kapitel abgesetzt und durch Johannes Raser aus Ensisheim ersetzt; doch der Magistrat schaltete den Einfluß des neuen Pfarrers aus, der dazu gezwungen wurde, nach Ensisheim zurückzukehren. Seinem Nachfolger erging dasselbe Schicksal. Schließlich erwiderte der Magistrat den Beschwerden der Geistlichen, daß eine freie Reichsstadt wie Kolmar dieselben Befugnisse in religiösen wie in temporellen Angelegenheiten besaß.

Dieser Erklärung folgte eine noch entscheidendere Begebenheit: am Samstag den 14. Mai 1575 bat der Obristmeister Michel Buob den Stadtrat um die freie Ausübung der potestantischen Religion, was ihm auch gewährt wurde; die Barfüsser Kirche wurden den Protestanten zurückgegeben und der Kult wurde dort schon am nächsten Tag zelebriert.

Die Reaktion wurde bald merkbar; der Stadtrat, der fast ausschließlich aus Protestanten bestand, unterdrückte nun die Katholiken, die man dann kaum noch duldete; vor allem die Mönche, denen man das Predigen verboten hatte, wurden vom Volk beschimpft und die vom Erzherzog Ferdinand entsandten kaiserlichen Kommissare, die die Beschwerden des Kapitels von St. Martin überprüfen wollten, bekamen als Antwort, daß die Stadt ihnen keine Rechenschaft schuldig war. Die von Maximilian II. 1575 und dessen Nachfolger Rudolf 1576 und 1608 eingesetzten Ausschüsse hatten kaum mehr Erfolg; wichtigere Interessen beschäftigten um diese Zeit das Haupt des Reiches.

Der Dreißigjährige Krieg

Dank der Toleranz der Stettmeister Link und Kriegelstein lockerte der Magistrat allmählich seine Strenge. Das Besteigen des kaiserlichen Throns durch Ferdinand II. 1619 veranlaßte ihn auch dazu; die Wahl dieses für seine grausamen Verfolgungen gegen die Reformierten in Böhmen bekannten Fürst war kein Anlaß, um die Geister zu beruhigen. In der Tat, nach der Niederlage des Königs von Dänemark, Christian IV., 1626 glaubte sich dieser Kaiser nicht mehr zu Zugeständnissen gezwungen; er befahl ohne weiteres dem Kolmarer Magistrat durch einen kaiserlichen Erlaß am 17. Juli 1627, zum früheren Glauben zurückzukerhen, den Katholizismus in seine alten Rechte zurückzuversetzen und in Zukunft jede Erneuerung in Religionssache zu unterbinden. Imselben Jahr kamen kaiserliche Kommissare nach Kolmar, verjagten die protestantischen Pfarrer und schlossen ihre Kirche, ersetzten die protestantischen Mitglieder des Magistrats durch glühende Katholiken und darüber hinaus varbannten alle, die die Heräsie nicht abschwören wollten.

Viele reiche und angesehene Bürger zogen es dann vor auzuwandern, als auf ihr Glauben zu verzichten; die anderen versuchten Zeit zu gewinnen, indem sie vom Kaiser um eine Verlängerung der Frist baten, die für ihre Rückkehr zum Katholizismus gesetzt worden war, sodaß die strengen Erlasse gegen sie noch nicht exekutiert worden waren, als das Eingreifen 1631 des schwedischen Königs Gustav-Adolf den Lauf des Krieges veränderte.

Die Schweden kamen 1632 ins Elsaß. Gustav Horn, einer der Heeresführer des schwedischen Königs eroberte Türkheim, Kaysersberg, Ammerschweier, Heilig-Kreuz, Münster, Rufach und befahl Kolmar, ihm seine Tore zu öffnen. Diese Stadt, die gegen Ende des 16. Jahrhundert durch den Baumeister Specklin befestigt worden war, hatte eine 800 Mann starke österreichische Garnison, die von Vernier, einem Mann großer Energie, befehligt wurde, doch sein Mut mußte angesichts der außergewöhnlichen Situation, in der sich die Stadt infolge der internen Division ihrer Einwohner befand, scheitern. In der Tat betrachteten die Protestanten die Schweden als Befreier, von denen sie die Wiedereinführung ihres Kults und ihrer Freiheiten erwarteten; sie strengten sich also an um den Einfluß des Kommandanten Vernier zu schwächen, der lautstark verkündet hatte, sich bis zum letzten Mann verteidigen zu wollen. Die Katholiken ihrerseits sahen mit Horror die Konsequenzen einer Stürmung voraus, deren Folgen unzweifelhaft sein könnten, angesichts der Verteidigungsmittel, über die man verfügte. Nachdem die Belagerer sich darauf vorbereiteten, die Stadt bombardieren zu lassen, fielen die Bürger, Katholiken und Protestanten auf die Soldaten, die sie verteidigen sollten, töteten einige und bemächtigten sich von Verniers, der nur durch die Intervention eines mutigen Bürgers gerettet wurde. Der Magistrat unterzeichnete schleunigst eine Kapitulation, laut der die Stadt Gustav Horn ausgeliefert wurde, der sofort den protestantischen Kult und dessen Vorrang im Magistrat wiederherstellte.

Nach ihrer Niederlage bei Nördlingen 1634 mußten die Schweden das Elsaß wieder verlassen; sie übergaben ihre Eroberungen den französischen Truppen. Durch den getrennten Vertrag von Rueil setzte sich Kolmar am 1. Mai 1635 unter den Schutz des französischen Königs, der der Stadt versprach, all ihre Privilegien und die freie Ausübung beider Religionen zu garantieren. Dieser Vetrrag wurde zwar 1644 erneuert, doch konnte er die Freiheiten der Stadt gegen den Despotismus Ludwigs XIV. und die Übertretungen einer Macht nicht schützen, die daran gewöhnt war, allein ihren Interessen zu folgen. Die Kolmarer sahen mit Bedauern, daß der Westfälische Frieden 1648 den Anschluß des Elsaß an Frankreich bestätigte; sie sehnten sich weiterhin nach dieser Unabhängigkeit, für die sie so lange Jahrhunderte zu kämpfen hatten. Ihr Bedauern wurde noch stärker, als Europa 1672, vor der Macht Ludwigs XIV. erschreckend, sich gegen Frankreich verbündete und der König befahl, die Befestigungen Kolmars schleifen zu lassen, damit seine Feinde die Stadt nicht zu einer ihrer Festungen machten können; die Bürger wurden entwaffnet und die Artillerie nach Breisach weggeschafft.

Französische Okkupation

Der flandrische Krieg hatte fast das ganze Elsaß erneut in die Macht der Kaiserlichen gesetzt, als Turenne sie 1675 zwischen Türkheim und Kolmar überraschte und sie dazu zwang, sich Hals über Kopf zurückzuziehen, nachdem er sie besiegt hatte.

Durch den Frieden von Rijswijck 1697 mußte Frankreich seine Eroberungen auf dem rechten Rheinufer dem Kaiser zurückgeben, der Souveräne Rat des Elsaß, der seinen erst in Breisach, dann in der kleinen Stadt Saint-Louis gehabt hatte, die auf einer Rheininsel gegenüber Neubreisach errichtet worden war, wurde 1698 nach Kolmar versetzt, das seitdem der Sitz des Oberlandesgerichts im Elsaß geblieben ist.

Bekannte, in Kolmar geborene Personen

Deutsche

Nichtdeutsche

Bildergalerie

Fußnoten

  1. Tore/Türme und Brunnen. Aus vier Jahrhunderten deutscher Vergangenheit, Verlag Langewiesche, Königstein im Taunus & Leipzig 1924 (Die Blauen Bücher)